Review: The End of the F***ing World | Staffel 1 (Serie)

Hier kommt nun also die Serien-Review, die ich euch eigentlich schon letzte Woche hatte kredenzen wollen, zu der ich aber zeitlich nicht gekommen bin. Umso erfreulicher, dass ich nun die Zeit gefunden habe, denn noch länger wollte ich euch meine Eindrücke und Gedanken zu dieser ungewöhnlichen (Mini-)Serie nun auch nicht vorenthalten.

The End of the F***ing World
Staffel 1

The End of the F***ing World, UK 2017-, ca. 21 Min. je Folge

The End of the F***ing World | © Netflix
© Netflix

Serienschöpfer:
Jonathan Entwistle

Regisseure:
Jonathan Entwistle
Lucy Tcherniak
Autoren:
Charlie Covell
Charles S. Forsman (Comic-Vorlage)

Main-Cast:
Jessica Barden (Alyssa)
Alex Lawther (James)
in weiteren Rollen:
Wunmi Mosaku (Teri)
Gemma Whelan (Eunice)
Steve Oram (Phil)
Christine Bottomley (Gwen)
Navin Chowdhry (Tony)
Barry Ward (Leslie)

Genre:
Komödie | Drama

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus The End of the F***ing World | © Netflix
© Netflix

Der siebzehnjährige James ist fest davon überzeugt, ein gefühlskalter Psychopath zu sein und nachdem er seit frühester Kindheit allerlei Tiere getötet hat, wünscht er sich nun nichts sehnlicher, als die Erfahrung zu machen, wie es ist, einen Menschen zu töten. Da kommt dem introvertierten und wortkargen Jungen die schnippisch-aggressive Alyssa gerade recht, die sich ebenfalls als unangepasste Außenseiterin sieht und voller Wut und Abscheu auf die Welt blickt. Die glaubt nämlich, in James eine verwandte Seele gefunden zu haben und überredet ihn schließlich, mit ihr gemeinsam aus dem verschlafenen Kaff zu verschwinden, während er dies als günstige Gelegenheit sieht, sie in einem unerwarteten Moment zu ermorden. Bei der Flucht vor ihren Elternhäusern, die sich alsbald gleichermaßen als Flucht vor dem Erwachsenwerden entpuppt, kommen die beiden Teenager sich derweil nicht nur näher, sondern überschreiten alsbald eine Grenze, die ihrem Road-Trip eine neue, ungeahnte Dringlichkeit verleiht…

Rezension:

Allein die Prämisse, dass ein siebzehnjähriger, sich selbst als Psychopath ansehender Junge mit einer rotzfrech-vorlauten Teenagerin sondergleichen stiften geht, weil er sich nach all den getöteten Tieren nun endlich mal daran versuchen will, einen Menschen umzubringen, versprach schon ungemein unkonventionelle, bitterbös schwarzhumorige Serienkost und tatsächlich löst die originär vom britischen Sender Channel 4 (Catastrophe) produzierte – und dankenswerterweise international von Netflix vertriebene – Serie The End of the F***ing World dieses nonverbale Versprechen schon in der ersten Folge vollends ein und bereitet den Boden für den wohl skurrilsten und ungewöhnlichsten Road-Trip aller Zeiten, der sich gleichsam als melancholische Coming-of-Age-Story betrachten lässt und in seiner Darstellung wirklich keine Kompromisse eingeht. So ist schon das erstmalige Aufeinandertreffen der beiden Hauptfiguren, dem von Alex Lawther gespielten James und der aufmüpfigen Alyssa, deren Darstellerin Jessica Barden mir noch als neugierige Schülerin in Immer Drama um Tamara in bester Erinnerung war, ein Highlight für sich und deutet bereits an, wohin die Reise – auch in inszenatorischer Hinsicht – geht, denn die jeweiligen Standpunkte unserer beiden Außenseiter-Antihelden werden durch erfrischend bissige Off-Kommentare noch untermauert, während Einspieler und Rückblenden (im stilechten 4:3 Bildformat) die ohnehin schon ungemein kurzweilig wie knackig geratenen Folgen von je rund 20 Minuten Länge noch einmal zusätzlich auflockern.

Szenenbild aus The End of the F***ing World | © Netflix
© Netflix

Dass The End of the F***ing World aber so gut funktioniert liegt zu großen Teilen daran, dass die Serie zwar durchaus einer eigenwilligen Form von Humor folgt, aber zu keinem Zeitpunkt Gefahr läuft, für einen müden Lacher ihre Figuren zu opfern, so dass man die Dringlichkeit und Ernsthaftigkeit der Absichten des ungleichen Duos nie infrage stellt und – so unangepasst oder aufmüpfig sie auch sein mögen – durchaus mitfühlen kann, wenngleich klar sein sollte, dass sich beide nur bedingt als Identifikationsfigur eignen. Der Road-Trip allerdings – ich erwähnte ja bereits das Thema Coming-of-Age – ist gleichzeitig auch ein Selbstfindungs-Trip und es ist erstaunlich, welche Entwicklungen sowohl Alyssa als auch James innerhalb der gerade mal acht Episoden durchmachen, ohne dass es gewollt, gehetzt oder gekünstelt wirkt, denn aus dem anfänglich mit absolut gegensätzlichen Intentionen ausgestatteten Zweiergespann wird nicht nur langsam eine Art eingespieltes Team, nein, gar eine leise Love-Story bahnt sich an, die aber natürlich auch nicht unbedingt so verläuft, wie man sich das von einschlägigen Produktionen erwarten würde.

