Review: Die Mumie (Film)

Und noch ein Rohrkrepierer von Film für diese Woche. Manchmal ist eben einfach der Wurm drin. Morgen habe ich dafür wieder was in meinen Augen sehr tolles im Gepäck.

Die Mumie

The Mummy, USA/CN/JP 2017, 110 Min.

Die Mumie | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Regisseur:
Alex Kurtzman
Autoren:
David Koepp
Christopher McQuarrie
Dylan Kussman

Main-Cast:

Tom Cruise (Nick Morton)
Annabelle Wallis (Jenny Halsey)
Sofia Boutella (Ahmanet)
Jake Johnson (Sgt. Vail)
Courtney B. Vance (Colonel Greenway)
Marwan Kenzari (Malik)
Russell Crowe (Henry Jekyll)

Genre:
Action | Abenteuer | Fantasy | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Die Mumie | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Im alten Ägypten tat sich dereinst die Pharaotochter Ahmanet mit Todesgott Set zusammen, um gegen ihren eigenen Vater aufzubegehren und sich ewiges Leben zu sichern, doch die Palastwachen machen ihr einen Strich durch die Rechnung und Ahmanet wird lebendig begraben. In der Gegenwart dann wird im Beisein des Gelegenheits-Grabräubers Nick Morton und seines Gefährten Chris Vail die alte Grabstätte von Ahmanet im heutigen Irak freigelegt und gemeinsam mit der Wissenschaftlerin Jenny Halsey geht es hinab in das vergessene Grab, wo Nick versehentlich die dort gefangene Ahmanet befreit. Davon noch nichts ahnend, wird eilends der Sarkophag verladen, um ihn zwecks weiterer Untersuchungen nach England zu bringen, doch auf dem Weg dorthin beginnt die erwachende Ahmanet ihren Einfluss auszudehnen und bringt letztlich das gesamte Flugzeug zum Absturz…

Rezension:

Ich wusste ja quasi bereits im Vorfeld, dass die 2017er-Neuauflage von Die Mumie mittelprächtiger Nonsens werden würde, zumal der kurze Zeit großspurig als Aufhänger für ein neues, von Universal Pictures ersonnenes "Dark Universe" gehandelte Film letztlich nur dazu geführt hat, dass das aus dem Boden gestampfte Franchise nach einem einzigen Film sein unrühmliches Ende findet und nun mit Der Unsichtbare eine erneute Neuausrichtung erfahren soll, während vormals noch ein Frankenstein-Film mit Javier Bardem und eine Dr.-Jekyll-und-Mr.-Hyde-Interpretation mit Russel Crowe im Gespräch gewesen sind, um nur die konkretesten Zukunftspläne zu nennen, aus denen nichts werden wird. Und das ist auch kein Wunder, denn man kann nur schwerlich ein Horror-Franchise aus dem Boden stampfen, ohne auch entsprechenden Horror zu bieten und den sucht man hier weitestgehend vergeblich, denn stattdessen möchte sich Regisseur Alex Kurtzman lieber bei einschlägigen Blockbustern anbieten und liefert eine uninspirierte Chose, die wahllos zwischen halbgaren One-Linern, beliebig wirkenden Actioneinlagen und gänzlich unverhofft kommender Ernsthaftigkeit pendelt, ohne dass auch nur eine der Figuren wirklich an Tiefe gewinnen, geschweige denn etwas wie Sympathie hervorrufen würde.

Szenenbild aus Die Mumie | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Das beginnt schon mit Tom Cruise (Mission: Impossible – Fallout), den ich lange nicht mehr so blass und beliebig erlebt habe wie hier und der seinem schelmischen Grabräuber Nick Morton kaum Facetten abzuringen weiß, die über eine merklich am Reißbrett entstandene Figur mit ein paar rudimentären Charaktereigenschaften hinausgehen würden. Ähnlich ergeht es der eigentlich fähigen Annabelle Wallis (Catch Me!), die eine ungemein eindimensionale Figur verkörpert, die irgendwo zwischen Stichwortgeberin, Love-Interest und Plot-Device mäandert und ein ums andere Mal gerettet werden darf, was vielleicht dem Geist der klassischen Monsterfilme von vor zig Jahrzehnten entsprechen mag, hier aber alles andere als zeitgemäß wirkt. Fast wäre ich geneigt zu behaupten, dass die Hoffnung auf eine etwas plastischere Figur nun auf der (diesmal weiblichen) Mumie ruhen würde, die immerhin einen emotionalen Konflikt mit sich bringt und einer nachvollziehbaren Motivation folgt, doch lässt sich auch hier nicht viel herausholen, gleichwohl Sofia Boutella (Hotel Artemis) eine durchaus charismatische Darstellung abliefert. Das Hauptproblem hier ist nämlich vielmehr, dass Die Mumie mit einer rund fünfminütigen Rückblende ins alte Ägypten eröffnet, um schon mal eben das Schicksal der alsbald zur Mumie werdenden Ahmanet abzuhandeln und Ausschnitte aus exakt dieser Rückblende werden dann über den gesamten Film verstreut, immer dann, wenn es für eine Traumsequenz oder zu Erklärungszwecken erforderlich scheint, was freilich irgendwann nur noch nervt und die Geschichte im Grunde nur künstlich in die Länge zieht.

