Review: 50/50 – Freunde fürs (Über)Leben (Film)

So, heute gibt es dann wieder meinen Vorschaufilm der Woche. Ihr solltet das Spiel ja mittlerweile kennen, ab morgen als DVD und Blu-ray im Handel, heute schon als Review im Medienjournal. Wieder einmal eine ganz besonders empfehlenswerte Filmperle, nicht nur wegen Joseph Gordon-Levitt!

50/50
Freunde fürs (Über)Leben

50/50, USA 2011, 100 Min.

50/50 | © Universum Film
© Universum Film

Regisseur:
Jonathan Levine
Autor:
Will Reiser

Main-Cast:
Joseph Gordon-Levitt (Adam)
Seth Rogen (Kyle)
in weiteren Rollen:
Anna Kendrick (Katherine)
Bryce Dallas Howard (Rachael)
Anjelica Huston (Diane)

Genre:
Komödie | Drama | Biografie

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus 50/50 | © Universum Film
© Universum Film

Adam ist die Ausgeburt eines guten Menschen. Er raucht nicht, er trinkt nicht, geht regelmäßig joggen und hält Ordnung in seiner Wohnung. Da kommt es einem vor wie blanker Hohn, als Adam aufgrund von Rückenschmerzen und nächtlichen Schweißausbrüchen den Arzt aufsucht und mit der schockierenden Diagnose Wirbelsäulenkrebs konfrontiert wird. Seine freigeistige Freundin Rachael weiß kaum damit umzugehen und ist verständlicherweise schockiert, ebenso wie Adams bester Freund Kyle, der prompt versucht ihn aufzumuntern, auch als er hört, dass Adam im Internet gelesen hat, dass seine Überlebenschancen 50/50 stehen. Auf Anraten seines Arztes sucht Adam trotz seiner äußerlichen Gefasstheit die psychologische Beratung auf und lernt dort die erst vierundzwanzigjährige Studentin Katherine kennen, deren dritter Patient er ist.

So unwirklich Adam die Diagnose auch anfänglich scheint, verschlechtert sich sein Zustand insbesondere nach Beginn der Chemotherapie und Übelkeitsattacken machen ihm zu schaffen, während Rachael sich lieber auf Vernissagen herumtreibt und zuweilen vergisst, ihn aus dem Krankenhaus abzuholen. Größte Stütze für Adam ist mehr und mehr der wenn auch unflätige doch auch herzensgute Kyle, der voll und ganz zu seinem besten Freund steht und alles daran setzt, ihn abzulenken und aufzumuntern. Doch erst am Ende wird sich zeigen, ob die Chemo erfolgreich war und wie Adams Chancen wirklich stehen, heil aus der Sache herauszukommen.

Rezension:

Mit einer gehörigen Portion Skepsis kann man einem Projekt wie 50/50 entgegentreten, denn Feel-Good-Komödie und Krebsleiden verstehen sich nicht besonders gut und es wäre davon auszugehen gewesen, dass der eine Part dem anderen den Rang abläuft und ihn gnadenlos konterkariert. Doch so unglaublich es scheinen mag, schafft es der Drehbuchautor Will Reiser tatsächlich, eine durchweg positive, zuweilen herzhaft spritzige, witzige Komödie zu schaffen, die weder die Krankheit verharmlost, sie ins Lächerliche zieht oder mit Stereotypen zu kämpfen hat. Das mag zu großen Teilen daran liegen, dass die Geschehnisse im Film lose auf Reisers eigenen Erfahrungen basieren, wobei er sich bewusst dagegen entschieden hat, ein autobiografisches Werk zu verfassen und stattdessen mit der Rolle des Adam quasi einen Jedermann geschaffen hat, so wie jeder von der grausamen Krankheit heimgesucht werden kann und die allermeisten in ihrem näheren Umfeld bereits Berührungspunkte mit dem Krebs gehabt haben.

