Review: Akzeptanz – Southern-Reach-Trilogie 3 | Jeff VanderMeer (Buch)

Schneller habe ich lange nicht mehr eine ganze Trilogie gelesen, doch ist das bei der "Dicke" der Bücher zugegebenermaßen auch nicht allzu schwer gewesen. Lest heute also meine Meinung zum dritten Band der Southern Reach-Trilogie, bevor nächste Woche der Film mit Natalie Portman startet.

Akzeptanz
Southern-Reach-Trilogie 3

Acceptance, USA 2014, 336 Seiten

Akzeptanz - Southern-Reach-Trilogie 3 von Jeff VanderMeer | © Droemer Knaur
© Droemer Knaur

Autor:
Jeff VanderMeer
Übersetzer:
Michael Kellner

Verlag (D):
Droemer Knaur
ISBN:
978-3-426-51806-9

Genre:
Science-Fiction | Mystery

 

Inhalt:

Während sich die Grenze weiter auszudehnen scheint, hat es Control und Ghostbird nach Area X verschlagen, wo insbesondere Ghostbird auf den Spuren der ursprünglichen Biologin der zwölften Expedition zu wandeln gedenkt. Drei Dekaden zuvor, als sich die Grenze noch nicht über dem nunmehr als Area X bekannten Küstenabschnitt herabgesenkt hatte, führt Leuchtturmwärter Saul ein beschauliches Dasein, bis eine merkwürdige Entdeckung sein Leben für immer verändert. Und inmitten von Area X liegt die ehemalige Direktorin von Southern Reach im Sterben und entsinnt sich der Zeit vor der zwölften Expedition und ihres ersten, ungenehmigten Ausflugs über die diffuse Grenze hinweg, da das unverständliche Areal vom Rest der Erde in die eine wie die andere Richtung abschirmt, doch die Grenze selbst ist schließlich unlängst in Bewegung geraten…

Rezension:

Just – und damit ebenfalls pünktlich vor Start der Verfilmung des auf dem ersten Bandes der Southern Reach-Trilogie basierenden Films Auslöschung – habe ich nun mit Akzeptanz den dritten und letzten Teil der Buchreihe von Jeff VanderMeer in Augenschein nehmen können und bin mehr als froh, dass der Autor es in meinen Augen verstanden hat, die hohe Qualität seiner bisherigen Werke zu halten und einen befriedigenden und überzeugenden Abschluss seiner Mystery-Geschichte offerieren zu können. Vor allem, da ihm dies gelingt, ohne einerseits in akute Erklärungsnot zu verfallen, um nur ja jedes Area X betreffende Rätsel aufzulösen, andererseits auf Erklärungen gänzlich zu verzichten, denn auch wenn das Ende des Bandes denjenigen, die sich eine vollumfängliche Aufklärung des Ganzen erhofft hatten, sauer aufstoßen könnte, schafft er mit diesem Buch, das durchaus einige der losen Fäden zusammenführt und die Hintergründe beleuchtet, einen überzeugenden und bis zuletzt packenden Abschluss. Selbiger ließ mich wiederum mit einem merkwürdig melancholischen Gefühl zurück, derweil ich ohnehin die gesammelten Werke noch einmal loben muss, dass sie eine derartige Immersion bewerkstelligen, dass ich mich ein ums andere Mal in Southern Reach beziehungsweise Area X regelrecht zu verlieren wusste und die Lektüre wenn dann nur widerwillig zu unterbrechen bereit war.

Gleich hinter dir, aber doch außer Reichweite: das Rauschen und Schäumen der Brandung, der scharfe Atem der See, das Hin und Her der Möwen, ihr jähes, schrilles Kreischen. Ein gewöhnlicher Tag in Area X, ein außergewöhnlicher Tag – der Tag, an dem du stirbst –, und du liegst einfach da, halb aufgerichtet auf einem Haufen Sand, im Schutz eines bröckelnden Walls. Die warme Sonne auf deinem Gesicht, und der schwindelerregende Blick auf den Leuchtturm, der in seinem eigenen Schatten hoch über dir aufragt. Der Himmel ein überwältigendes blaues Gefängnis, sonst nichts.

Wie gesagt, den großen Paukenschlag zum Ende hin kann und sollte an sich nicht erwarten und entsprechend gibt es durchaus zahlreiche negative Stimmen zu Akzeptanz, die ich in ihren Grundzügen auch durchaus nachvollziehen kann, doch hätte bleibt sich VanderMeer dahingehend eben auch seiner kryptischen Erzählung treu, die – den offenen Fragen ungeachtet – hier zu einem stimmigen Gesamtkontext verflochten wird, denn einerseits wird mit der Rolle des gemeinsam mit Ghostbird frisch nach Area X gereisten Southern Reach-Direktors der Protagonist aus Autorität ins Finale transferiert, andererseits bedient sich der Autor eines simplen erzählerischen Kniffs, um die vermeintlich abgeschlossene Geschichte der Biologin aus Auslöschung erneut aufzugreifen und zu einem nicht weniger mysteriös-kryptischen Ende zu führen. Später im Buch freilich wird man noch erfahren, was mit ihr geschehen sein mag und auch wenn die Herkunft von Area X wie auch die Beschaffenheit der Grenze – die zum Ende des zweiten Bandes mit ihrer Ausdehnung begonnen hat – nicht abschließend geklärt wird, erhält man als aufmerksamer Leser doch immerhin mannigfache Informationen, was es mit der Beschaffenheit des Crawlers und anderer Wesen in Area X auf sich hat, wenn diese Gedankengänge auch grundsätzlich schon seit dem Auftakt der Geschichte in meinem Kopf herumgeisterten.

