Review: The End of the F***ing World | Staffel 2 (Serie)

Manchmal darf es auch etwas später werden mit dem Artikel, wie etwa heute, weil es mir ein Anliegen war, brandaktuell von der zweiten Staffel TEOTFW zu berichten, wie sie gern liebevoll abgekürzt wird, denn schließlich musste man mehr als zwei Jahre auf die Fortsetzung warten, die ich selbstredend regelrecht inhaliert und nach anfänglichen Startschwierigkeiten auch sehr genossen habe.

The End of the F***ing World
Staffel 2

The End of the F***ing World, UK 2017-, ca. 21 Min. je Folge

The End of the F***ing World | © Netflix
© Netflix

Serienschöpfer:
Jonathan Entwistle

Regisseure:
Lucy Forbes
Destiny Ekaragha
Autoren:
Charlie Covell
Charles S. Forsman (Comic-Vorlage)

Main-Cast:
Jessica Barden (Alyssa)
Alex Lawther (James)
in weiteren Rollen:
Naomi Ackie (Bonnie)
Josh Dylan (Todd)
Jonathan Aris (Professor Clive Koch)
Christine Bottomley (Gwen)
Steve Oram (Phil)
Alexandria Riley (Leigh)
Florence Bell (Iggy)

Genre:
Komödie | Drama

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus The End of the F***ing World | © Netflix
© Netflix

Einige Zeit ist vergangen, seit James und Alyssa am Strand gestellt worden sind und mittlerweile ist Alyssa mit ihrer Mutter Gwen zu deren Schwester gezogen. Alyssa, die immer noch verzweifelt versucht, ihren Weg in die Normalität zurückzufinden, nimmt einen Job als Kellnerin im Diner ihrer Tante an und verlobt sich gar Hals über Kopf mit Todd. Was sie nicht ahnt ist, dass James – der schwerverletzt überlebt und lange Monate im Krankenhaus verbracht hat – schon längst auf dem Weg zu ihr ist, gleichwohl Alyssas Mutter ihn gezwungen hat, Alyssa einen Brief zu schreiben, dass er sie niemals wiedersehen wolle. Andernorts zur selben Zeit wird Bonnie aus dem Gefängnis entlassen und schickt sich prompt an, Alyssa und James ebenfalls ausfindig zu machen, schließlich sieht sie in ihnen die Schuldigen, ihr das Liebste und Wertvollste im Leben geraubt zu haben und dafür – versteht sich – werden sie büßen müssen…

Rezension:

Über zwei Jahre hat man uns warten lassen, nachdem bekannt geworden ist, dass The End of the F***ing World über die erste Staffel hinaus fortgesetzt werden würde und vergangenen Dienstag war es dann endlich soweit, dass die erneut jeweils kaum mehr als zwanzig Minuten umfassenden acht Episoden hierzulande bei Netflix veröffentlicht worden sind. Dabei hätte es aber zwingend einer Fortsetzung gar nicht bedurft, zumal die Serie auf der gleichnamigen Graphic Novel von Charles S. Forsman fußt, die ihrerseits meines Wissens auch nicht über den Punkt des letzten Staffelfinales hinausreicht, so dass man sich hier nun zunehmend und merklich von der Vorlage emanzipiert und eigene Wege geht – beziehungsweise schlichtweg gehen muss. Eine gesunde Portion Skepsis war also im Vorfeld durchaus angebracht und auch das Marketing für die Serie ließ zweifeln, war dort schließlich stets nur Alyssa, nicht aber James zu sehen, den man bekanntermaßen am Ende der Staffel angeschossenen und verblutend am Strand zurückgelassen hat. Nun hoffe ich, man möge mir das nicht als böswilligen Spoiler auslegen, doch muss niemand in der zweiten Staffel auf James verzichten und Befürchtungen, der Cast-Neuzugang Naomi Ackie als Bonnie würde quasi zum Ersatz avancieren, kann man getrost ad acta legen. Nichtsdestotrotz geht Drehbuchschreiber Charlie Covell einen durchaus mutigen Weg, denn die erste Episode dreht sich tatsächlich samt und sonders um Bonnie, ohne dass Alyssa oder James dort eine wirkliche Rolle spielen würden. Das bringt einem zwar schnell und effektiv ihre Figur näher und schafft eine grob skizzierte Idee ihrer Motivation, doch muss ich für mich sagen, dass die Episode selbst im Kontext nur bedingt funktioniert und zunächst einem regelrechten Dämpfer gleichkommt.

Szenenbild aus The End of the F***ing World | © Netflix
© Netflix

Dann aber, mit Beginn der zweiten Episode, findet die Serie zu alter stärke und Größe zurück, widmet sich zunächst dem Schicksal von Alyssa und zeigt auf, wie es ihr seit den Geschehnissen am Strand ergangen ist, derweil einige Monate vergangen sind, so dass sich bei ihr einiges getan hat, ohne dass es ihr bisher gelungen wäre, mit den zurückliegenden Ereignissen final abzuschließen. Weit interessanter aber ist natürlich, was genau eigentlich mit James passiert sein mag und das schlussendlich unvermeidliche erneute Aufeinandertreffen der beiden ist gleichermaßen gelungen wie genial. Dabei wirkt die zweite Staffel The End of the F***ing World durchaus anders in Tonalität und Aufmachung, aber nicht unbedingt schlechter, so dass es Covell tatsächlich gelingt, die Geschichte sinnvoll und spannend fortzuführen, was dann wiederum eng zusammenhängt mit der Figur von Bonnie, die ebenfalls im Zusammenhang steht mit dem, was Alyssa und James zuvor widerfahren ist. So wichtig Bonnie aber als Motor für die Geschichte sein mag – so dass man auch durchaus versteht, weshalb ihr eingangs so enorm viel Zeit gewidmet worden ist – sind es doch weiterhin die beiden verschlossenen wie merkwürdigen Gestalten James und Alyssa, die im Zentrum der Ereignisse stehen.

