Review: Im August in Osage County (Film)

Und wieder arbeite ich unermüdlich einen Eintrag meiner schier unendlich scheinenden Watchlist ab, freue mich in dem Fall aber ganz besonders, dem Film endlich Zeit und Aufmerksamkeit gewidmet zu haben.

Im August in Osage County

August: Osage County, USA 2013, 121 Min.

Im August in Osage County | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Regisseur:
John Wells
Autorin:
Tracy Letts (Drehbuch & Stück)

Main-Cast:
Meryl Streep (Violet Weston)
Julia Roberts (Barbara Weston)
Ewan McGregor (Bill Fordham)
Chris Cooper (Charlie Aiken)
in weiteren Rollen:
Abigail Breslin (Jean Fordham)
Benedict Cumberbatch (Little Charles Aiken)
Juliette Lewis (Karen Weston)
Margo Martindale (Mattie Fae Aiken)
Dermot Mulroney (Steve Huberbrecht)
Julianne Nicholson (Ivy Weston)
Sam Shepard (Beverly Weston)
Misty Upham (Johnna Monevata)

Genre:
Drama

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Im August in Osage County | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Beverly und Violet Weston führen seit Jahren eine Bilderbuchehe der etwas anderen Art, denn während er sich mit ihrem Tablettenmissbrauch längst abgefunden hat, stößt sie sich nicht mehr an seiner überbordenden Trinkerei und so lebt man in aller Gehässigkeit nebeneinanderher, bis zu dem Tag zumindest, an dem Beverly verschwindet. Dies wiederum ruft die gemeinsamen Töchter Barbara, Ivy und Karen auf den Plan, die nebst Anhang eiligst nach Osage County eilen, um ihrer Mutter beizustehen. Die zunehmend verbitterter gewordene Violet allerdings hat nun eben nicht gerade ein einfaches, geschweige denn harmonisches Verhältnis zu ihren Töchtern und selbst deren Freunde und Ehegatten erdreisten sich, sich in die Familienangelegenheiten einzumischen, was Streitereien und Auseinandersetzungen sondergleichen nach sich zieht, in deren weiterem Verlauf seit Jahren schlummernde Konflikte wieder hochkochen und zahlreiche Familiengeheimnisse ans Tageslicht gezerrt werden…

Rezension:

Wer schon immer einmal erleben wollte, was passiert, wenn man einen illustren Reigen aus nicht weniger als elf gleichermaßen namhaften wie fähigen, teils Oscar-prämierten oder zumindest nominierten Schauspielerinnen und Schauspielern in den Ring wirft, um ein mit dem Pulitzer-Preis bedachtes Theaterstück für die Kinoleinwand zu adaptieren, der sollte sich Im August in Osage County nicht entgehen lassen und nachdem der Film einige Zeit unbeachtet auf meiner Wunschliste vor sich hin dümpelte, bin ich nun umso glücklicher, ihm endlich Zeit und Aufmerksamkeit gewidmet zu haben, denn was hier in guten zwei Stunden Spielzeit auf die Leinwand gebracht worden ist, hätte andernorts sicherlich für die Jahresstaffel einer handfesten Drama-Serie genügt, was natürlich den Gedanken keimen lässt, das Geschehen könne sicherlich reichlich konstruiert und überladen wirken, doch gelingt es dem fähigen Team rund um Regisseur Jon Wells, selbst diese Gefahren zu umschiffen.

Szenenbild aus Im August in Osage County | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Das mag natürlich in hohem Maße auch Tracy Letts geschuldet sein, auf dessen Stück nicht nur der Film basiert, sondern der sich auch noch gleich selbst an die Drehbuch-Adaption begeben hat, derweil man ihn als Film-Freund beispielsweise von Killer Joe kennen dürfte, denn selbiger Film beruht ebenfalls auf einem Stück aus dessen Feder. Ansonsten haben diese beiden Filme aber herzlich wenig miteinander gemein und auch wenn man sicher sein kann, dass die Film-Version von Im August in Osage County sicherlich nicht die Tiefe und Bedeutungsschwere des Stücks erreichen dürfte, ist der Film dafür umso atmosphärischer und setzt seinen Fokus klar auf den schwarzhumorigen, tragikomischen Aspekt der Geschichte, was dem Film ungemein gut zu Gesicht steht, zumal er dabei den genannten Darstellerinnen und Darstellern mehr als einmal Gelegenheit gibt, vor der Kamera regelrecht zu eskalieren, was ebenso leicht in Overacting hätte abdriften können, doch macht es sich in dieser Hinsicht sicherlich bezahlt, einen derartigen All-Star-Cast versammelt zu haben, an dessen Spitze nicht von ungefähr Meryl Streep und Julia Roberts stehen, die sich hier die Seele aus dem Leib spielen dürfen.

