Review: Im Rausch der Sterne (Film)

Und munter geht es wieder los mit der nächsten, neuen Film-Kritik zu einem im kulinarischen Sujet zu verortenden Streifen, der leider nicht wirklich hält, was Regie, Drehbuch und Besetzung versprechen mögen, aber lest selbst!

Im Rausch der Sterne

Burnt, USA 2015, 101 Min.

Im Rausch der Sterne | © Wild Bunch/Universum Film
© Wild Bunch/Universum Film

Regisseur:
John Wells
Autor:
Steven Knight

Main-Cast:
Bradley Cooper (Adam Jones)
Sienna Miller (Helene)
Omar Sy (Michel)
Daniel Brühl (Tony)
Matthew Rhys (Reece)
Uma Thurman (Simone Forth)
Emma Thompson (Dr Rosshilde)
in weiteren Rollen:
Riccardo Scamarcio (Max)
Sam Keeley (David)
Alicia Vikander (Anne Marie)
Lily James (Sara)

Genre:
Komödie | Drama

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Im Rausch der Sterne | © Wild Bunch/Universum Film
© Wild Bunch/Universum Film

Der gefeierte Sterne-Koch Adam Jones ist dank Drogen und Exzessen tief gestürzt und hat sich für zwei Jahre ins selbstgewählte Exil begeben, um nun nach London zurückzukehren und erneut durchzustarten. Insbesondere von seinen früheren Weggefährten schlägt ihm aber nun nicht eben eine Welle der Sympathie entgegen, doch schließlich erbarmt sich Restaurant-Besitzer Tony, Adam eine zweite Chance zu geben, der sich prompt die talentierte Köchin Helene als persönlichen Schützling mit ins Boot holt. Voller Ambitionen und Enthusiasmus fasst Adam Jones nun den dritten Michelin-Stern ins Auge, doch so begabt er als Koch sein mag, ist er doch insbesondere als Führungskraft dank seines noch immer durchscheinenden Jähzorns eine ziemliche Niete, zumal es ihm nicht eben zum Vorteil gereicht, dass er seine umtriebige Vergangenheit noch immer nicht zu den Akten legen kann, denn zwielichtige Gläubiger stellen ihm ob seiner horrenden Schulden noch immer nach…

Rezension:

Bereits im Vorfeld gab es einiges an Gerangel um die Filme Im Rausch der Sterne und Kiss the Cook, denn beide hätten gerne im Original Chef heißen wollen, derweil Jon Favreaus Film schneller war, sich die Rechte zu sichern, so dass nun John Wells‘ Film – den ich durch seine Regie bei Im August in Osage County kennen und schätzen gelernt habe – schlussendlich als Burnt vermarktet worden ist. Warum ich das aber überhaupt erzähle ist, dass beide Filme unbestreitbar in eine ähnliche Richtung gehen, steht in deren Mittelpunkt schließlich der namensgebende Chef(-Koch), doch während Favreau, der in "seinem" Film auch gleich die Hauptrolle übernahm, eines der in meinen Augen überzeugendsten Feel-Good-Movies der letzten Jahre inszeniert hat und in jeder einzelnen Einstellung Lust auf Essen, auf Genuss, aufs Reisen macht, schlägt Wells in seinem Film deutlich dramatischere Töne an, kommt aber vor allem inszenatorisch kaum der Faszination des Kochens auf die Spur, auch wenn er sich redlich müht, die gezeigten Gerichte ansehnlich in Szene zu setzen.

Szenenbild aus Im Rausch der Sterne | © Wild Bunch/Universum Film
© Wild Bunch/Universum Film

Entsprechend fehlt hier beinahe völlig dieser Reiz, den eigenen Gaumen erfreuen zu wollen und ähnlich unnahbar, wie das Essen sich gibt, bleibt auch die Hauptfigur des Adam Jones, die in diesem Fall von Bradley Cooper (Aloha) verkörpert wird, der zwar einen angenehm ambivalenten, innerlich unruhigen, einerseits arroganten, andererseits desolaten Sterne-Koch gibt (durch den sich dann auch der deutsche Titel erklärt), aber durch diesen charakterlichen Wankelmut eben auch ziemlich undurchschaubar und unvorhersehbar bleibt. Hinzu kommt, dass Drehbuchautor Steven Knight – von dem ich nicht nur durch seine Serienschöpfung Taboo deutlich Wertigeres gewohnt bin – anscheinend zu viel gewollt hat, denn einerseits wird die umtriebige Vergangenheit Adam Jones‘ immer wieder angedeutet, während er sich in der Gegenwart wieder an die Spitze zu kämpfen versucht, andererseits wirkt die Geschichte dadurch, was in besagter Gegenwart alles angerissen und thematisiert wird, heillos überfrachtet.

