Review: Greatest Showman (Film)

Zum Wochenende wird es wieder (vergleichsweise) aktuell und da habe ich diesmal ein Musical nachgeholt, das mich zum Glück genauso zu begeistern gewusst hat, wie ich es mir im Vorfeld erhofft hatte, auch wenn die Musik sich gerne noch etwas homogener in den Film hätte fügen dürfen. Jetzt aber erst einmal einen beschwingten Start ins Wochenende!

Greatest Showman

The Greatest Showman, USA 2017, 105 Min.

Greatest Showman | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Regisseur:
Michael Gracey
Autoren:
Jenny Bicks
Bill Condon

Main-Cast:

Hugh Jackman (P.T. Barnum)
Michelle Williams (Charity Barnum)
Zac Efron (Phillip Carlyle)
Zendaya (Anne Wheeler)
Rebecca Ferguson (Jenny Lind)

Genre:
Musical | Biografie | Drama

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Greatest Showman | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

P.T. Barnum wächst in mehr als ärmlichen Verhältnissen auf und hat seit frühester Kindheit den Kopf voller Flausen, während er sich bereits als Junge in die hübsche Charity verguckt. Mit dem Traum im Herzen, sie zu ehelichen und ihr ein sorgenfreies Leben bieten zu können, strebt Barnum stets nach Höherem und schlussendlich gewinnt er Charity für sich, auch wenn ihr Leben entgegen seiner Vorstellungen zunächst voller Entbehrungen ist. Dank seiner Träumereien aber ist Barnum der Meinung, mit der Eröffnung eines Kuriositätenkabinetts genau den richtigen Nerv zu treffen und schart fortan alles um sich, was gemeinhin als kurios oder andersartig gilt, ob es ein kleinwüchsiger Mann, eine bärtige Frau oder ein ganzkörpertätowierter Künstler ist. Und nach anfänglichen Rückschlägen verbucht Barnum tatsächlich erste Erfolge und wird vom einfachen Volk für seine Spektakel geliebt, derweil die High Society ob seiner Wunderlichkeiten nur die Nase rümpft. Entsprechend sieht Barnum es als nächsten, konsequenten Schritt, sich der Mitarbeit des renommierten Theaterschreibers Phillip Carlyle zu versichern, der wiederum die Eintrittskarte darstellt, um gar an den englischen Hof geladen zu werden, womit Barnum den Grundstein für seinen Aufstieg legt. Dabei erkennt er allerdings nicht, dass er nach und nach seine eigenen Ideale zugunsten von Ruhm und Anerkennung vernachlässigt…

Rezension:

Lange schon hatte ich mich auf die Sichtung von Greatest Showman gefreut, ungeachtet auch so manch negativer Stimme zu dem Film, denn nicht von ungefähr fühlte ich mich schnell an Baz Luhrmanns Moulin Rouge erinnert (den ich sehr liebe!), derweil ich für Musicals ja durchaus zu haben bin, wie nicht zuletzt der wunderbare La La Land unter Beweis gestellt hat. Dessen Songschreiber Justin Paul und Benj Pasek sind es übrigens auch, die hier für die Texte der zahlreichen Lieder verantwortlich zeichnen, die das illustre Sammelsurium an Figuren hier zum Besten gibt und entsprechend war ich voller Hoffnung, was dieses im besten Sinne überladen wirkende Spektakel angeht und wurde auch nicht enttäuscht. Nun ist natürlich auch immer die Frage, mit welcher Erwartungshaltung man an einen jedweden Film herangeht, denn als Biografie des real existierenden P.T. Barnum taugt der Film mitnichten, wie auch ich bereitwillig einräumen muss, denn dafür bleiben die Figuren viel zu oberflächlich, ist der Plot zu generisch, wirkt das im letzten Drittel durchscheinende Drama zu fadenscheinig, während Barnum trotz charakterlicher Schwächen doch immer als positive Identifikationsfigur inszeniert wird, was wohl nicht annähernd der echten Person entsprochen haben mag.

Szenenbild aus Greatest Showman | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Allerdings glaube ich auch, dass Regisseur Michael Gracey und seinen Drehbuchschreibern Jenny Bicks und Bill Condon nichts ferner gelegen haben mag, als ein wirklichkeitsgetreues Abbild des Lebens von Hauptfigur Barnum zu inszenieren, denn hierfür werden auch schlicht zu viele Etappen in seinem Leben ausgespart oder im Zeitraffer durchlaufen, um sich schnellstmöglich seinem Kuriositätenkabinett und dem daraus resultierenden Zirkus zu widmen. Wo ich den Vergleich aber schon einmal bemüht habe, muss man in aller Ehrlichkeit auch sagen, dass der – noch deutlich überzeugendere – Moulin Rouge ebenfalls nicht unbedingt mit dramaturgischer Raffinnesse geglänzt hat und so macht dieser Punkt auch Greatest Showman keinen Strich durch die Rechnung, wenn man bereit ist, sich dem opulent und großspurig gebenden Vergnügen hinzugeben, dass natürlich viel mehr durch seine Bilder und Töne, die Songs und Kostüme zu unterhalten versucht. Das gelingt ihm über weite Strecken für meinen Geschmack auch formidabel, zumal sich Hugh Jackman (Eddie the Eagle) als charismatische Rampensau durchaus als echter Glücksgriff entpuppt und sich hier spürbar einem Herzensprojekt verschrieben hat, denn er ist wirklich in jeder Sekunde mit jeder Faser dabei, auch wenn er eben mehr als Entertainer denn als glaubhafter Barnum funktioniert, dessen Wesen quasi nur am Rande durchzuschimmern weiß.

