Review: Doctor Strange in the Multiverse of Madness (Film)

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Es scheint mir durchaus naheliegend, den derzeit noch aktuellsten MCU-Film als Freitagsfilm zu kredenzen und deshalb tue ich das jetzt auch einfach mal und verabschiede mich einstweilen in die freien Tage.

Doctor Strange in the Multiverse of Madness

Doctor Strange in the Multiverse of Madness, USA 2022, 126 Min.

Doctor Strange in the Multiverse of Madness | © Walt Disney
© Walt Disney

Regisseur:
Sam Raimi
Autor:
Michael Waldron

Main-Cast:
Benedict Cumberbatch (Doctor Stephen Strange)
Elizabeth Olsen (Wanda Maximoff / The Scarlet Witch)
Chiwetel Ejiofor (Baron Mordo)
Benedict Wong (Wong)
Xochitl Gomez (America Chavez)
Jett Klyne (Tommy Maximoff)
Julian Hilliard (Billy Maximoff)
Sheila Atim (Sara)
Adam Hugill (Rintrah)
Michael Stuhlbarg (Dr. Nic West)
Rachel McAdams (Dr. Christine Palmer)
Special Guests:
Hayley Atwell (Captain Carter)
Anson Mount (Black Bolt)
Lashana Lynch (Captain Marvel)
John Krasinski (Reed Richards)
Patrick Stewart (Professor Charles Xavier)

Genre:
Action | Abenteuer | Fantasy | Horror

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Doctor Strange in the Multiverse of Madness | © Walt Disney
© Walt Disney

Gerade noch macht Doctor Stephen Strange gute Miene zum bösen Spiel, als er der Hochzeit seiner Ex-Freundin Christine Palmer beiwohnt und ihr glaubhaft zu versichern versucht, glücklich zu sein, da bricht auf den Straßen New Yorks ein heilloses Chaos aus und kurz nach dem Eintreffen des Helden offenbart sich ein riesiges Tentakelmonster als Ursprung der Aufregung, während es versucht, eine Teenagerin in die schleimigen Arme zu kriegen, die Strange bereits in einem mehr als merkwürdigen Traum begegnet ist. Als die Gefahr gebannt ist, stellt sie sich als America Chavez vor und eröffnet ihm, in Momenten größter Angst durch die Universen reisen zu können, was auch dringend vonnöten ist, weil ihr stets neue, monströse Kräfte auf den Fersen sind. Strange, der unlängst mit den Tücken des Multiversums in Kontakt gekommen ist, wendet sich kurzerhand hilfesuchend an Wanda Maximoff, die seit den Ereignissen rund um Westview allein auf einer beschaulichen Farm lebt. Ob das allerdings genügt, den Mächten Einhalt zu gebieten, die das Multiversum nach America durchstreifen, wird sich erst zeigen müssen…

Rezension:

Nicht nur was den ersten Doctor-Strange-Film von 2016 angeht, sondern auch in Bezug auf den direkten MCU-Vorgänger Spider-Man: No Way Home hatte Doctor Strange in the Multiverse of Madness ein durchaus schweres Erbe anzutreten und so gut er mir in Summe auch gefallen haben mag, kann ich gleich vorwegschicken, dass er an beide genannten Werke nicht heranreicht. Das heißt nicht, dass mir das Ergebnis nicht dennoch sehr gut gefallen hätte, sondern im vorliegenden Fall nur, dass ich mir – auch anhand des Titels – etwas mehr und vielleicht auch anderes erwartet hätte. Das beginnt schon damit, dass die Pforten zum Multiversum nun offenkundig offen stehen, aber wenig Rückbezüge auf das vorangegangene Spider-Man-Abenteuer oder auch Loki vorhanden sind, ganz so, als wäre es eine zufällige Überschneidung, dass nun eben auch Strange persönlich noch einmal mit einem multiversalen Problem konfrontiert wird. Sei es drum, kann man mit diesem Gefühl noch gut leben, während es mich mehr stört, dass der Film beinahe zu sehr auf sein hohes Tempo setzt und dabei manche Chance verpasst, auch ruhigeren Momenten und charaktergetriebenen Entscheidungen ein wenig Raum zur Entfaltung zu geben.

