Review: Flatliners (Film)

Endlich kann ich auch mal wieder einen richtigen Rohrkrepierer präsentieren, derweil ich froh bin, dass morgen schon die nächste Film-Kritik folgt, damit die Pole-Position der filmischen Blog-Beiträge nicht zu lang von diesem auf Hochglanz polierten Quatsch belegt wird.

Flatliners

Flatliners, USA/CA 2017, 109 Min.

Flatliners | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Regisseur:
Niels Arden Oplev
Autor:
Ben Ripley

Main-Cast:
Ellen Page (Courtney)
Diego Luna (Ray)
Nina Dobrev (Marlo)
James Norton (Jamie)
Kiersey Clemons (Sophia)
in weiteren Rollen:
Kiefer Sutherland (Dr. Barry Wolfson)

Genre:
Drama | Horror | Mystery | Science-Fiction | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Flatliners | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Während ihres Medizinstudiums setzt sich die neugierige wie clevere Courtney Holmes in den Kopf, herauszufinden, was die Menschen nach Überschreiten der Schwelle zum Jenseits erwartet und initiiert ein folgenschweres Experiment, dass ihr die erhoffte Nahtoderfahrung bescheren soll. Ungeachtet der Skepsis ihrer Kommilitonen lässt Courtney sich zeitweilig "töten", doch es kommt zu Komplikationen und erst das beherzte Eingreifen seitens Ray bringt sie schließlich zurück. Nach dem zeitweiligen Trip ins Jenseits wirkt Courtney allerdings weniger wie verwandelt, sondern beinahe wie auf Drogen, während sich alsbald merkwürdige Nebenwirkungen einstellen, die sich in der Sichtung einer Geisterscheinung äußern, die sie zu verfolgen scheint. Da Courtney den anderen hiervon allerdings zunächst nichts erzählt, wagen immer mehr Mitglieder der ungestümen Gruppe den Ausflug in die Nachwelt, nicht ahnend, dass jeder von ihnen von dort etwas zurückbringt, das ihnen das Leben alsbald zur Hölle machen wird…

Rezension:

Beginnen wir diese Rezension damit, dass ich mich kaum noch an das gleichnamige Original aus den 90ern erinnern kann, mich aber grob entsinne, doch ganz angetan gewesen zu sein, was sicherlich mitunter an dem durchaus spannenden Thema gelegen haben mag, dass hier wie dort die Prämisse des Ganzen bildet. Nun war und ist man sich uneins gewesen, ob es sich bei diesem Flatliners nun mehr um ein Remake oder Sequel handeln würde und die Wahrheit ist irgendwo dazwischen zu verorten, während allein die Beteiligung von Kiefer Sutherland leider keine Rückschlüsse in die eine oder andere Richtung zulässt, denn der ist hier a) in einer anderen Rolle als noch im Original und b) extrem kurz zu sehen, womit dessen Beteiligung eher unter Fan-Service zu verbuchen ist. Darüber hinaus mag die Frage nach Remake oder Sequel alsbald aber auch überflüssig scheinen, denn diese Neuinterpretation versagt in beiden Fällen, da sich Regisseur Niels Arden Oplev auf eine allzu brave, nicht nur in den Krankenhaus-Szenen steril wirkende Inszenierung verlässt.

Szenenbild aus Flatliners | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Sicherlich merkt man Flatliners seinen modernisierten Touch an und es ist auffällig, dass die Gruppe Studenten nun sowohl geschlechtlich als auch ethnisch deutlich differenzierter aufgestellt ist, wobei das ansonsten herzlich wenig zur Qualität des Films beisteuert, denn nur durch unterschiedliche Geschlechter und Rassen wirken die am Reißbrett entworfenen Stereotypen auch nicht vielschichtiger oder interessanter. Am ehesten weiß hier zwar noch Ellen Page (Into the Forest) in der Hauptrolle der Initiantin Courtney zu gefallen, doch wirkt selbst sie reichlich unterfordert, während es ihren Co-Stars allerdings noch weit weniger gelingt, sich in irgendeiner Form von ihren einseitigen Rollen freizuspielen. So wirkt Diego Luna (Rogue One) grenzwertig deplatziert, während man Nina Dobrev (The Final Girls) die Medizin-Studentin erst gar nicht richtig abnehmen möchte, wobei es den beiden zumindest noch zugutekommt, dass man ihre Gesichter kennt, derweil James Norton und Kiersey Clemons noch blasser bleiben, als ihnen gut tut. Aber selbst aus der Prämisse vermag Oplev nicht wirklich etwas herauszuholen, denn nach drögem, nach Schema F gestrickten und viel zu lang geratenen Einstieg überrascht der Film noch nicht einmal mit einer cleveren Inszenierung der Nachwelt oder Erscheinungen, was man zumindest hätte erwarten können im Hinblick darauf, dass sich die Tricktechnik in den vergangenen dreißig Jahren doch merklich weiterentwickelt hat.

