Review: Man of Steel (Film)

Wurde ja mal allerhöchste Zeit, dass ich mich auch den DC-Filmen widme, auch wenn die im direkten Vergleich ja echt schlecht wegkommen, derweil auch dieser Vertreter im Grunde ein Paradebeispiel ist, wie man es nicht machen sollte. Aber gut, Hulk seinerzeit kam ja auch nicht eben super an und wir wissen was draus geworden ist.

Man of Steel

Man of Steel, USA/CA/UK 2013, 143 Min.

Man of Steel | © Warner Home Video
© Warner Home Video

Regisseur:
Zack Snyder
Autoren:
David S. Goyer (Drehbuch & Story)
Christopher Nolan (Story)

Main-Cast:
Henry Cavill (Clark Kent / Kal-El)
Amy Adams (Lois Lane)
Michael Shannon (General Zod)
Kevin Costner (Jonathan Kent)
Diane Lane (Martha Kent)
Laurence Fishburne (Perry White)
Russell Crowe (Jor-El)
in weiteren Rollen:
Antje Traue (Faora-Ul)
Ayelet Zurer (Lara Lor-Van)
Christopher Meloni (Colonel Nathan Hardy)

Genre:
Science-Fiction | Action | Abenteuer | Fantasy

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Man of Steel | © Warner Home Video
© Warner Home Video

Nicht wenige der Bewohner des Planeten Krypton sind der Meinung, ihre Heimat wäre dem Untergang geweiht und so beschließt auch der Wissenschaftler Jor-El, seinen neugeborenen Sohn Kal-El in eine Raumkapsel zu verfrachten, darauf hoffend, dass es ihm dereinst anderswo besser ergehen wird, derweil unter Führung von General Zod ein militärischer Putschversuch auf Krypton gestartet wird und der Planet tatsächlich kurz darauf der Zerstörung anheimfällt. Rund dreißig Jahre später lebt Kal-El noch immer von den Menschen unerkannt auf der Erde und nennt sich Clark Kent, doch treiben ihn Fragen nach seiner eigenen Herkunft um und ungeachtet seiner behüteten Kindheit bei Jonathan und Martha Kent im ländlichen Kansas hat er dem Elternhaus längst den Rücken gekehrt, um seiner eigentlichen Heimat auf die Spur zu kommen. Bei dieser Sinnsuche allerdings entdeckt ihn die Reporterin Lois Lane, als er ein abgestürztes Raumschiff inspiziert, woraufhin ihm eine Projektion seines Vaters erscheint. Die Aktivierung des Raumschiffs allerdings bringt auch den Aufwiegler Zod nach all den Jahren auf seine Spur und so macht sich der verbleibende Rest der abtrünnigen kryptonischen Flotte auf den Weg Richtung Erde…

Rezension:

Nachdem sich Batman und Superman ihr erstes Duell geliefert haben und nachdem allerorten im Moment Wonder Woman mehr oder minder ausgeprägt gehypt wird, wurde es dann doch allerhöchste Zeit, mich auch einmal dem DC-Kosmos zu widmen und nicht immer nur die Marvel-Schiene zu fahren und entsprechend macht da natürlich Man of Steel den Anfang, wobei ich gleich vorwegschicken darf, dass es sich mitnichten um die Erstsichtung gehandelt hat, ich mich nur lediglich ein ums andere Mal schwer getan habe, den Film adäquat zu besprechen. Theoretisch bringt er nämlich alle Voraussetzungen mit, um mir persönlich mehr als nur ein wenig zu imponieren, denn einerseits bin ich großer Verfechter dessen, was Zack Snyder bislang so auf die Leinwand gebracht hat, andererseits kann ich auch nicht behaupten, mich nicht als Nolan-Fanboy zu betrachten, der hier ja nun einmal gemeinsam mit David S. Goyer am Skript gearbeitet und sich als Produzent betätigt hat, so dass man meinen würde, der Film könne ja quasi nur bejubelt werden von mir, doch dem ist leider nicht so. Das beginnt mit einem ganz essentiellen Problem, dessen Ursache bei mir selbst zu suchen ist, nämlich, dass ich mit Superman als Held nie so recht warm werden wollte, weil mir das Konzept eines Außerirdischen, der nach irdischen Maßstäben gottgleiche Kräfte hat und jederzeit den Strahlemann und Gutmenschen gibt, der keiner Fliege was zuleide kann, nie so recht zusagen wollte, weshalb ich auch grundsätzlich den Ansatz hier begrüße, Clark Kent aka Superman aka Kal-El mit ein wenig mehr Grauschattierungen zu versehen, was zumindest im Ansatz geglückt sein mag, derweil ich Henry Cavill (Krieg der Götter) durchaus für charismatisch genug halte, die Rolle zu schultern. Problematischer wird es dann allerdings bei der Inszenierung selbst oder besser gesagt dem Storytelling, denn das ist reichlich verworren, wobei es mir hier nicht darum geht, dass ich dem Geschehen nicht hätte folgen können, sondern schlicht und ergreifend darum, dass die narrative Struktur unnötig verschachtelt erscheint und dadurch sämtliche Geschehen auf ärgerlichste Art zerfasern.

