Review: Vice – Der zweite Mann (Film)

Wie gewohnt zum Wochenende komme ich mit einem eher aktuellen Werk daher, dass heute Thema meiner Besprechung sein soll, doch wie oft nur angedacht handelt es sich dabei gleichsam um ein richtiges Highlight (in meinen Augen) und warum, versuche ich nachfolgend zu begründen.

Vice
Der zweite Mann

Vice, USA 2018, 132 Min.

Vice - Der zweite Mann | © Universum Film
© Universum Film

Regisseur:
Adam McKay
Autor:
Adam McKay

Main-Cast:
Christian Bale (Dick Cheney)
Amy Adams (Lynne Cheney)
Steve Carell (Donald Rumsfeld)
Sam Rockwell (George W. Bush)
Tyler Perry (Colin Powell)
in weiteren Rollen:
Alison Pill (Mary Cheney)
Lily Rabe (Liz Cheney)
Eddie Marsan (Paul Wolfowitz)
Justin Kirk (Scooter Libby)
LisaGay Hamilton (Condoleezza Rice)
Jesse Plemons (Kurt)

Genre:
Biografie | Satire | Komödie | Drama

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Vice - Der zweite Mann | © Universum Film
© Universum Film

Nachdem der stetig saufende, jüngst aus Yale geflogene und sich seither mit Gelegenheitsjobs über Wasser haltende Dick Cheney einmal mehr mit dem Gesetz in Konflikt geraten ist, stellt seine Frau Lynne ihn vor die Wahl, entweder endlich etwas aus seinem Leben zu machen oder sich schon einmal gedanklich auf ihre Scheidung vorzubereiten. Der Groschen scheint gefallen und Cheney begibt sich nach Washington und wird dort alsbald Praktikant beim Kabinettsmitglied Donald Rumsfeld, der schnell mit einigen Vorstellungen seitens Cheney aufräumt, wie Politik in Amerika funktioniere. Nachdem Dick aber erst einmal das System durchschaut hat, markiert dies den Beginn eines regelrecht kometenhaften Aufstieges, in dem er nicht nur zunehmend skrupellos seine Kontrahenten ausbotet, sondern es letztlich bis zum Verteidigungsminister unter George Bush Sr. bringt. Zum Ende der Amtszeit von Bush Sr. zieht sich Cheney zwar zunächst in die Privatwirtschaft zurück, doch dann klingelt das Telefon und George W. Bush bittet ihn, als Vizepräsidentschaftskandidat anzutreten…

Rezension:

Meine Erfahrung mit Vice – Der zweite Mann lässt sich in etwa wie folgt zusammenfassen: Gekommen wegen Christian Bale, geblieben wegen Adam McKay. Denn nachdem die beiden (plus der Rest der Belegschaft und Besetzung) mich schon mit The Big Short begeistert haben, legt McKay in Sachen Inszenierung hier noch einmal eine ordentliche Schippe drauf und erzählt eine zutiefst zynische, manches Mal beißend satirische Geschichte, die sich eben Dick Cheney widmet, von dem ich zugegebenermaßen im Vorfeld nicht viel wusste, wobei das eben auch eines der Themen im Film darstellt, dass er auf perfideste und cleverste Art und Weise ein im Verborgenen befindliches Machtgefüge hochgezogen hat, von dem die Bevölkerung nicht einmal etwas geahnt haben dürfte. Aufgrund meiner vorherigen Unkenntnis würde ich nun auch sicherlich nicht alles auf die Goldwaage legen, noch für bare Münze nehmen, was der Film zu vermitteln versucht und beschränke mich folglich auf die filmischen und inszenatorischen Qualitäten, derer der Film aber mehr als nur einige zu bieten hat. Nichtsdestotrotz wird es aber natürlich auch ein Biopic sein, dass die Gemüter spaltet, in Amerika noch weit mehr als hierzulande, denn ob man das Werk über den grünen Klee loben oder verabscheuen möchte, hängt sicherlich zu großen Teilen davon ab, ob die eigenen Sympathien mehr bei den Republikanern oder den Demokraten liegt.

Szenenbild aus Vice - Der zweite Mann | © Universum Film
© Universum Film

In dieser Hinsicht kann man natürlich als deutscher Zuschauer noch vergleichsweise unbefangen an die Sache herangehen, doch schadet es nicht zu erwähnen, dass ich als amerikanischer Staatsbürger auf alle Fälle auf Seiten der Demokraten anzutreffen wäre, nur um mal eine Zuordnung zu haben. Ansonsten beginnt und gibt sich Vice zunächst wie ein typisches Biopic, wie man es schon dutzende Male gesehen haben mag, doch von den Restriktionen des Genres spielt sich McKay tatsächlich in Windeseile frei und garniert seine Story zunächst mit einem unbekannten Erzähler aus dem Off – dessen Verbindung zu Cheneys Leben gleichermaßen spät wie überraschend offengelegt wird, liefert zunehmend häufiger Einsprengsel an Bildern und Archivaufnahmen und scheut schlussendlich nicht davor zurück, auch gänzlich fiktive Dialoge, einen vermeintlichen Filmabspann und gar einen Shakespeare’schen Wortwechsel in seine Handlung zu weben, um nur einige der Ansätze zu nennen, denen er sich in dieser Ausgestaltung eines Lebens widmet. Dabei scheint Christian Bale nur auf den allerersten Blick eine nicht gerade naheliegende Wahl für die Verkörperung des Vizepräsidenten zu sein, doch wer seine seit The Machinist berühmten Verwandlungstiraden nur ein wenig verfolgt hat, dürfte kaum Zweifel daran haben, dass er auch an dieser Aufgabe nicht scheitern wird, zumal er sich ja schon für American Hustle eine veritable Wampe angefuttert hat.

