Eine Film-Kritik soll es aber heute natürlich trotzdem noch geben und deshalb kommt hier nun mein Artikel zu Die fantastische Welt von Oz, wobei es später selbstredend auch noch ein weiteres Schauspieler-Portrait geben wird, bevor es Zeit wird, den letzten Media Monday für dieses Jahr auf den Weg zu bringen.

Die fantastische Welt von Oz

Oz the Great and Powerful, USA 2013, 130 Min.

Die fantastische Welt von Oz | © Walt Disney
© Walt Disney

Regisseur:
Sam Raimi
Autoren:
Mitchell Kapner
David Lindsay-Abaire

Main-Cast:

James Franco (Oz)
Mila Kunis (Theodora)
Rachel Weisz (Evanora)
Michelle Williams (Annie / Glinda)
Zach Braff (Frank / Finley)
Bill Cobbs (Master Tinker)
Joey King (Girl in Wheelchair / China Girl)
Tony Cox (Knuck)

Genre:
Abenteuer | Fantasy

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Die fantastische Welt von Oz | © Walt Disney
© Walt Disney

Kansas im Jahre 1905: Oscar Diggs verdingt sich als Zauberkünstler gemeinsam mit seinem Assistenten Frank beim fahrenden Baum Brothers Circus, doch nachdem ihn während einer seiner Shows ein Mädchen im Rollstuhl darum bittet, sie zu heilen, muss er passen und flüchtet vor der aufgebrachten Menge, die ihn als Scharlatan entlarvt sieht. In seinem Wohnwagen besucht ihn seine Freundin Annie, die ihm eröffnet, sich mit einem Mann namens John Gale verlobt zu haben. Das Gespräch findet ein jähes Ende, als ein aufgebrachter Muskelprotz ihn zu jagen beginnt und während des aufziehenden Sturms flüchtet sich Oscar in einen Heißluftballon, der ihn, bald schon vom Wirbelsturm erfasst, geradewegs nach Oz befördert. Dort angekommen, trifft er bald auf die Hexe Theodora, die ihm eröffnet, dass eine Prophezeiung von einem großen Zauberer spräche, der nach ihrem Land benannt sei und die böse Königin in ihre Schranken zu weisen imstande wäre.

Die Chance auf Ruhm und Reichtum witternd, lügt Oz sie bereitwillig an und sichert auch nach Ankunft in der Smaragdstadt Theodoras Schwester Evanora zu, die böse Hexe aufzuhalten. Gemeinsam mit seinem neuen Gefährten, dem fliegenden Affen Finley, macht er sich auf zum Düsterwald und während sie auf dem Weg auf ein verletztes Porzellanmädchen treffen, dem Oz mit seinem Kleber die Beine wieder zusammenzukleben imstande ist, treffen die drei ungleichen Gefährten auf die vermeintlich böse Hexe Glinda, die frappierende Ähnlichkeit mit Annie hat und Oscar beginnt zu erkennen, dass die Fronten in Oz längst nicht so klar sind, wie anfänglich erwartet.

Rezension:

Trotz zahlloser negativer Kritiken und einiger regelrechter Verrisse habe ich mich doch durchaus auf Die fantastische Welt von Oz gefreut, vereint er schließlich nicht nur eine ganze Schar ganz wunderbarer Darsteller in einem Film und spielt in einer zwar hinlänglich bekannten Fantasiewelt, die dennoch genügend Raum für neue Ideen und Einfälle bietet, sondern stellt auch dahingehend eine Besonderheit dar, dass es schon ein hehres Ziel ist, ein Prequel zu einem mehr als siebzig Jahre alten Film zu schaffen und mag er – gerade in amerikanischen Breitengraden – noch so bekannt sein. In meinen Augen ist dieses Unterfangen durchaus geglückt, auch wenn sich Sam Raimis Werk sicherlich nicht zu einem zeitlosen Klassiker entwickeln wird, denn dafür sind die vorhandenen Mängel doch zu zahlreich und offenkundig, jedoch erkenne ich auch nicht das seelenlose CGI-Gewitter in dem Werk, als das viele ihn bezeichnen, denn neben all dem Bombast und Pomp stehen dennoch die Figuren und ihr Wesen sowie die Entwicklung des Zauberers – so vorhersehbar sie auch sein mag – im Vordergrund.

Szenenbild aus Die fantastische Welt von Oz | © Walt Disney
© Walt Disney

Nachdem Die fantastische Welt von Oz, ebenso wie Der Zauberer von Oz 1939, in Schwarzweiß beginnt und sich das mittlerweile extrem ungewohnt wirkende 4:3-Format sich erst nach Oz‘ Ankunft in Oz auf das eigentliche Cinemascope-Format auswächst und die Farben im Film Einzug halten dürfen, bedient sich Raimi zwar mit sichtlicher Freude am Füllhorn der Möglichkeiten und schwelt zunächst in der Farbenpracht der vom ersten Blick an magischen Welt, doch hat man sich erst einmal an die schier zu blenden scheinende Opulenz gewöhnt, widmet er sich auch wieder der eigentlichen Geschichte. Die, das muss man auch zugeben, ist nicht gerade einfalls- oder ereignisreich und ließe sich sicherlich auf wenige Sätze runterbrechen, was bei einem mehr als zweistündigen Film durchaus kein Qualitätsmerkmal ist, doch darf man auch nicht außer Acht lassen, dass es sich im weitesten Sinne um ein Märchen handelt, die bekanntermaßen auch nicht gerade berühmt sind für ihre feinsinnigen und verworrenen Handlungsfäden, sondern vielmehr für recht eindeutig umrissene Fronten, eine vermeintlich schwache Hauptfigur, die sich zum Helden mausert und dabei im Regelfall noch eine Lektion fürs Leben lernt und in der Beziehung macht Raimi alles richtig, zumal die überzeichneten Figuren das Märchen-Feeling noch begünstigen.

