Review: Legend of Tarzan (Film)

Ab geht’s schon wieder in Richtung Wochenende mit einem in meinen Augen tatsächlich überraschend unterhaltsamen Film, den ich mir eigentlich gar nicht hatte ansehen wollen. Nun ja, wurde ich mal wieder von mir selbst eines Besseren belehrt.

Legend of Tarzan

The Legend of Tarzan, UK/CA/USA 2016, 110 Min.

Legend of Tarzan | © Warner
© Warner

Regisseur:
David Yates
Autoren:
Adam Cozad
Craig Brewer

Main-Cast:

Alexander Skarsgård (John Clayton / Tarzan)
Samuel L. Jackson (George Washington Williams)
Margot Robbie (Jane Clayton)
Djimon Hounsou (Chief Mbonga)
Jim Broadbent (Prime Minister)
Christoph Waltz (Leon Rom)

Genre:
Abenteuer | Action | Fantasy

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Legend of Tarzan | © Warner
© Warner

Es ist das Jahr 1889 als der belgische König Leopold II. den englischen Lord Greystoke – besser bekannt als Tarzan – zum Besuch seiner Kolonie im Kongo lädt, was dieser zunächst dankend ablehnt, bis ihn der US-Gesandte George Washington Williams nachdrücklich bittet, dem Gesuch nachzukommen, um so den Gerüchten angeblicher Sklaverei im Kongo nachgehen zu können, was Greystoke letztlich überzeugt. Ungeachtet seiner Vorbehalte beschließt seine Frau Jane ebenfalls, ihn in den Kongo zu begleiten, doch noch vor ihrer geplanten Ankunft im fernen Afrika entpuppt sich die Einladung als Finte von Leon Rom, der rechten Hand des belgischen Königs, der unterdessen ein Abkommen mit Stammeshäuptling Mbonga geschlossen hat, ihm Tarzan auszuliefern. Der allerdings durchkreuzt quasi unwissentlich dessen Pläne, indem er früher von Bord geht, woraufhin Rom schwerere Geschütze auffährt und letztlich Jan ein seine Gewalt bringt, was den als Tarzan bekannten Greystoke veranlasst, eine regelrechte Hetzjagd quer durch den Dschungel zu starten…

Rezension:

Eigentlich hatte ich ja wirklich vor, Legend of Tarzan auszulassen, aber wie so oft (bei mir) wird man irgendwann neugierig/schwach und einmal mehr habe ich es als Segen empfunden, ohne größere Erwartungshaltung an den Film herangegangen zu sein, der mir tatsächlich (mit Ausnahmen freilich) wirklich gut gefallen hat, was ich so und in dem Ausmaß wirklich nicht erwartet hätte. So war es tatsächlich vornehmlich Margot Robbie (Z for Zachariah), deren im Moment noch vergleichsweise überschaubare Filmografie ich ein wenig in Augenschein zu nehmen trachte, die mich an den Film herangeführt hat, gleichwohl mir Alexander Skarsgård dank True Blood freilich ebenfalls bereits ein Begriff gewesen ist. Dank meines mangelnden Interesses war mir aber auch bis kurz vor der Sichtung nicht klar, dass es sich eben nicht um die Origin-Story der Figur handelt, sondern dass dessen Geschichte quasi weitergesponnen und mit dem belgischen Kolonialismus verknüpft wird, was mir bereits nach wenigen Minuten als durchaus spannender Ansatz erschien. Wer nun aber meint, auf die ikonischen Szenen zwischen Tarzan und Jane verzichten zu müssen, der sei ebenfalls beruhigt, denn in sorgsam gesetzten Rückblenden werden zumindest die Eckpfeiler des Kennenlernens umrissen, die sich angenehm in die Erzählung fügen und die tiefe Verbindung zwischen den beiden untermauert, gleichwohl das nicht nötig gewesen wäre, denn die Chemie zwischen Skarsgard und Robbie stimmt allemal.

Szenenbild aus Legend of Tarzan | © Warner
© Warner

Diese Verbindung zu unterstreichen ist aber auch dramaturgisch unabdingbar, da Jane alsbald in die Gewalt des fiesen Leon Rom gerät, wodurch sich Legend of Tarzan schnell zu einer atemlosen Hetzjagd entwickelt, um dem Fiesling auf der Spur zu bleiben. Der wiederum wird einmal mehr von Christoph Waltz (Tulpenfieber) verkörpert, dem man wohl wirklich gar keine netten Rollen mehr schreiben will, doch macht er eben als abgrundtief böser und vor allem skrupelloser Scherge des belgischen Königs Leopold II. auch wie zu erwarten eine ungemein gute Figur und weiß als eloquent-distinguierter Bösewicht durchgehend zu gefallen. Besonders schön in dem Kontext aber auch, dass die Filmemacher es sich und den Zuschauern erspart haben, Robbies Jane ab diesem Punkt als klassische Damsel-in-Distress-Variante zu inszenieren, denn die selbstbewusste und forsche Frau weiß ihrem Entführer durchaus Paroli zu bieten und lässt sich weder einschüchtern noch in die Schranken weisen, so dass es nicht unbedingt eines wackeren Helden bedarf, um sie aus ihrer misslichen Lage zu befreien.

