Review: Preacher | Staffel 1 (Serie)

Jau, es ist wieder verhältnismäßig spät geworden, aber keine Sorge, ich lasse nicht ein weiteres Mal die samstägliche Serien-Review ausfallen und habe heute gar vier Artikel zum Thema aufs "Papier" gebracht und einen davon gibt es eben jetzt, weil Samstag ist, klar.

Preacher
Staffel 1

Preacher, USA 2016-, ca. 50 Min. je Folge

Preacher | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Serienschöpfer:
Sam Catlin
Evan Goldberg
Seth Rogen
Garth Ennis (Comic-Vorlage)
Showrunner:
Sam Catlin

Main-Cast:
Dominic Cooper (Jesse Custer)
Joseph Gilgun (Cassidy)
Ruth Negga (Tulip O’Hare)
Lucy Griffiths (Emily)
W. Earl Brown (Hugo Root)
Tom Brooke (Fiore)
Anatol Yusef (DeBlanc)
Ian Colletti (Arseface)
Derek Wilson (Donnie Schenck)
Graham McTavish (The Cowboy)
in weiteren Rollen:
Jackie Earle Haley (Odin Quincannon)
Ricky Mabe (Miles Person)
Gianna LePera (Tracy Loach)
Jamie Anne Allman (Betsy Schenck)
Bonita Friedericy (Terri Loach)
Nathan Darrow (John Custer)

Genre:
Fantasy | Mystery | Drama | Western

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Preacher | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Der Prediger Jesse Custer fristet im texanischen Örtchen Annville ein tristes Dasein, hat den Glauben im Grunde längst verloren und geht seiner "Berufung" nur noch aus falschem Pflichtgefühl nach und weiß die Gemeinde kaum noch für sich zu erwärmen. Unterdessen geht Genesis auf die Erde nieder und sucht nach einem Wirtskörper, was zur Folge hat, dass auf der ganzen Welt Priester und Prediger wortwörtlich bersten, doch scheinbar erachtet es Jesse als würdig und fährt schlussendlich in ihn. Es dauert eine Weile, bis Jesse erkennt, dass er wohl über eine neue Begabung verfügt, denn fortan gehorcht ihm jeder aufs Wort und sei die Aufforderung noch so absurd oder selbstzerstörerisch, was ihm in seiner Funktion als Prediger natürlich ganz neue Möglichkeiten eröffnet. Zu diesem Zeitpunkt kehrt nicht nur Jesses Exfreundin Tulip O’Hare in die Stadt zurück, sondern auch Cassidy tritt in sein Leben, ein irischer Vampir (wovon Jesse allerdings nichts weiß), derweil selbst aus den himmlischen Höhen längst Mächte unterwegs sind, um Genesis wieder dingfest zu machen, während Cassidy zunächst denkt, die rätselhaften Männer hätten es auf ihn abgesehen…

Rezension:

Ein gutes Dreivierteljahr ist vergangen, seit die erste Staffel Preacher dank Amazon Prime auch hierzulande verfügbar ist (mittlerweile natürlich längst auch auf DVD/Blu-ray erschienen) und endlich habe ich es nach mehreren Anläufen geschafft, die Serie zu sichten und zu besprechen. Die mehreren Anläufe haben dabei im Übrigen nichts mit der Qualität und dem Unterhaltungswert der Serie zu tun, sondern vielmehr damit, dass der gesteigerte Gore-Grad ein absolutes Ausschlusskriterium für meine Liebste waren, weshalb ich mich dem Prediger immer nur allein und somit spät abends widmen konnte, was natürlich eine zeitnahe Sichtung erschwert. Dabei merkt man der Serie wirklich vom ersten Moment an ihre Comic-Herkunft an – basiert die Story schließlich auf der gefeierten und gleichnamigen Comicbuchreihe von Kultautor Garth Ennis, der sich beispielsweise auch die Serie Crossed hat einfallen lassen, die seit bald zehn Jahren Erfolge feiert – , denn nicht nur das texanische Örtchen Annville und dessen Bewohner, sondern eben auch die Action, der Splatter-Faktor und die allgemein um sich greifende Skurrilität sind so spürbar überzeichnet, dass zu keinem Zeitpunkt Zweifel an der Herkunft der Geschichte aufkommen.

Szenenbild aus Preacher | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Dabei handelt es sich allerdings um weit mehr als eine simple Nacherzählung der Geschehnisse im Comic, sondern doch eher um eine recht freie Adaption, die zwar die zugrundeliegende Prämisse und auch die Hauptfiguren mit der Vorlage gemein hat, ansonsten aber spürbar eigene Wege geht, was sich allein daran belegen ließe, dass die Ortschaft Annville im Original nur auf wenigen Seiten eine Rolle spielt, während man sich hier sichtlich Mühe gibt, die Stadt und deren Einwohner zu charakterisieren und lebendig zu gestalten, so überzogen die Charaktereigenschaften und Spleens zuweilen auch sein mögen. Nun kenne ich allerdings die Vorlage nicht und berichte quasi aus zweiter Hand, maße mir also einen Vergleich zwischen Vorlage und Adaption in keiner Weise an, doch kann ich zumindest festhalten, dass es immer ein gutes Zeichen ist, wenn die Schöpfer der Vorlage – in diesem Fall eben Garth Ennis und Steve Dillon (der allerdings im vergangenen Jahr verstorben ist) – auch bei der Umsetzung involviert sind und dem Ganzen ihren Segen geben, was hier der Fall war. Besonders loben muss man derweil aber auch die Besetzung, denn nicht nur Dominic Cooper (Abraham Lincoln Vampirjäger) in der Hauptrolle des Jesse Custer ist unglaublich gut gewählt, sondern ebenso auch Ruth Negga (Agents of S.H.I.E.L.D.) als dessen Ex-Freundin Tulip O’Hare ist eine echte Offenbarung und so richtig schon tough und schlagkräftig, derweil Joseph Gilgun (Lockout) in der Rolle als nörgelnder und abgewrackter irischer Vampir mein persönliches Highlight war.

