Review: Dumbo (Film)

Auch heute habe ich wieder einen Disney-Film im Gepäck und hatte mit selbigem auch durchaus meine Freude, wenn man denn nicht erwartet, dass er Konkurrenz mit dem gleichnamigen Klassiker tritt.

Dumbo

Dumbo, USA/UK/AU/CA 2019, 112 Min.

Dumbo | © Walt Disney
© Walt Disney

Regisseur:
Tim Burton
Autoren:
Ehren Kruger (Drehbuch)
Helen Aberson (Buch-Vorlage)
Harold Pearl (Buch-Vorlage)

Main-Cast:

Colin Farrell (Holt Farrier)
Michael Keaton (V. A. Vandevere)
Danny DeVito (Max Medici)
Eva Green (Colette Marchant)
Alan Arkin (J. Griffin Remington)

Genre:
Abenteuer | Fantasy

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Dumbo | © Walt Disney
© Walt Disney

Im Jahre 1919 kehrt Holt Ferrier aus dem Krieg heim und in sein altes Leben zurück, doch während seine Frau verstorben und sein Job als Westernreiter beim Zirkus faktisch nicht mehr existent ist, nimmt er zuliebe seiner Kinder Milly und Joe zunächst einen Job als Elefantenpfleger an. Doch auch um den Zirkus als solchen ist es finanziell nicht gut bestellt und Direktor Max Medici setzt seine letzte Hoffnung in eine jüngst erworbene Elefantendame. Die nämlich ist schwanger und was könnte ein größerer Kassenmagnet sein als ein putziges Elefantenbaby? Die Ernüchterung folgt mit der Geburt, denn der kleine Elefant hat grotesk große Ohren und Medici versucht prompt, sich beim Verkäufer zu beschweren. Dann aber entdecken Milly und Joe, dass der alsbald von allen nur noch "Dumbo" genannte Elefant fliegen kann und die damit einhergehende Sensation bewahrt nicht nur den Zirkus vor dem Ruin, sondern ruft auch den Unternehmer V.A. Vandevere auf den Plan, der Medici seine Absicht unterbreitet, dessen Zirkus in seinem Vergnügungspark "Dreamland" aufnehmen zu wollen…

Rezension:

Nach Die Schöne und das Biest habe ich mich nun kürzlich mit Dumbo einer weiteren Neuverfilmung – der hier vielleicht besser Neuinterpretation eines Disney-Zeichentrickklassikers gewidmet, die noch dazu in vorliegendem Fall von tim Burton stammt, weshalb ich mehr als gespannt auf das Werk gewesen bin, auch wenn seine jüngeren Filme wie Die Insel der besonderen Kinder mich nicht annähernd so begeistern konnten wie beispielsweise noch der 2003 entstandene Big Fish. Nichtsdestotrotz hat sich Burton aber im Laufe der Jahre einen Look und Stil zu Eigen gemacht, der insbesondere einer Geschichte wie dieser hier mehr als gut zu Gesicht stehen würde. An den Zauber und die Magie der ursprünglichen Trickfilmfassung von 1941 kommt dieser neue Dumbo freilich keineswegs heran und es wurde auch von mehrerer Seite moniert, dass der namensgebende Elefant zu wenig Screentime bekäme, während der Fokus mehr auf den menschlichen Protagonisten liegt, wobei ich das in diesem Fall gar nicht einmal so eng sehe und eine 1-zu-1-Adaption mit sprechenden Tieren weit weniger ansprechend gefunden hätte.

Szenenbild aus Dumbo | © Walt Disney
© Walt Disney

Stattdessen zimmert nun also Burton – genauer gesagt der Drehbuchautor Ehren Kruger – die Geschichte der Farrier-Geschwister und ihres Vaters, dem versehrten Kriegsheimkehrer Holt (Colin Farrell, True Detective) um das Schicksal des schlappohrigen Elefanten. Die wirken zugegebenermaßen allesamt doch reichlich stereotyp, was im Übrigen auch für den von Danny DeVito (The Kominsky Method) verkörperten Zirkusdirektor Max Medici gilt, doch funktionieren selbst diese generischen Figuren im Korsett der ihnen zugedachten Funktion gut, während dann eben doch eher Optik und Effekte – allen voran natürlich ein ungemein liebenswert animierter Dumbo – im Vordergrund stehen. So kann ich zwar nicht verneine, dass Dumbo dramaturgisch ein wenig schwach auf der Brust sein mag, doch hat der Film das Herz am rechten Fleck und wusste mich durchaus mit dem Schicksal des kleinen Elefanten zu berühren. Nichtsdestotrotz ist gerade der Einstieg etwas behäbig und auch wenn ich verstehe, dass man um den gerade einmal einstündigen Originalfilm eben noch einiges drum herum zimmern wollte, wirkt er nun mit seinen beinahe zwei Stunden fast ein wenig zu lang.

