Review: Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind (Film)

Zum Wochenende – und zum Start in die Feiertage – noch eine schöne Filmempfehlung für die ganze Familie, auch wenn ich mich mit der Altersfreigabe ab 6 Jahren nicht so ganz anfreunden kann, aber das steht ja auf einem anderen Papier. Ansonsten ein – Wortspiel beabsichtigt – magischer Film, über den ich euch nachfolgend gern mehr erzählen möchte.

Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind

Fantastic Beasts and Where to Find Them, UK/USA 2016, 133 Min.

Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind | © Warner Home Video
© Warner Home Video

Regisseur:
David Yates
Autorin:
J.K. Rowling

Main-Cast:

Eddie Redmayne (Newt)
Katherine Waterston (Tina)
Dan Fogler (Jacob Kowalski)
Alison Sudol (Queenie)
Ezra Miller (Credence Barebone)
Samantha Morton (Mary Lou)
Jon Voight (Henry Shaw Sr.)
Carmen Ejogo (Seraphina Picquery)
Colin Farrell (Graves)

Genre:
Abenteuer | Fantasy

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind | © Warner Home Video
© Warner Home Video

Kaum ist der britische Abenteurer und Tier-Forscher Newt Scamander mit seinem Koffer voller magischer Tierwesen in New York eingelaufen, um dort eine streng geheime Mission zu vollenden, entwischt ihm ausgerechnet in einer Bank ein Niffler, der es wie sonst niemand auf glänzende Dinge abgesehen hat und ein gehöriges Chaos veranstaltet. Zwar gelingt es Newt, das freche kleine Vieh wieder einzufangen, doch vertauscht er nicht nur versehentlich seinen Koffer mit dem des ambitionierten Fabrikarbeiters Jacob Kowalski, sondern erregt auch die Aufmerksamkeit der in Ungnade gefallenen – und somit degradierten – Aurorin Porpentina Goldstein, die mit Newts Festnahme ihren Ruf wiederherzustellen versucht. Weitaus größere Sorge bereitet dem magischen Kongress der Vereinigten Staaten eine Reihe von magischen Anschlägen in der Stadt, die darauf deuten, dass der gefürchtete Grindelwald von Europa aus nunmehr seine Fühler über das Meer hinweg in die Neue Welt gerichtet hat…

Rezension:

Beginnen wir diese Rezension wieder einmal damit, dass ich meine völlige Unkenntnis kundtue, was die Welt von Harry Potter betrifft, denn weder habe ich je eins der Bücher gelesen, noch kenne ich kaum mehr als zwei halbe Filme der Adaption, weshalb ich mir auch freilich Zeit gelassen habe, Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind in Augenschein zu nehmen, wobei mich das Drehbuch-Debüt seitens J. K. Rowling durchaus gereizt hat, nicht zuletzt, da die Handlung ins New York der 1920er verlegt worden ist und sich frei einer Buch-Vorlage entfalten kann. Entsprechend undefiniert war auch meine Erwartungshaltung an den Film, denn anders als viele große Fans der vorangegangenen Reihe musste ich nicht bangen, dass hier ein Franchise an die Wand gefahren wird, sondern "musste" mir lediglich einen unterhaltsamen Film erwarten. Der ist Rowling dann dank Harry Potter-Stamm-Regisseur David Yates auch durchaus gelungen und wirkt gleichermaßen optisch wie thematisch ansprechend und aus einem Guss.

Szenenbild aus Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind | © Warner Home Video
© Warner Home Video

Das allerdings kann man von der Dramaturgie des Films leider nicht behaupten, denn im Grunde verlaufen hier zwei große Handlungsstränge die meiste Zeit ohne großartige Überschneidungen parallel zueinander, so dass einerseits eine von Anschlägen und der Bedrohung des bösen Grindelwald gebeutelte magische Gemeinde im Zentrum der Erzählung stehen, andererseits der mit seinen namensgebenden Tierwesen beschäftige Newt Scamander, der wenn überhaupt unfreiwillig in die Belange der hiesigen Magiekundigen hineingezogen wird. Hinzu kommen ein bereits auf den ersten Blick zwielichtig scheinende Colin Farrell (7 Psychos) als Magier-Agent Percival Graves und eine antimagisch eingestellte Sekte, die sich die "Second Salemers" nennen und unter deren Joch unter anderem der von Ezra Miller (Vielleicht lieber morgen) verkörperte Waisenjunge Credence enorm leidet, weshalb er sich auch bereitwillig als Informant und Handlanger für den sinistren Percival anwerben lässt. Das liest sich alles nicht schlecht und jeder dieser Teile funktioniert für sich genommen durchaus, doch wirkt der etwas mehr als zwei Stunden umfassende Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind eben erzählerisch nicht immer so stimmig, wie es die weitaus überzeugenderen Einzelszenen suggerieren mögen.

