Review: Hard Powder (Film)

Heutiger Film passt so gar nicht zu den Temperaturen draußen, aber das soll mich natürlich nicht davon abhalten, dennoch meine Rezension zum Besten zu geben, auch wenn ich mir gewünscht hätte, dass mein Urteil positiver ausfiele.

Hard Powder

Cold Pursuit, USA/UK/NO/CN/CA/FR 2019, 119 Min.

Hard Powder | © STUDIOCANAL
© STUDIOCANAL

Regisseur:
Hans Petter Moland
Autoren:
Frank Baldwin (Drehbuch)
Kim Fupz Aakeson (Film-Vorlage)

Main-Cast:
Liam Neeson (Nels Coxman)

in weiteren Rollen:

Tom Bateman (Trevor ‚Viking‘ Calcote)
Tom Jackson (White Bull)
Emmy Rossum (Kim Dash)
Domenick Lombardozzi (Mustang)
Julia Jones (Aya)
John Doman (John ‚Gip‘ Gipsky)
Laura Dern (Grace Coxman)

Genre:
Action | Krimi | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Hard Powder | © STUDIOCANAL
© STUDIOCANAL

Nels Coxman ist ein bescheidener wie gewissenhafter Schneepflugfahrer von ruhigem Gemüt, der jüngst erst zum Bürger des Jahres in dem verschlafenen Städtchen Kehoe gewählt worden ist, dass sich nahe Denver befindet. Als ihn und seine Frau Grace eines Tages die Nachricht erreicht, ihr Sohn sei an einer Überdosis Heroin gestorben, fallen sie aus allen Wolken und während Grace mit Depressionen zu kämpfen hat, will Nels nicht glauben, dass sein Sohn Heroin genommen hat. Kurzerhand beginnt Coxman Nachforschungen anzustellen und gerät recht schnell an Informationen über einen regelrechten Drogenring in Denver. Und angefangen beim untersten Glied der Kette beginnt Nels, in den Reihen der Kriminellen aufzuräumen und sich Stück für Stück an die Spitze zu kämpfen, wo Drogenbaron Viking sitzt, der von dem selbsternannten Rächer freilich noch nichts ahnt. Während die Polizei zunächst ratlos ist, was die sich häufenden Morde angeht, hat Viking alsbald seinen Konkurrenten White Bull in Verdacht und lässt ihm eine entsprechende Botschaft zukommen, während Nels munter fortfährt, für seine persönliche Form von Gerechtigkeit zu sorgen…

Rezension:

Beginnen wir diese Rezension mal mit der kleinen Beichte, dass ich manchmal ganz bewusst auf Filme bei Prime oder anderen Streaming-Diensten verzichte, weil ich mir lieber die Blu-ray zulegen und den Film dann genießen möchte, da kommt dann der Sammler in mir durch und meist bleibe ich hart. Nicht so bei Hard Powder, den ich mir also jüngst ohne Aufwand und Kosten bei Amazon zu Gemüte geführt habe, wobei ich in diesem Fall froh bin, kein Geld in den Film investiert zu haben, auch wenn er mitnichten schlecht sein mag. So richtig zünden wollte der Rache-Thriller mit schwarzhumorigen Einschlag bei mir aber leider nicht, derweil ich auch im Vorfeld nicht gewusst habe, dass es sich um ein US-Remake des gerade einmal fünf Jahre zuvor entstandenen norwegischen Streifens Einer nach dem anderen handelt. Und allein schon in Sachen Inszenierung geht man nun also den Weg des geringsten Widerstands und hat kurzerhand mit Hans Petter Moland den Regisseur des Originals erneut verpflichtet. Nun gut, in meinem Fall nicht weiter tragisch, da ich das Original nicht gesehen habe, doch könnte ich mir schon vorstellen, das diese Hintergründe indirekt auch die Qualität des Films beeinflusst haben, denn auch wenn der im Detail eigene Wege gehen mag, würde es mich als Filmemacher schon nicht sonderlich reizen, ein und dieselbe Geschichte gleich mehrfach auf die Leinwand zu bringen und so wirkt es, als käme die US-Version nicht wirklich aus dem Quark und in die Gänge.

