Review: In Darkness (Film)

Weiter geht es – um so langsam wieder in den Trott zu kommen – mit der ersten Film-Kritik für diese Woche, auch wenn es sich dabei leider tendenziell um eine mittelschwere Enttäuschung gehandelt hat, die ich insbesondere nach vielversprechendem Start nicht vorauszusehen wusste. Aber lest selbst!

In Darkness

In Darkness, UK/USA 2018, 100 Min.

In Darkness | © Universum Film
© Universum Film

Regisseur:
Anthony Byrne
Autoren:
Anthony Byrne
Natalie Dormer

Main-Cast:
Natalie Dormer (Sofia)
Ed Skrein (Marc)
in weiteren Rollen:
Emily Ratajkowski (Veronique)
Joely Richardson (Alex)

Genre:
Mystery | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus In Darkness | © Universum Film
© Universum Film

Als Kind erblindet, hat die junge Sofia sich längst mit ihrem Handicap abgefunden und führt ein beschauliches und glückliches Leben als Pianistin mit ausgeprägtem musikalischen Gehör, die von Kollegen hochgeschätzt wird. Ihrem Gehör zum Dank verfolgt sie eines Nachts allerdings auch ungewollt einen Streit ihrer Nachbarin Veronique mit deren Freund und nach panischen Schritten durch die Wohnung stürzt eine Gestalt durchs Fenster und auf die Straße, bei der es sich nur um Veronique handeln kann, wie Sofia auch die rasch eintreffende Polizei bestätigt. Denen gegenüber verschweigt Sofia allerdings, dass sie etwas gehört hat sowie auch, dass Veronique sie noch vor ihrem Tod als Pianistin für eine Feier ihres Vaters Radic gebucht hat, der ob seiner früheren Kriegsverbrechen bei den Medien in die Kritik geraten ist. Doch nicht nur Radic, sondern auch Veroniques Freund Marc und dessen Schwester Alexandra scheinen in den Tod von Veronique verwickelt zu sein, wie Sofias Nachforschungen bald ans Licht bringen. Dabei schwebt die junge Frau längst selbst in größter Gefahr, wurde schließlich auch sie längst unbeobachtet ins Visier genommen…

Rezension:

Auf In Darkness hatte ich mich im Vorfeld schon einige Zeit gefreut und das nicht nur, um Natalie Dormer mal in einer größeren Rolle – in diesem Fall Hauptrolle – zu sehen, sondern auch in dem Wissen darum, dass sie ebenfalls am Skript des Ganzen beteiligt gewesen ist. Die Prämisse einer blinden Frau als Protagonistin ist ja nun zwar nicht eben neu, wenn ich da so an Das Penthouse oder auch All I See Is You denke, doch sollte dieser Umstand allein natürlich nicht ausreichend sein, um einem Film von vornherein mit Skepsis zu begegnen, denn der Verlust der Sehkraft an sich gibt ja nun noch längst nicht die Marschrichtung eines Films vor, auch wenn die insbesondere atmosphärisch tatsächlich alle in eine ähnliche Richtung driften. Gleich zu Beginn wartet Regisseur Anthony Byrne aber schon mit einer schönen falschen Fährte auf, die quasi den weiteren Weg des Ganzen vorherbestimmt, zu diesem Zeitpunkt aber noch einen durchweg positiven Eindruck macht. Gleichsam verhält es sich mit Dormer als blinder Pianistin Sofia, die tatsächlich zu überzeugen versteht, ohne dabei hilflos oder aufgesetzt zu wirken.

Szenenbild aus In Darkness | © Universum Film
© Universum Film

Dieser positive Eindruck setzt sich fort mit Sofias Zuhause und direkter Nachbarschaft, gleichwohl man abgesehen von ihrer Flurbekanntschaft Veronique (Emily Ratajkowski; Gone Girl) hier nicht viel zu sehen bekommt, doch dafür etabliert sich insbesondere Sofias Wohnung schnell als einer der Haupthandlungsorte des Films und lässt selbigen ergo in den besten Momenten wie ein sorgsam arrangiertes und ausgeleuchtetes Kammerspiel wirken. Mit dem Tod von Veronique allerdings, bei dem lange unklar bleibt, ob es nun Mord oder Selbstmord gewesen ist, gewinnt der eigentliche Plot an Drive und zieht zunächst zunehmend in seinen Bann, was zweifellos dem offensiven Mystery-Flair des Ganzen geschuldet ist, das in In Darkness reichlich anzutreffen ist. Nun gilt es ja aber freilich auch noch, Veroniques dubiosen Freund Marc (Ed Skrein; TAU) in die Handlung zu weben und von da an wird es verworren, was schlichtweg daran liegt, dass Skreins Figur im Grunde bloße Triebfeder für die Handlung bleibt, weshalb sich seine Gesinnung und Motivation schon mal wie ein Fähnchen im Wind zu drehen wissen, wodurch er natürlich als Charakter gleichsam inkonsistent daherkommt.

