Review: V-Wars | Staffel 1 (Serie)

Auch in punkto Serien wird es noch mal stressig zum Jahresende, denn während diese hier meine Erwartungen nun eher nicht erfüllen konnte, ist seit gestern wieder eine Staffel verfügbar, auf die ich mich rasend gefreut habe, aber jetzt geht es erst einmal um die sich anbahnenden Vampirkriege.

V-Wars
Staffel 1

V-Wars, USA 2019-, ca. 43 Min. je Folge

V-Wars | © Netflix
© Netflix

Serienschöpfer:
William Laurin
Glenn Davis
Jonathan Maberry (Comic- & Buch-Vorlagen)
Showrunner:
William Laurin
Glenn Davis

Main-Cast:
Ian Somerhalder (Dr. Luther Swann)
Adrian Holmes (Michael Fayne)
Jacky Lai (Kaylee Vo)
Kyle Breitkopf (Desmond Swann)
Sydney Meyer (Ava O’Malley)
Kimberly-Sue Murray (Danika Dubov)
Peter Outerbridge (Calix Niklos)
in weiteren Rollen:
Laura Vandervoort (Mila Dubov)
Nikki Reed (Rachel Thompson)
Greg Bryk (Bobby)
Michael Greyeyes (Jimmy Saint)
Samantha Cole (Teresa Tangorra)
Teddy Moynihan (Jergen Weber)
Kandyse McClure (Claire O’Hagan)
Emmanuel Kabongo (Jack Fields)
Laura de Carteret (Senator Sasha Giroux)
Ted Atherton (Senator Smythe)
Jonathan Higgins (General William May)

Genre:
Science-Fiction | Horror | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus V-Wars | © Netflix
© Netflix

Dr. Luther Swann und sein bester Freund Michael Fayne werden in die Arktis entsandt und kommen dort unfreiwillig in Kontakt mit einem durch die Polkappenschmelze freigelegten Virus. Beide werden unter Quarantäne gestellt, doch während Swann sich zu erholen scheint, beginnt Fayne sich zu verwandeln und gilt alsbald als Patient Null einer dem Vampirismus nicht unähnlichen Seuche, die – nicht nur dadurch, dass Fayne schlussendlich aus dem Gewahrsam entkommt – alsbald rasant um sich greift. Während Regierungsvertreter prompt teils drastische Pläne entwerfen, die Seuche einzudämmen, setzt sich Dr. Swann dafür ein, ein Heilmittel zu finden. Schnell machen aber die ersten Schreckensmeldungen die Runde und die Öffentlichkeit gerät in Aufruhr, derweil Fayne als Serienmörder gesucht wird. Swann versucht zwar, Kontakt zu ihm aufzunehmen und zu vermitteln, doch deutet schnell alles darauf hin, dass der Konflikt zwischen Mensch und Vampir auf eine blutige Fehde hinauslaufen wird…

Rezension:

Lange Zeit hat man herzlich wenig erfahren zu der angekündigten Netflix-Serie V-Wars und plötzlich stand dann vergangene Woche nach kurzfristiger Vorankündigung die erste Staffel bereit. Nun hatte ich ja einen gewissen Wissensvorsprung durch meine Lektüre des anlässlich der Serie veröffentlichten Anthologie-Bandes V-Wars – Die Vampirkriege und stand vielleicht gerade deswegen der Serie zwar mit Neugierde und Interesse, aber auch einer gesunden Portion Skepsis gegenüber. Denn einerseits wird zwar damit geworben, die Serie sei deshalb so einzigartig, weil sie den Ursprung der Vampire in einem Pathogen verortet und die romantisierte Vorstellung elitärer Geheimbünde und Jahrhunderte währender Pakte und Blutfehden außen vor lässt, doch andererseits ist es in Bezug auf die Vorlage eben weit mehr der Anthologie-Gedanke und die damit einhergehende Vielschichtigkeit nebst Abwechslungsreichtum, die die Geschichten lohnenswert machen. Denn so innovativ, Vampirismus als Krankheit und Seuche zu verkaufen, ist der Ansatz mitnichten und letztlich machen sich die Blutsauger damit landläufigen Infizierten gemein, wie man sie in einschlägigen Schockern schon dutzende Male erlebt hat.