Und diesbezüglich muss ich sagen, dass The End of the F***ing World nichts von seinem Reiz verloren hat, so dass einerseits das Zusammenspiel der beiden noch immer von einer grandiosen Chemie untermalt wird, während die gesamte Show mit gewohnt sprödem Charme glänzt und es eine helle Freude ist, die bemühte Mimik der beiden zu beobachten, die noch immer damit zu kämpfen haben, sich anzupassen und normal zu wirken. James‘ angedachte Tendenzen, ein Psychopath zu sein, treten hier zwar auffallend in den Hintergrund, doch macht das dramaturgisch in Anbetracht der ersten Staffel durchaus Sinn, derweil Alyssa noch immer gewohnt unangepasst und grundlos motzig daherkommt, gleichwohl auch sie natürlich mit so einigen Traumata zu kämpfen hat. Entsprechend Hut ab für Jessica Barden (Immer Drama um Tamara) und Alex Lawther (Ghost Stories), die trotz der verstrichenen Zeit vom ersten Moment an wieder voll in ihren Rollen sind und ohne Abstriche zu brillieren wissen. Die Handlung selbst derweil ist vergleichsweise geradlinig geraten und umfasst im Grunde auch nur wenige Tage, bevor sich auch diese Staffel wieder dem Ende neigt, doch bis dahin trägt sich einiges zu, derweil man in Anbetracht der Kürze der Episoden und deren enger Verzahnung auch weit mehr das Gefühl hat, einem nicht ganz dreistündigen Film zu folgen, als wirklich nur eine Serie anzusehen.

Szenenbild aus The End of the F***ing World | © Netflix
© Netflix

In dieser Zeitspanne allerdings durchlebt man mit den beiden Protagonisten und ihrer neuen Bekanntschaft Bonnie aber wirklich eine Achterbahnfahrt der Gefühle voller skurriler Begebenheiten, absurder Zufälle und natürlich auch hier wieder drastischer wie brutaler Zwischenfälle, auch wenn die hier anders gelagert und geartet sind, als es in der Staffel zuvor der Fall gewesen ist. Überhaupt ist es überraschend, wie gut es Covell doch letztlich gelungen ist, die zweite Staffel mit der ersten zu verzahnen, zumal eben mittlerweile einiges an Zeit vergangen ist und man in zwei Jahren wohl sicherlich – je nach Gusto – so einiges an Serien konsumiert hat, was es umso erstaunlicher macht, wie schnell man sich wieder in die eigenwillige Welt der beiden einfindet. Und auch wenn hier das Ende weit weniger offen und auch deutlich versöhnlicher ausgefallen ist als der drastische wie konsequente Schlussakkord in der ersten Staffel The End of the F***ing World, bleibt doch zu hoffen, dass selbst damit noch nicht das Ende erreicht worden ist. Denn obwohl oder gerade weil diese acht Episoden hier durchaus andere, ungewohnte Wege gehen – und vor allem mit einem überraschend antiklimatischen Finale aufwarten –, stellt die Show auf alle Fälle unter Beweis, auch fernab ihrer Graphic-Novel-Vorlage funktionieren zu können, auch wenn das zu größten Teilen an Barden und Lawther liegt, deren einzigartige Darstellungsweise hier selbst die schwächsten Szenen noch zu einem echten Erlebnis macht.

Fazit & Wertung:

Trotz anfänglicher Skepsis sollte man meines Erachtens der zweiten Staffel The End of the F***ing World unbedingt eine Chance geben, denn auch wenn diese zuweilen merklich anders sein mag als ihr gefeierter Vorgänger, ist das Wiedersehen mit James und Alyssa so dermaßen gelungen, überzeugen deren Art, Mimik und spröder Charme so dermaßen, dass man sich dieses durch und durch unangepasste Coming-of-Age-Drama mit einem gehörigen Schuss tiefschwarzen Humors nicht entgehen lassen sollte.

8,5 von 10 Stationen einer Reise

The End of the F***ing World | Staffel 1

  • Stationen einer Reise - 8.5/10
    8.5/10

Fazit & Wertung:

Trotz anfänglicher Skepsis sollte man meines Erachtens der zweiten Staffel The End of the F***ing World unbedingt eine Chance geben, denn auch wenn diese zuweilen merklich anders sein mag als ihr gefeierter Vorgänger, ist das Wiedersehen mit James und Alyssa so dermaßen gelungen, überzeugen deren Art, Mimik und spröder Charme so dermaßen, dass man sich dieses durch und durch unangepasste Coming-of-Age-Drama mit einem gehörigen Schuss tiefschwarzen Humors nicht entgehen lassen sollte.

8.5/10
Leser-Wertung 4.5/10 (2 Stimmen)
Sende

Episodenübersicht: Staffel 2

01. Folge 1 (6,5/10)
02. Folge 2 (8/10)
03. Folge 3 (8,5/10)
04. Folge 4 (8,5/10)
05. Folge 5 (8,5/10)
06. Folge 6 (8,5/10)
07. Folge 7 (9/10)
08. Folge 8 (9/10)

 
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The End of the F***ing World | Staffel 2 ist seit dem 05.11.19 exklusiv bei Netflix verfügbar.

vgw

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