Review: Eddie the Eagle – Alles ist möglich (Film)

Heute mal ein paar Worte zu einem wahnsinnig unterhaltsamen Feel-Good-Movie, der für mich eine echte Überraschung gewesen ist.

Eddie the Eagle
Alles ist möglich

Eddie the Eagle, UK/DE/USA 2016, 106 Min.

Eddie the Eagle - Alles ist möglich | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Regisseur:
Dexter Fletcher
Autoren:
Sean Macaulay
Simon Kelton

Main-Cast:
Taron Egerton (Eddie Edwards)
Hugh Jackman (Bronson Peary)

Genre:
Biografie | Komödie | Drama

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Eddie the Eagle - Alles ist möglich | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Bereits als Kind ist dem jungen Michael "Eddie" Edwards klar, dass er dereinst ein berühmter Sportler sein und an den Olympischen Spielen teilnehmen will. Weder seine Gehbehinderung noch Sehschwäche, geschweige denn seine mangelnde Begabung oder die Worte seines Vaters, er möge sich diesen Unsinn abschminken, halten ihn davon ab, seinen Traum weiter zu verfolgen, auch wenn es mit keiner Sportart so richtig zu klappen scheint. Nachdem er es dann in die britische Alpin-Ski-Mannschaft geschafft zu haben scheint, wird er dummerweise aus dem Kader geworfen und sattelt kurzerhand aufs Skispringen um. Da es kein Nationalteam in diesem Sport gibt, reist er kurzerhand nach Garmisch-Partenkirchen, um im dortigen Trainingscamp autodidaktisch zum Skispringer zu werden. Derweil das britische Komitee von seinen aberwitzigen Ideen wenig hält und einiges an Anstrengungen unternimmt, Edwards von den Olympischen Winterspielen fernzuhalten, findet der ausgerechnet in dem versoffenen Ex-Skispringer Bronson Peary jemanden, der an ihn zu glauben beginnt und sich unter gehörigem Murren bereiterklärt, Eddie in der Kunst des Skispringens zu unterrichten…

Rezension:

Als "Eddie the Eagle" im Jahr 1988 an den Olympischen Winterspielen im kanadischen Calgary teilnahm und die Massen trotz oder gerade wegen seiner doch eher als bescheiden zu bezeichnenden sportlichen Leistungen begeisterte, war ich für meinen Teil zarte drei Jahre alt, kann also nicht behaupten, großartig etwas mit der Figur oder dem Sportler zu verbinden, auch wenn mir sein Name im Vorfeld durchaus ein Begriff gewesen ist. Das sollte mich aber nicht davon abhalten, dem konsequenterweise gleichsam als Eddie the Eagle betitelten Biopic eine Chance zu geben, zumal ich kürzlich mit Schrecken feststellen musste, dass ich Taron Egerton abseits seiner Paraderolle in Kingsman noch in keinem einzigen Film bewusst gesehen habe. Dabei handelt es sich allerdings gar nicht mal so sehr um ein klassisches Biopic, denn Regisseur Dexter Fletcher – respektive die verantwortlichen Drehbuchautoren Sean Macaulay und Simon Kelton – nehmen sich durchaus einiges an Freiheiten heraus, was Leben und Werdegang von Eddie Edwards betrifft, liefern dafür aber einen der überzeugendsten Feel-Good-Movies der letzten Jahre ab, was ich mir in dem Ausmaß bei diesem Thema nicht erwartet hätte.

Szenenbild aus Eddie the Eagle - Alles ist möglich | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Schon die Kindheit des gehbehinderten und dickbebrillten Eddie wird dabei mit einem deutlich Augenzwinkern zum Besten gegeben und huldigt mehr als einmal klassischen Slapstick-Einlagen, bevor es mit dem eigentlichen Film losgeht, doch gute Laune verbreitet Eddie the Egale bereits zu diesem frühen Zeitpunkt, was sicherlich auch an der großartigen musikalischen Untermalung liegt, die zahllose 80er-Hits zum Besten gibt. So bemüht sich der Film aber auch gar nicht um ein wirklich differenziertes Bild der unterschiedlichen Ansichten, die man in Bezug auf den kultigen Sportler haben könnte, der einerseits wie gesagt durchaus frenetisch gefeiert, andererseits aber auch als Schande für den Sport betrachtet worden ist, sondern versteift sich ganz darauf, die klassische Geschichte eines Underdogs zu erzählen, der allen Widrigkeiten zum Trotz seinen Weg geht, der ihn in diesem Fall – das ist Eddie bereits als Kind klar – nach Olympia führen wird, auch wenn es dann letztlich die Winterspiele werden, wie er nach zahllosen ausprobierten Sportarten erkennt. Da macht es dann auch nichts, dass sein Vater ihm ein ums andere Mal einschärft, er sei kein Sportler, denn von so etwas lässt sich Eddie schon gar nicht beirren.

