Review: Thor 4: Love and Thunder (Film)

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Da kann man mal wieder sehen, wie schnell aus einer Freitags-Rezension eine Dienstags-Rezension werden kann, aber Hauptsache ist ja, dass ich am Ball geblieben und fertig geworden bin (auch wenn ich mich diese Woche eigentlich ein wenig mit Horror beschäftigen wollte, wo doch der Oktober gestartet ist).

Thor 4:
Love and Thunder

Thor: Love and Thunder, USA/AU 2022, 118 Min.

Thor 4: Love and Thunder | © Walt Disney
© Walt Disney

Regisseur:
Taika Waititi
Autor*innen:
Taika Waititi
Jennifer Kaytin Robinson

Main-Cast:
Chris Hemsworth (Thor)
Natalie Portman (Jane Foster / The Mighty Thor)
Christian Bale (Gorr)
Tessa Thompson (King Valkyrie)
Jaimie Alexander (Sif)
Taika Waititi (Korg [Stimme])
Russell Crowe (Zeus)
in weiteren Rollen:
Chris Pratt (Peter Quill / Star-Lord)
Dave Bautista (Drax)
Karen Gillan (Nebula)
Pom Klementieff (Mantis)
Sean Gunn (Kraglin)
Vin Diesel (Groot [Stimme])
Bradley Cooper (Rocket [Stimme])

Genre:
Action | Abenteuer | Science-Fiction | Fantasy

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Thor 4: Love and Thunder | © Walt Disney
© Walt Disney

Nachdem er New Asgard den Rücken gekehrt hat, bereist Thor noch immer gemeinsam mit den Guardians of the Galaxy ebenjene – also die Galaxie – und hilft allerorten in Not geratenen Wesen und Völkern. Dann aber beginnen Gerüchte die Runde zu machen, dass ein Götterschlächter namens Gorr sein Unwesen treibt und Thor beschließt, nach New Asgard zurückzukehren, wo noch immer Valkyrie das Sagen hat, nur um mitanzusehen, dass Gorr auch dort längst seinen Angriff gestartet hat und letztlich die Kinder des Ortes in sein Schattenreich verschleppt. Damit aber nicht genug, muss Thor erst einmal verdauen, in dem Tohuwabohu auch seiner Ex Jane Foster begegnet zu sein, die sich in der Zwischenzeit mit seinem früheren Hammer Mjölnir zusammengetan hat und jetzt als "Mighty Thor" firmiert. Zum Verarbeiten bleibt aber wenig Zeit, denn schließlich schweben Kinder in Gefahr und so machen sie sich gemeinsam auf, niemand Geringeren als Göttervater Zeus um Hilfe zu bitten im Kampf gegen Gorr…

Rezension:

Ich mache keinen Hehl daraus, ein riesiger Fan von Thor: Tag der Entscheidung gewesen zu sein und bin noch immer der Meinung, dass Waititis beherzter Irrsinn und die flapsige Herangehensweise an die Figur ihr überhaupt erst richtiges Leben eingehaucht haben, nachdem ich die ersten beiden Thor-Vertreter noch als vergleichsweise ernst und vor allem pathetisch wahrgenommen habe, was sich mit dem Ansatz, das Ganze mehr wie eine trashige Space-Opera aufzuziehen, schnell erledigt hatte. Dennoch hatten die zwei genannten Werke einen unbestreitbaren Vorteil gegenüber dem Weltraum-Abenteuer, denn dort war noch Natalie Portman als Jane Foster mit von der Partie. Und während die sich aus mehr als nachvollziehbaren Gründen zunächst aus dem MCU verabschiedet hatte, ist es jetzt ähnlich nachvollziehbar, wie und weshalb sie sich zu einer Rückkehr hat überreden lassen, denn nun gibt sie weit mehr als das wahlweise unwissende oder kränkliche Love-Interest. Entsprechend habe auch ich die Nachricht ziemlich euphorisch aufgenommen, dass es a) einen vierten Thor-Film geben würde und b) Taika Waititi erneut auf dem Regiestuhl Platz nehmen würde und eben c) Natalie Portman als Jane Foster aka Mighty Thor mit von der Partie sein würde, ganz zu schweigen davon, wer den Part des Antagonisten übernehmen sollte, denn das klang in der Kombination schon sehr danach, als würde man mir meinen neuesten Lieblingsfilm zusammenzimmern.

Szenenbild aus Thor 4: Love and Thunder | © Walt Disney
© Walt Disney

Leider aber kommt es im Leben bekanntlich oft anders als man denkt und so ist es leider auch im Fall von Thor: Love and Thunder, denn ausgerechnet diese Gemengelage aus vielversprechenden Zutaten ergibt hier kein stimmiges Ganzes, ganz davon ab, dass man sich – oder zumindest ich mich – bei Marvel-Filmen bereits so sehr an die obligatorische Überlänge gewöhnt hat, dass mir das kaum zweistündige Treiben doch reichlich gehetzt schien, während man pflichtschuldig die (wenigen) Stationen zum Finale hin abklappert. Beginnen wir, womit auch der Film startet und das ist in dem Falle Gorr, der vom ersten Moment an von Christian Bale (Feinde – Hostiles) mit einer ungemeinen Hingabe und Präsenz verkörpert wird, dass es nicht verfrüht ist, ihn prompt als einen der besten Schurken innerhalb des MCU zu bezeichnen. Umso tragischer, dass das Drehbuch ihn vergleichsweise stiefmütterlich behandelt und es am Ende weniger als eine Handvoll prägnanter Szenen mit ihm gibt, denn wenn es eins gegeben hätte, mit dem man gerne mehr Leinwandzeit hätte füllen können, dann wäre es die unsagbar tragische und gleichzeitig furchteinflößende Gestalt Gorr. Der erweist sich stattdessen – wenn er denn mal in Erscheinung tritt – eher als Fremdkörper in der sonst so launigen Chose, so dass man das Gefühl bekommen mag, Bale habe sich für einen anderen Film engagiert als der Rest des Cast.