Szenenbild aus 50/50 | © Universum Film
© Universum Film

Joseph Gordon-Levitt verkörpert diese Person auf unsagbar sympathische und glaubhafte Weise und gibt ihm ein Wesensspektrum von Abgeklärtheit über Wut, Resignation und Apathie bis hin zu drogenverursachter Freude, dann wieder Lethargie und Verzweiflung, so dass es eine wahre Freude ist, seinem Spiel beizuwohnen und Adams Handeln zu verfolgen. Dem steht übrigens Seth Rogen in nichts nach, kennt man ihn schließlich mehr aus zotigen Klamauk-Filmen und gibt er hier einen extrem warmherzigen und liebenswerten besten Freund, der zwar immer noch mit derben Sprüchen die Lacher auf seiner Seite hat, aber auch eine Menge Herz besitzt, was sicherlich daran liegt, dass er auch im wahren Leben dem realen Vorbild Will Reiser in dieser schweren Zeit zur Seite steht und nun in 50/50 also in der Person des Kyle quasi sich selbst verkörpern darf und sicherlich um die Ambivalenz in einem selbst weiß, wenn eine einem so nahestehende Person unter einer derartigen Krankheit zu zerbrechen droht.

Doch auch die weiblichen Parts, Bryce Dallas Howard als Adams Freundin Rachael, Anna Kendrick als verunsicherte Psychologie-Studentin und natürlich Anjelica Huston als Adams verzweifelt übervorsichtige Mutter Diane überzeugen auf ganzer Linie und schaffen jede für sich eine glaubhafte Chemie zwischen ihrer Figur und der Gordon-Levitts. Man merkt wie sehr ich ins Schwärmen gerate ob der zahlreichen in das Projekt involvierten Talente und auch Regisseur Jonathan Levine, der mich zuletzt mit All the Boys love Mandy Lane ja nicht so recht zu überzeugen wusste, leistet ausgezeichnete Arbeit und trifft szenisch stets den richtige Ton, um den Zuschauer einerseits nicht in Schwermut versinken zu lassen, die Geschichte andererseits aber nicht ihrer Tragik zu berauben.

Szenenbild aus 50/50 | © Universum Film
© Universum Film

Einzig zu bemängeln wäre vielleicht in dem ansonsten wirklich ausgewogen präsentierten Film, der einem wirklich ans Herz geht und mit vielen wahnsinnig emotionalen Szenen zu punkten weiß, dass bisweilen im Mittelteil Adams Chemotherapie ein wenig ins Hintertreffen gerät sowie der Umstand, dass es ihm die meiste Zeit schlicht zu gut geht, als dass man ihm die Nähe zum baldigen und möglichen Ableben ansehen würde. Doch ist auch dies wieder einmal Jammern auf hohem Niveau, denn nichtsdestotrotz werden die Folgen der Krebserkrankung auf mehr als nur eine Art deutlich gemacht und auch tragische Momente gibt es zuhauf, wenngleich 50/50 niemals seinen positiven Grundton aufgibt und den geneigten Zuschauer am Ende mit einem wohlig-warmen, versöhnlich stimmenden Gefühl entlässt.

Fazit & Wertung:

50/50 ist zweifelsohne ein rundheraus empfehlenswerter Film, der es über die gesamte Laufzeit schafft, die Waage zwischen Drama und Komödie zu halten und dabei nie unglaubwürdig oder verharmlosend wirkt, sondern eine zutiefst menschliche, tragische, aber eben auch anrührende und zuweilen wirklich witzige Geschichte zu erzählen weiß.

9 von 10 Haschkeksen während der Chemotherapie

50/50 - Freunde fürs (Über)leben

  • Haschkekse während der Chemotherapie - 9/10
    9/10

Fazit & Wertung:

50/50 ist zweifelsohne ein rundheraus empfehlenswerter Film, der es über die gesamte Laufzeit schafft, die Waage zwischen Drama und Komödie zu halten und dabei nie unglaubwürdig oder verharmlosend wirkt, sondern eine zutiefst menschliche, tragische, aber eben auch anrührende und zuweilen wirklich witzige Geschichte zu erzählen weiß.

9.0/10
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Meinungen aus der Blogosphäre:
Equilibrium: 8,5/10 Punkte
Filmherum: 10/10 Punkte
Movie Skyline: 8,5/10 Punkte

50/50 – Freunde fürs (Über)Leben erscheint am 07.09.12 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Universum Film . Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

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