Nicht minder gelungen ist derweil das Team-Up aus Tarzan und dem diplomatischen Vertreter George Washington Williams, der verzweifelt versucht, mit dem im Dschungel aufgewachsenen Mann Schritt zu halten und dabei durchaus auch mal ein paar launige Sprüche zum Besten gibt. Verkörpert wird besagter Williams von Samuel L. Jackson (Kong: Skull Island), der sichtlich Spaß an dieser Rolle gehabt zu haben scheint und als auflockernder Sidekick überraschend gut funktioniert. Fernab der DarstellerInnen ist die Hauptattraktion in Legend of Tarzan freilich aber auch der afrikanische Dschungel, denn die Außenaufnahmen wurden in Gabun gefilmt und verbinden sich wirkungsvoll mit den am Computer entstandenen Tieren, die hier den Dschungel durchstreifen, ob es sich dabei um riesenhafte Gorillas, Elefanten oder ganze Gnu-Herden handelt. So bietet der Film freilich einiges an Schauwerten und einzig das quasi obligatorische Lianen-Schwingen sieht leider nicht immer wirklich gut aus, während man ansonsten auch am Skript merkt, dass man sich in vielen Punkten zu sehr auf die fulminante Optik verlässt, als hier mit ein wenig mehr erzählerischem Tiefgang zu punkten zu versuchen.

Szenenbild aus Legend of Tarzan | © Warner
© Warner

So ist Legend of Tarzan zwar als reiner Abenteuerfilm inszeniert, bietet aber zumindest dahingehend lohnenswerte erzählerische Ansätze, indem er die Story zumindest in ein reales historisches Setting bettet, auch wenn man aus dem Thema Kolonialismus sicherlich noch deutlich mehr hätte herausholen können, zumal sich der Film von vielen Seiten die Kritik gefallen lassen musste, hier einmal mehr den "weißen Mann" als Retter zu inszenieren, womit er demselben Rassismus anheimfalle, den er anzuprangern versucht. Ich für meinen Teil sehe das zwar mitnichten so eng, zumal man dann wohl schlecht überhaupt noch eine Geschichte zu Tarzan erzählen könnte, der ja als Figur nun einmal in der Zeit einer noch deutlich extremeren eurozentrischen Weltsicht entstanden ist, was wirklich schade gewesen wäre, denn ungeachtet der zahlreichen Actioneinlagen gelingt es Alexander Skarsgard nicht nur körperlich, sich die Figur zu eigen zu machen, sondern auch mit seiner Mimik die innere Zerrissenheit des Charakters darzustellen, der weder als Lord Greystoke in London wirklich beheimatet und integriert ist, nach all der Zeit aber auch die Verbindung zu seiner alten Heimat zumindest zunächst verloren zu haben scheint. So trägt er mit zugegebenermaßen einfachsten Mitteln einen rundherum gelungenen und kurzweiligen Film, dem leider zum Ende hin wortwörtlich die Pferde – Quatsch, Gnus – durchgehen, womit ein unnötiger und aufgesetzt wirkender CGI-Overkill einhergeht, den es so nicht gebraucht hätte, um die Geschichte zu einem stimmigen Abschluss zu bringen.

Fazit & Wertung:

Der von David Yates inszenierte Legend of Tarzan präsentiert sich als Abenteuerfilm der alten Schule in frischen Gewand und verknüpft gekonnt Gegenwart und Vergangenheit, was auch den Werdegang der Hauptfigur betrifft. Dramaturgisch bleibt der beschrittene Pfad zwar überschaubar, doch einige frische Ideen, stimmungsvolle Figuren und natürlich allem voran opulente Schauwerte sorgen dennoch für gepflegte Unterhaltung, die erst zum Ende hin der Versuchung erliegt, ein wenig zu sehr über die Stränge zu schlagen.

7 von 10 waghalsigen Lianen-Schwüngen

Legend of Tarzan

  • Waghalsige Lianen-Schwünge - 7/10
    7/10

Fazit & Wertung:

Der von David Yates inszenierte Legend of Tarzan präsentiert sich als Abenteuerfilm der alten Schule in frischen Gewand und verknüpft gekonnt Gegenwart und Vergangenheit, was auch den Werdegang der Hauptfigur betrifft. Dramaturgisch bleibt der beschrittene Pfad zwar überschaubar, doch einige frische Ideen, stimmungsvolle Figuren und natürlich allem voran opulente Schauwerte sorgen dennoch für gepflegte Unterhaltung, die erst zum Ende hin der Versuchung erliegt, ein wenig zu sehr über die Stränge zu schlagen.

7.0/10
Leser-Wertung 10/10 (1 Stimme)
Sende

Legend of Tarzan ist am 01.12.16 auf DVD, Blu-ray, 3D Blu-ray und 4K UHD Blu-ray bei Warner erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

Kommentare (3)

  1. Massimo 18. August 2018
  2. Jo 20. August 2018

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