Nicht aber nur die Figuren, nein auch ihre Darsteller glänzen durch Overacting und tragen mehr oder weniger affektierte, stilisierte Züge an sich, was mir im Zusammenhang der Erzählung durchaus gefallen hat, jedoch auch leicht hätte nach hinten losgehen können und sicherlich nicht bei jedermann auf Gegenliebe stößt. So war ich beispielsweise auch bereit, die recht plakative Geschichte zur Entstehung der Wicked Witch hinzunehmen, die natürlich in der dargebrachten Form in einem echten Drama nie funktioniert hätte, ebenso wie viele andere vermeintliche Plot-Löcher, die ich hier als Teil der Erzählung betrachte und akzeptiere, denn natürlich ist Die fantastische Welt von Oz im Grunde wahnsinnig vorhersehbar, gerade wenn man den ursprünglichen Film kennt und auch das Ende ist – gerade Prequels haben das ja so an sich – abzusehen, doch ist der Weg dorthin dermaßen unterhaltsam und kurzweilig geraten, dass es nicht schade darum ist, den Ausgang der Erzählung im Grunde zu kennen, zumal das eigentliche Finale großartig inszeniert worden ist und die Geschichte würdig zum Abschluss bringt.

Szenenbild aus Die fantastische Welt von Oz | © Walt Disney
© Walt Disney

Sicherlich ist Die fantastische Welt von Oz, so fantastisch sie auch wirklich geworden ist, oft überzogen bunt, die Figuren nicht immer stimmig integriert, die Geschichte selten innovativ und der gesamte Film nicht gerade tiefsinnig, um nicht zu sagen regelrecht platt, aber all das steht hinter den liebenswerten Figuren zurück, hinter den einfallsreichen Pendants der Welt in Kansas, denen der Zauberer in Oz begegnet und nicht zuletzt den oft anrührenden Szenen mit dem Puppenmädchen, an denen sich ebenfalls die Entwicklung des Zauberers gut verfolgen lässt, die trotz ihrer die üblichen Stationen nehmenden Route durchaus gelungen ist und nachvollziehen lässt, wie aus dem Scharlatan und Hallodri der Zauberer von Oz hat werden können. Vor allem aber huldigen die Illusionen und Taschenspielertricks des Jahrmarktzauberers gerade gegen Ende indirekt den Möglichkeiten und der Macht des Kinos, die schlussendlich sogar über wahrhaftige Zauberei triumphieren und so sind es am Ende auch die sympathischen Figuren und mehr als eine emotional berührende Szene, die das vermeintlich so seelenlose CGI-Spektakel überschatten, welches letztlich nur die kunterbunte Kulisse für eine zwar sehr einfach gestrickte, aber doch schöne Geschichte bildet, die von Glaube und Hoffnung, Freundschaft und Güte erzählt.

Fazit & Wertung:

Mag Regisseur Sam Raimi es bei Die fantastische Welt von Oz auch an der einen oder anderen Stelle mit den Spezialeffekten und dem Farbrausch übertrieben haben, schöpft er ansonsten gekonnt aus dem Übermaß an Möglichkeiten, huldigt auf unnachahmliche Art und Weise einem Filmklassiker und versäumt es nicht, seine affektiert agierenden und exaltierten Figuren sympathisch in Szene zu setzen. Käme die Geschichte nicht doch arg oberflächlich daher, könnte man ihr sogar spielend verzeihen, dass sie für eine mehr als zweistündige Odyssee doch auffallend simpel gestrickt ist und wenige echte Überraschungsmomente bereithält.

7,5 von 10 Illusionen und Taschenspielertricks

Die fantastische Welt von Oz

  • Illusionen und Taschenspielertricks - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Mag Regisseur Sam Raimi es bei Die fantastische Welt von Oz auch an der einen oder anderen Stelle mit den Spezialeffekten und dem Farbrausch übertrieben haben, schöpft er ansonsten gekonnt aus dem Übermaß an Möglichkeiten, huldigt auf unnachahmliche Art und Weise einem Filmklassiker und versäumt es nicht, seine affektiert agierenden und exaltierten Figuren sympathisch in Szene zu setzen. Käme die Geschichte nicht doch arg oberflächlich daher, könnte man ihr sogar spielend verzeihen, dass sie für eine mehr als zweistündige Odyssee doch auffallend simpel gestrickt ist und wenige echte Überraschungsmomente bereithält.

7.5/10
Leser-Wertung 0/10 (0 Stimmen)
Sende

Meinungen aus der Blogosphäre:
Cellurizon: 2,5/10 Punkte
ERGOThek: 3,5/5 DeLoreans
Filmherum: 4,5/5 Punkte

Die fantastische Welt von Oz ist am 11.07.13 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Walt Disney erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray: