Review: Cursed – Die Auserwählte | Thomas Wheeler (Buch)

Heute widme ich mich dann mal der Buch-Vorlage zu einer baldig startenden Netflix-Serie, von der ich zwar noch nicht allzu viel gehört oder gesehen habe, auf die ich mich aber nunmehr sehr freue, weil das Buch – auch, was Ausstattung und Aufmachung betrifft – durchaus zu überzeugen weiß.

Cursed
Die Auserwählte

Cursed, USA 2019, 470 Seiten

Cursed – Die Auserwählte von Thomas Wheeler | © FISCHER Tor
© FISCHER Tor

Autoren:
Thomas Wheeler
Frank Miller (Illustrationen)
Übersetzerinnen:
Michelle Gyo
Petra Koob-Pawis

Verlag (D):
FISCHER Tor
ISBN:
978-3-596-70487-3

Genre:
Fantasy | Action | Abenteuer

 

Inhalt:

Nimue konnte nicht atmen. Sie hatte Angst, sich zu bewegen. Die Stille brauste in ihren Ohren. Überwältigendes Staunen erfüllte ihren Kopf und sie kämpfte gegen den Drang an, wegzulaufen oder die Augen zuzumachen, wie sie es für gewöhnlich tat, bis der Moment vorüberging. Nein, diesmal musste sie alles sehen. Endlich, nach so vielen Jahren, wollten die Verborgenen ihr etwas mitteilen.

England ist im Aufruhr und die Roten Paladine ermorden alle, die sich nicht vor dem Kreuz zu beugen bereit zeigen, wobei alle nichtmenschlichen Wesen von vornherein verdammt sind. So fällt auch Nimues Dorf dem erbarmungslosen Angriff der marodierenden Mönche zum Opfer und sie bleibt allein zurück, einzig mit einem geheimnisvollen Schwert bewaffnet, das sie auf Geheiß ihrer Mutter zu einem gewissen Merlin bringen soll, der als Berater des Königs Uther Pendragon fungiert. Der Weg dorthin aber ist gefährlich und überall lauern die Roten Paladine. Zumindest aber in dem jungen wie draufgängerischen Arthur findet Nimue einen zeitweiligen Verbündeten, während sie nach und nach lernt, die wahre Macht des Schwertes zu entfesseln, auch wenn sie dadurch immer mehr in dessen Bann gerät…

Rezension:

Bevor – wahrscheinlich irgendwann diesen Sommer – die auf Cursed – Die Auserwählte basierende Netflix-Serie startet, hat es sich FISCHER Tor zur Aufgabe gemacht, den ursprünglich im vergangenen Jahr veröffentlichten Roman auch in deutscher Fassung verfügbar zu machen. Entstanden ist der aus einer Zusammenarbeit zwischen Autor Thomas Wheeler und Comic-Legende Frank Miller, der hier zahlreiche Zeichnungen beisteuert, die das geschilderte Geschehen auflockern, bebildern, begleiten. Ich war und bin kein ausgewiesener Fan der Arbeiten von Miller und bevorzuge schlichtweg einen anderen Stil, dennoch ist es schön, diese Art Aufmachung und Interpretation kredenzt zu bekommen, zumal es diese Mischung aus geschriebenem Wort und seitenfüllenden Illustrationen gern öfter geben dürfte für meinen Geschmack. Am meisten Spaß macht der Band freilich, wenn man sich ein wenig mit der Artus-Sage bewandert fühlt, die hier quasi neu – und merklich frisch – interpretiert wird, aber ist diese mittlerweile auch so fester Bestandteil heutiger Popkultur, dass sicherlich jeder etwas mit Merlin und Uther, Morgan und weiteren wird anzufangen wissen.

Unbewegt stieg Pater Carden von dem Wagen herab, überquerte die matschige Straße und trat zu einem großen und breitschultrigen Mönch in Grau. Seine Wangen unter der Kapuze waren schmal, und seltsame schwarze Muttermale umgaben seine Augen. Sie schienen an seinem Gesicht herabzurinnen wie Tintentränen.

Zum Glück belassen es Wheeler und Miller aber nicht dabei, nun einzig das Geschlecht der Trägerin des Schwertes zu wechseln, das hier von Nimue geführt wird, sondern nähern sich der ganzen Story aus einer gänzlich anderen Warte, wodurch ich zwar ein wenig gebraucht habe, mich in die Geschichte einzufinden, Cursed aber eben auch ungemein lohnender macht, weil es sich eben nicht um eine Nacherzählung handelt. Der Teufel steckt aber bekanntlich im Detail und so muss ich schon festhalten, dass der Band für mich persönlich einige kleine Längen bereithielt, gerade was grob das erste Drittel des Ganzen anbelangt, also bevor die Geschichte an Fahrt aufnimmt. Wheelers Schilderungen und Millers Zeichnungen gehen ansonsten aber formidabel Hand in Hand, wenn es gilt, der eigenen Imagination auf die Sprünge zu helfen und in diese gleichermaßen fremd wie vertraut wirkende Welt zu entführen. Dabei fügen sich die im Text befindlichen Schwarzweiß-Zeichnungen meines Erachtens aber deutlich besser ein als die vollfarbigen "Dreingaben", die auch nicht in der Seitenzählung berücksichtigt werden, denn hier kommt es nicht nur zu mancher Dopplung der Bilder – nur dann eben in farbig – , nein, sie weisen auch keinen Bezug zum aktuellen Geschehen auf und können wohl noch am ehesten als eine Art "Foreshadowing" betrachtet werden.