So nimmt Jones zunächst die von Sienna Miller (High-Rise) verkörperte Helene als Protegé unter seine Fittiche, während ihn mit dem von Daniel Brühl (Rush) gespielten Tony eine gemeinsame, kaum ausformulierte Vergangenheit verbindet, ebenso wie mit dem von Omar Sy dargestellten Michel, der ohne viel Federlesens ebenfalls zu Adams hastig zusammengewürfelten Team stößt, mit dem es gilt, erneut die Gunst der Michelin-Vertreter zu gewinnen und die heißbegehrten drei Sterne zu erringen. So weit, so gut, ließe sich daraus ein zwar leidlich innovativer, aber mutmaßlich kurzweiliger Plot generieren, der Lust auf Genuss macht, doch natürlich will Im Rausch der Sterne mehr sein, Drama, Tragödie, Humor, Thrill bieten und überhebt sich beinahe unweigerlich, denn da hätte es noch den gehässigen und aufbrausenden Konkurrenten Montgomery Reece, der von dem aus The Americans bekannten Matthew Rhys verkörpert wird, eine alte Liebelei, die in Gestalt von Alicia Vikander (Codename U.N.C.L.E.) gleich zwei Mal kurz ins Bild kommen darf, einen Verräter in den eigenen Reihen und nicht zuletzt natürlich die dubiosen Gangster, die Jones nachstellen und alte Schulden einzutreiben suchen, was für sein Umfeld allerdings schon längst normal geworden zu sein scheint. Dieser Part ist es auch, der mich wohl mitunter am meisten gestört hat, denn in Anbetracht dessen, wie wenig dieser Umstand sowohl Jones als auch seine Freunde zu tangieren scheint, wirkt dieser Teil noch mehr wie ein Fremdkörper als die vielen anderen Versatzstücke der Handlung.

Szenenbild aus Im Rausch der Sterne | © Wild Bunch/Universum Film
© Wild Bunch/Universum Film

Selbige versucht übrigens, ganz besonders clever und wendungsreich daherzukommen, was es noch trauriger macht, dass manche dieser vermeintlichen Überraschungen sich weiter gegen den Wind riechen lassen als verdorbener Fisch in der prallen Sonne, was bei Im Rausch der Sterne dann tatsächlich häufiger zu Augenrollen als echten Oho-Momenten führt. Dennoch, es ist natürlich auch nicht alles schlecht in John Wells‘ Film, denn von Cooper und Miller über Brühl und Sy spielen sämtliche Akteure ihre Rollen gewohnt souverän und routiniert und inmitten des Chaos aus halbgaren Plot-Devices finden sich immer wieder einige schöne Momente (wie die Szenen mit Jones‘ Therapeutin Dr. Rosshilde (Emma Thompson), die gab es ja auch noch) und auch Einblicke in die Hektik des Küchenalltags eines Nobel-Restaurants, was in der Summe durchaus kurzweilig ist, nur eben nie über den Status eines "ganz guten" Films hinauskommt, denn dafür wirkt viel zu vieles zu gewollt, bleibt zu distanziert, wird nicht ausformuliert, was in Anbetracht des vielversprechenden Teams vor und hinter der Kamera für mich doch ziemlich überraschend gewesen ist, hatte ich mir schlichtweg mehr von dem "Konkurrenzfilm" zu Kiss the Cook erwartet.

Fazit & Wertung:

John Wells‘ Im Rausch der Sterne mag ein wahnsinnig ambitioniertes Werk um einen in Ungnade gefallen Sterne-Koch gewesen sein und punktet bei den DarstellerInnen auch mit einem überzeugenden Ensemble, überhebt sich aber merklich mit seinen zahllosen Nebenfiguren und Plots, die sich allesamt vor dem Hintergrund des enormen Egos unseres Meisterkochs kaum zu entfalten wissen, was das Gesamtwerk reichlich halbgar wirken lässt, zumal man kaum das Gefühl hat, emotional involviert zu sein.

6 von 10 opulent angerichteten Speisen

Im Rausch der Sterne

  • Opulent angerichtete Speisen - 6/10
    6/10

Fazit & Wertung:

John Wells‘ Im Rausch der Sterne mag ein wahnsinnig ambitioniertes Werk um einen in Ungnade gefallen Sterne-Koch gewesen sein und punktet bei den DarstellerInnen auch mit einem überzeugenden Ensemble, überhebt sich aber merklich mit seinen zahllosen Nebenfiguren und Plots, die sich allesamt vor dem Hintergrund des enormen Egos unseres Meisterkochs kaum zu entfalten wissen, was das Gesamtwerk reichlich halbgar wirken lässt, zumal man kaum das Gefühl hat, emotional involviert zu sein.

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