Wäre dann zumindest der Plot in irgendeiner Weise stringent oder spannend, hätte aus dem Film ja durchaus dennoch noch was werden können und ich möchte nicht verhehlen, dass ich mich mancherorts tatsächlich auf einer sehr trashigen, sehr anspruchslosen Ebene durchaus unterhalten gefühlt habe, doch wirken die Versatzstücke schon recht beliebig aneinander gepappt. Da hat es dann hier mal tödliche Spinnen, dort einen Schwarm gemeingefährlicher Vögel und alsbald Zombie-Horden jeglicher Couleur, die sich aus Polizisten oder alten Kreuzrittern zusammensetzen, während die Geschichte spätestens dann kein Halten mehr kennt, wenn uns Russell Crowe (The Nice Guys) als Dr. Jekyll vorgestellt wird. Der sollte womöglich als eine Art Konstante im "Dark Universe" dienen und seinen eigenen Film spendiert bekommen und tatsächlich empfand ich diese Idee gar als interessant, aber im Kontext der mumifizierten Bedrohung wirkt das hier schon reichlich hektisch zusammengeschustert, während man natürlich nicht hat wiederstehen können, in dessen Räumlichkeiten auch noch zahlreiche Querverweise auf andere Monster unterzubringen, denen man sich möglicherweise beizeiten zu widmen gedacht hätte.

Szenenbild aus Die Mumie | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Damit war aber auch ein Punkt erreicht, an dem ich einfach nur noch staunend vor dem Bildschirm geklebt und mich gefragt habe, wer denn nun konkret dieses Skript gelesen und entschieden hat, dass es eine gute Idee wäre, hierfür rund 125 Millionen US-Dollar zu investieren. Auf einer sehr niederschwelligen Bewusstseinsebene hat das Gezeigte ja durchaus einen wie auch immer gearteten Unterhaltungswert, aber Die Mumie erreicht dann doch nie den Status des "So schlecht, dass es schon wieder gut ist", sondern kratzt eben immer nur an dieser Trennlinie. Störend fällt hier freilich auch die familientaugliche Altersfreigabe ins Gewicht, denn man hätte hier ja durchaus ein fieses kleines Filmchen produzieren können, dem der Trash-Appeal womöglich sogar gut zu Gesicht gestanden hätte, doch in dieser handzahmen, auf den kleinsten gemeinsamen Nenner heruntergebrochenen Art ist der Film weder Fleisch noch Fisch und schon gar nicht dazu geeignet, ein neues Franchise zu begründen, so dass selbst Dracula Untold, der seinerzeit zwischenzeitlich als Auftakt des "Dark Universe" gehandelt wurde, dank grimmigerer und ernsthafterer Ausrichtung eine bessere Figur macht als dieses in allen Belangen durchwachsene Projekt, dessen Scheitern beim Publikum und an den Kinokassen man meines Erachtens auch schon im Vorfeld hätte absehen können. Wenn es allerdings einmal gänzlich anspruchslos sein darf und man sehen möchte, wie man es nicht machen sollte, kann dieser Hochglanz-Edeltrash ohne Sinn, Verstand oder Konzept tatsächlich sogar irgendwie unterhalten.

Fazit & Wertung:

Der von Alex Kurtzman inszenierte Die Mumie ist tatsächlich exakt so mittelmäßig wie sein Ruf und mäandert irgendwo zwischen uninspiriertem Action-Blockbuster, familientauglichem Grusel und Edeltrash-Attitüde, während eindimensionale Figuren par excellence von einem beliebig wirkenden Spektakel ins nächste rauschen und sich darüber wundern, was plötzlich Dr. Jekyll mit einer mumifizierten Ägypterin zu schaffen haben mag.

5,5 von 10 Anrufungen des Todesgottes Set

Die Mumie

  • Anrufungen des Todesgottes Set - 5.5/10
    5.5/10

Fazit & Wertung:

Der von Alex Kurtzman inszenierte Die Mumie ist tatsächlich exakt so mittelmäßig wie sein Ruf und mäandert irgendwo zwischen uninspiriertem Action-Blockbuster, familientauglichem Grusel und Edeltrash-Attitüde, während eindimensionale Figuren par excellence von einem beliebig wirkenden Spektakel ins nächste rauschen und sich darüber wundern, was plötzlich Dr. Jekyll mit einer mumifizierten Ägypterin zu schaffen haben mag.

5.5/10
Leser-Wertung 4.33/10 (3 Stimmen)
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Die Mumie ist am 19.10.17 auf DVD, Blu-ray, 3D Blu-ray und 4K UHD Blu-ray bei Universal Pictures erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

Eine Reaktion

  1. Jo 26. Juni 2019

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