Szenenbild aus Man of Steel | © Warner Home Video
© Warner Home Video

Dabei beginnt Man of Steel noch durchaus stringent mit einem längeren Prolog auf dem im Niedergang begriffenen Krypton, inklusive Augenöffner-Optik und einem charismatischen Russell Crowe (Noah) als Kal-Els Vater Jor-El, der gegen die hiesige Ordnung aufbegehrt und sich gleichsam dem Aufwiegler Zod in den Weg stellt, der nicht minder Präsenz und Ausstrahlung von dem großartigen Michael Shannon (99 Homes) in Szene gesetzt wird, doch so vielversprechend dieser ausgedehnte Auftakt auch sein mag, stellt er im Grunde das Highlight des Films dar, denn von da an geht es leider in mehrerlei Hinsicht bergab. Ein harter Cut bringt den Zuschauer ins Hier und Jetzt, Clark Kent verdingt sich auf einem Schiff, es kommt zum Unglück, er bekommt die Chance, ein paar Leben zu retten, woraufhin er sich seiner Kindheit erinnert, wo er wieder ein paar Leute rettet, bevor wir seinen Ziehvater – immerhin, Kevin Costner – kennenlernen, um von dort in die Gegenwart zurück zu gelangen, um von dort keine zwei Minuten später auf die von Amy Adams (American Hustle) verkörperte Lois Lane zu schwenken, der eine rätselhafte Begegnung im Eis bevorsteht, bevor wieder einmal kaum zehn Minuten später die Szenerie auf Lanes‘ Zeitungsredaktion schwenkt.

Mir liegt mitnichten daran, den Film zu spoilern oder Dinge vorwegzunehmen, weshalb ich mich in punkto Details auch arg zurückgehalten habe, aber ausgehend von dem Prolog auf Krypton umreißt das danach geschilderte Geschehen kaum weitere zwanzig Minuten und das hätte man ohne Frage eleganter lösen können, zumal einem dank dieser Herangehensweise die Figuren selbst noch nach einer guten Stunde dem Gefühl nach völlig fremd sind, hat man sie schließlich lediglich in fragmentarischen Ausschnitten eines ganzen Lebens kurz zu Gesicht bekommen. Da hilft es dann auch kaum, dass Kevin Costner (3 Days to Kill) als Jonathan Kent besetzt worden ist, weil ihm schlicht die Zeit fehlt, seine Figur zu etablieren, während ausgerechnet Amy Adams – die ich wirklich immer sehr gerne sehe und für ihr Talent schätze – ebenfalls beinahe erschreckend blass bleibt in dem, was sie als Reporterin so tut. Natürlich finden sich in dieser anfänglichen Exposition der Rahmenbedingungen und der Figuren Ansätze zu stimmiger Charakterzeichnung, doch werden sie von den zahllosen Zeit- und Ortswechseln beinahe wirkungslos hinweggeschwemmt. Ansonsten bekommt Diane Lane als Martha Kent genau eine starke Szene spendiert, derweil der eigentlich ebenfalls renommierte Laurence Fishburne (Hannibal) die meiste Zeit – wenn überhaupt – bedeutungsschwanger gucken oder einen halbgaren Einwand äußern darf.

Während also nach spätestens einer Stunde klar sein dürfte, dass man sich von der hochkarätigen Besetzung – vielleicht mit Ausnahme von Cavill und Shannon – nichts zu erwarten braucht, ist eigentlich schon der Moment gekommen, das Finale einzuläuten und dass, obwohl Man of Steel mit seinen rund 140 Minuten nun nicht eben als kurz zu bezeichnen ist und durchaus noch Zeit gehabt hätte, sich der weitergehenden Charakterisierung zu widmen, doch stattdessen ergeht man sich in ein wenig Wortgeplänkel, um von dort in ein nicht ganz einstündiges "Finale" zu münden, wo Superman dann zunächst gegen Leute auf der Straße kämpft, um sich dann einem Raumschiff am Himmel zu widmen und schlussendlich mit Zod noch einmal – prügelnderweise – quer durch die Landschaft fliegen darf, kaum unterbrochen von ein paar wenigen Dialogzeilen und vor allem befreit von jeglichem Witz, sondern mit einer verkniffenen Ernsthaftigkeit vorgetragen, dass es zwar regelrecht "Epicness" brüllt, aber in dieser geballten Form letztlich nur leidlich zu unterhalten weiß, so dass speziell der Endkampf mit Zod ein wenig wie „drangeklatscht“ wirkt, ganz davon abgesehen, dass dessen Ausgang so ziemlich allem zuwider läuft, wofür Superman als Held, als Symbol steht (wenn ich persönlich dessen Handeln auch durchaus nachvollziehen konnte und meine diebische Freude an seinem konsequenten Handeln hatte).