So habe ich hier aber das Gefühl, dass noch das mitunter überzeugendste an dem Film die durchaus gelungenen Kinoplakate und Poster darstellen, während im Film selbst derlei Szenen freilich nicht zu finden sind, denn hier verlässt sich Flatliners ebenso auf reichlich generische Jump-Scares, die niemand hinter dem Ofen hervorlocken dürften. Weit schlimmer aber noch als diese uninspirierte Herangehensweise wirkt die ungemein verkopft zusammengeschusterte Plot-Konstruktion, die alsbald jeden der Beteiligten mit seiner persönlichen Sünde konfrontiert, die ihn – oh welch Wunder – seit Jahren verfolgt und umtreibt, um schlussendlich in ein kaum zu beschönigendes, absolut wirres wie banales Finale zu münden, das ganz in der Tradition des restlichen Films weder zu fesseln, noch zu begeistern versteht.

Szenenbild aus Flatliners | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Immerhin bleibt sich Flatliners seiner Linie treu und lässt somit oberflächliche Menschen in oberflächlich-sterilen, auf hip getrimmten Szenerien oberflächliche Dinge tun, womit dann auch der eigentlich spannende Aspekt der durchaus interessanten Frage, was denn nun wirklich hinter der Schwelle zum Jenseits liegt, kaum behandelt wird, was die Vermutung nahelegt, dass Drehbuchautor Ben Ripley hier selbst nicht so die richtige Idee gehabt haben mag und sich deshalb gleich auf seine kuriosen Geistergeschichten verlegt hat. Schade, denn gerade auf diesem Feld hätte man wirklich Überlegungen anstrengen und den ansonsten banalen Plot veredeln können, aber es bleibt dabei, dass man hübschen, angeblich intelligenten Menschen dabei zusehen darf, wie sie blindlings in ihr eigenes Verderben rennen und persönliche, mal mehr, mal weniger profane Traumata aufarbeiten, nur um sich am ende als geläutert betrachten zu können und – wie sollte es auch anders sein – erst mal gemeinsam ein Bierchen zischen zu gehen. Nein, so wirklich einen positiven Aspekt an dieser Neuverfilmung auszumachen fällt schwer, wenn man sich nicht gerade von einem angeblichen Horrorfilm berieseln lassen möchte, ohne Zeit und Kraft auf das Sich-Erschrecken aufwenden zu müssen.

Fazit & Wertung:

Niels Arden Oplev liefert mit Flatliners eine erschreckend sterile, oberflächliche Neuinterpretation des Stoffes aus den 90ern und macht sich gar nicht erst die Mühe, die interessanten Aspekte der doch immer noch vielversprechenden Prämisse herauszuarbeiten. Stattdessen stürzt er sich mit seiner merklich unterforderten, weil in stereotype Rollenklischees gezwängten Besetzung in einen durch und durch generischen Horrorfilm, der nicht einmal wirklich zu gruseln versteht, geschweige denn mit hinreichenden Schauwerten zu glänzen weiß.

3 von 10 übersinnlichen Nahtoderfahrungen

Flatliners

  • Übersinnliche Nahtoderfahrungen - 3/10
    3/10

Kurzfassung

Niels Arden Oplev liefert mit Flatliners eine erschreckend sterile, oberflächliche Neuinterpretation des Stoffes aus den 90ern und macht sich gar nicht erst die Mühe, die interessanten Aspekte der doch immer noch vielversprechenden Prämisse herauszuarbeiten. Stattdessen stürzt er sich mit seiner merklich unterforderten, weil in stereotype Rollenklischees gezwängten Besetzung in einen durch und durch generischen Horrorfilm, der nicht einmal wirklich zu gruseln versteht, geschweige denn mit hinreichenden Schauwerten zu glänzen weiß.

3.0/10
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Flatliners ist am 30.03.18 auf DVD und Blu-ray bei Sony Pictures erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

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