Review: Wanted (Film)

Kommen wir heute mal wieder zu einem vergleichsweise älteren Film, den ich lange Zeit aus mir unerfindlichen Gründen nicht auf dem Schirm hatte und den ich mir sicherlich viel früher angesehen hätte, wenn ich geahnt hätte, was für ein aberwitzig-unterhaltsamer Streifen mich hier erwartet.

Wanted

Wanted, USA/DE 2008, 110 Min.

Wanted | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Regisseur:
Timur Bekmambetov
Autoren:
Michael Brandt (Drehbuch)
Derek Haas (Drehbuch)
Chris Morgan (Drehbuch)
Mark Millar (Comic-Vorlage)
J.G. Jones (Comic-Vorlage)

Main-Cast:
James McAvoy (Wesley)
Morgan Freeman (Sloan)
Angelina Jolie (Fox)
in weiteren Rollen:
Terence Stamp (Pekwarsky)
Thomas Kretschmann (Cross)
Common (The Gunsmith)
Chris Pratt (Barry)

Genre:
Action | Krimi | Fantasy | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Wanted | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Wesley Gibson mag noch jung sein, ist aber längst am Leben verzweifelt. Sein Bürojob ist seine persönliche Hölle, sein Konto ist ständig nahe dem Nullpunkt und seine Freundin betrügt ihn mit seinem angeblich besten Freund, der ihm lächelnd ins Gesicht lügt. Eines Tages allerdings begegnet Wesley der mysteriösen wie agilen Fox, die erklärt, ihm das Leben retten zu wollen, als sich auch schon ein Killer namens Cross aus den Schatten schält und das Feuer eröffnet. Die beiden flüchten und Fox bringt Wesley zu einem distinguierten Herrn namens Sloan, der sich als Anführer einer Bruderschaft zu erkennen gibt, zu der auch Wesleys Vater gehört haben soll, der jüngst einem Attentat zum Opfer gefallen ist. Noch völlig überrumpelt, willigt Wesley schließlich ein, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten und eine Ausbildung zum Auftragsmörder aufzunehmen, nachdem ihn um Ecken fliegende Kugeln und in der Luft Saltos schlagende Autos einen Vorgeschmack darauf gegeben haben, welche Talente auch in ihm schlummern könnten und ganz ehrlich: alles ist besser als Wesleys früheres Leben als gesichtsloses Rädchen im Getriebe…

Rezension:

Ich bin ja bekanntermaßen großer und ausgewiesener Fan des mannigfachen Schaffens von Mark Millar, dessen Comics ich in steter Regelmäßigkeit lese und rezensiere, derweil ich auch den überwiegenden Teil der nicht minder zahlreichen Verfilmungen seiner Werke mittlerweile kenne und grundsätzlich schätze, wobei es in dieser Hinsicht bis vor kurzem eine kleine, aber doch auffällige Lücke gegeben hat, denn bis vor gar nicht allzu langer Zeit habe ich tatsächlich Wanted, die Verfilmung des gleichnamigen Comics noch keiner Sichtung unterzogen gehabt und das, obwohl mit James McAvoy einer meiner Lieblingsschauspieler die Hauptrolle spielt. Nun hat sich dies geändert und entsprechend sehe ich mich jetzt in der Lage, eine Beurteilung des von Timur Bekmambetov inszenierten Films abgeben zu können. Bekmambetov, der mit Wächter der Nacht und Wächter des Tages seinerzeit einige Aufmerksamkeit erregte, lieferte hiermit nun sein englischsprachiges Debüt ab und tatsächlich sind Stil und Handschrift des Filmemachers durchaus klar erkennbar, wobei der Stoff ihm auch wie auf den Leib geschneidert scheint.

Szenenbild aus Wanted | © Universal Pictures
© Universal Pictures

So handelt es sich nämlich mitnichten einfach "nur" um einen Actionfilm, nein, das Label "Fantasy" prangt nicht zu Unrecht bei der Genre-Kategorisierung, denn physikalische Gesetze sucht man hier genauso vergebens wie eine tiefere Logik, handelt es sich bei den Mitgliedern der Bruderschaft schließlich im Grunde um verkappte Superhelden, die Kugeln um Ecken schießen können und gerne auch mal mit Autos Saltos in der Luft vollführen oder mit genügend Anlauf durch Sicherheitsglas zu preschen imstande sind und dabei von Haus zu Haus springen (und natürlich noch Zeit haben, in besagtem Sprung gleich mehrere Waffen zielgerichtet abzufeuern). Die Herkunft der Bruderschaft ist dabei genauso bizarr und hanebüchen, denn diese sind aus einem Jahrhunderte alten Weber-Orden hervorgegangen und erhalten noch heute die Ziele ihrer Auftragsmorde – zum Wohle der Menschheit übrigens – durch einen im Schicksalsfaden ihrer Organisation verborgenen Binärcode, den der Anführer der Bruderschaft zu dechiffrieren und interpretieren hat. So weit so unsinnig, hat nie besser gepasst als hier, doch geht es Wanted eben auch weit mehr um die actionreiche Inszenierung seiner Geschichte, als dass selbige auf einem auch nur halbwegs schlüssigen Fundament fußt, so dass wieder einmal eine gehörige Dosis an Willing Suspension of Disbelief mitgebracht werden darf, um Spaß an der Chose zu haben.