So handelt Im August in Osage County nicht nur von zuweilen schwieriger Familienbande, sondern wirft neben Alkoholismus und Tablettenabhängigkeit, Verrat, Betrug, Verleumdung bis hin zu Inzest allerhand im Grunde schwermütiges Material in die Waagschale und bewahrt sich dennoch eine Leichtfüßigkeit, die nicht von dieser Welt zu sein scheint. Nicht unerwähnt bleiben sollen aber auch die weiteren Schauspieler, die samt und sonders zu überzeugen, teils zu begeistern verstehen, ob es sich nun um Chris Cooper als prinzipientreuen Ehemann der von Margo Martindale verkörperten Mattie Fae handelt, Ewan McGregor (Perfect Sense) als Ex-Mann der von Roberts gespielten Barbara, der sich die meiste Zeit zurückhaltend gibt und in seinen kurzen Wutausbrüchen dafür umso mehr überrascht, der bekanntermaßen extrem wandelbare Benedict Cumberbatch (12 Years a Slave) in der Rolle des gutmütig-schusseligen, von Mattie Fae ein ums andere Mal kritisierten Little Charles Aiken, der von Dermot Mulroney verkörperte Macho Steve und nicht zuletzt der nur anfänglich kurz in Erscheinung tretende, quasi in die Geschichte einführende Beverly Weston, gespielt von Sam Shepard.

Szenenbild aus Im August in Osage County | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Ungleich wichtiger aber als die männlichen Parts ist die weibliche Besetzung, denn abgesehen von Meryl Streep als an Krebs erkrankte Violet Weston fokussiert die Geschichte vorrangig auf deren drei Töchter, die auch den Grund darstellen, weshalb hier eine solch illustre Schar an Personen in dem alten Elternhaus Einzug hält und da wären neben Julia Roberts als Barbara eben noch Juliette Lewis (Sympathy for Delicious) als reichlich naive Karen – die allerdings einen eher kleinen Part in dem Reigen einnimmt – und Julianne Nicholson (The Red Road) als ewig alleinstehende Ivy zu nennen, derweil Abigail Breslin (Ender’s Game – Das große Spiel) als Tochter der Figuren von Roberts und McGregor in Erscheinung tritt, womit wir die Runde komplettiert hätten. Und wer jetzt der Meinung ist, den Figuren könne gar nicht gerecht werden bei dieser Fülle an Charakteren, der darf sich schon jetzt auf ungemein geschliffene, zu jedem Zeitpunkt pointierte Dialoge freuen, die all diese Gestalten ins rechte Licht rücken und bei wechselnder Besetzung aufeinanderhetzen, so dass kaum eine Figur wirklich zu kurz kommt, wobei wie gesagt der Fokus sicherlich klar zu verorten ist. Wie sich das aber auch für eine Tragikomödie gehört, wird das Geschehen zunehmend bissiger und düsterer, bis es in einem Ende kulminiert, dass vielleicht nicht jedem gefallen dürfte, in meinen Augen aber im Grunde den einzig möglichen Schluss darstellt, der nicht aufgesetzt und wie an den Haaren herbeigezogen wirken würde, womit Im August in Osage County bis zum letzten Moment konsequent bleibt und mit dem guten Gefühl zurücklässt, einen wahrhaft außergewöhnlichen Film gesehen zu haben, bei dem wirklich jeder Beteiligte zu brillieren versteht und das allein kommt selten genug vor.

Fazit & Wertung:

Die von Jon Wells inszenierte Adaption Im August in Osage County, basierend auf dem gleichnamigen und preisgekrönten Theaterstück von Tracy Letts, versammelt ein unvergleichliches Star-Aufgebot, um selbige als Teil einer ungemein dysfunktionalen Familie in einer zunehmend schwarzhumoriger werdenden Tragikomödie aufeinanderzuhetzen und ein ungemein bissiges, pointiertes Filmerlebnis zu schaffen, das man in dieser Art und Güte nur selten geboten bekommt.

9 von 10 Familienfehden

Im August in Osage County

  • Familienfehden - 9/10
    9/10

Fazit & Wertung:

Die von Jon Wells inszenierte Adaption Im August in Osage County, basierend auf dem gleichnamigen und preisgekrönten Theaterstück von Tracy Letts, versammelt ein unvergleichliches Star-Aufgebot, um selbige als Teil einer ungemein dysfunktionalen Familie in einer zunehmend schwarzhumoriger werdenden Tragikomödie aufeinanderzuhetzen und ein ungemein bissiges, pointiertes Filmerlebnis zu schaffen, das man in dieser Art und Güte nur selten geboten bekommt.

9.0/10
Leser-Wertung 8/10 (1 Stimme)
Sende

Im August in Osage County ist am 07.08.14 auf DVD und Blu-ray bei Universal Pictures erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

  • Stepnwolf

    Der liegt auch schon ewig auf dem Watchlist-Berg. Ich tue mich immer sehr schwer mit Meryl Streep (Ich weiß, Schande über mich!) und auch Julia Roberts weckt keine besondere Ambition, den Film sofort zu schauen. Aber zwei Gründe gibt es dennoch: Zum einen natürlich Cumberbatch, der immer irgendwie funktioniert und dann Juliette Lewis, die ich immer gern sehe, auch weil sie in letzter Zeit schauspielerisch eher nicht so oft auftaucht.

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