Szenenbild aus V-Wars | © Netflix
© Netflix

Nun mussten also reichlich dramaturgische Anpassungen vorgenommen werden, um die nur lose verknüpften Geschichten irgendwie sinnvoll unter einen Hut zu bringen und ich muss gestehen, dass es wohl weit innovativer gewesen wäre, wenn man die einzelnen Storys genommen hätte und sie – ebenfalls nur lose verknüpft – in je ein bis zwei Episoden abgehandelt hätte, statt aus der fragmentarischen aber üppigen Vorlage ein handelsübliches Thriller-Drama mit Gore-Elementen zu zimmern. Das beginnt dann leider schon mit Ian Somerhalder (The Vampire Diaries) als Hauptfigur Dr. Luther Swann, den ich bereits im Buch habe kennenlernen dürfen, der hier aber doch deutlich aktiver, mutiger, schlagkräftiger in Szene gesetzt wird – ganz der Held eben, den eine solche Story anscheinend zu brauchen meint. So sehr ich aber Somerhalder mag, mag ich ihm den genialen Mediziner kaum abnehmen und dass der eine Koryphäe auf seinem Gebiet sein soll, bleibt die meiste Zeit nur pure Behauptung. Ihm gegenüber steht der weil Adrian Holmes als Michael Fayne, der quasi binnen weniger Minuten innerhalb der Pilot-Episode zum Patient Null der neuen Vampir-Epidemie wird. Auch hier schreit alles wieder lauthals, es würde sich um die Geschichte der ungleichen Freundschaft der beiden handeln, doch bemerkt man davon im Verlauf der zehnteiligen Staffel herzlich wenig, denn auch wenn die beiden alle paar Episoden mal ihre Wege kreuzen, agieren sie doch die meiste Zeit autark, zumal die Freundschaft kaum entwickelt wird, bevor sie ob der neuen Lage in gehörige Schieflage gerät.

Von einem objektiven Standpunkt aus betrachtet verstehe ich derweil, weshalb man aus Swann und Fayne hier Freunde gemacht hat – originär eint sie lediglich ein klassisches Arzt-Patient-Verhältnis und Fayne ist mäßig erfolgreicher Schauspieler, der nicht weiß, wie ihm geschieht – doch wenn man so etwas schon ändert und auf die eigenen Bedürfnisse umschreibt, sollte man aus dem Ansatz auch etwas machen, was hier leider kaum der Fall ist. Ansonsten pflückt man sich durchaus einige der in V-Wars – Die Vampirkriege enthaltenen Geschichten heraus, doch wer die Vorlage nicht kennt, wird die Sinnhaftigkeit dessen infrage stellen, zumal solcherlei Subplots dann auch gerne mittendrin fallen gelassen und nicht weiter verfolgt werden, was sich speziell bei der Biker-Gang negativ bemerkbar macht, doch ist eben alles darauf gemünzt, dass die zahlreichen eingeführten Figuren über kurz oder lang aufeinander treffen oder alternativ das Zeitliche segnen. So kommt es dann auch, dass der wackere Dr. Swann überall mitzumischen hat, der einzige Mediziner ist, der Hoffnung auf Heilung verspricht und selbst bei militärischen Einsätzen mitgeschickt wird, weil Feldforschung ja wichtig ist, nur um irgendwie alles und jedes miteinander zu verknüpfen, was sicherlich auch deutlich eleganter hätte vonstatten gehen können. Es ist jetzt zwar auch nicht so, dass man sich V-Wars nicht ansehen könnte, doch in dem Bestreben, aus einer Anthologie eine fortlaufende Serie zu machen, hat man sich dann doch schon sehr von beispielsweise The Strain oder Helix inspirieren lassen, derweil im Übrigen der gesamte Look der Serie tatsächlich sehr an eine gering budgetierte SyFy-Produktion erinnert, ohne deren selbstironischen Trash-Appeal zu erreichen.