Großes Lob bei der Verkörperung der Figur verdient hier natürlich der eingangs erwähnte Taron Egerton, der tatsächlich genau die Nuancen trifft, Eddie zwar einerseits als komischen Kauz und Außenseiter zu interpretieren, ihn andererseits aber auch zu keinem Zeitpunkt der Lächerlichkeit preiszugeben. So hat man trotz der auf den ersten Blick beinahe schon karikaturenhaft angelegten Figur im gleichen Maße das Gefühl, einen echten Charakter zu beobachten und Egerton darüber zeitweise wirklich zu vergessen, so einnehmend und ausdrucksstark ist hier sein Schauspiel, das bei anderer dramatischer Gewichtung des Films sicherlich auch so einige Preise nach sich gezogen hätte. Ihm zur Seite gestellt wird nach einer kurzen Aufwärmphase der als Ex-Sportler zum Geschehen hinzustoßende Bronson Peary, seinerseits verkörpert von Hugh Jackman (Pan). Dessen Figur ist samt und sonders erfunden, was man tatsächlich der Ausgestaltung als Figur zuweilen mehr als deutlich anmerkt, denn der verbitterte Alkoholiker mit seiner bärbeißigen Art ist so offensiv als Gegenentwurf zum naiv-freundlichen Eddie angelegt und gleichzeitig so klischeebehaftet, dass man zu keinem Zeitpunkt glaubt, diesen Bronson hätte es womöglich wirklich gegeben.

Szenenbild aus Eddie the Eagle - Alles ist möglich | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Das ist nun für sich genommen aber gar nicht mal so negativ und der Nutzen der Figur erschließt sich im Zusammenspiel mit Eddie, der bis dahin der einzige Bezugspunkt des Zuschauers war, binnen weniger Minuten und funktioniert weit besser, als hätte man ihm hier eine gesichtslos bleibende Schar von wechselnden Trainern zur Seite gestellt. Weitaus unverständlicher allerdings sind andere Freiheiten, die man sich in Bezug auf Eddies Vita genommen hat, denn so sehr ich mich gefreut habe, ihn im bayrischen Garmisch trainieren zu sehen, wo ich selbst schon einige Urlaube verbracht habe, lernte der das Skispringen eigentlich in Lake Placid, wie sich der IMDb entnehmen lässt. Künstlerische Freiheiten schön und gut, erschließt sich mir nicht wirklich, wieso man einerseits eine auf wahren Ereignissen basierende Geschichte erzählen will und dann andererseits so fernab dessen changiert, was wirklich passiert ist, wenn man von der eigentlichen Olympia-Teilnahme absieht. Dessen ungeachtet aber begeistert der Film – gerade wenn man von diesen Anpassungen nichts ahnt – von der ersten bis zur letzten Minute, was ich ihm dahingehend besonders anrechne, dass ich für Wintersport keinerlei Interesse hege und mich folglich auch wunderbar hätte langweilen können, doch werden Eddies Trainingseinheiten optisch so großartig inszeniert, dass sie den Film mehr als trefflich abrunden, auch wenn man die CGI-Sprünge mancherorts durchaus als solche erkennt. Als Biopic taugt der Film also zwar nur sehr bedingt, als beschwingtes Feel-Good-Movie mit einem bestens aufgelegten Darsteller-Duo bewegt sich Eddie the Eagle allerdings in gänzlich anderen Sphären.

Fazit & Wertung:

Dexter Fletcher erzählt in Eddie the Eagle die Geschichte des Skispringers Eddie Edwards als typische Underdog-Story mit gehörigem Feel-Good-Movie-Potential, nimmt sich aber bei der Inszenierung des vornehmlichen Biopics so viele erzählerische Freiheiten, dass man besser zu anderen Quellen greifen sollte, wenn man etwas über den "echten" Eddie erfahren will. Das ändert allerdings nichts daran, dass der Film unverschämt viel Spaß macht und Taron Egerton als Verkörperung von Eddie eine Glanzleistung abliefert.

8 von 10 wagemutigen Schanzensprüngen

Eddie the Eagle - Alles ist möglich

  • Wagemutige Schanzensprünge - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Dexter Fletcher erzählt in Eddie the Eagle die Geschichte des Skispringers Eddie Edwards als typische Underdog-Story mit gehörigem Feel-Good-Movie-Potential, nimmt sich aber bei der Inszenierung des vornehmlichen Biopics so viele erzählerische Freiheiten, dass man besser zu anderen Quellen greifen sollte, wenn man etwas über den "echten" Eddie erfahren will. Das ändert allerdings nichts daran, dass der Film unverschämt viel Spaß macht und Taron Egerton als Verkörperung von Eddie eine Glanzleistung abliefert.

8.0/10
Leser-Wertung 7/10 (1 Stimme)
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Blu-ray:

vgw

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