Review: Die Frau, die vorausgeht (Film)

Und ein letztes Mal für diese Woche wird es Zeit für eine Film-Kritik, wobei ich mir von dem Werk tatsächlich mehr erwartet hätte, was mitunter an Jessica Chastain gelegen haben dürfte, die andererseits das Geschehen aber auch hier deutlich und merklich aufwertet.

Die Frau, die vorausgeht

Woman Walks Ahead, USA 2017, 101 Min.

Die Frau, die vorausgeht | © Universum Film
© Universum Film

Regisseurin:
Susanna White
Autor:
Steven Knight

Main-Cast:
Jessica Chastain (Catherine Weldon)
Michael Greyeyes (Sitting Bull)
Sam Rockwell (Silas Groves)
in weiteren Rollen:
Chaske Spencer (Chaska)
Ciarán Hinds (James McLaughlin)
Bill Camp (General Crook)
Rulan Tangen (Susan McLaughlin)

Genre:
Biografie | Drama | Historie | Western

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Die Frau, die vorausgeht | © Universum Film
© Universum Film

Die ambitionierte Malerin Catherine Weldon hat es sich zum Ziel gesetzt, den berühmten Sitting Bull, Häuptling der Lakota-Indianer, zu porträtieren und sendet ein entsprechendes Gesuch ab, ohne jedoch die Antwort hierauf abzuwarten. So begibt sie sich 1890 mit dem Zug gen Westen, nur um – vor Ort angekommen – mit dem Regierungsagenten James McLaughlin aneinanderzugeraten, der sie postwendend zurück nach New York schicken will. Der ebenfalls dort stationierte Colonel Silas Grove hält Weldon gar zunächst für eine Spionin, doch hindert dieser Gegenwind die Künstlerin nicht daran, schlussendlich doch noch Kontakt zu Sitting Bull aufzunehmen, der sich letztlich erweichen lässt, für sie Model zu sitzen. Im Gespräch erfährt Catherine einiges über das Leben der Indianer und ergreift schließlich Partei für die Einheimischen, während die amerikanische Regierung versucht, den Ureinwohnern nicht weniger als die Hälfte ihres Territoriums abspenstig zu machen…

Rezension:

Eigentlich wollte ich Die Frau, die vorausgeht schon im vergangenen Jahr gesichtet haben und war mehr als gespannt auf den Ausflug ins Jahre 1890, nachdem mir zuletzt Feinde – Hostiles eindrucksvoll bewiesen hat, wie spannend und packend das Thema behandelt werden kann, denn auch wenn die Ausgangslage freilich eine andere ist und der Tenor der Erzählungen voneinander abweicht, ist ein Vergleich nicht allzu weit hergeholt, wobei der heute thematisierte, von Susanna White inszenierte Film mit Abstand das Nachsehen hat. Das liegt meines Erachtens vornehmlich daran, dass ausgerechnet das Skript nicht recht zu wissen scheint, in welche Richtung sich die Geschichte entwickeln mag, was ich im Vorfeld niemals für möglich gehalten hätte, da das Drehbuch von niemand Anderem und Geringerem stammt als Steven Knight, der nicht nur mit No Turning Back unter Beweis gestellt hat, selbst trivialste Themen packend inszenieren zu können, sondern der auch mit seiner Serienschöpfung längst einen Stein bei mir im Brett hat.

Szenenbild aus Die Frau, die vorausgeht | © Universum Film
© Universum Film

Und diesem Knight gelingt es nun tatsächlich nicht, weder Weldon noch Sitting Bull ein scharfkantiges Profil angedeihen zu lassen, so dass beide Figuren auf die Fähigkeiten ihrer Darsteller angewiesen bleiben, was im Fall von Jessica Chastain (Molly’s Game) freilich eine sichere Bank darstellt, denn auch hier überzeugt sie in jeder Sekunde und mit jeder Nuance, während der mir bislang unbekannte Michael Greyeyes als Sitting Bull einen zumindest soliden Job macht, aber längst nicht die Ausstrahlung und Präsenz besitzt und verströmt, die man sich vielleicht erwarten würde. Vor allem aber mag man ihm seine Weisheit und Besonnenheit nicht abkaufen, allerspätestens, wenn er sich zunehmend den Plänen von Malerin Weldon unterordnet, die hier in Windeseile eine Wandlung von der unbedarft-naiven Künstlerin zur wehrhaft-aufsässigen Menschenrechtlerin vollzieht, was tatsächlich einzig aufgrund von Chastains Talent wenigstens halbwegs funktioniert. Alle weiteren Figuren – und insbesondere alle weiteren Ureinwohner – bleiben jedoch bloße Abziehbilder und grob skizzierte Stereotypen, was sogar auf die Charakterköpfe Sam Rockwell (Mr. Right) und Ciarán Hinds (Rom), deren Fähigkeiten hier regelrecht verheizt werden, derweil sich Knight zumindest auf den letzten Metern noch gedacht zu haben scheint, dass man Rockwells Figur doch zumindest einen rudimentären Background spendieren könnte, der zu diesem Zeitpunkt aber auch nichts mehr rausreißt.

