Review: Midnight, Texas – Nachtschicht | Charlaine Harris (Buch)

Heute findet an dieser Stelle dann wieder einmal eine vergleichsweise kurzlebige Buch-Reihe ihren Abschluss, wobei der durchaus gelungener hätte ausfallen können wie ich finde. Aber lest selbst.

Midnight, Texas – Nachtschicht

Night Shift – Midnight, Texas Book 3, USA 2016, 448 Seiten

Midnight, Texas - Nachtschicht von Charlaine Harris | © Heyne
© Heyne

Autorin:
Charlaine Harris
Übersetzerin:
Sonja Rebernik-Heidegger

Verlag (D):
Heyne
ISBN:
978-3-453-31916-5

Genre:
Fantasy | Drama | Mystery

 

Inhalt:

Im Großteil der USA war bereits der Herbst hereingebrochen, doch in Texas war es noch immer Sommer, obwohl die Abende und Nächte bereits kühl waren. Fiji war dankbar, dass es auch morgens noch angenehm frisch war. Mr. Snuggly setzte sich neben sie. Er sah ihr gerne bei der Arbeit zu, vor allem, wenn sie in der Sonne arbeitete. Am Vortag hatte er eine Maus gefangen und war daher noch immer unheimlich stolz auf sich selbst.

Im verschlafenen Örtchen Midnight, Texas ereignet sich Merkwürdiges, denn plötzlich wird eine Person von außerhalb wie magisch von der Kreuzung im Ort angezogen, wo sich auch Bobos und Fijis Laden befinden, um dort unvermittelt Selbstmord zu begehen. Für die Polizei ist der Fall ein Rätsel, doch weiß auch einzig der Vampir Lemuel von dem zweiten Selbstmord, der bereits einige Zeit zuvor ereignet hat. Schnell wird eine Art innoffizieller Stadtrat einberufen und man ist sich einig, dass diese Vorkommnisse übernatürlichen Ursprungs sein müssen. Fiji allerdings muss sich bald mit Problemen ganz anderer Art herumschlagen, denn nicht nur verkracht sie sich mit ihrem besten Freund Bobo, in den sie heimlich seit Jahren verschossen ist, sondern muss sich auch noch damit befassen, dass unangekündigt ihre Schwester Kiki vor der Tür steht und sich bei ihr einquartieren möchte. Manfred derweil geht weiterhin seiner Tätigkeit als Hellseher nach, während Olivia fürchtet, dass sie womöglich von den Schatten ihrer Vergangenheit eingeholt wird, schließlich versteckt sie sich nicht grundlos unter falschem Namen in der abgelegenen Ortschaft…

Rezension:

Ein wenig bin ich ja tatsächlich froh, dass es sich bei Midnight, Texas – Nachtschicht bereits um den finalen Band der Reihe handelt, die man folglich besser als Trilogie bezeichnen sollte, denn so sehr ich Charlaine Harris für ihre Sookie-Stackhouse-Reihe (in weiten Teilen) geschätzt habe, so wenig scheinen mir die Geschichten um die Bewohner von Midnight so richtig aus dem Quark zu kommen, was sich hier leider fortsetzt. Vor allem aber versucht sie hier doch sehr auffällig, vor dem Hintergrund des nahenden Endes der Reihe, noch eben schnell einige lose Fäden zu verknüpfen, was teils schon sehr gewollt wirkt, wie das hier in geballter Form abgehandelt wird. So wird nicht nur noch einmal unumstößlich festgehalten, woher Joe und Chuy eigentlich genau stammen, ohne dass es weitere Bewandtnis für die Story hätte, nein, wir widmen uns recht ausgiebig Fijis Liebes- und Privatleben und man muss nicht lange rätseln, ob sie und Bobo schlussendlich zueinanderfinden. Derweil wird dann eben noch Olivias Vergangenheit aufgedeckt und ein wenig in Lemuels Werdegang als Vampir wird auch noch gestochert, wobei sich das alles noch vor dem Hintergrund einer großen, dämonischen Bedrohung abspielt und – kein wirklicher Spoiler – letzthin gar klar wird, dass Manfreds Erscheinen n Midnight ebenfalls kein purer Zufall gewesen ist.

Es war allgemein bekannt, dass Madonna ziemlich schweigsam war. Keiner der anderen Bewohner Midnights hatte das Gefühl, sie wirklich gut zu kennen, und egal, wie freundlich ihr Mann Teacher auch war, er erzählte nie etwas über sein Leben oder seine Vergangenheit. Es gab also genügend Gründe, die Reeds nicht zu einem Treffen wie diesem einzuladen.

All das mögen sicherlich Versatzstücke sein, die für sich genommen gar nicht mal schlecht wären, doch wirkt es eben so, als wäre der Autorin beim Schreiben die Erkenntnis gekommen, keine Lust mehr auf einen weiteren Teil zu haben, so dass hier teils reichlich lapidar noch eben die Vita vervollständigt wird. So dauert es dann nach einem theoretisch spannenden Auftakt – die Selbstmorde werden bereits auf den ersten Seiten thematisiert – auch reichlich lange, bis Midnight, Texas – Nachtschicht wirklich in die Gänge kommt, wobei die finale Konfrontation sicherlich noch einiges hätte herausreißen können, aber kaum weniger lapidar abgehandelt wird, nachdem im Vorfeld viel Aufhebens um die Bedrohung gemacht worden ist. So wird an einer Stelle auch postuliert, dass es die Bewohner von Midnight eben nicht zufällig in die Stadt verschlagen hätte und es folglich einen ganz spezifischen Grund habe, dass sich hier eine Hexe, ein Hellseher, ein Vampir und allerhand andere übersinnliche Figuren so heimisch fühlen, doch welche konkrete Rolle sie letztlich zu spielen hatten, bleibt abgesehen von Hexe Fiji bis zuletzt ein großes Rätsel.