Ansonsten wusste aber sowohl Nimue als Protagonistin zu gefallen und wartet mit ansprechend in Szene gesetzten inneren Konflikten auf, derweil Merlin ganz bewusst völlig konträr zu seiner Rolle als mächtiger Magier inszeniert wird und eine überraschend große Rolle in dem Geschehen übernimmt, das Artur zu einer bloßen Nebenfigur degradiert. Gefühlt zielt Cursed zwar auf ein eher jüngeres Lesepublikum ab, doch lohnt sich der Band auch für Erwachsene, derweil es zuweilen auch durchaus brutal und grausam wird, auch wenn sich Wheeler explizite Details zumeist verkneift. Nicht wirklich drüber nachgedacht habe ich derweil über den Umstand, dass es sich womöglich nicht um einen einzigen Band, sondern den Auftakt einer Reihe handeln könnte – obwohl die Netflix-Adaption diesbezüglich ja schon ein ziemlich sicheres Indiz war -, weshalb ich es bewusst zur Sprache bringe, dass der Roman zwar auch für sich genommen funktioniert, aber regelrecht nach einer Fortsetzung schreit, die aber auch schon ins Auge gefasst worden ist.

In Nimues Ohren klingelte es, seit sie und Pym auf ihrem Pferd Lady ins Dorf geritten waren und die erste Leiche auf dem Pfad gesehen hatten. Sie glaubte, dass es vielleicht Mikkel gewesen war, der Junge des Gerbers, der immer Orchideen für die Mairituale züchtete, doch sein Kopf war von etwas Schwerem zerschmettert worden. Sie konnten nicht einmal anhalten, um nachzusehen, da das ganze Dorf in Flammen stand und vor Roten Paladinen wimmelte, ihre wallenden Kutten tanzten wie die Flammen.

Trotz vergleichsweise offenem Ende weiß Cursed aber bis zuletzt zu faszinieren und gefallen, wenn man denn die ersten, noch beinahe irritierend wirkenden Kapitel hinter sich gebracht hat. Ein wenig mehr sprachlicher Tiefgang wäre zwar wünschenswert gewesen und auch manche Figur erfährt nicht unbedingt die Aufmerksamkeit und Exposition, die sie verdient gehabt hätte, doch schmälern diese Dinge das Lesevergnügen nur unmerklich, wenn man sich eben ruppiger Fantasy und einem neuen Blick auf die Artus-Sage widmen möchte, denn diese beiden Versprechen weiß diese grimmige Erzählung einzulösen, wenn ich mir im Detail auch eine ausgeklügeltere Dramaturgie erwartet hätte und die Implementation der farbigen Bilder nur semi-optimal geraten ist. Auf alle Fälle taugt das Buch aber auch, um die Vorfreude auf die Serie zu schüren, in der dann Katherine Langford (Tote Mädchen lügen nicht, Knives Out) die Rolle der Nimue übernehmen wird. Hinzu kommt, dass vieles hier bereits filmisch inszeniert worden ist und Wheeler mit Cliffhangern und dergleichen umzugehen weiß, so dass hier sicher schon ab einem sehr frühen Stadium die Adaption ins Auge gefasst worden ist, was noch durch die Tatsache untermauert wird, dass die amerikanische Hörbuchfassung auch gleich von Nimue-Darstellerin Langford zum Besten gegeben wird. Wie es sich aber auch verhalten haben mag, hatte ich mit nur leichten Abstrichen meine Freude an dem Buch und werde sie sicherlich auch mit dem Serien-Pendant haben.

Fazit & Wertung:

Thomas Wheeler und Illustrator Frank Miller kredenzen mit Cursed – Die Auserwählte gemeinsam eine optisch wie inhaltlich ansprechend geratene Neuinterpretation der Artus-Sage, die einerseits mir reichlich Fantasy-Flair, andererseits mit düsterer Atmosphäre und ansprechender Bebilderung glänzt. Nicht frei von Längen, aber grundsätzlich gelungen wie unterhaltsam, wenn auch das eher offene Ende ein wenig unbefriedigt zurücklässt (und auf die Fortsetzung warten lässt).

7,5 von 10 erbarmungslos mit dem Schwert niedergestreckten Widersachern

Cursed – Die Auserwählte

  • Erbarmungslos mit dem Schwert niedergestreckte Widersacher - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Thomas Wheeler und Illustrator Frank Miller kredenzen mit Cursed – Die Auserwählte gemeinsam eine optisch wie inhaltlich ansprechend geratene Neuinterpretation der Artus-Sage, die einerseits mir reichlich Fantasy-Flair, andererseits mit düsterer Atmosphäre und ansprechender Bebilderung glänzt. Nicht frei von Längen, aber grundsätzlich gelungen wie unterhaltsam, wenn auch das eher offene Ende ein wenig unbefriedigt zurücklässt (und auf die Fortsetzung warten lässt).

7.5/10
Leser-Wertung 10/10 (1 Stimme)
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Weitere Details zum Buch und dem Autor findet ihr auf der Seite von FISCHER Tor.

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Cursed – Die Auserwählte ist am 27.05.2020 bei FISCHER Tor erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den folgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

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