Szenenbild aus V-Wars | © Netflix
© Netflix

So wirken leider ausgerechnet und insbesondere die Vampire in ihrer Darstellung ausgemacht billig und ruinieren dadurch so manchen Schockmoment, während man das Ganze mit ein wenig Blut und Gekröse zu übertünchen versucht, was aber freilich auch kein Allheilmittel darstellt, um mittelprächtiges Produktionsdesign aufzuwerten. So kann ich mich zwar rühmen, die in Summe rund sieben Stunden umfassende erste Staffel an zwei Abenden durchgeschaut zu haben, doch so richtig zu packen wusste sie mich eigentlich selten, zumal das Storytelling wahlweise zu sprunghaft und gehetzt, andererseits regelrecht behäbig wirkt. Und wenn man sich schon damit brüstet, sich dem Vampirismus-thema von einer (pseudo-)wissenschaftlichen Warte aus zu nähern, sollte man doch mehr darauf achten, Plot-Holes und logische Aussetzer zu vermeiden, derweil die Dialoge an sich wohl auch keine Eloquenz-Preise gewinnen werden. In Summe sind dann leider weder Cast noch Look, Effekte oder Storytelling so richtig überzeugend und gemessen an dem Übermaß an Serien-Produktionen und den einschlägigen Alternativen kann man V-Wars als ambitioniertes, aber gescheitertes Experiment betrachten, das doch sehr mit der heißen Nadel gestrickt wirkt und an vielen Stellen die nötige Sorgfalt missen lässt. Zuletzt – und das hatte ich auch schon beim Buch kritisiert – lassen die namensgebenden Vampirkriege verdammt lang auf sich warten und zeichnen sich höchstens gegen Ende der Staffel am Horizont ab, derweil man es bis dahin mehr mit kleinen Geplänkeln und Auseinandersetzungen zu tun hat, welche die Annahme einer vermeintlich globalen Bedrohung gehörig Lügen strafen.

Fazit & Wertung:

Die Netflix-Produktion V-Wars gibt sich den Anstrich eines hochbudgetierten und vielschichtigen Vampir-Thrillers mit neuem Kniff, krankt aber in der ersten Staffel sowohl an mäßig überzeugenden Effekten wie auch einem eher generischen und oft überkonstruiert wirkenden Storytelling, das die Vorlage seitens Jonathan Maberry gehörig hat zurechtbiegen müssen. Sicherlich kein Totalausfall an Serie, aber auch nichts, was die zuvor geschürte Vorfreude rechtfertigen würde.

6,5 von 10 nach Blut dürstenden Vampiren

V-Wars | Staffel 1

  • Nach Blut dürstende Vampire - 6.5/10
    6.5/10

Fazit & Wertung:

Die Netflix-Produktion V-Wars gibt sich den Anstrich eines hochbudgetierten und vielschichtigen Vampir-Thrillers mit neuem Kniff, krankt aber in der ersten Staffel sowohl an mäßig überzeugenden Effekten wie auch einem eher generischen und oft überkonstruiert wirkenden Storytelling, das die Vorlage seitens Jonathan Maberry gehörig hat zurechtbiegen müssen. Sicherlich kein Totalausfall an Serie, aber auch nichts, was die zuvor geschürte Vorfreude rechtfertigen würde.

6.5/10
Leser-Wertung 0/10 (1 Stimme)
Sende

Episodenübersicht: Staffel 1

01. Erkrankt (6/10)
02. Blutsbrüder (6/10)
03. Weil ich beim Tod nicht halten konnt (6/10)
04. So böse wie ich (7/10)
05. Eiszeit (6,5/10)
06. Ein Leben ist nicht genug (6/10)
07. Gefangen im Dunkel der Nacht (5,5/10)
08. Roter Regen (6/10)
09. Das Prädatoren-Gen im Blut (7/10)
10. Blutig, doch ungebrochen (6,5/10)

 
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V-Wars | Staffel 1 ist seit dem 05.12.19 exklusiv bei Netflix verfügbar.

vgw

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Eine Reaktion

  1. Ingo Schulze 22. Dezember 2019

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