Review: Vollblüter (Film)

Starten wir gleich mal mit einem kleinen filmischen Highlight in die neue Woche, bevor ich übermorgen dann auch mal wieder von einem eher als Totalausfall zu wertenden Streifen berichten darf. Jetzt aber erst einmal zu dem ungemein empfehlenswerten:

Vollblüter

Thoroughbreds, USA 2017, 92 Min.

Vollblüter | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Regisseur:
Cory Finley
Autor:
Cory Finley

Main-Cast:
Olivia Cooke (Amanda)
Anya Taylor-Joy (Lily)
Anton Yelchin (Tim)
in weiteren Rollen:
Paul Sparks (Mark)
Francie Swift (Cynthia)

Genre:
Krimi | Drama | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Vollblüter | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Amandas Mutter weiß sich nicht mehr anders zu helfen, als deren frühere Freundin Lily gar dafür zu bezahlen, dass sie Amanda zu einem Lerntreffen einlädt. Dumm nur, dass Amanda nicht auf den Kopf gefallen ist und das Spiel sofort durchschaut, während Lily noch immer die Unschuld vom Lande mimt. Trotz dieses forcierten Treffens nähern sich die beide dennoch an und Lily erfährt, dass Amanda nicht imstande ist, irgendetwas zu fühlen, während Lily ein ums andere Mal an ihren Emotionen regelrecht zu ersticken droht, denn insbesondere ihr Stiefvater Mark ist ihr ein echter Dorn im Auge, nicht erst, seit er plant, sie auf ein Internat abzuschieben. Während die Mädchen immer häufiger Zeit miteinander verbringen und von ihrer gegensätzlichen Art fasziniert sind, reift in ihnen eine aberwitzige wie abgründige Idee. Im Übermut der Gedankenspielerei entwerfen die beiden einen Plan, den Drogendealer Tim dazu zu bringen, Mark zu ermorden, während sie beide sich um wasserdichte Alibis bemühen…

Rezension:

Ursprünglich stand Vollblüter ja lediglich auf meiner Wunschliste, da es sich um eine der letzten Rollen von Anton Yelchin handelt, der im Juni 2016 viel zu früh von uns gegangen ist, doch davon abgesehen vermag dieser ungewöhnliche wie lohnenswerte Film zum Glück noch einiges mehr aufzubieten, der ihn zumindest für ein ausgesuchtes Publikum interessant machen dürfte. So schrieb Cory Finley – der hier gleichsam sein Regie-Debüt gibt – den Film ursprünglich als Theaterstück, was man dem Endprodukt tatsächlich auch noch an vielerlei Stelle ansieht, denn das Spektrum handelnder Figuren lässt sich quasi an einer Hand abzählen, während auch die eingesetzten Settings auffallend reduziert daherkommen, so dass sich ein Großteil des Films in dem opulenten Anwesen der Eltern von Lily abspielt, das in seiner exklusiven wie makellosen Form beinahe selbst eine Rolle zu spielen scheint und den kühlen wie unnahbaren Touch des Geschehens noch unterstreicht.

Szenenbild aus Vollblüter | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Gefühlskälte ist in vielerlei Hinsicht ohnehin eines der Kernmotive des Films, was sich am offensivsten darin äußert, dass Hauptfigur Amanda selbst zu Protokoll gibt, nichts fühlen zu können und sich stets fühlt wie eine engagierte wie talentierte Darstellerin, wenn es darum geht, menschliche Emotionen vorzutäuschen. Lily hingegen präsentiert sich zunächst als klarer Gegenentwurf zu diesem interessanten Konzept, doch während sie freilich zu Fühlen imstande ist, müht sie sich redlich, diese gleichsam unter Kontrolle und Verschluss zu halten, auf dass nichts ihre Contenance trüben möge, auch wenn ihr das weit weniger gut gelingt, als es ihr lieb sein dürfte. Durch die reduzierten Gefühle, das reduzierte Setting, ja selbst den reduzierten Plot ist Vollblüter in seiner Inszenierung aber auch recht eigen und dabei dialoglastig, doch gerade aus den oft zunächst trivial erscheinenden Unterhaltungen der beiden jungen Frauen erwächst tatsächlich auch die tiefe Faszination, die dieser Film entfaltet, wenn man sich auf seine ungewöhnliche Herangehensweise bereitwillig einlässt.

