Review: ÖDLAND Erstes Buch – Der Keller | Christoph Zachariae (Buch)

Und es wird wieder Zeit für eine Buch-Besprechung, bei der es diesmal postapokalyptisch wird, aber ganz ohne Zombies und dergleichen, was eine sehr angenehme Abwechslung war, zumal es trotzdem spannend und vor allem atmosphärisch zur Sache geht. Bevor ich aber wieder vorgreife, verweise ich auf den nun folgenden Artikel, den ihr übrigens dem Autor selbst verdanken habt, denn der hat folgerichtig geschlussfolgert, dass mich seine Roman-Reihe doch durchaus interessieren könnte. Recht hat er gehabt und daher an dieser Stelle einen lieben Gruß in Christophs Richtung und noch einmal Dank für das Rezensionsexemplar und die freundliche Widmung.

ÖDLAND
Erstes Buch
Der Keller

ÖDLAND Erstes Buch – Der Keller, DE 2015, 240 Seiten

ÖDLAND Erstes Buch - Der Keller von Christoph Zachariae | © Lucid Dreams
© Lucid Dreams

Autor:
Christoph Zachariae
Übersetzer:
Originalausgabe

Verlag (D):
Lucid Dreams
ISBN:
978-3-000-50110-4

Genre:
Endzeit | Drama | Abenteuer | Thriller

 

Inhalt:

Mehrere Dekaden sind vergangen, seit die Zivilisation zusammengebrochen und weite Teile der Bevölkerung dahingegangen sind. Die wenigen Überlebenden haben sich längst in autonomen und abgelegenen Enklaven organisiert und die Weiten des Ödlands gelten zu Recht als regelrecht lebensfeindlicher Ort, der lediglich von vereinzelten Wegelagerern und Banditen frequentiert wird. In einer der Enklaven, die sich unter einer ehemaligen Universität befindet, hat die nunmehr neunzehnjährige Mega einen Großteil ihres Lebens verbracht, nachdem sie mit sechs Jahren in die Gemeinschaft aufgenommen worden ist. Je älter Mega allerdings wird, umso mehr drängt es sie, die Oberfläche zu erkunden und es scheint beinahe eine glückliche Fügung zu sein, dass die Wissenschaftler immer wieder Erkundungstrupps ins Ödland schicken, um dringend benötigte Ersatzteile aufzutreiben…

Rezension:

Ich bin ja durchaus großer Freund von dystopischen Endzeit-Geschichten und dergleichen, wobei es nicht immer nur um Zombies gehen muss wie in den einschlägigen Genre-Größen, sondern sich gern auch schlicht und ergreifend um die Zeit nach dem Zusammenbruch drehen darf und so bin ich jüngst vom Autor der Reihe selbst auf ÖDLAND Erstes Buch – Der Keller gestoßen worden, das einen recht dankbaren Einstieg in einen derartige Welt nach dem Ende bietet und anfänglich gar auf eine falsche Fährte führt, wer denn nun der eigentliche Protagonist beziehungsweise Antagonist der Geschichte ist, denn auch wenn der Klappentext verlauten lässt, das Buch handele von der neunzehnjährigen Mega, macht man zunächst Bekanntschaft mit einem Mann namens Hagen, doch was genau es mit ihm auf sich hat, soll gar nicht verraten werden, zumal sämtliche Zusammenhänge sich auch am Ende des ersten Bandes noch längst nicht erschlossen haben, doch hat Christoph Zachariae seine Geschichte ohnehin auf insgesamt fünf Bände ausgelegt, weshalb auch der obligatorische Cliffhanger zum Ende des ersten Bandes nicht gerade überraschend kommt.

Hagen betrachtete den Mann, der ihn angesprochen hatte. Er war größer und breitschultriger als die anderen. Eisgraue Haare umrahmten ein zerfurchtes, altes Gesicht und stechende, dunkle Augen. Emotionslos, bis auf eine leichte Traurigkeit. Tito, der Anführer der Moorbewohner. Er war es, der die Anlage erdacht hatte. Das zumindest sagte die Legende.

Ansonsten etabliert ÖDLAND Erstes Buch – Der Keller recht schnell einen zweigleisigen Handlungsverlauf, der sich einerseits um Mega und den namensgebenden Keller dreht, andererseits den Handlungen von Hagen folgt, was einerseits für Abwechslungsreichtum, andererseits zuweilen zu Irritation führt, da wie gesagt die Zusammenhänge nur angedeutet, nicht ausformuliert werden. Grundsätzlich ist der Part um Hagen aber nicht nur aufgrund seiner eher vagen Verortung weniger überzeugend geraten, sondern folgt auch dramaturgisch weitestgehend einschlägigen Mustern und erinnert an die "typischen" Bösewichter vor die Hunde gegangener Zivilisationen. Dafür allerdings ist der weitaus umfangreichere Teil, der sich der jungen Mega widmet, weitaus überzeugender und spannender geraten und punktet mit einer dichten und glaubhaften Atmosphäre, denn ohne sich in technischen oder planerischen Details zu verlieren, entsteht eine glaubhafte Gesellschaft innerhalb des weitläufigen Universitäts-Kellers mit ihren eigenen Regeln und Gesetzen, die zu beobachten durchaus gefällt, auch oder gerade weil die Action hier noch eher im Hintergrund steht und erfreulich viel Zeit auf die Exposition des Settings und der Figuren verwandt wird.

