Review: John Wick: Kapitel 2 (Film)

Zum Wochenende darf es dann auch mal wieder ein wenig derbe, überstilisierte Action sein, die diesmal in Gestalt des von Keanu Reeves verkörperten John Wick daherkommt, dessen zweites Abenteuer ich mir nun jüngst auch endlich zu Gemüte geführt habe. Kommt mir gut ins Wochenende und genießt das Wetter, denn zumindest morgen wird es ja wohl zeitweilig an manchem Ort auch gewittern, wenn man den Gerüchten Glauben schenken mag.

John Wick
Kapitel 2

John Wick: Chapter 2, USA/HK 2017, 122 Min.

John Wick: Kapitel 2 | © Concorde
© Concorde

Regisseur:
Chad Stahelski
Autor:
Derek Kolstad

Main-Cast:
Keanu Reeves (John Wick)
Common (Cassian)
Laurence Fishburne (Bowery King)
Riccardo Scamarcio (Santino D’Antonio)
Ruby Rose (Ares)
John Leguizamo (Aurelio)
Ian McShane (Winston)
in weiteren Rollen:
Claudia Gerini (Gianna D’Antonio)
Lance Reddick (Charon)
Tobias Segal (Earl)
Bridget Moynahan (Helen)
Thomas Sadoski (Jimmy)
Peter Stormare (Abram)
Peter Serafinowicz (Sommelier)

Genre:
Action | Krimi | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus John Wick: Kapitel 2 | © Concorde
© Concorde

Nachdem der Sohn des russischen Gangsterbosses Viggo Tarasov den einstigen Profi-Killer John Wick unfreiwillig aus dem selbstgewählten Ruhestand geholt hat, hat dieser auf brutalste Weise mit seinem ehemaligen Arbeitgeber abgerechnet und schickt sich nun an, abschließend noch sein Auto aus dem Hauptquartier des jüngst von Viggos Bruder übernommenen Clans zu bergen, um mit der Sache abzuschießen. Kaum ist das allerdings erledigt, steht wenig später Santino vor Wicks Tür und fordert die Begleichung einer alten Blutschuld ein. Santino erklärt, er hätte es auf sich beruhen lassen, wäre Wick dem Geschäft ferngeblieben, doch da er nun offenkundig wieder in Aktion getreten ist, muss er darauf bestehen, dass John ihm die versprochene Gegenleistung gewährt, die darin besteht, Santinos Schwester Gianna auszuschalten, damit Santino selbst in die höchsten Ränge der Unterweltbosse aufsteigen kann. Trotz seiner anfänglichen Weigerung begibt sich John Wick schlussendlich nach Rom, um einen vermeintlich letzten Auftrag zu erfüllen, der ihn jedoch nur tiefer in die von Regeln und Traditionen beherrschte Welt des organisierten Verbrechens hineinzieht…

Rezension:

Der seinerzeit von Chad Stahelski und David Leitch (letzterer hier diesmal nicht mit an Bord) inszenierte John Wick ist seinerzeit völlig zu Recht mit einer ziemlichen Begeisterung aufgenommen worden und war ein wirklich schön und souverän inszenierter Action-Reißer ohne größere Längen oder Schwächen, dafür mit reichlich formidabel und abwechslungsreich inszenierten Kämpfen jedweder Couleur, zumal man sich dank R-Rating auch bei der expliziten Darstellung des Gezeigten gehörig austoben konnte. Und gerade weil ich so vergleichsweise spät auf diesen Hype-Train aufgesprungen bin und das erste Kapitel vor nicht einmal zwei Jahren an dieser Stelle rezensiert habe, war mir die Rückkehr von John Wick in die Welt des organisierten Verbrechens noch gut im Gedächtnis und auch schon beim ersten Teil hat mich die abgründige Parallelwelt fasziniert, welche Drehbuchautor Derek Kolstad für den Film entworfen hat, die schon ein wenig den comichaften Charakter des Ganzen unterstrichen hat, dabei aber mit der nötigen Ernsthaftigkeit vorgetragen worden ist, um überzeugen können. Kern dieser Schatten- oder Parallelgesellschaft war freilich das New Yorker Hotel Continental unter Führung des von Ian McShane (American Gods) verkörperten Winston, der freilich auch hier wieder mit von der Partie ist, während es Wick alsbald in den römischen Ableger des Etablissements verschlagen wird.

Szenenbild aus John Wick: Kapitel 2 | © Concorde
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Dergestalt nutzt der erneut als Autor verpflichtete Kolstad die Gunst der Stunde, um in John Wick: Kapitel 2 dessen Welt noch einmal gehörig aufzubohren und um zahlreiche Regeln, Institutionen und Charaktere zu erweitern, was die merkwürdig-abgründige Faszination des ersten Teils noch verstärkt, denn während man dort nur an der Oberfläche gekratzt hat, bekommt man hier expliziten Einblick in die Versorgungsrouten und geheimen Kanäle – nicht nur das Continental betreffend – durch die es den Verbrecherorganisationen und Killern gelingt, unbemerkt ihren Geschäften nachzugehen, wobei es sich Kolstad dabei nicht nehmen lässt, einige charmante Anachronismen wie etwa ein altertümliches Rohrpost-System einzubauen, was dem Flair des Films durchaus zum Vorteil gereicht. Dieser Ansätze und Einschübe bedarf es aber auch, denn dramaturgisch ist der zweite Teil der Chose doch ziemlich schwach auf der Brust, denn auch wenn das erste Kapitel seine Stärken ebenfalls nicht in einer ausgefeilten oder vielschichtigen Story hatte, war dort der emotionale Kern des Ganzen ungleich mitreißender, während Wick hier längst wieder zum Über-Killer hochstilisiert wird und letzte Bedenken schnell über Bord geworfen hat, währende es eben diesmal kein persönliche Sache, sondern sein Überlebensinstinkt ist, der ihn antreibt. Nichtsdestotrotz macht Keanu Reeves (Knock Knock) auch hier wieder einen vorzüglichen Job, den Profi-Killer zu verkörpern und beeindruckt gleichermaßen mit Präsenz und Physis, die dem überlebensgroßen Ruf der Figur durchaus gerecht werden.

