Review: Begabt – Die Gleichung eines Lebens (Film)

Heute gibt es kurzerhand die Film-Kritik für nächste Woche Dienstag, weil ich irgendwie verpeilt habe, den ursprünglich für heute geplanten Artikel bis ins Detail zur Veröffentlichung vorzubereiten. Manchmal doch ganz praktisch, wenn man mit ein wenig Vorlauf Artikel "produziert".

Begabt
Die Gleichung eines Lebens

Gifted, USA 2017, 101 Min.

Begabt - Die Gleichung eines Lebens | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Regisseur:
Marc Webb
Autor:
Tom Flynn

Main-Cast:

Chris Evans (Frank Adler)
Mckenna Grace (Mary Adler)
Lindsay Duncan (Evelyn Adler)
Jenny Slate (Bonnie Stevenson)
Octavia Spencer (Roberta Taylor)

Genre:
Drama

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Begabt - Die Gleichung eines Lebens | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Nach dem Tod seiner Schwester hat Frank Adler zugunsten ihrer Tochter seinen Job als Philosophieprofessor aufgegeben, um sich aufopferungsvoll um die mittlerweile siebenjährige Mary kümmern zu können. Bereits am ersten Schultag allerdings wird den Lehrern schnell klar, dass Mary über außergewöhnliches Talent verfügt, was sich vorrangig in ihrem beispiellosen Zahlenverständnis niederschlägt, wie es auch schon bei ihrer Mutter, einer renommierten Mathematikerin, der Fall gewesen ist. Die Vorschläge, Mary auf einer Schule für Hochbegabte unterzubringen, schmettert Frank allerdings ihr zuliebe ab und will, dass das Kind eine sorgenfreie, eine "normale" Kindheit erlebt. Ganz anders sieht das derweil Marys Großmutter Evelyn, die darauf drängt, die Fähigkeiten des Kindes unbedingt zu fördern. Was zunächst aber nur Streitereien und Uneinigkeit nach sich zieht, landet allerdings bald vor Gericht, als Evelyn sich nicht mehr anders zu helfen weiß, als selbst das Sorgerecht für Mary zu beantragen, um ihr die Art Bildung zukommen zu lassen, die sie für richtig hält. Frank kämpft nach Kräften dafür, Mary bei sich behalten zu können, sieht sich aber auch zunehmend mit der Frage konfrontiert, ob es denn auch wirklich das Beste für das Kind ist oder ob er nur fürchtet, sie könne in eine ähnliche Lage geraten wie ihre Mutter zuvor, die sich schlussendlich das Leben nahm…

Rezension:

Zugegeben, ich wusste nicht viel über Begabt – Die Gleichung eines Lebens, bevor ich mich zum Kauf entschlossen hatte und im Grunde war es einzig Chris Evans, der mich fernab seiner Paraderolle als Captain America ja schon in ähnlich gelagerten Filmen wie Playing It Cool oder seinem Regie-Debüt Before We Go zu überzeugen gewusst hat und hier nun ausschlaggebend für mein Interesse an dem Film gewesen ist. Nicht minder ausschlaggebend, aber mir zu dem Zeitpunkt noch nicht bekannt gewesen, ist, dass niemand Anderes als Marc Webb hier Regie geführt hat, der nach seinen zwei Superheldenfilmen The Amazing Spider-Man nun wieder mehr in Richtung seines vielbeachteten und von mir heiß und innig geliebten (500) Days of Summer geht, auch wenn die Filme natürlich wenig miteinander gemein haben. Überhaupt handelt es sich hier in keiner Weise um romantische Komödie oder dergleichen, sondern vielmehr ein Familien-Drama mit komödiantischen Einschüben, das aber emotional gehörig abzuholen versteht. Die Prämisse und die daraus resultierende Story mögen zwar nicht umwerfend neu sein, doch macht das Webbs Film spielend mit seinem bestens aufgelegten Cast und vor allem einer herausragenden Mckenna Grace wett, die hier die hochbegabte Mary verkörpern darf, um deren Wohl und Wehe die Handlung kreist.