Die geht ansonsten wortwörtlich über Leichen und begeistert mit einer heutzutage eher selten anzutreffenden Härte, die zwar comichaft-überhöht daherkommt, aber eben doch einige deftigere Szenen parat hält, die dann auch die Altersfreigabe rechtfertigen. Bei einem so ausgemachten Blödsinn wie Wanted ist es aber sehr erfrischend, dass man bei der Inszenierung so kompromisslos zu Werke geht, denn so unsinnig die übermenschlichen Fähigkeiten der Weber geraten sind, so generisch kommt auch das Skript daher, das sich voll und ganz den beinahe minutiös und spektakulär überzogen inszenierten Actionszenen unterordnet, die wie erwähnt jegliche physikalische Annahme Lügen strafen. Das rangiert alles reichlich nahe am Exzess und Bekmambetov schießt durchaus das eine oder andere Mal über das Ziel hinaus, so dass die Story oder das Schicksal der Figuren einen über den obligatorischen Coolness-Faktor hinaus kaum kratzen, doch dennoch gelingt es Charakterdarsteller James McAvoy (Atomic Blonde) tatsächlich, inmitten dieses Tumults einen glaubhaften Wandel vom duckmäuserischen Büroangestellten zum abgebrühten Auftragskiller zu durchlaufen.

Szenenbild aus Wanted | © Universal Pictures
© Universal Pictures

So ist er allein es auch, dessen Rolle wirklich in Erinnerung bleibt, denn die von Angelina Jolie (Sky Captain and the World of Tomorrow) verkörperte Action-Amazone Fox ist ebenso sehr Mittel zum Zweck und jegliches Backgrounds befreit wie der distinguierte Sloan als Anführer der Bruderschaft, den Morgan Freeman (Lucy) in erwartungsgemäß unaufgeregter, routinierter Manier darzustellen versteht. Ein Großteil der weiteren Figuren bekommt dann noch nicht einmal mehr Namen spendiert und muss sich mit Titeln wie "The Gunsmith" oder "The Repairman" zufriedengeben, was viel darüber aussagt, welche Bedeutung den Figuren beigemessen wird und welche Relevanz sie innerhalb der Story besitzen. Das ist aber auch grundsätzlich nicht verwerflich, denn im Kern erzählt Wanted die Geschichte eines jungen Mannes, der auf der Suche nach sich selbst endlich den Schneid besitzt, seiner Umwelt die Stirn zu bieten und für sich selbst einzustehen. Und diese simple Story wird garniert mit orgiastisch ausufernder Action und einer gehörigen Prise schwarzem Humor, während man freilich Logik und gesundem Menschenverstand relativ unverhohlen den Mittelfinger präsentiert. So verstehe ich jeden, der absolut enttäuscht von Wanted sein mag und räume auch bereitwillig ein, dass sich hier die Waagschale deutlich mehr in Richtung Wahnwitz neigt als bei der insgesamt deutlich ausgewogeneren Millar-Verfilmung Kingsman: The Secret Service, doch wer dem durchaus des Öfteren absurden Schaffen der Millar’schen Ideenschmiede etwas abgewinnen kann, sollte auch bei diesem unterhaltsamen Nonsens auf seine Kosten kommen können.

Fazit & Wertung:

Timur Bekmambetov schlägt bei Wanted zweifellos bewusst und bereitwillig über die Stränge und lässt bereits in den ersten Minuten jegliche physikalische Gesetzmäßigkeit fallen, doch macht das freilich auch den Reiz dieses überbordenden Action-Spektakels aus, das sich lustvoll in Schießereien und Autoverfolgungsjagden ergeht, die jeglicher Logik trotzen, wobei gerade dieser anarchische Ansatz einerseits den Reiz des Ganzen ausmacht, andererseits viele Zuschauer verprellen dürfte, die sich eine "glaubwürdigere" Grundlage gewünscht hätten.

7,5 von 10 sich in der Luft überschlagenden Autos

Wanted

  • Sich in der Luft überschlagende Autos - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Timur Bekmambetov schlägt bei Wanted zweifellos bewusst und bereitwillig über die Stränge und lässt bereits in den ersten Minuten jegliche physikalische Gesetzmäßigkeit fallen, doch macht das freilich auch den Reiz dieses überbordenden Action-Spektakels aus, das sich lustvoll in Schießereien und Autoverfolgungsjagden ergeht, die jeglicher Logik trotzen, wobei gerade dieser anarchische Ansatz einerseits den Reiz des Ganzen ausmacht, andererseits viele Zuschauer verprellen dürfte, die sich eine "glaubwürdigere" Grundlage gewünscht hätten.

7.5/10
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Wanted ist am 08.01.09 auf DVD und Blu-ray bei Universal Pictures erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

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