Hinzu kommt, dass erst in der zweiten Hälfte Burton überhaupt seine visuellen Stärken wirklich auszuspielen vermag, wenn es in Richtung Dreamland geht und der bewusst überzeichnete Entrepreneur V. A. Vandevere (Michael Keaton, Spider-Man: Homecoming) und die Zirkusartistin Colette Marchant – Eva Green (Dark Shadows) in ihrer dritten Rolle unter Burton-Regie – zum Geschehen stoßen. Dreamland und seine Attraktionen sprühen dann auch endlich wieder vor Einfallsreichtum und schaffen die zwar schillernde, aber auch bedrohliche Atmosphäre, in der sich das ein wenig zu actionreiche, zu überbordende Finale des Geschehens abspielen wird, denn natürlich hat Vandevere mitnichten das Wohl des Elefanten, sondern das große Geld im Sinn und das rächt sich in geradezu klassischer Manier. So hat die Neuverfilmung freilich wenig Chance, auch nur annähernd den Kultstatus des Originals zu erlangen und schießt mancherorts über das Ziel hinaus, während auch ich gern mehr von Dumbo selbst gesehen hätte, doch kann ich auch nicht behaupten, den Film als schlecht oder überflüssig empfunden zu haben.

Szenenbild aus Dumbo | © Walt Disney
© Walt Disney

Besonders schön im Detail sind derweil die vielen kleinen Anspielungen auf die Zeichentrickfassung, denn auch wenn man hier auf die sprechende Maus Timothy verzichtet, bekommt sie doch eine Art Cameo spendiert, während Dumbo auch hier nicht ohne "magische Feder" in die Lüfte steigt, ganz zu schweigen von den tanzenden rosa Elefanten, die einem auch hier in wenn auch anderer Form begegnen werden. So ist Dumbo zu gleichen Teilen durchaus liebevolle Hommage als auch visuell beeindruckende Modernisierung geworden, die es allerdings nicht schafft, dass man sich den menschlichen Protagonisten auch nur annähernd so verbunden fühlt wie dem kleinen Elefanten, was natürlich die Frage aufwirft, warum sie ihm dann so viel kostbare Leinwandzeit stehlen. Und dennoch vermochte ich schlussendlich nicht nur die Familie Ferrier für ihren Einsatz ins Herz zu schließen, sondern auch Dumbos Geschichte wird zufriedenstellend –im Gegensatz zum Original gar konsequenter – zu Ende erzählt. Sicherlich kein filmischer Meilenstein, aber durchaus ein schönes Werk, das man sich mal angesehen haben kann.

Fazit & Wertung:

Tim Burton vermag in seiner Interpretation von Dumbo nicht an den Trickfilmklassiker heranzureichen und orientiert sich ohnehin nur lose an der Vorlage, weiß dafür aber immerhin visuell zu beeindrucken. Nichtsdestotrotz hätte man sich gerne mehr auf den namensgebenden Elefanten fokussieren können, zumal die ergänzten menschlichen Protagonisten allzu oft reichlich generisch erscheinen. Trotz narrativer Schwächen aber ein durchaus kurzweiliges Werk, das insbesondere im Detail liebevoll dem Original huldigt.

7 von 10 fulminanten Zirkus-Attraktionen

Dumbo

  • Fulminante Zirkus-Attraktionen - 7/10
    7/10

Fazit & Wertung:

Tim Burton vermag in seiner Interpretation von Dumbo nicht an den Trickfilmklassiker heranzureichen und orientiert sich ohnehin nur lose an der Vorlage, weiß dafür aber immerhin visuell zu beeindrucken. Nichtsdestotrotz hätte man sich gerne mehr auf den namensgebenden Elefanten fokussieren können, zumal die ergänzten menschlichen Protagonisten allzu oft reichlich generisch erscheinen. Trotz narrativer Schwächen aber ein durchaus kurzweiliges Werk, das insbesondere im Detail liebevoll dem Original huldigt.

7.0/10
Leser-Wertung 4/10 (2 Stimmen)
Sende

Dumbo ist am 08.08.19 auf DVD, Blu-ray, 3D Blu-ray und 4K UHD Blu-ray bei Walt Disney erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

Sharing is Caring:

Hinterlasse einen Kommentar