Szenenbild aus Begabt - Die Gleichung eines Lebens | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

An ihrer Seite als aufopfernder Ziehvater Frank hat Chris Evans den deutlich leichteren Part, dient aber sicherlich nicht nur als Zuschauermagnet, sondern überzeugt gleichsam mit Charme und Natürlichkeit, denn gerade die Authentizität der Chemie zwischen Frank und Mary ist es, die sicherlich zu großen Teilen darüber entscheidet, ob Begabt in letzter Konsequenz überzeugt. Ihnen zur Seite steht derweil zudem noch Octavia Spencer (The Help), die als liebenswerte Nachbarin und Gelegenheits-Babysitterin ebenfalls alle Sympathien auf ihrer Seite hat. Schnell könnte man nun befürchten, Webbs Film drifte in Richtung Kitsch und Heile-Welt-Getue ab, doch während man noch über Marys entwaffnende Intelligenz schmunzelt, die in ihrer Schule natürlich für reichlich Irritation und Verunsicherung führt, zeichnen sich die ersten Schatten am Horizont ab, wenn ihre Großmutter Evelyn (Lindsay Duncan, A Discovery of Witches) sich dafür einzusetzen beginnt, Marys Talent entsprechend zu fördern und in letzter Konsequenz einen Sorgerechtsstreit vom Zaun bricht.

Und dieser Keil, den Evelyn zwischen Frank und Mary zu treiben versucht, geht einem wirklich zu Herzen, wonach sich wieder belegen lässt, wie glaubhaft die Vater-Tochter-Beziehung geraten ist, ungeachtet dessen, dass Evans auch im Film schließlich nicht ihr richtiger Vater ist, was dann auch die Angriffsfläche bietet, ihm die Erziehung streitig zu machen. Im weiteren Verlauf allerdings verliert der Film ein wenig dahingehend, dass Mary zunehmend abgekapselt und von Frank ferngehalten wird, was zwar dramatisch sein mag, Begabt aber zeitweilig seiner größten Stärke beraubt, denn so sehr ich Evans mag, ist es hier doch Grace, die begeistert und mitreißt. Darüber hinaus versäumt Regisseur Webb – oder besser Tom Lynn als verantwortlicher Drehbuchautor – leider die Chance, die unterschiedlichen Warten und Sichtweisen hinsichtlich Marys Erziehung und Talentförderung deutlicher herauszuarbeiten, denn auch wenn die Standpunkte bekannt und nachvollziehbar sein mögen, wird hier doch zugunsten eines klaren Feindbildes tendenziell auf Schwarz-Weiß-Zeichnung gesetzt, um die überambitionierte Evelyn quasi als Antagonistin einsetzen zu können.

Szenenbild aus Begabt - Die Gleichung eines Lebens | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Trotz des verschenkten Potentials aber ist Begabt in der Summe noch immer ein uneingeschränkt empfehlenswerter und zu Herzen gehender Film, der völlig zu Unrecht ziemlich unter dem Radar geblieben ist, gleichwohl es schade ist um die verschenkten Chancen, da er einfach noch viel mehr hätte sein können. So bleiben viele der dramatischen bis tragischen Versatzstücke dem Gefühl nach in ihren Ansätzen stecken und die Rollenverteilung plakativ, doch verkommt Webbs Film zumindest nicht zum sentimentalen Rührstück und hat von seiner Besetzung über die stringente Inszenierung bis hin zum leichtfüßigen Humor mit einer gehörigen Prise Gefühl auch einiges an Stärken für sich zu verbuchen, die mühelos ausreichen, um für eine Sichtung dieses zu Herzen gehenden Familien-Dramas zu plädieren.

Fazit & Wertung:

Der von Marc Webb inszenierte Begabt – Die Gleichung eines Lebens mag zuweilen ein wenig plakativ und oberflächlich geraten sein, punktet aber dafür umso mehr mit entwaffnendem Charme und Witz sowie einer beispiellosen Chemie zwischen Chris Evans und Mckenna Grace, die hier ein Familiengespann repräsentieren. Deren Schicksal geht gehörig zu Herzen und lässt auch einiges an dramaturgischen Schwächen verzeihen.

7,5 von 10 Anzeichen immenser Hochbegabung

Begabt – Die Gleichung eines Lebens

  • Anzeichen immenser Hochbegabung - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Der von Marc Webb inszenierte Begabt – Die Gleichung eines Lebens mag zuweilen ein wenig plakativ und oberflächlich geraten sein, punktet aber dafür umso mehr mit entwaffnendem Charme und Witz sowie einer beispiellosen Chemie zwischen Chris Evans und Mckenna Grace, die hier ein Familiengespann repräsentieren. Deren Schicksal geht gehörig zu Herzen und lässt auch einiges an dramaturgischen Schwächen verzeihen.

7.5/10
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Begabt – Die Gleichung eines Lebens ist am 09.11.17 auf DVD und Blu-ray bei Twentieth Century Fox erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

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