Szenenbild aus Doctor Strange in the Multiverse of Madness | © Walt Disney
© Walt Disney

Das beginnt schon mit dem optisch spektakulären, aber eben auch bewusst auf reißerisch getrimmtem Auftakt, der gleichermaßen Marschrichtung und Geschwindigkeit anteasert. Das mag alles einnehmend und schmissig inszeniert sein, bietet aber letztlich wenig Neues und Unerwartetes. Zum Glück liefert das Skript bald ein paar simple wie effektive Kniffe, die Erzählung in eine doch unerwartete Richtung zu lenken, auch wenn das vielerorts längst gespoilert worden sein dürfte. Schön auch, wie sich Strange recht unmittelbar an Wanda (Elizabeth Olsen, Wind River) wendet, während hier auch explizit die Ereignisse aus WandaVision referenziert werden, die man quasi – was ihre Figur zumindest betrifft – als Vorgeschichte zu den Ereignissen betrachten kann, was auch der Serie im Nachgang zusätzliche Bedeutung verleiht und zeigt, dass eben auch in Phase 4 des MCU einiges miteinander verzahnt ist, auch wenn die Zusammenhänge längst noch nicht so klar scheinen, wie das bei früheren Projekten innerhalb der Infinity-Saga gewesen ist. Wenn es allerdings um Querverbindungen zu anderen MCU-Vertretern geht, vermag Doctor Strange in the Multiverse of Madness auch mit Enttäuschungen aufzuwarten, denn ich dachte wirklich, hier würden eventuell Ereignisse aus der ersten Staffel What If…? aufgegriffen werden, doch letztlich beschränken sich die Koinzidenzen auf Figuren, die durchaus den Variationen der Animationsserie entsprechen könnten, aber eben nicht müssen. So gestaltet sich einiges von dem, was man gemeinhin als Fanservice umschreiben würde, als zweischneidiges Schwert, denn mittlerweile wissen wir, für welche Art Gastauftritte und Überraschungen so ein Multiversum gut sein kann und da zählt es zu einer der kleinsten Überraschungen, dass es Mordo (Chiwetel Ejiofor, The Old Guard) in einer Paralleldimension zum Sorcerer Supreme gebracht hat. Da werden dann längst beerdigte Serien wieder aufgegriffen, Fanwünsche erfüllt und zerstört und letztlich Verbindungen zum X-Men-Franchise unter FOX geschaffen, die letztlich aber alle ohne tiefere Bedeutung bleiben, weil eine Variante im Multiversum durchaus nicht gleichbedeutend mit der gemeinhin bekannten Version des Charakters sein muss und dadurch – beispielsweise – auch schnell mal das Zeitliche segnen kann. Hier muss man ganz klar festhalten, dass es No Way Home weit besser verstanden hat, das Multiversum zu präsentieren und zu nutzen, obwohl die Pforten dort nur zaghaft geöffnet, hier mit Wucht aufgestoßen worden sind.

Eine versäumte Gelegenheit ist aber auch, dass man zwar rein rechnerisch auf gut zwei Dutzend Multiversen kommen mag, die hier kredenzt werden, doch handelt es sich überwiegend um Stippvisiten wenn nicht gar Schnappschüsse, derweil die interessanten Konzepte gerade mal für den Bruchteil einer Sekunde zu sehen sind und man sich letztlich darauf besinnt, in doch unserer sehr ähnlichen Welten zu landen. Dafür aber ist immerhin der Einfluss von Regisseur Sam Raimi durchaus spürbar, dessen Spider-Man-Trilogie jüngst erst wieder zu neuer Popularität gelangt ist, der sich seine Meriten aber natürlich weit eher im Horror-Metier verdient hat und davon auch hier einiges – freilich im Rahmen der quasi vorgegebenen Altersfreigabe PG-13 – einfließen lassen darf, um aus Doctor Strange in the Multiverse of Madness den ersten Vertreter des MCU zu machen, der offiziell das Label "Horror" trägt, auch wenn es hier wirklich nur in Richtung leichten Grusel und einen Hauch Splatter tendiert. Dennoch, was Raimi gelingt und wie er es inszeniert, verdient Hochachtung und vermag durchweg zu gefallen, weshalb der Film letztlich auch für immer einen Stein bei mir im Brett haben wird, auch wenn er ein Schaulaufen verpasster oder ungenutzter Möglichkeiten veranstaltet. Hinzu kommt, dass er einerseits mit seinen kaum mehr als zwei Stunden irritierend knapp bemessen wirkt (für einen MCU-Blockbuster), andererseits – wenn man sich die eigentliche Handlung noch einmal auf der Zunge zergehen lässt – viel zu lang wirkt für das, was effektiv passiert ist.

