Review: GLOW | Staffel 1 (Serie)

Herzlich willkommen zum nächsten Super Serien-Samstag, an dem ich euch heute mal wieder von einer Netflix-Serie berichten möchte, die dich erstaunlich unterhaltsam gewesen ist, auch wenn man sich sicherlich mehr hätte erwarten können. Aber hey, lest (und schaut) doch einfach selbst!

GLOW
Staffel 1

GLOW, USA 2017-, ca. 32 Min. je Folge

GLOW | © Netflix
© Netflix

Serienschöpfer:
Liz Flahive
Carly Mensch
Ausführende Produzenten:
Liz Flahive
Carly Mensch
Jenji Kohan
Tara Herrmann

Main-Cast:
Alison Brie (Ruth Wilder)
Betty Gilpin (Debbie Eagan)
Sydelle Noel (Cherry Bang)
Britney Young (Carmen Wade)
Marc Maron (Sam Sylvia)
in weiteren Rollen:
Britt Baron (Justine Biagi)
Kimmy Gatewood (Stacey Beswick)
Rebekka Johnson (Dawn Rivecca)
Sunita Mani (Arthie Premkumar)
Kate Nash (Rhonda Richardson)
Marianna Palka (Reggie Walsh)
Gayle Rankin (Sheila the She-Wolf)
Kia Stevens (Tammé Dawson)
Jackie Tohn (Melanie Rosen)
Ellen Wong (Jenny Chey)
Chris Lowell (Bash)
Bashir Salahuddin (Keith)
Rich Sommer (Mark)

Genre:
Komödie | Drama | Sport

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus GLOW | © Netflix
© Netflix

Ruth Wilder wünscht sich im L.A. Mitte der Achtziger nichts sehnlicher, als als Schauspielerin durchstarten zu können und endlich Erfolg zu haben, doch gehen die – ohnehin kaum fordernden – Rollen immer an jemand anderes und wieder einmal geht das Geld zur Neige, als ihre Agentin ihr ein mehr als ungewöhnliches Stellengesuch zuschustert. Gemeinsam mit einer ganzen Horde ähnlich unbedarfter Frauen findet sich Ruth in einer heruntergekommenen Turnhalle wieder und befürchtet schon das Schlimmste, doch als der ambitionierte Regisseur Sam Sylvia den Damen eröffnet, eine Frauen-Wrestling-Show fürs Fernsehen produzieren zu wollen, ist dies natürlich auch nicht so weit vom Schlimmsten entfernt. Ungeachtet ihrer Vorbehalte und Skepsis erklärt sich Ruth – auch mangels Alternativen – bereit, eine "Rolle" in der Produktion zu übernehmen, ohne je mit Wrestling in Berührung gekommen zu sein. Zumindest hat Ruth noch ihre beste Freundin Debbie, um sich den Rücken stärken zu lassen, doch erfährt diese alsbald, dass Ruth mit ihrem Mann geschlafen hat und ist entsprechend schlecht auf sie zu sprechen. Dumm nur, dass Sam Sylvia sich prompt in den Kopf setzt, Debbie ebenfalls für die Show gewinnen zu wollen…

Rezension:

Okay, ich gebe es besser gleich von Vornherein zu, dass die Serie GLOW es einzig und allein Alison Brie (Sleeping with Other People), Community) zu verdanken hat, dass ich hier einen Blick riskiert habe, meinte ich schließlich, dass mich Wrestling – ob nun mit Männern oder Frauen – wirklich überhaupt nicht interessieren würde. Daran mag sich nun nach Sichtung der ersten, aus zehn Folgen bestehenden Staffel grundsätzlich auch nichts geändert haben, doch geht es eben bei den "Gorgeous Ladies of Wrestling" gar nicht in allererster Linie um den "Sport", sondern eben um die vielen schillernden Figuren, die einzelnen Charaktere und deren Beweggründe und Motivationen, was weitaus klassischere Motive sind als zunächst angenommen, weshalb ich mit der Serie auch überraschend schnell warm geworden bin.

Szenenbild aus GLOW | © Netflix
© Netflix

So präsentiert sich GLOW dann auch vom ersten Moment an als "typische" Dramedy, die von einem auf den anderen Moment zwischen Humor und Ernsthaftigkeit zu wechseln versteht, ist vor allem anderen aber extrem charmant in Szene gesetzt, derweil Freunde der Achtziger hier ohnehin auf ihre Kosten kommen dürften, was Make-Up, Klamotten, Haare, Styling und Musik anbelangt, wobei man hier wirklich merkt, wie viel Spaß es den Machern, Kostüm- und Set-Designern gemacht haben muss, in diese nachträglich so romantisierte Ära einzutauchen, was aber eben auch einen Großteil des Reizes der Serie ausmacht, wenn man einmal von den doch überraschend spärlich gesetzten Wrestling-Kämpfen absieht, die im Grunde erst im letzten Drittel nach und nach an Bedeutung gewinnen. Zunächst gilt es nämlich erst einmal, aus dem bunt zusammengewürfelten Haufen an Frauen ein echtes Team zu schweißen, was zusätzlich dadurch erschwert wird, dass Hauptfigur Ruth Wilder (Alison Brie) ihre beste Freundin Debbie (Betty Gilpin) hintergangen und mit deren Mann geschlafen hat, was natürlich enormes Konfliktpotential birgt und über die gesamte Staffel hinweg zu einer interessanten und vielschichtigen Feindschaft und Rivalität zwischen den beiden führt.