Das soll jetzt keine Kritik an seiner Person darstellen, sondern lediglich herausarbeiten, dass es hier Waititi und Hemsworth – anders als im dritten Thor-Film – nicht so überzeugend gelingt, überbordend anarchischen Humor in Einklang zu bringen mit den ernsten, düsteren und fatalistisch-tragischen Tönen ihrer Erzählung, auch wenn man sich merklich müht, den ernsten Momenten ihre Ernsthaftigkeit zu belassen. Das nützt aber wenig, wenn im nächsten Moment wieder zwei dauerkreischende Ziegen die Szenerie an sich reißen, auch wenn ich über die – zugegebenermaßen – unverhältnismäßig viel habe lachen müssen. In Sachen Humor trifft Waititi hier also durchaus meinen Nerv und mit Jojo Rabbit hat er mehr als eindrucksvoll unter Beweis gestellt, Komödie und Drama vereinen zu können, doch hier, so sehr ich es mir anders gewünscht hätte, scheitert er mit diesem Ansinnen und wahrscheinlich hätte Thor: Love and Thunder sogar besser funktioniert, wenn man anstelle von Gorr einen gesichtslosen Fiesling ins Feld geführt und vielleicht sogar auf den Jane-Foster-Subplot verzichtet hätte, weil man sich dann vorbehaltlos und ohne lästigen Story-Ballast dem Trash-Appeal, der Rock-Attitüde und dem Action-Exzess hätte widmen können, die für sich genommen durchaus funktionieren. Andererseits würde man dann natürlich auch auf Natalie Portman (Vox Lux) verzichten, die einen echten Gewinn darstellt und eine wirklich gelungene Rückkehr im MCU feiert, der es sogar gelingt, den doch abrupten Weggang nachträglich ein wenig zu retuschieren.

Szenenbild aus Thor 4: Love and Thunder | © Walt Disney
© Walt Disney

Während man nun aber mit den beiden Cast-Ergänzungen grundsätzlich nichts falsch macht und ihnen gar Gelegenheit gibt, im Rahmen der Möglichkeiten einer Superhelden-Chose ihr schauspielerisches Talent zu nutzen, ist es eben mehr der Rest, der ein wenig zu albern, ein wenig zu entgleist, ein wenig zu hektisch daherkommt, um wirklich überzeugen zu können, zumal man sich von Thors Team-up mit den Guardians of the Galaxy, wie schon zum Ende von Endgame angedeutet, wohl sicherlich mehr erhofft hätte als ein ausgedehnteres Cameo, bevor Star-Lord und Konsorten wieder ihrer Wege ziehen. Bleibt schlussendlich in diesem zuweilen richtungslos wirkenden Reigen ein immerhin bestens aufgelegter Chris Hemsworth (Der Spinnenkopf), der noch immer sichtliche Freude an der Neuausrichtung seiner Figur hat, der mit Schmackes und Verve jeden Spaß mitzumachen bereit ist und mit augenzwinkernder Attitüde sowohl den Weltraum-Hippie als auch den egozentrischen Weltenretter zu geben bereit ist, der sich durch ein meist aberwitziges Abenteuer prügelt und blitzt, während es eines seiner größten Probleme bleibt, dass seine Axt Sturmbrecher gar nicht begeistert davon ist, dass er sich bei jeder sich bietenden Gelegenheit an seinen Ex-Hammer Mjölnir heranschmeißt. Ja, das ist ein Running Gag, über den man schmunzeln oder ob dem man mit der Stirn runzeln kann, doch hilft es ungemein, wenn man Thor: Love and Thunder als das betrachtet, was er ist: eine streckenweise übersteuerte, merklich freidrehende Chose, der leider selten die richtige Balance findet zwischen Ernst und Klamauk und sich dadurch einiges an Möglichkeiten verspielt. Spaß macht das Ganze dennoch, aber in Anbetracht von Storylines wie denen von Gorr und Jane Foster wäre eben weit mehr möglich gewesen als das.

Fazit & Wertung:

Man merkt Thor: Love and Thunder durchaus an, dass Taika Waititi und Chris Hemsworth in weiten Teilen freigedreht haben und daran sichtlich Spaß hatten, doch ersticken Klamauk und Albernheiten jegliche Ernsthaftigkeit und Tragik, die theoretisch den Figuren von Gorr und Jane innewohnen könnten. Das lässt das Ergebnis dramaturgisch ungemein unrund wirken, auch wenn die Chose freilich noch immer viel Spaß macht.

7,5 von 10 Reisen durch den Bifröst

Thor 4: Love and Thunder

  • Reisen durch den Bifröst - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Man merkt Thor: Love and Thunder durchaus an, dass Taika Waititi und Chris Hemsworth in weiten Teilen freigedreht haben und daran sichtlich Spaß hatten, doch ersticken Klamauk und Albernheiten jegliche Ernsthaftigkeit und Tragik, die theoretisch den Figuren von Gorr und Jane innewohnen könnten. Das lässt das Ergebnis dramaturgisch ungemein unrund wirken, auch wenn die Chose freilich noch immer viel Spaß macht.

7.5/10
Leser-Wertung 8/10 (1 Stimme)
Sende

Thor 4: Love and Thunder ist seit dem 08.09.22 bei Disney+ verfügbar. Am 13.10.22 wird der Film auf DVD, Blu-ray und 4K UHD Blu-ray bei Walt Disney erscheinen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

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Eine Reaktion

  1. Massimo 14. Oktober 2022

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