Untermalt und begleitet wird das in der Gegenwart der Geschichte verortete Treiben mit Kapiteln, die sich einerseits der (ehemaligen) Direktorin, andererseits dem (ehemaligen) Leuchtturmwächter Saul widmen. Hier muss ich dann ausnahmsweise auch mal andere Leserstimmen kritisieren, derer ich einige gelesen habe (bei dieser Art von Geschichte ist man natürlich mehr als gespannt, wie da die Meinungen anderer lauten), denn tatsächlich wird hier mehr als einmal bemängelt, dass die Kapitelstruktur und der Wechsel zwischen den handelnden Figuren und Erzählebenen so dermaßen kryptisch sei, was allerdings dahingehend ziemlicher Nonsens ist, dass man über das Schicksal der Direktorin und des Leuchtturmwärters (inklusive ihrer Verbindung zueinander) bereits in den ersten zwei Bänden recht umfassend aufgeklärt wird, weshalb es nicht schwer ist, zu erkennen, dass sich die Passagen um den Leuchtturmwärter Saul in den Wochen und Monaten vor dem Herabsenken der Grenze zugetragen haben müssen, während wir Direktorin Gloria in der Zeit vor der zwölften Expedition begleiten und somit quasi ein Präludium zur Handlung von Auslöschung präsentiert bekommen.

»Mir geht’s gut, Henry. Mach dir um mich keine Sorgen.« Ärgerlich, weil er sich wegen nichts albern aufzuführen schien, aber er wollte auch, dass Henry ihm glaubte. »Vielleicht war es ein elektrischer Schlag.«
»Vielleicht…« Der Schimmer in den Augen des Mannes war wie ein kaltes Leuchtfeuer, das Saul von sehr weit anstrahlte, als würde Henry eine komplett andere Botschaft übermitteln.
»Nichts Schlimmes passiert«, sagte er wieder.
Nichts Schlimmes.
Tatsächlich?

In diesem Zusammenhang ist es auch kaum verwunderlich, dass die drei Teile der Southern Reach-Trilogie nicht nur in den Staaten, sondern auch hierzulande mit einem Abstand von gerade einmal drei Monaten veröffentlicht worden sind, denn auch wenn der Wechsel von Perspektive, Hauptfigur und Stil hier teils frappierend ist, bauen die Bände doch in vielerlei Hinsicht aufeinander auf und wahrscheinlich hätte insbesondere Akzeptanz auch bei mir eine Abwertung erfahren, wenn mir nicht die Geschehnisse noch so präsent gewesen wären, denn ohne Frage handelt es sich um fordernde Literatur, die nicht eben den Weg des geringsten Widerstands geht und alles liebevoll vorkaut, sondern die schlussendliche Deutung und Bewertung dem Leser überlässt. Dabei könnte man die gesamte Trilogie beinahe als Parabel für die Evolution –nicht nur des Menschen – betrachten, wenn die sich hieraus ergebende Lehre auch einen vergleichsweise fatalistischen Unterton besitzt. Wie man allerdings genau die Trilogie für sich selbst interpretiert und verortet bleibt jedem selbst überlassen, weshalb auch die Meinungen beim dritten Band so weit auseinandergehen mögen, doch ich für meinen Teil habe lange nicht mehr eine so atmosphärisch einzigartige, weil gleichermaßen schillernde wie beklemmende, irritierende und hellsichtige Erzählung mehr erlebt, die noch lange in meinem Gedächtnis nachhallen wird.

Fazit & Wertung:

Jeff VanderMeer verzichtet in Akzeptanz, seinem Finale der Southern Reach-Trilogie, zwar auf allumfassende Erklärungen und Auflösungen und mag damit dem einen oder anderen Leser vor den Kopf stoßen, doch fernab dessen fügt sich durch die mannigfachen Erzählebenen dennoch alles zu einem stimmigen und faszinierenden Ganzen, das durchaus Ansätze und Hinweise hinsichtlich der Interpretation der Geschehnisse bereithält und in einen gleichermaßen fatalistischen wie optimistischen Abschluss mündet, was für sich genommen schon eine hohe Kunst ist.

9 von 10 gänzlich unbekannten Vertretern von Flora und Fauna

Akzeptanz - Southern-Reach-Trilogie 3

  • Gänzlich unbekannte Vertreter von Flora und Fauna - 9/10
    9/10

Fazit & Wertung:

Jeff VanderMeer verzichtet in Akzeptanz, seinem Finale der Southern Reach-Trilogie, zwar auf allumfassende Erklärungen und Auflösungen und mag damit dem einen oder anderen Leser vor den Kopf stoßen, doch fernab dessen fügt sich durch die mannigfachen Erzählebenen dennoch alles zu einem stimmigen und faszinierenden Ganzen, das durchaus Ansätze und Hinweise hinsichtlich der Interpretation der Geschehnisse bereithält und in einen gleichermaßen fatalistischen wie optimistischen Abschluss mündet, was für sich genommen schon eine hohe Kunst ist.

9.0/10
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Weitere Details zum Buch und dem Autor findet ihr auf der Seite von Droemer Knaur.

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Akzeptanz – Southern-Reach-Trilogie 3 ist am 03.07.17 bei Droemer Knaur erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den folgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

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