Szenenbild aus Preacher | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Und ja, Vampire gibt es auch in Preacher, ohne dass dem sonderlich Bedeutung beigemessen würde, was allein ich schon als Coup zu verbuchen bereit bin, während man sich auch davon abgesehen über allerhand Absurditäten freuen darf und es wirklich an jeder Ecke wahnwitzige Einfälle zu bestaunen gibt, deren früher Höhepunkt sicherlich eine ungemein großartig choreografierte Auseinandersetzung in einem Motel-Zimmer in der Folge Sundowner (1.06) sein dürfte, die mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird. Neben Absurdität sind es aber eben auch oft Splatter und Gore sowie rabenschwarzer Humor, die die Serie als Alleinstellungsmerkmale für sich zu verbuchen sucht und das gelingt ihr in den meisten Fällen auch formidabel, bieten schließlich Engel, Vampire und nicht zuletzt Jesses teilweise extrem destruktive, durch Genesis verliehene neue Fähigkeit enorm viele Möglichkeiten, sich auf einfallsreichste Weise diesen Qualitäten zu ergeben, derweil die Geschichte selbst im direkten Vergleich leider zuweilen ein wenig hintenansteht. Das nimmt seinen Anfang mit einer Handvoll Rückblenden, die in der Wild-West-Stadt Ratwater spielen und deren Bedeutung erst zum Abschluss der Staffel überhaupt deutlich wird und zieht sich ansonsten auch durch viele Folgen, die im Mittelteil leider einige Hänger aufweisen, während man es zumindest nicht versäumt, zum Ende der jeweiligen Episode noch schnell einen Kracher rauszuhauen, doch diesen Leerlauf hätte man sicherlich vermeiden können, ebenso wie die Tatsache, dass Custer in seinem Handeln doch oft recht wankelmütig wirkt und nicht immer nachvollziehbar bleibt, warum er sich zu einem bestimmten Zeitpunkt nun so verhält.

Szenenbild aus Preacher | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Das alles ist aber zu vernachlässigen, denn im Grunde kann man – sicherlich ähnlich wie beim Comic – sagen, dass man Preacher entweder liebt oder hasst, denn die respektlose Art, mit der hier zu Werke gegangen wird, die für viele Leute sicherlich fragwürdige Darstellung von Religion und Gott und der durchweg gesteigerte Gewaltgrad sind sicherlich Geschmackssache. Mir persönlich hat die Chose auf alle Fälle eine Menge Freude bereitet und auch wenn ich ausgerechnet mit dem Staffelfinale Call and Response (1.10) nicht ganz glücklich bin (es aber trotzdem enorm gut und vor allem konsequent fand), freue ich mich schon sehr auf die zweite Staffel, die ab dem 20. Juni 2017 erneut bei Amazon Prime verfügbar sein wird.

Fazit & Wertung:

Die erste Staffel Preacher ist ein herrlich schwarzhumoriges, respekt- und kompromissloses Serienvergnügen für Freunde absurder und teils extrem brutaler Geschichten, wobei die Staffel dramaturgisch zuweilen mit einigen Längen zu kämpfen hat und sich manchmal ein wenig zu sehr auf ihre überstilisierte Art verlässt. Das allerdings tut dem Spaß kaum einen Abbruch, wenn man denn diesem eigenwilligen Sujet grundsätzlich etwas abgewinnen kann, denn Art und Anspruch dieses abgedrehten Reigens dürften sicherlich nicht jedermanns Sache sein.

8,5 von 10 durch das "Wort Gottes" manipulierten Menschen

Preacher | Staffel 1

  • Durch das "Wort Gottes" manipulierte Menschen - 8.5/10
    8.5/10

Fazit & Wertung:

Die erste Staffel Preacher ist ein herrlich schwarzhumoriges, respekt- und kompromissloses Serienvergnügen für Freunde absurder und teils extrem brutaler Geschichten, wobei die Staffel dramaturgisch zuweilen mit einigen Längen zu kämpfen hat und sich manchmal ein wenig zu sehr auf ihre überstilisierte Art verlässt. Das allerdings tut dem Spaß kaum einen Abbruch, wenn man denn diesem eigenwilligen Sujet grundsätzlich etwas abgewinnen kann, denn Art und Anspruch dieses abgedrehten Reigens dürften sicherlich nicht jedermanns Sache sein.

8.5/10
Leser-Wertung 7/10 (1 Stimme)
Sende

Episodenübersicht: Staffel 1

01. Pilot (8,5/10)
02. See (8/10)
03. The Possibilities (8/10)
04. Monster Swamp (8/10)
05. South Will Rise Again (8,5/10)
06. Sundowner (9/10)
07. He Gone (8/10)
08. El Valero (8/10)
09. Finish the Song (8,5/10)
10. Call and Response (9,5/10)

 
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Preacher | Staffel 1 war seit dem 30.05.16 exklusiv bei Amazon Prime Instant Video verfügbar und ist am 06.10.16 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Sony Pictures erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

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