So beginnt Die Frau, die vorausgeht noch vielversprechend, doch während sich im ersten Drittel einiges an dramaturgischem Leerlauf ergibt, überschlagen sich ab dem zweiten Drittel die Ereignisse zusehends, bis kaum noch erkennbar ist, ob der Film nun die ungewöhnliche Freundschaft zwischen Malerin und Indianer-Häuptling umreißen wollte, als historischer Polit-Thriller betrachtet werden will oder lieber ganz allgemein ein Zeitzeugnis der damaligen Begebenheiten sein will. Knight müht sich entsprechend, allerhand Themen anzureißen und aufzugreifen, doch ob es ihm oder Regisseurin White geschuldet ist, findet das Geschehen kaum je eine klare Linie und insbesondere der doch eher sang- und klanglose Abschluss der Erzählung ließ mich doch etwas ratlos zurück, was die vielen ungeklärten Fragen und offenen Punkte betraf, zu denen ich mir eine Auflösung oder ebenfalls zumindest einen Abschluss gewünscht hätte.

Szenenbild aus Die Frau, die vorausgeht | © Universum Film
© Universum Film

Und wenn dann noch allgegenwärtige Western-Klischees bemüht werden, obwohl sich Die Frau, die vorausgeht nicht nur dem Titel nach einen selbstbewusst-emanzipatorischen Anstrich gibt, versandet die Erzählung nur noch weiter, was irgendwann dann auch Jessica Chastain nicht mehr zu retten vermag, denn nur weil ihre Figur mit Abstand aus dem Reigen herausragt, ist sie doch nicht davor gefeit, zunehmend an Glaubwürdigkeit einzubüßen. Dabei merkt man dem Film immer wieder seine Bemühungen an, einen differenzierten Blick auf die damaligen Ereignisse werfen zu wollen, doch in Ermangelung eines klaren Fokus bleibt es bei den vielversprechenden Ansätzen. Immerhin das Szenenbild und die Kostüme sind hierbei durchweg gelungen und überzeugend, während man an der grundsätzlichen schauspielerischen Leistung auch nichts auszusetzen haben mag, doch in punkto Dramaturgie und Tiefgang bleibt dieses Werk wirklich weit hinter seinen Möglichkeiten zurück, was wie erwähnt in Anbetracht eines derart erfahrenen Autoren wie Steven Knight nur umso mehr verwundert und irritiert, denn Potential hätte die Geschichte allemal gehabt, die in der vorliegenden Form aber kaum mitzureißen vermag.

Fazit & Wertung:

In dem von Susanna White inszenierten Historienfilm Die Frau, die vorausgeht überzeugt zumindest Jessica Chastain in einer durchaus vielschichtig angelegten Rolle, doch wirkt die allgemeine Dramaturgie deutlich durchwachsener und klammert sich einmal zu oft an einschlägige Klischees, während Drehbuchautor Steven Knight deutlich zu viele Themen und Ansätze in gerade einmal hundert Minuten Laufzeit zu quetschen versucht. Das Endergebnis kann man sich ansehen, es bleibt aber weit hinter seinen Möglichkeiten zurück.

6 von 10 unterdrückten und bedrängten Indianer-Stämmen

Die Frau, die vorausgeht

  • Unterdrückte und bedrängte Indianer-Stämme - 6/10
    6/10

Fazit & Wertung:

In dem von Susanna White inszenierten Historienfilm Die Frau, die vorausgeht überzeugt zumindest Jessica Chastain in einer durchaus vielschichtig angelegten Rolle, doch wirkt die allgemeine Dramaturgie deutlich durchwachsener und klammert sich einmal zu oft an einschlägige Klischees, während Drehbuchautor Steven Knight deutlich zu viele Themen und Ansätze in gerade einmal hundert Minuten Laufzeit zu quetschen versucht. Das Endergebnis kann man sich ansehen, es bleibt aber weit hinter seinen Möglichkeiten zurück.

6.0/10
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vgw

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