Entsprechend würde man zunächst meinen, Lily und Amanda hätten – abgesehen von ihrer Jahre zurückliegenden Freundschaft – absolut nichts miteinander gemein, doch findet im Verlauf des vier Kapitel umfassenden Films eine merkliche Annäherung der beiden statt, die zunehmend voneinander fasziniert zu sein scheinen und in letzter Konsequenz gemeinsam einen perfiden Plan aushecken, um Lilys Stiefvater umzubringen beziehungsweise umbringen zu lassen. Als Stiefvater tritt dabei Paul Sparks (Boardwalk Empire) in Erscheinung und macht dahingehend eine großartige Figur, dass man einerseits Lily und ihren Hass auf den Mann unbedingt nachvollziehen kann, andererseits von einer objektiveren Warte aus attestieren muss, dass er sich nichts wirklich Verwerfliches zuschulden kommen lässt, auch wenn er nicht der sympathischste Zeitgenosse sein mag. Demgegenüber spielt Anton Yelchin (Green Room) als ambitionierter Drogendealer Tim eine sowohl weitaus profaner als auch kleiner angelegte Rolle, die er sich zwar in gewohnter Manier zu eigen macht, dabei aber deutlich weniger auffallende Akzente setzt.

Szenenbild aus Vollblüter | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Nach Sichtung des Films kann ich nun aber auch unterstreichen, dass es Yelchins Beteiligung gar nicht bedurft hätte, denn die beiden Hauptattraktionen von Vollblüter stellen natürlich Olivia Cooke (Ready Player One) und Anya Taylor-Joy (Split) dar, die nicht nur in ihren jeweiligen Rollen, sondern vor allem im konträr ausgelegten Zusammenspiel zu überzeugen wissen. Diese stellen hier im übertragenen Sinne die namensgebenden "Vollblüter", die besonders erhabenen Vertreter ihrer Spezies dar, auch wenn dies überwiegend auf ihrer Selbstwahrnehmung und -einschätzung beruht, gleichwohl sie beide aus besserem Hause stammen. Dabei bedient und verfolgt Finleys Film gerade unter diesem Gesichtspunkt einige wirklich beißend satirische und höchst unterhaltsame Ansätze, doch begeht man einen Fehler, sich diesen Film in Erwartung einer Komödie anzusehen, denn der ist weit mehr bitterböses wie ungewöhnliches Charakterdrama mit morbider Note, was zwar ebenfalls in vielerlei Hinsicht witzig ist, jedoch einen eher speziellen und eigenwilligen Humor bedient. Lohnenswert ist das hier gezeigte, lustvoll wie abgründig inszenierte Treiben dennoch ohne Frage, zumal fernab der doch ziemlich stringent verlaufenden Handlung trotzdem noch das Ende nachzuhallen versteht, während man bis dahin gleich zwei hochspannende Psychogramme präsentiert bekommt, denen Cooke und Taylor-Joy mit nuancierter Mimik Ausdruck zu verleihen wissen.

Fazit & Wertung:

Mit Vollblüter gelingt Cory Finley ein gleichermaßen eigenwilliges wie vielversprechendes Regie-Debüt, für dessen Skript er ebenfalls verantwortlich gezeichnet hat. Und fernab sowie unabhängig von der reduzierten, oftmals regelrecht unterkühlten Darreichungsform brillieren sowohl Olivia Cooke als auch Anya Taylor-Joy in zwei konträr angelegten, sich zunehmend überlappenden Rollen, die gehörige Faszination zu verströmen wissen und in vielerlei Hinsicht eine diebische Freude bereiten.

8,5 von 10 zunehmend abgründiger werdenden Gedankenspielen

Vollblüter

  • Zunehmend abgründiger werdende Gedankenspiele - 8.5/10
    8.5/10

Fazit & Wertung:

Mit Vollblüter gelingt Cory Finley ein gleichermaßen eigenwilliges wie vielversprechendes Regie-Debüt, für dessen Skript er ebenfalls verantwortlich gezeichnet hat. Und fernab sowie unabhängig von der reduzierten, oftmals regelrecht unterkühlten Darreichungsform brillieren sowohl Olivia Cooke als auch Anya Taylor-Joy in zwei konträr angelegten, sich zunehmend überlappenden Rollen, die gehörige Faszination zu verströmen wissen und in vielerlei Hinsicht eine diebische Freude bereiten.

8.5/10
Leser-Wertung 8/10 (1 Stimme)
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Vollblüter ist am 13.12.18 auf DVD und Blu-ray bei Universal Pictures erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

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