Ein wenig irritierend, zeitweise den Lesefluss störend war für mich allerdings, dass viele der handelnden Figuren aus Megas Sicht als "Herr", "Frau" oder "Professor" bezeichnet werden, hier aber jeweils die Abkürzungen wie beispielsweise "Hr. Bernhard", "Fr. Kem" oder "Prof. Walden" benutzt werden, was ich stilistisch nicht unbedingt als angenehm empfunden habe, doch trübt das den eigentlichen Lesegenuss natürlich nur marginal. Störender fallen da schon einige vermeidbare Fehler ins Gewicht, denn auch wenn ÖDLAND Erstes Buch – Der Keller seitens Karin Ostertag lektoriert worden ist, hätte ein professionelles Korrektorat dem Band sicherlich ebenfalls gut getan, denn wenn mir schon sicher nicht sämtliche Interpunktionsfehler aufgefallen sein dürften, fallen doch des Öfteren fehlende oder doppelte Worte störend ins Gewicht, wobei man fairerweise sagen muss, dass mir das in ähnlichem Ausmaß auch schon bei einigen Großverlagen untergekommen ist.

Ihren 19. Geburtstag verschlief Mega. Sie hatte ihn einfach vergessen. Im Keller waren der Lauf der Zeit und der Wechsel der Jahreszeiten nicht sichtbar. Sie waren an diesem Ort noch abstrakter, als sie es ohnehin schon waren. Alles schien stillzustehen in den Schutzräumen unter der Universität. Manchmal kam sie sich vor wie eine der in Formaldehyd konservierten Mutationen, die Dr. Hammer in seinem Labor aufbewahrte. Ewig geschah nichts und plötzlich wurde einem klar, dass schon wieder ein Jahr vergangen war.

Um aber beim eigentlichen Buch zu bleiben, hat mir wie gesagt die Idee des Kellers enorm gut gefallen und auch Mega als Haupt- und Identifikationsfigur weiß zu überzeugen, wobei es natürlich speziell in der zweiten Hälfte spürbar spannender wird, wenn Mega sich anschickt, besagten Keller zu verlassen und das Ödland zu bereisen, um dringend benötigte Materialien für die verborgen lebende Enklave aufzutreiben, doch bis dahin hat es ja den etwas dynamischeren Hagen-Part, der sich mir als Figur noch nicht ganz erschlossen hat und bewusst ambivalent gezeichnet worden ist. Als Auftakt allerdings – und um nichts anderes handelt es sich schließlich bei ÖDLAND Erstes Buch – Der Keller – macht die Geschichte eine durchaus gute Figur, selbst wenn die Dramaturgie zuweilen etwas holprig gerät, denn zumindest bin ich nun mehr als gespannt, wie es mit Mega weitergehen wird und gleichsam auch, was es mit Hagen auf sich haben mag und wie die beiden Charaktere zueinanderstehen. Nicht zuletzt wartet die finale "Einstellung" mit einer weiteren nebulösen Andeutung auf, was Megas Herkunft und Vergangenheit betrifft – an die sie sich selbst nicht erinnern kann – so dass davon auszugehen ist, dass künftig auch noch weitere Aspekte der bislang noch weitestgehend stringent verlaufenden Handlung eröffnet werden.

Fazit & Wertung:

Mit ÖDLAND Erstes Buch – Der Keller offeriert Christoph Zachariae einen stimmigen und vielversprechend Auftakt einer endzeitlichen Buch-Serie, die mit einer gleichsam spannenden wie geheimnisvollen Hauptfigur und einer Interesse weckenden Parallelhandlung aufwartet. Mag die Dramaturgie zuweilen noch nicht hundertprozentig überzeugen, lässt sich einiges an Potential erkennen, zumal die Story beinahe gänzlich ohne Längen daherkommt.

7 von 10 Streifzügen durchs Ödland

ÖDLAND Erstes Buch – Der Keller

  • Streifzüge durchs Ödland - 7/10
    7/10

Fazit & Wertung:

Mit ÖDLAND Erstes Buch – Der Keller offeriert Christoph Zachariae einen stimmigen und vielversprechend Auftakt einer endzeitlichen Buch-Serie, die mit einer gleichsam spannenden wie geheimnisvollen Hauptfigur und einer Interesse weckenden Parallelhandlung aufwartet. Mag die Dramaturgie zuweilen noch nicht hundertprozentig überzeugen, lässt sich einiges an Potential erkennen, zumal die Story beinahe gänzlich ohne Längen daherkommt.

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Meinungen aus der Blogosphäre:
Stuffed Shelves: 7/10 Punkte

Weitere Details zum Buch und dem Autor findet ihr auf der Seite von Lucid Dreams.

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ÖDLAND Erstes Buch – Der Keller ist am 17.07.15 als Taschenbuch bei Lucid Dreams erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den nachfolgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

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