Szenenbild aus Doctor Strange in the Multiverse of Madness | © Walt Disney
© Walt Disney

Also ja, Doctor Strange in the Multiverse of Madness wirkt überfrachtet und gleichzeitig inhaltlich sehr überschaubar, stürzt sich in den Wahnsinn des Multiversums und bleibt letztlich doch sehr handzahm, referenziert cthuluoide Welten und weiß dann wenig damit anzufangen, bietet haufenweise Fanservice, aber lässt ihn überwiegend belanglos wirken. Man würde meinen, das ergäbe eine weit enttäuschendere Mischung, doch die allgemeine Marschrichtung vermag ebenso zu überzeugen wie die souveräne Inszenierung, die Sprüche, der Abwechslungsreichtum, ganz davon ab, dass selbstredend auch Benedict Cumberbatch (Edison) wieder in jedem Moment überzeugt und sich bereitwillig auf jeden Wahnsinn einlässt, zu dem Regisseur Raimi und Drehbuchautor Michael Waldron (der auch schon an Loki federführend beteiligt gewesen ist) ihn einladen, was insbesondere mit Blick auf mutliversale Varianten von Doctor Strange stets ein Erlebnis ist. So funktioniert der Film letztlich als Einzelwerk wie Bindeglied gleichermaßen, unterhält und reißt mit, vermag aber nicht dieselben Begeisterungsstürme zu entfachen wie eben beispielsweise der zuvor erschienene Spider-Man, weil dafür wirkt hier doch zu vieles zu rudimentär behandelt, was man unter anderem auch an Rachel McAdams (Eurovision Song Contest) festmachen kann, deren Figur Christine Palmer zwar immer noch Teil der Erzählung ist, aber längst nicht die emotionale Bewandtnis mit sich bringt, wie das noch im ersten Teil der Fall gewesen ist. Überhaupt merkt man gehörig, dass zwischen den zwei Doctor Strange-Filmen immerhin sechs Jahre liegen, in denen einiges passiert ist, was einen sowohl positiven wie negativen Eindruck hinterlässt, der irgendwie exemplarisch ist für das, was Sam Raimi hier anbietet. Immerhin, das Positive überwiegt deutlich und merklich, es ist nur schlichtweg ärgerlich, dass hier an so vielen Ecken und Enden Potential verschenkt wird, denn von einem "Multiverse of Madness" würde man sich wohl schlicht mehr erwarten, als dass es im Grunde von A nach B nach C geht, um von dort wieder nach Hause zu reisen.

Fazit & Wertung:

Der von Sam Raimi durchaus ambitioniert und stilsicher inszenierte Doctor Strange in the Multiverse of Madness ist einerseits ein tempo- und actionreicher Spaß ohne merkliche Durchhänger geworden, doch andererseits wirkt der Plot letztlich sehr überschaubar. Eine ambitionierte Inszenierung, großartige Darsteller*innen und spektakuläre Effekte reißen hier zum Glück einiges raus, doch ein wenig mehr Tiefgang wäre durchaus wünschenswert gewesen.

8 von 10 bereisten Parallel-Universen

Doctor Strange in the Multiverse of Madness

  • Bereiste Parallel-Universen - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Der von Sam Raimi durchaus ambitioniert und stilsicher inszenierte Doctor Strange in the Multiverse of Madness ist einerseits ein tempo- und actionreicher Spaß ohne merkliche Durchhänger geworden, doch andererseits wirkt der Plot letztlich sehr überschaubar. Eine ambitionierte Inszenierung, großartige Darsteller*innen und spektakuläre Effekte reißen hier zum Glück einiges raus, doch ein wenig mehr Tiefgang wäre durchaus wünschenswert gewesen.

8.0/10
Leser-Wertung 7/10 (1 Stimme)
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Doctor Strange in the Multiverse of Madness ist seit dem 22.06.22 bei Disney+ verfügbar. Am 28.07.22 wird der Film auf DVD, Blu-ray und 4K UHD Blu-ray bei Walt Disney erscheinen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

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