Darüber trösten aber nicht nur die schwelgerischen Set-Designs hinweg, sondern auch zahlreiche großartige Choreografien, eingängige – manchem sicherlich auch zu poppige – Songs und kleine Highlights wie das Duett zwischen Jackman und Zac Efron (The Paperboy), wobei für mich als Quintessenz des Films schnell in Erinnerung geblieben ist, dass die besten Songs in der nahegelegenen – und kurioserweise stets wie leergefegt wirkenden – Kneipe zum Besten gegeben werden. Ruhmreiche Ausnahme ist auch hier ein weiteres Duett, diesmal zwischen Efron und Zendaya, die mir noch aus Spider-Man: Homecoming in bester Erinnerung gewesen ist und wie der werte Zac auch schon auf eine umfangreiche musikalische Karriere zurückblicken kann. Besonders bemerkenswert hier ist allerdings vielmehr, dass Zendaya im Film als Trapezkünstlerin Anne Wheeler in Erscheinung tritt und anscheinend ihre Trapez-"Stunts" alle selbst vollführt hat, was eine beeindruckende Leistung darstellt, wenn man mit diesem Wissen ihre Szenen im Film betrachtet. Da stört es dann auch kaum, dass sowohl der von Efron verkörperte Phillip Carlyle als auch Anne vollumfänglich fiktionale Figuren sind, die einzig für ihre Lovestory Teil des Films geworden sind, denn wie gesagt, eine Biografie sieht durchaus anders aus. So bin ich auch bezüglich der Message des Films durchaus zweigeteilter Meinung, denn hier wird Barnum zwar einerseits als Vorbild für Gleichheit und gegenseitigen Respekt inszeniert, als aufgeklärter Vorreiter sozusagen, entpuppt sich aber im weiteren Verlauf doch als Opportunist, der seine "Freaks" eben doch auch immer als solche und nie als gleichwertig betrachtet.

Szenenbild aus Greatest Showman | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Zum Schluss kommt aber natürlich auch hier die erwartungsgemäße Einsicht und Greatest Showman macht in seinem Statement für Toleranz wieder einiges an Boden gut, doch hätte man hier ganz ohne Frage mit noch ein wenig mehr inszenatorischer Finesse und vor allem Fingerspitzengefühl zu Werke gehen können, womit der Film in seiner jetzigen Form einiges an Möglichkeiten verschenkt. Ähnlich verschwendet wirken derweil auch Michelle Williams (Manchester by the Sea) als liebende Ehefrau Charity Barnum, die später hauptsächlich durch Abwesenheit glänzt, sowie Rebecca Ferguson (Life), aus deren Figur man noch deutlich mehr hätte herausholen können. Dieser kleinen Verfehlungen und verpassten Chancen aber ungeachtet, ist Greatest Showman ein enorm spektakulärer, vornehmlich mit seinen Schauwerten glänzender Film geworden, der mich im besten Sinne überrascht und auch unterhalten hat. Eine Schwäche allerdings, die das pompöse Spektakel für mich doch nachhaltig getrübt hat, ist der Umstand, dass die Songs allesamt ein wenig "überproduziert" wirken und sich nicht gänzlich mit dem gezeigten Bild verbinden lassen, was ein wenig die ansonsten treffliche Immersion zerstört. So wirkt die Tonspur eben jederzeit wie darübergelegt, statt sich inmitten des Tumults aus tanzenden Körpern und schwelgenden Kamerafahrten zu entfalten, was sicherlich noch mitreißender hätte ausfallen können, als der Film ohnehin und dennoch geworden ist.

Fazit & Wertung:

Mit Greatest Showman ist Regisseur Michael Gracey zwar ein ausgezeichnetes Musical, aber nicht der erhoffte große Wurf gelungen, denn wo der Film mit Imposanz und eingängigen Songs zu glänzen versteht, krankt er gleichermaßen an einer gänzlich generischen Geschichte und Bild- und Ton-Komponenten, die für sich genommen zwar formidabel sind, selten aber wirklich Hand in Hand gehen. Als beschwingtes Feel-Good-Movie top, Tiefgang oder echtes Drama sollte man jedoch nicht suchen oder erhoffen.

8 von 10 opulent-schwelgerischen Darbietungen

Greatest Showman

  • Opulent-schwelgerische Darbietungen - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Mit Greatest Showman ist Regisseur Michael Gracey zwar ein ausgezeichnetes Musical, aber nicht der erhoffte große Wurf gelungen, denn wo der Film mit Imposanz und eingängigen Songs zu glänzen versteht, krankt er gleichermaßen an einer gänzlich generischen Geschichte und Bild- und Ton-Komponenten, die für sich genommen zwar formidabel sind, selten aber wirklich Hand in Hand gehen. Als beschwingtes Feel-Good-Movie top, Tiefgang oder echtes Drama sollte man jedoch nicht suchen oder erhoffen.

8.0/10
Leser-Wertung 7.5/10 (2 Stimmen)
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Greatest Showman ist am 17.05.18 auf DVD, Blu-ray und 4K UHD Blu-ray bei Twentieth Century Fox erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

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