Review: Die Schöne und das Biest (Film)

Schon naht wieder das Wochenende und der persönliche Terminplan ist mehr als gefüllt, doch Zeit für eine weitere Film-Kritik bleibt selbstredend trotzdem noch, auch wenn mein Vorrat an fertigen Artikeln im Moment langsam, aber stetig zusammenschrumpft. Euch auf alle Fälle erst einmal ein schönes Wochenende und viel Spaß bei der Lektüre!

Die Schöne und das Biest

Beauty and the Beast, USA 2017, 129 Min.

Die Schöne und das Biest | © Walt Disney
© Walt Disney

Regisseur:
Bill Condon
Autoren:
Stephen Chbosky
Evan Spiliotopoulos

Main-Cast:

Emma Watson (Belle)
Dan Stevens (Beast)
Luke Evans (Gaston)
Kevin Kline (Maurice)
Josh Gad (LeFou)
Ewan McGregor (Lumière)
Stanley Tucci (Maestro Cadenza)
Audra McDonald (Madame Garderobe)
Gugu Mbatha-Raw (Plumette)
Ian McKellen (Cogsworth)
Emma Thompson (Mrs. Potts)

Genre:
Fantasy | Romantik | Musical

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Die Schöne und das Biest | © Walt Disney
© Walt Disney

Belle lebt gemeinsam mit ihrem Vater, dem Uhrmacher Maurice, in einem kleinen französischen Dorf und träumt von der weiten Welt, von Abenteuern und Erlebnissen, die sie bislang nur in Büchern hat durchleben können, denen ihre große Leidenschaft gilt. Und nicht nur weil sie davon träumt, dem verschlafenen Dorf eines Tages den Rücken zu kehren, lässt sie sich auch nicht auf die Avancen des selbstverliebten – aber auch überaus beliebten – Gaston ein, der es sich zum Ziel gesetzt at, Belle für sich zu gewinnen. Dann aber kommt Belles Vater eines Tages im Wald vom Weg ab und landet in einem verlassenen Schloss. Als er dort aber seiner Tochter eine Rose pflücken will, erscheint ein gewaltiges Biest und nimmt ihn gefangen. Einst ein Prinz, der aufgrund seiner Selbstsucht und Arroganz verwünscht worden ist, gedenkt er Maurice bis an sein Lebensende einzusperren. Doch Belle, nachdem sie ihren Vater letztlich findet, bietet sich im Austausch für ihres Vaters Freilassung an. Das Biest willigt ein und insbesondere das belebte Interieurs des Schlosses – früher ebenfalls gewöhnliche Menschen – ist ob dieser unerwarteten Wendung Feuer und Flamme, schließlich ist einzig die Liebe einer Frau zu dem Biest imstande, den Fluch zu brechen und damit den Prinzen und das Personal zurück zu verwandeln. Während Belle langsam hinter die Fassade des Biests zu blicken beginnt, glaubt Gaston, sie aus den Klauen eines garstigen Monsters befreien zu müssen und schart die Dorfbewohner um sich…

Rezension:

Nachdem die Realfilmfassung von Die Schöne und das Biest Ende letzten Jahres bereits Free-TV-Premiere gefeiert hat, sollte es nicht mehr lange dauern, bis dann ich auch mal zu meiner Blu-ray gegriffen habe, um mir ebenfalls ein Bild zu machen von der Disney-Selbstadaption, die sich seit einigen Jahren ja nun einmal gesteigerter Beliebtheit erfreuen. Die Sichtung des Trickfilmklassikers von 1991 liegt bei mir nun auch schon eine ganze Weile zurück, doch ist das dahingehend unproblematisch – oder sogar gut –, dass Regisseur Bill Condon sich überwiegend akribisch an die Vorlage hält und ganze Szenen quasi nachdreht, Dialoge neu rezitieren lässt, vor allem aber selbstredend auch die zahlreichen bekannten Songs übernimmt. Nicht nur unter dem Aspekt, dass es zudem aber auch drei neue Kompositionen in den Film geschafft haben, ist diese neue Fassung aber auch noch weit mehr Musical als der Zeichentrickfilm, was ich ganz wertungsfrei so stehen lassen möchte, da es ja durchaus einige gibt, die filmischen Musicals eher weniger abgewinnen können.

Szenenbild aus Die Schöne und das Biest | © Walt Disney
© Walt Disney

Wer allerdings darum weiß, was ihn erwartet – oder eben genau das erwartet –, der darf sich auf so einige pompöse und spektakuläre Sequenzen freuen, denn egal um welchen Song und welche Stimmung es geht, fährt Condon nicht nur einiges an Personal auf, sondern punktet auch mit audiovisueller Opulenz, die man andernorts als Kitsch verschreien würde, hier aber formidabel zum Märchencharakter der klassischen Geschichte passt. Schmalz und Zuckerguss gibt es also en masse, auch außerhalb der spektakulär choreografierten Gesangs- und Tanz-Einlagen, was den surrealen und bühnenhaften Charakter des Gezeigten unterstreicht, wozu die knalligen Farben und die gelungenen Effekte ihr Übriges beisteuern. Zum Glück aber verlässt man sich nicht allein auf den inszenatorischen Overkill, um Die Schöne und das Biest in dieser Fassung schmackhaft zu machen, sondern bleibt auch emotional den Figuren verpflichtet, was sich natürlich speziell bei den belebten Gegenständen innerhalb des verwunschenen Schlosses bemerkbar macht, mit denen man mühelos mithoffen und –bangen kann, ob es sich nun um Kerzenhalter Lumière (Ewan McGregor, Christopher Robin), Teekanne Mrs. Potts (Emma Thompson, Im Rausch der Sterne) oder Standuhr Cogsworth (Ian McKellen, Der Hobbit) handelt, die freilich auch mit markanten Stimmen und reichlich Charakter überzeugen können.