Aus dem Flucht-Reflex der beiden, der sie aus dem jeweiligen Elternhaus treibt, wird aber schnell eine weit dringlichere, ernsthaftere Flucht, wenn die Story von The End of the F***ing World bereits in der dritten Episode noch einmal merklich anzieht und insbesondere einen nachhaltigen Wandel im Denken und Handeln von James‘ Figur anstößt, gleichermaßen aber auch die beiden kaum minder skurril inszenierten Ermittlerinnen Teri (Wunmi Mosaku) und Eunice (Gemma Whelan) auf den Plan ruft, die sich den beiden an die Fersen heften. So mögen hier zwar drastische Mittel bemüht werden, um ein Umdenken der Protagonisten zu initiieren, doch gerade diese Konsequenz ist es eben auch, die diese Serienproduktion so lohnenswert und eigenwillig machen, wobei man sich selbst nicht unbedingt zu den Zartbesaiteten zählen sollte, sowohl was verbale Äußerungen als auch explizite (Gewalt-)Darstellungen anbelangt, wobei entsprechende Spitzen sich hier wirklich aus der Handlung ergeben und keinerlei voyeuristischem Selbstzweck dienen, dennoch in ihrer Drastik die Abkehr vom spießbürgerlichen Vorstadtleben unterstreichen, der sich James und Alyssa verschrieben haben, die beiderseits im Verlauf ihrer Odyssee neue Seiten an sich entdecken und ein zunehmend innigeres Band knüpfen.

Szenenbild aus The End of the F***ing World | © Netflix
© Netflix

Sehr schön wird das beispielsweise auch an den erwähnten Off-Kommentaren festgemacht, denn während anfänglich die Gedanken und Vorstellungen in gänzlich unterschiedliche Richtungen driften – schließlich will James Alyssa töten, während sie ihn als Mittel zum Zweck betrachtet, aus der Stadt verschwinden zu können – wird ihr Denken und Erleben doch zunehmend einhelliger und harmonischer, während sich auch in Äußerlichkeiten wie den Klamotten die langsame Wandlung der Hauptfiguren widerspiegelt. Solcher Kleinigkeiten und Details aber einmal ungeachtet, ist es erstaunlich, wie viel Handlung sich tatsächlich in einer einzelnen Episode findet, denn besser könnte man die zur Verfügung stehenden rund zwanzig Minuten kaum nutzen, was auch mit dem teils eigenwillig abgehackten Schnitt zusammenhängen mag, der das vorherrschende Gefühl des Unangepassten noch verstärkt, wobei man in diesem Zusammenhang auch den von Graham Coxon, Mitbegründer und Leadgitarrist der Band "Blur", zusammengestellten Soundtrack nicht unerwähnt lassen sollte, denn mit der formidablen Mischung aus melancholischen Klängen und "Sturm und Drang" vermittelnden Songs wird das inszenatorisch ohnehin schon vorzügliche Gesamtbild von The End of the F***ing World mehr als trefflich abgerundet, das die Reise dieser beiden verqueren Jugendlichen zu einem solch ungewöhnlichen Erlebnis macht. Fraglich bleibt indes nur, ob der ursprünglich als Miniserie konzipierten Produktion ob ihres Erfolges nicht doch noch eine zweite Staffel nachfolgen wird, doch funktioniert das Ende der Staffel/Serie sicherlich in beide Richtungen und weiß mit einer gelungenen Mischung aus Konsequenz und offener Interpretation zu punkten.

Fazit & Wertung:

Die Graphic Novel-Adaption The End of the F***ing World überzeugt als eigenwillige Dramedy mit einer ungewöhnlichen Verquickung aus Road-Trip und Coming-of-Age-Story, die nicht zuletzt dank ihrer beiden unangepassten Protagonisten zu begeistern weiß und inszenatorisch keine Kompromisse eingeht. In seiner Thematik und deren Ausgestaltung sicherlich speziell, aber von meiner Warte aus uneingeschränkt empfehlenswert!

8,5 von 10 Stationen einer Reise

The End of the F***ing World

  • Stationen einer Reise - 8.5/10
    8.5/10

Fazit & Wertung:

Die Graphic Novel-Adaption The End of the F***ing World überzeugt als eigenwillige Dramedy mit einer ungewöhnlichen Verquickung aus Road-Trip und Coming-of-Age-Story, die nicht zuletzt dank ihrer beiden unangepassten Protagonisten zu begeistern weiß und inszenatorisch keine Kompromisse eingeht. In seiner Thematik und deren Ausgestaltung sicherlich speziell, aber von meiner Warte aus uneingeschränkt empfehlenswert!

8.5/10
Leser-Wertung 7.33/10 (3 Stimmen)
Sende

Episodenübersicht:

01. Folge 1 (8,5/10)
02. Folge 2 (8/10)
03. Folge 3 (9/10)
04. Folge 4 (8,5/10)
05. Folge 5 (8,5/10)
06. Folge 6 (8/10)
07. Folge 7 (8,5/10)
08. Folge 8 (9/10)

 
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The End of the F***ing World ist seit dem 05.01.18 exklusiv bei Netflix verfügbar.

vgw

Kommentare (2)

  1. Ingo Schulze 29. Januar 2018
  2. Jo 20. Februar 2018

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