Szenenbild aus Man of Steel | © Warner Home Video
© Warner Home Video

Am Ende bleibt ein Film, der bei genauerer Betrachtung erschreckend wenig Handlung vorzuweisen hat, durch die Art und Weise der Inszenierung der Handlung noch nicht einmal mit Charakterentwicklung punkten kann und nicht zuletzt eine ganze Handvoll fähiger DarstellerInnen für etwas bessere Cameos verheizt, derer es nicht einmal bedurft hätte, weil das Geschehen in seiner zerfaserten Art kaum zu packen weiß, derweil man schmerzlich den leichtfüßigen Witz der konkurrierenden Marvel-Produktionen vermisst, die das nicht minder rudimentär aufgezogene Geschehen doch zumindest immer unterhaltsam und kurzweilig gemacht haben, derweil es hier so ernst zur Sache geht wie zu düstersten Batman-Zeiten, was ja – gerade mit Christopher Nolan im Gepäck – nicht der schlechteste Ansatz sein mag, hier aber dank vollkommen verworrener Dramaturgie und einer kaum charakterisierten Hauptfigur meines Erachtens völlig in die Binsen geht. Trotz Snyder und Nolan für mich einer der enttäuschendsten Superheldenfilme der letzten Jahre, was ja aber wie gesagt zu Teilen auch daran liegen mag, dass ich keinen Zugang zur Figur "Superman" zu finden vermag.

Fazit & Wertung:

Nach einem überaus vielversprechenden Start auf Krypton fällt Zack Snyders Man of Steel mit Abschluss des Prologs leider zunehmend ab und verheddert sich in einer unnötig verkomplizierten Erzählstruktur, die aber ohnehin nichts weiter will, als nach nicht einmal der Hälfte des Films so langsam Richtung "Endkampf" zu steuern, der sich dann in einer beinahe einstündigen Materialschlacht manifestiert, die zwar durchaus opulent inszeniert worden ist, über die teils gravierenden dramaturgischen Auslassungen und die kaum vorhandene Geschichte aber auch nicht hinwegzutrösten weiß.

5 von 10 Auseinandersetzungen zwischen Kryptoniern

Man of Steel

  • Auseinandersetzungen zwischen Kryptoniern - 5/10
    5/10

Fazit & Wertung:

Nach einem überaus vielversprechenden Start auf Krypton fällt Zack Snyders Man of Steel mit Abschluss des Prologs leider zunehmend ab und verheddert sich in einer unnötig verkomplizierten Erzählstruktur, die aber ohnehin nichts weiter will, als nach nicht einmal der Hälfte des Films so langsam Richtung "Endkampf" zu steuern, der sich dann in einer beinahe einstündigen Materialschlacht manifestiert, die zwar durchaus opulent inszeniert worden ist, über die teils gravierenden dramaturgischen Auslassungen und die kaum vorhandene Geschichte aber auch nicht hinwegzutrösten weiß.

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Man of Steel ist am 25.10.13 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Warner Home Video erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

  • Auch wenn ich damals einen Punkt mehr gegeben habe, sehe ich das leider ganz ähnlich. Gegen Ende nur noch eine ermüdende Materialschlacht, die so gar nichts mehr mit dem Gedanken von Superman zu tun hat. Schade drum.

    • Nach dem ersten Schauen hätte ich eventuell auch sechs Punkte gegeben aber gerade beim zweiten Mal fiel mir doch vieles (die zweite Hälfte, die unnötig verworrene Erzählweise, die kaum vorhandene Handlung) noch negativer auf als ohnehin schon. Bin mal gespannt wie sich der Rest der DC-Sachen so schlagen wird, die ich jetzt peu à peu nachholen werde.

  • Hui, also 5 Punkte finde ich schon heftig. Gut, ich weiß nicht, ob ich noch mal 7 Punkte geben würde (zu einer Zweitsichtung konnte ich mich bislang nicht durchringen, was eher dagegen spricht), aber es gab schon einiges, was mir gefallen hat am Film – das Stellvertreter-Duell zwischen Meloni und Traue beispielsweise. Wobei es natürlich schon ironisch ist, daß angesichts der hochkarätigen Besetzung ausgerechnet zwei der unbekanntesten Darsteller die am besten eingesetzten Nebenfiguren spielen durften … 😉

    • Das stimmt, das Duell Meloni vs Traube war cool gemacht (wobei ich Meloni immer sehr gern sehe), aber grundsätzlich passiert hier so herzlich wenig, erscheinen mir die Rückblenden zu unnötig, ist mir die Erzählstruktur speziell um Adams‘ Figur viel zu verschachtelt, als dass ich den Film wirklich hätte genießen können (und ich habe ihn ja schon zum zweiten Mal gesehen). Und in der Summe damit für mich rundherum mittelmäßig, auch wenn ich selbst gestaunt habe, dass mal ein Superheldenfilm bei mir eine derart schlechte Wertung einfährt 😉

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