Szenenbild aus Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind | © Warner Home Video
© Warner Home Video

Vor allem aber das schon obligatorisch auf Krawall gebürstete Finale weiß in dem Zusammenhang zu enttäuschen, denn ganz davon abgesehen, dass hier zwar immerhin die einzelnen Plots manchmal mehr schlecht als recht zusammengebracht werden, ist es doch speziell das Verhalten der zaubernden Gemeinde, das im Subtext eine mehr als fragwürdige Botschaft transportiert. Immerhin, bis dahin bietet Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind eine gehörige Menge Kurzweil und Eddie Redmayne (Die Entdeckung der Unendlichkeit) als Newt Scamander zu besetzen erweist sich als echter Glücksgriff, wirkt er schließlich einerseits introvertiert und verschroben, andererseits aber auch pfiffig und abenteuerlustig. Die ihm alsbald zur Seite gestellte, von Katherine Waterston (Inherent Vice) verkörperte Tina war mir zwar zuweilen ein wenig zu übertrieben schusselig in ihrer Art, aber sympathisch ist ihre Figur allemal, derweil das Trio von Dan Fogler (Take Me Home Tonight) als Jacob Kowalski vervollständigt wird, der als No Maj – wie die Muggel in Amerika genannt werden – weit mehr ist als nur ein unterhaltsamer Sidekick, denn mancherorts entwickelt er sich gar zum emotionalen Kern des Geschehens und vermittelt trefflich das Staunen, das man auch als Zuschauer empfindet, wenn Newt ihn (und uns) in seine von magischen wie unglaublichen Tierwesen bevölkerte Welt entführt.

Szenenbild aus Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind | © Warner Home Video
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So sind auch all die Szenen um die absurden wie absonderlichen, überwiegend selbstredend ungemein putzig gearteten Tierwesen sicherlich die eigentlichen Highlights des Films und bieten genau das, was ein Filmtitel wie Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind erwarten lässt, zumal Newt in mehr als einer Situation profunde Kenntnis der magischen Tierwelt beweist, doch der wenig ausgearbeitete Plot um die "Second Salemers" fällt dahingehend merklich ab, auch wenn mir bewusst ist, dass vieles hier auch nur Vorbereitung und am Rande betriebene Exposition gewesen sein mag, ist der Film schließlich von vornherein als Auftakt einer insgesamt fünfteiligen Reihe konzipiert worden, doch stört das eben mancherorts mehr, als dass es nützt, wenn beispielsweise Jon Voight (Ray Donovan) als Verleger Henry Shaw Sr. besetzt wird, in der eigentlichen Geschichte am Ende dann aber wirklich absolut keine Bewandtnis zu haben scheint. Nun klingt meine Kritik in der Summe aber auch weit kritischer als beabsichtigt, was damit zusammenhängt, dass die "guten" Teile des Films so mitreißend und unterhaltsam geraten sind, dass die Schwächen und das zuweilen verschenkte Potential weit störender ins Gewicht fallen, als dass bei einem grundsätzlich weniger gelungenen Werk der Fall gewesen wäre. Allein Newt und seine Menagerie allerdings wissen schon so dermaßen zu begeistern und verzaubern, dass ich den Film jedem Fantasy-Fan guten Gewissens ans Herz legen kann, auch – und da spreche ich ja wie gesagt aus Erfahrung – wenn man mit dem Harry Potter-Universum bislang keine/kaum Berührung hatte.

Fazit & Wertung:

Die von David Yates inszenierte, auf dem Drehbuch von J.K. Rowling fußende Geschichte Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind vermag als Auftakt einer vielversprechenden Fantasy-Reihe in vielen Aspekten zu punkten und versetzt mehrfach in regelrechtes Staunen, derweil Redmayne als Protagonist Scamander eine mehr als gute Figur macht, doch ausgerechnet dramaturgisch erweist sich die Story vielerorts als ärgerlich unzusammenhängend, was den wertigen Gesamteindruck bei näherer Betrachtung ein wenig trübt. Dennoch in der Summe ein vor Kreativität sprühender Film mit liebevoll gezeichneten Figuren, den man sich nicht entgehen lassen sollte.

8 von 10 phantastischen Tierwesen

Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind

  • Phantastische Tierwesen - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Die von David Yates inszenierte, auf dem Drehbuch von J.K. Rowling fußende Geschichte Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind vermag als Auftakt einer vielversprechenden Fantasy-Reihe in vielen Aspekten zu punkten und versetzt mehrfach in regelrechtes Staunen, derweil Redmayne als Protagonist Scamander eine mehr als gute Figur macht, doch ausgerechnet dramaturgisch erweist sich die Story vielerorts als ärgerlich unzusammenhängend, was den wertigen Gesamteindruck bei näherer Betrachtung ein wenig trübt. Dennoch in der Summe ein vor Kreativität sprühender Film mit liebevoll gezeichneten Figuren, den man sich nicht entgehen lassen sollte.

8.0/10
Leser-Wertung 8.5/10 (2 Stimmen)
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Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind ist am 06.04.17 auf DVD und Blu-ray bei Warner Home Video erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

  • Hat mir auch richtig gut gefallen – für mich neben „Harry Potter 7.1″ Yates‘ bester Film aus dem Potter-Universum. Und derjenige, der für mich am stärksten den „Sense of Wonder“ repräsentiert, den man sich von solchen Geschichten im Idealfall erhofft.

  • Mir hat FANTASTIC BEASTS auch sehr gut gefallen und Eddie Redmayne ist echt die perfekte Besetzung. Ich habe die Harry-Potter-Bücher und -Filme verschlungen, aber alles nach HEILIGTÜMER TEIL 2 hat mich die Welt dann nicht mehr interessiert. Für mich war das Kapitel abgeschlossen (und meine Kindheit irgendwie auch).Trotzdem hat FANTASTIC BEASTS für mich super funktioniert, nicht nur wegen einem absolut süßen flaumigen, schwarzen Wühltier mit einer unstillbaren Leidenschaft für alles was funkelt und glänzt.

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