Apropos Dramedy solle ja aber auch spätestens seit Californication klar sein, dass ich ein großer Freund dieses kurzweiligen und unterhaltsamen, auch hier etwa halbstündigen Formates bin, doch liegen hier leider auch einige Schwachpunkte bei GLOW verborgen, denn je länger sich die Staffel zieht, umso mehr tritt dem Gefühl nach der Humor zuweilen in den Hintergrund, derweil viele der Dramen, die überwiegend kaum eine Halbwertzeit über die einzelne Folge hinaus besitzen, doch reichlich konstruiert und gekünstelt wirken, während ich mir gewünscht hätte, dass die vielen einzelnen Figuren des Wrestling-Teams noch viel eingehender beleuchtet werden. So wird beispielsweise die von Jackie Tohn verkörperte Melanie in der zweiten Episode Demut. Unterwerfung. (1.02) mit viel Tamtam als Störenfried und Zicke eingeführt, so dass man meinen würde, sie würde für den Rest der Staffel ausnahmslos Ärger verursachen, doch tritt die Figur alsbald wieder in den Hintergrund, um sich einer der anderen Damen zu widmen, die in der Summe jedoch allesamt nur rudimentär umrissen werden, derweil zumindest das Spiel mit den Klischees und Vorurteilen zuweilen sehr schön ist, denn der spleenige Regisseur Sam Sylvia – verkörpert von einem bestens aufgelegten Mark Maron und einer der stärksten Lach-Garanten der Staffel – orientiert sich selbst an diesen Archetypen, mit denen die Frauen oft mehr als unzufrieden sind, die er aber als Spiegel der Gesellschaft betrachtet.

Szenenbild aus GLOW | © Netflix
© Netflix

Überhaupt sind es die teils regelrecht übersteuerten Einfälle und Begebenheiten, der ab und zu zum Fremdschämen verleitende Humor, die schrille Attitüde der Serie an sich, die GLOW dann aber eben auch irgendwie lohnenswert und vor allem unterhaltsam machen, denn der Drama-Aspekt wusste doch aus oben genannten Gründen für mich oft nur leidlich zu zünden und trotzdem wusste ich am Ball zu bleiben und habe zumindest die zweite Hälfte der Staffel in einem durchgesuchtet, zumal es nach leichteren Durchhängern im Mittelteil hier auch spürbar bergauf geht. Ansonsten bin ich sehr gespannt, wie man eine dergestalt konzipierte Serie wohl fortführen könnte, denn der Charme der allerersten Gehversuche im Wrestling-Ring ist nun spätestens mit dem allerersten professionellen Auftritt dahin und das Konfliktpotential, was hier noch auf die letzten Meter aus dem Hut gezaubert wird, vermag sicherlich auch kaum eine ganze weitere Staffel zu tragen, doch dessen ungeachtet ist GLOW bis jetzt zumindest eine extrem charmante, unangepasste und eigenwillige kleine Serie, die man mitnichten gesehen haben muss, die aber durchaus zu gefallen weiß, wenn man denn bei den dramatischeren Tönen ein Auge zuzudrücken bereit ist, denn die wirken nicht annähernd so ausgereift wie die formidable Optik und der großartige Soundtrack, derweil natürlich der daraus resultierende Retro-Charme alles überstrahlt.

Fazit & Wertung:

Der Netflix-Produktion GLOW gelingt es dank ihres unverbrauchten Themas und dem offensiven Retro-Flair, die Sympathien auf ihre Seite zu ziehen, doch wirkt hier leider in dramaturgischer Hinsicht einiges noch ziemlich halbgar und zusammengewürfelt, so dass man sich in Sachen Unterhaltungswert weit mehr auf den komödiantischen Aspekt der ansonsten durchaus charmanten Chose konzentrieren muss. Ein grundsätzlich spannendes Serienkonzept, bei dem allerdings noch merklich Luft nach oben bleibt, das gleichwohl aber durchaus Lust auf mehr macht, was nicht zuletzt an der sympathischen Riege an unterschiedlichsten DarstellerInnen liegt.

7,5 von 10 mühsam choreografierten Moves

GLOW | Staffel 1

  • Mühsam choreografierte Moves - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Der Netflix-Produktion GLOW gelingt es dank ihres unverbrauchten Themas und dem offensiven Retro-Flair, die Sympathien auf ihre Seite zu ziehen, doch wirkt hier leider in dramaturgischer Hinsicht einiges noch ziemlich halbgar und zusammengewürfelt, so dass man sich in Sachen Unterhaltungswert weit mehr auf den komödiantischen Aspekt der ansonsten durchaus charmanten Chose konzentrieren muss. Ein grundsätzlich spannendes Serienkonzept, bei dem allerdings noch merklich Luft nach oben bleibt, das gleichwohl aber durchaus Lust auf mehr macht, was nicht zuletzt an der sympathischen Riege an unterschiedlichsten DarstellerInnen liegt.

7.5/10
Leser-Wertung 8/10 (1 Stimme)
Sende

Episodenübersicht: Staffel 1

01. Pilot (8/10)
02. Demut. Unterwerfung. (7/10)
03. Der Zorn der Vulva (7,5/10)
04. Das „Dusty Spur“ (7,5/10)
05. Debbie macht was (7,5/10)
06. This Is One of Those Moments (7,5/10)
07. Live-Publikum (8/10)
08. Vielleicht ist es die ganze Disco (7/10)
09. Der liberale Würgegriff (8/10)
10. Der Weg ist das Ziel (8/10)

 
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GLOW | Staffel 1 ist seit dem 13.06.17 exklusiv bei Netflix verfügbar.

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