Und tatsächlich geht Bale in der Rolle glänzend auf, verschwindet hinter der Fassade seines irritierenden Äußeren beinahe gänzlich, wird bei all den Taten seiner Figur aber auch nicht rundweg verteufelt, wie man es vermuten oder annehmen könnte, auch wenn McKay natürlich eine ziemlich eindeutige Position bezieht und daraus auch keinen Hehl macht. Doch so sehr Vice auch auf den Fähigkeiten und der Hingabe von Bale und McKay fußt, verlässt man sich mitnichten allein darauf und Amy Adams (Arrival) allein als Cheneys Frau Lynne liefert eine nicht minder begeisternde Vorstellung ab, zumal sie mehr als einmal treibende Kraft hinter den politischen Bemühungen ihres Mannes war und dessen erste Wahl quasi im Alleingang für ihn gewonnen hat, nachdem ihm schlichtweg das Charisma und die Überzeugung gefehlt haben, die Wählerschaft für sich zu begeistern. Überhaupt aber wirkt vieles von dem, was sich hier zuträgt und geschildert wird so absurd und aberwitzig, dass man sich manches Mal daran erinnern muss, es zumindest in Grundzügen mit einer wahren Geschichte zu tun zu haben, denn ausdenken wäre einfach naheliegender, als dass das alles wirklich so geschehen sein soll.

Szenenbild aus Vice - Der zweite Mann | © Universum Film
© Universum Film

Entsprechend wirken auch Steve Carell (Battle of the Sexes) und Sam Rockwell (Three Billboards Outside Ebbing, Missouri) in ihren Rollen als Donald Rumsfeld und George W. Bush mehr wie überspitzte Karikaturen denn echte Menschen, doch speziell im Falle von Bush kann man ja selbst als Nicht-Amerikaner attestieren, dass Rockwell ihn in seiner Art schon ziemlich gut getroffen hat. So gelingt McKay (der einmal mehr auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnete) insbesondere mithilfe seines Ausnahme-Ensembles eine seltene Gratwanderung und schafft es, dass einem minütlich der Mund offen stehen bleibt, ob vor Staunen oder Schrecken, sei einmal dahingestellt, während augenzwinkernder Humor und beißende Satire sich ein ums andere Mal die Klinke in die Hand geben und man wirklich nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll, bei dem, was hier auf der Leinwand zum Besten gegeben wird. In den ersten Momenten nach dem Film war ich entsprechend auch kurz geneigt, die Höchstpunktzahl zu vergeben und nur kleinere dramaturgische Schwächen haben mich letztlich davon abgehalten, denn auch ein über zwei Stunden dauerndes Biopic reicht freilich nicht aus, ein halbes Leben zu umreißen und so wirken manche Nebenhandlungen und Subplots doch sehr stiefmütterlich behandelt, während Vice sich in seiner politischen Eindeutigkeit natürlich sehr angreifbar macht durch das konkurrierende Lager, was ihm immerhin selbst bewusst ist, wie eine Mid-Credit-Scene erkennen lässt, die allerdings nach diesem durchweg clever und hellsichtig inszenierten Reigen irritierend plump daherkommt. Entgehen lassen sollte man sich diesen Film trotz genannter Mini-Schwächen aber dennoch auf gar keinen Fall.

Fazit & Wertung:

Mit Vice – Der zweite Mann liefert Adam McKay weit mehr als nur ein sehenswertes Biopic, sondern gleichsam eine beißend satirische Abrechnung mit dem amerikanischen Polit-System, bei der einem das Lachen manches Mal im Halse steckenbleiben dürfte. Darüber hinaus brilliert aber nicht nur Christian Bale in der Rolle des Vize-Präsidenten Cheney, sondern wird von einem ausnahmslos hochkarätigen Cast begleitet, der sich sehen lassen kann. Republikanische Hardliner dürften diesen Film zwar verteufeln, doch ansonsten sollte sich niemand dieses ungemein außergewöhnliche Werk entgehen lassen.

9,5 von 10 politischen Einflussnahmen

Vice – Der zweite Mann

  • Politische Einflussnahmen - 9.5/10
    9.5/10

Fazit & Wertung:

Mit Vice – Der zweite Mann liefert Adam McKay weit mehr als nur ein sehenswertes Biopic, sondern gleichsam eine beißend satirische Abrechnung mit dem amerikanischen Polit-System, bei der einem das Lachen manches Mal im Halse steckenbleiben dürfte. Darüber hinaus brilliert aber nicht nur Christian Bale in der Rolle des Vize-Präsidenten Cheney, sondern wird von einem ausnahmslos hochkarätigen Cast begleitet, der sich sehen lassen kann. Republikanische Hardliner dürften diesen Film zwar verteufeln, doch ansonsten sollte sich niemand dieses ungemein außergewöhnliche Werk entgehen lassen.

9.5/10
Leser-Wertung 8/10 (1 Stimme)
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Vice – Der zweite Mann ist am 28.06.19 auf DVD und Blu-ray bei Universum Film erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

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vgw

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