Mir für meinen Teil hat es aber durchaus gefallen, wie hier die Welt des Verbrechens in ihrer beinahe surreal zu nennenden Ausgestaltung erweitert worden ist und gleich als Aufhänger für die Storyline genutzt wird, wenn eine mit Blut besiegelte Münze als Symbol für einen geschuldeten Gefallen steht, der den Regeln des Verbrechens nach unter allen Umständen und Vorbehalten eingelöst werden muss, denn auch wenn diese Vorstellung eines Ehrenkodex unter Killern wohl eher nicht in der Realität fußt, haftet ihr doch etwas verklärt-romantisches an, das unverschämt gut zu dieser fiktiven, überstilisierten Welt des Verbrechens passt. Überstilisiert sind hier derweil natürlich auch die Kämpfe und ganz wie man es erwarten würde, müht sich John Wick: Kapitel 2 durchaus, hier noch eine Schippe draufzulegen, ohne es indes damit zu übertreiben, so dass dieser zweite Teil ausnahmsweise einmal nicht der Fluch des "Höher-schneller-weiter"-Programms ereilt, denn über die Stränge geschlagen wurde auch schon im ersten Teil und dieser Weg wird hier einfach nur konsequent weiterverfolgt. Vor allem aber fallen die Kämpfe auch hier wieder erfrischend abwechslungsreich aus und sind nicht minder großartig choreografiert, wenn ich da allein an eine Auseinandersetzung zwischen Wick und dem von Common (Run All Night) gespielten Cassian denke, die sich dem Gefühl nach durch eine halbe Stadt zieht und dabei weder an Härte noch an Faszination verliert, während man sich freilich fürs Finale die ganz besonderen optischen Leckerbissen aufgespart hat, die ich hier gar nicht vorwegnehmen möchte oder auch muss (wobei nachfolgendes Bild als Teaser verstanden werden darf), denn wem der erste Teil gefallen hat, dem sollte eigentlich auch dieses Kapitel der Geschichte munden, die diesmal – so viel sei verraten – weitaus offener endet, um dem längst beschlossenen Kapitel 3 den Weg zu bereiten.

Szenenbild aus John Wick: Kapitel 2 | © Concorde
© Concorde

Einzig ein wenig enttäuschend ist die prominent beworbene Rolle von Laurence Fishburne (Hannibal), der effektiv nur wenige Minuten Screentime im fertigen Film hat, was ich persönlich sehr schade gefunden habe, zumal man hier ja schon auf Willem Dafoe hat verzichten müssen, der den Vorgänger doch gehörig veredelt hat. Dafür allerdings kommt hier mit Ruby Rose als Ares eine spannende Auftragskillerin hinzu, die ich gerne noch öfter in Aktion erlebt hätte, auch wenn man ihr nie so richtig abkaufen will, eine echte Bedrohung für Wick zu sein, was aber daran liegt, dass der wie gesagt früh zu einer Art Anti-Held hochstilisiert wird und sich auch noch mit schwersten Blessuren und Verletzungen in die nächste sichere Heimstatt zu flüchten weiß, was aber auch bei dieser Art Film nicht anders zu erwarten gewesen sein dürfte. Wer also nicht gerade bei John Wick: Kapitel 2 erhofft hat, dass hier das Geschehen plötzlich geerdet werden würde, sollte demnach keine Enttäuschung erleben, denn auch wenn der Film nicht ganz an Esprit und Verve des 2014er-Überraschungserfolges heranreicht, handelt es sich doch um eine mehr als würdige Fortsetzung, die Lust macht auf den dritten Ausflug mit John Wick.

Fazit & Wertung:

Diesmal im Alleingang inszeniert Regisseur Chad Stahelski John Wick: Kapitel 2 als gleichermaßen launige wie gelungene Fortsetzung, die nicht nur den namensgebenden Profi-Killer mehr denn je als Übermenschen hochstilisiert, sondern sich vor allem darauf verlegt, die faszinierende Parallelwelt des Verbrechens, in der sich Wick bewegt, nähergehend zu beleuchten. Nicht ganz so schmissig wie der erste Teil, aber inszenatorisch eine gelungene Mischung aus Action-Choreographien und World-Building.

7,5 von 10 orgiastischen Kampfsequenzen

John Wick: Kapitel 2

  • Orgiastische Kampfsequenzen - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Diesmal im Alleingang inszeniert Regisseur Chad Stahelski John Wick: Kapitel 2 als gleichermaßen launige wie gelungene Fortsetzung, die nicht nur den namensgebenden Profi-Killer mehr denn je als Übermenschen hochstilisiert, sondern sich vor allem darauf verlegt, die faszinierende Parallelwelt des Verbrechens, in der sich Wick bewegt, nähergehend zu beleuchten. Nicht ganz so schmissig wie der erste Teil, aber inszenatorisch eine gelungene Mischung aus Action-Choreographien und World-Building.

7.5/10
Leser-Wertung 6/10 (1 Stimme)
Sende

John Wick: Kapitel 2 ist am 27.06.17 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Concorde erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:


Blu-ray:


vgw

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