Dafür nimmt sich Harris ausgiebig Zeit, ein wortreiches Outro zu verfassen, das noch einmal kurz zu umreißen gedenkt, wie es den Charakteren weiterhin ergangen ist, doch fällt auch das im Grunde unter das Label "Hausfrauen-Charme", das ich für den vorangegangenen Band ersonnen habe. Denn auch hier halten sich die Bewohner des Örtchens mit allerlei Trivialitäten auf, so dass man minutiös darüber in Kenntnis gesetzt wird, was zu welchem Anlass verspeist oder getrunken wird, ob der Tisch abgeräumt worden ist oder wer diesen Part letztlich übernimmt. In Maßen mag das zu einer gelungenen Atmosphäre beitragen, doch wirkt es hier in der geballten Form reichlich bieder und streckt lediglich eine Geschichte künstlich in die Länge, die von einer interessanten Prämisse ausgehend leider nie die erhoffte Tiefe erreicht. Ein wenig irritierend ist es dabei auch, dass zuvor Manfred als Neuankömmling in Midnight sozusagen die inoffizielle Hauptfigur der Reihe gewesen ist, während er hier in weiten Teilen zur bloßen Randerscheinung verkommt und Harris sich überwiegend auf Fiji konzentriert, mit der sie sich wohl besser zu identifizieren wusste.

Es konnte einfach kein Zufall sein, dass sich zwei Menschen, die einander vermutlich nicht gekannt hatten, innerhalb weniger Tage an derselben Stelle das Leben genommen hatten. Immerhin war die Kreuzung kein berühmtes Ziel für Selbstmörder wie zum Beispiel die Golden Gate Bridge oder die Niagarafälle. Es war einfach ein Punkt im Nirgendwo, an dem sich zwei unbedeutende Straßen in einer winzigen Stadt kreuzten – und auch in der Nähe gab es nichts Besonderes.
Oder etwa doch? Führten nicht genau solche Geschehnisse dazu, dass sogar vernünftige Menschen einen Ort plötzlich als verflucht bezeichneten oder dachten, es würde spuken?

So lässt sich Midnight, Texas – Nachtschicht entspannt durchlesen, stellt aber dramaturgisch einen doch tendenziell eher enttäuschenden Abschluss der Reihe/Trilogie dar, auch wenn es schön ist, dass die Geschichte(n) zumindest ein Ende spendiert bekommen, aber spannend oder fesselnd ist das bei weitem nicht und vor allem in vielen Belangen wenig überraschend. Und hier schlage ich dann den Bogen zu meinem einleitenden ersten Satz, dass ich es begrüße, so bald nicht wieder nach Midnight zu kommen, denn wirklich gehaltvolle oder packende Unterhaltung sieht schlichtweg anders aus, derweil mir das Figuren-Ensemble zugegebenermaßen zumindest so sympathisch gewesen ist, dass ich die Lektüre der jeweiligen Fortsetzung nicht grundsätzlich und rundheraus abgelehnt habe. Eine aber auch nur annähernd so ausgeprägte Faszination wie bei Sookies Abenteuern habe ich hier aber die gesamte Zeit vergeblich gesucht, obwohl die Abenteuer im selben Paralleluniversum zu verorten sind.

Fazit & Wertung:

Mit Midnight, Texas – Nachtschicht liefert Charlaine Harris einen nur mäßig packenden Abschluss ihrer ohnehin eher mittelprächtigen Trilogie um eine Handvoll übersinnlicher Gestalten in einem texanischen Kaff. So wirkt das Geschehen zunächst sehr behäbig, dann überfrachtet und zuletzt inspirationslos, was nicht eben die Zutaten sind, die sich zu einem stimmungsvollen Urban-Fantasy-Roman verrühren lassen, obwohl zumindest die Essgewohnheiten der Protagonisten ausgiebig diskutiert und erörtert werden.

6 von 10 Geheimnisse in einer kleinen Stadt

Midnight, Texas - Nachtschicht

  • Geheimnisse in einer kleinen Stadt - 6/10
    6/10

Fazit & Wertung:

Mit Midnight, Texas – Nachtschicht liefert Charlaine Harris einen nur mäßig packenden Abschluss ihrer ohnehin eher mittelprächtigen Trilogie um eine Handvoll übersinnlicher Gestalten in einem texanischen Kaff. So wirkt das Geschehen zunächst sehr behäbig, dann überfrachtet und zuletzt inspirationslos, was nicht eben die Zutaten sind, die sich zu einem stimmungsvollen Urban-Fantasy-Roman verrühren lassen, obwohl zumindest die Essgewohnheiten der Protagonisten ausgiebig diskutiert und erörtert werden.

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Weitere Details zum Buch und der Autorin findet ihr auf der Seite von Heyne.

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Midnight, Texas – Nachtschicht ist am 08.10.18 bei Heyne erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den folgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

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