An vorderster Front aber hat sich freilich Emma Watson (The Circle) als Belle zu beweisen, die sich nicht nur im Kontext des Gezeigten als Idealbesetzung einer Disney-Prinzessin erweist, sondern natürlich auch den emotionalen Kern und Hauptbezugspunkt des Films darstellt. Nicht ganz so gut ergeht es da Dan Stevens (The Guest) als namensgebendes Biest, denn unter der dicken CGI-Schicht bleibt ihm abgesehen von ein wenig Motion-Capturing nicht viel Raum, seiner Figur Tiefe und Persönlichkeit zu verleihen, so dass ausgerechnet die sich anbahnende Beziehung zwischen Belle und Biest zu den nicht ganz so gelungenen oder überzeugenden Elementen des Films zählt, auch wenn das Biest als solches durchaus überzeugend und detailverliebt zum Leben erweckt worden ist. Als Szenendieb erweist sich derweil Luke Evans (No One Lives), der sichtlich Freude hat an seiner selbstverliebten und selbstgerechten Rolle des Gaston, aber auch wunderbar mit dessen Kompagnon LeFou (Josh Gad, Pixels). Der sorgt immer wieder für komödiantische Einschübe und erregte zudem Aufmerksamkeit als erste offen homosexuelle Figur in einem Disney-Film, wobei es im Grunde ja schon ein Armutszeugnis darstellt, dass dieser Umstand überhaupt eine Meldung oder Erwähnung wert ist und eben nicht längst als normal betrachtet wird. Sei es drum, rundet das Duo Gaston und LeFou das Ensemble gelungen ab, das zudem noch durch Kevin Kline (Die Lincoln Verschwörung) als Belles Vater Maurice ergänzt wird.

Szenenbild aus Die Schöne und das Biest | © Walt Disney
© Walt Disney

So ist Die Schöne und das Biest an erster Stelle ein schwelgerisch wie opulent inszeniertes Musical-Märchen, dass der Zeichentrickfassung in nichts nachsteht und rundherum überzeugt und mitreißt. Nichtsdestotrotz darf man nicht aus den Augen verlieren, dass dies an erster Stelle dadurch erreicht wird, vieles aus der Fassung von 1991 zu kopieren und damit nicht nur nostalgische Gefühle, sondern eben auch dieselbe inszenatorische Stärke einzelner Szenen und Songs zu kreieren. Nichtsdestotrotz handelt es sich aber zum Glück nicht um ein 1-zu-1-Remake und so lässt sich die 2017er-Filmfassung auch von vielen anderen Adaptionen des klassischen Werkes inspirieren und ist zudem eine gute Dreiviertelstunde länger geraten als die erste Disney-Fassung des Films, was einerseits an den neuen Songs How Does a Moment Last Forever, Days in the Sun und Evermore liegt, andererseits erweiterten Handlungsszenen einzelner Figuren geschuldet ist. Und so kann man letztens Endes sowohl als Fan und Kenner des ursprünglichen Werks wie auch als unbedarfter Quereinsteiger seine Freude an dieser Produktion haben, die spürbar und merklich mit reichlich Liebe und Hingabe inszeniert und realisiert worden ist.

Fazit & Wertung:

Das von Bill Condon inszenierte Realfilm-Remake des Zeichentrickklassikers Die Schöne und das Biest begnügt sich die meiste Zeit damit, eine opulent und schillernd inszenierte Nacherzählung der bekannten Geschichte zu sein. Doch viele kleine wie sinnvolle Änderungen tragen dazu bei, dass sich dieses märchenhafte Musical seine Daseinsberechtigung erstreitet und tatsächlich ein ähnlich einnehmendes wie mitreißendes Werk darstellt wie die knapp dreißig Jahre zurückliegende Trickfilmfassung.

8 von 10 verwunschenen Schlossbewohnern

Die Schöne und das Biest

  • Verwunschene Schlossbewohner - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Das von Bill Condon inszenierte Realfilm-Remake des Zeichentrickklassikers Die Schöne und das Biest begnügt sich die meiste Zeit damit, eine opulent und schillernd inszenierte Nacherzählung der bekannten Geschichte zu sein. Doch viele kleine wie sinnvolle Änderungen tragen dazu bei, dass sich dieses märchenhafte Musical seine Daseinsberechtigung erstreitet und tatsächlich ein ähnlich einnehmendes wie mitreißendes Werk darstellt wie die knapp dreißig Jahre zurückliegende Trickfilmfassung.

8.0/10
Leser-Wertung 7.5/10 (2 Stimmen)
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Die Schöne und das Biest ist am 10.08.17 auf DVD, Blu-ray und 3D Blu-ray bei Walt Disney erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

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Eine Reaktion

  1. Stepnwolf 11. Februar 2020

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