Szenenbild aus Hard Powder | © STUDIOCANAL
© STUDIOCANAL

Dabei meine ich gar nicht einmal das weitestgehend eher beschauliche Tempo der Inszenierung, sondern mehr den Umstand, dass der vermutete Humor kaum vorhanden gewesen ist oder zumindest bei mir nicht zu zünden wusste, obwohl ich ja sonst großer Freund eher abgründiger und böser Komik bin, die sich hier allerdings nur in den seltensten Fällen zu manifestieren wusste. Die Ausgangslage und der sich hieraus entwickelnde Reigen, der einen regelrechten Rachefeldzug von verschiedenen Seiten anstößt, ist natürlich grundsätzlich herrlich skurril und absurd, aber damit dürfte bereits das Original gepunktet haben, während alles Weitere hier ein wenig zu sehr auf Mainstream ausgelegt wirkt und sich dadurch selbst Chancen verbaut. Dabei hätte ich verdammt gern einen bitterbös inszenierten Rachefilm mit Liam Neeson gesehen, der eine willkommene Abwechslung zu seinen jüngsten Ausflügen ins Action-Genre dargestellt hätte. Klar, die Action mag hier auch nicht im Vordergrund stehen, auch wenn manche Tötung schon überraschend explizit ausfällt, doch wenn es eben sonst nichts gibt als Gegenpol zu dem Ganzen, wirkt das Ergebnis eben leider mehr als halbgar.

Das liegt – natürlich – mitnichten an Liam Neeson (The Grey), der sicherlich auf Augenhöhe mit dem im Original besetzten Stellan Skarsgard agieren dürfte und alle Sympathien auf seiner Seite hat, obwohl er nach nur wenigen Minuten zum skrupel- und erbarmungslosen Killer mutiert. Ebenso wenig kann Tom Bateman (Mord im Orient-Express) als herrlich exaltiert-cholerischer Viking in seiner Funktion als Antagonist etwas dazu und insbesondere Emmy Rossum (Shameless) ist freilich eine willkommene Ergänzung als ambitionierte und aufgeweckte Dorfpolizistin, doch DarstellerInnen allein vermögen an Hard Powder eben nicht zu retten, was inszenatorisch nicht passt und da krankt es einfach des Öfteren an Timing und Verve, während die Geschichte voranschreitet, mal hier, mal dort zwar im Detail überrascht, ganz allgemein aber kaum mehr als Altbekanntes bietet. Vielleicht mag diesmal aber auch mein Fehler gewesen sein, mir ausnahmsweise gar den Trailer zu Gemüte zu führen, der, nicht zuletzt durch die musikalische Untermalung durch Bad Moon Rising von Creedence Clearwater Revival ein deutlich beschwingteres Vergnügen hat erwarten lassen, als es letztlich der Fall gewesen ist.

Szenenbild aus Hard Powder | © STUDIOCANAL
© STUDIOCANAL

Dabei kann und möchte ich nicht einmal behaupten, dass Hard Powder mir grundsätzlich nicht gefallen hätte, denn der Film hat unbestreitbar auch seine Qualitäten, auch was Setting und die Inszenierung der Tötungen angeht, doch werde ich wohl eher beizeiten – wenn wieder etwas Zeit ins Land gezogen und die Handlung mir nicht mehr ganz so präsent ist – dem Original von 2014 eine Chance geben. Bleibt am Ende ein rundherum solider Film, den man als Neeson-Fan sicherlich mal gesehen haben kann, der aber auch kaum je zu echter Größe oder Innovation auffährt, auch wenn sich manch garstiger Gag und fiese Wendung in dem Streifen verbergen mögen, die aber nicht ausreichen, ihn länger im Gedächtnis zu behalten, denn wenn man zugunsten von skurrilen Figuren und abstrusen Zufällen auf tiefergehende Charakterzeichnung oder eine ausgeklügeltere Dramaturgie und Motivation verzichten mag, dann sollte es besser auch ausreichend Skurriles und Abstruses zu bestaunen geben, denn ansonsten droht man sich schnell zu langweilen, was ja nun sicherlich nicht die Intention des Films gewesen sein dürfte.

Fazit & Wertung:

Mit Hard Powder legt Regisseur Hans Petter Moland ein Remake seines eigenen Films vor, das zwar geringfügig eigene Wege gehen mag, aber ansonsten nicht recht zu zünden weiß und viel zu lange vor sich hindümpelt, als dass man sich für die Rache-Story wirklich erwärmen könnte. Ein gelungenes und atmosphärisches Setting nebst fähigem Ensemble reißt es zwar ein wenig raus, aber so richtig lohnend wird die Chose dadurch auch nicht.

6 von 10 am Wasserfall "entsorgten" Gangstern

Hard Powder

  • Am Wasserfall "entsorgte" Gangster - 6/10
    6/10

Fazit & Wertung:

Mit Hard Powder legt Regisseur Hans Petter Moland ein Remake seines eigenen Films vor, das zwar geringfügig eigene Wege gehen mag, aber ansonsten nicht recht zu zünden weiß und viel zu lange vor sich hindümpelt, als dass man sich für die Rache-Story wirklich erwärmen könnte. Ein gelungenes und atmosphärisches Setting nebst fähigem Ensemble reißt es zwar ein wenig raus, aber so richtig lohnend wird die Chose dadurch auch nicht.

6.0/10
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Hard Powder ist am 11.07.19 auf DVD, Blu-ray und 4K UHD Blu-ray bei STUDIOCANAL erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

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