Weit schlimmer trifft es aber den eigentlichen Fortgang der Handlung, der ab einem gewissen mit Twists und Überraschungen nur so gespickt ist, dadurch aber weit weniger fasziniert, als dass er offenbart, bis zur Schmerzgrenze konstruiert zu sein, weshalb die ach so überraschenden Wendungen leider selten zu faszinieren oder überzeugen wissen, sondern letztlich selbst die grundsätzlich überzeugende Figur der Sofia den Tiraden und Kapriolen des Handlungsbogens zum Fraß vorwerfen. Ganz der Annahme verhaftet, dass trotzdem der ein oder andere einen Blick riskieren möchte, werde ich freilich nichts von der Handlung spoilern, doch macht hier die zweite Hälfte meines Erachtens nach so ziemlich alles kaputt, was die erste Hälfte an vielversprechenden Mysterien und Zusammenhängen aufgebaut hat. Dabei mag nicht alles schlecht sein an In Darkness, aber die Narrative hat aus meiner Sicht deutlich zu viel gewollt und zu wenig geliefert, verheddert sich zusehends in einer aberwitzigen Aneinanderreihung von Ungereimtheiten und kommt folglich auch kaum auf einen befriedigenden Schluss.

Szenenbild aus In Darkness | © Universum Film
© Universum Film

Dabei ist In Darkness nicht nur schön anzuschauen und atmosphärisch äußerst gelungen, nein, auch Natalie Dormer (Picnic at Hanging Rock) darf endlich einmal zeigen, dass sie durchaus auch in der Lage ist, einen Film allein zu schultern, statt nur eine Rolle am Rande des Geschehens einzunehmen, doch vielleicht liegt gerade da der Hund begraben, dass sie sich eine möglichst vielschichtige und überraschende Figur auf den Leib zu schreiben versucht hat, um mit Wandlungsfähigkeit zu glänzen, was grundsätzlich nicht verwerflich ist, hier aber leider nach hinten losgeht. Nichtsdestotrotz ist es eben nicht Dormer als Schauspielerin, sondern Dormer als Drehbuchautorin, der man den Vorwurf machen muss, denn hier krankt die Ausführung ganz ohne Zweifel am unausgegorenen Skript, so dass das Geschehen immer mehr in auffallender Belanglosigkeit und Beliebigkeit versandet, die sich bei durchdachterer und zielstrebigerer Storyline sicherlich hätten vermeiden lassen können, denn die Ansätze sind ohne Frage gut und selbst ein Ed Skrein und eine Joely Richardson (Thanks for Sharing) wären ohne Zweifel in der Lage gewesen, mehr aus ihren doch recht eindimensionalen Figuren zu machen, während Ratajkowski im weiteren Verlauf das frühen Todes ihrer Figur wegen ohnehin kaum noch eine Rolle spielt.

Fazit & Wertung:

Anthony Byrne vermag bei In Darkness nicht, die anfängliche Faszination für Hauptfigur Sofie aufrechtzuerhalten und geht insbesondere in der zweiten Hälfte reichlich unausgegorene Wege, um mit aufgesetzt wirkenden Twists eine über die Maßen konstruiert wirkende Geschichte zu offenbaren, die in letzter Konsequenz kaum noch zu überzeugen versteht, was in Anbetracht der gelungenen Mystery-Atmosphäre und dem überzeugenden Schauspiel seitens Natalie Dormer gleich doppelt ärgerlich ist.

4,5 von 10 Geräuschen in der Dunkelheit

In Darkness

  • Geräusche in der Dunkelheit - 4.5/10
    4.5/10

Fazit & Wertung:

Anthony Byrne vermag bei In Darkness nicht, die anfängliche Faszination für Hauptfigur Sofie aufrechtzuerhalten und geht insbesondere in der zweiten Hälfte reichlich unausgegorene Wege, um mit aufgesetzt wirkenden Twists eine über die Maßen konstruiert wirkende Geschichte zu offenbaren, die in letzter Konsequenz kaum noch zu überzeugen versteht, was in Anbetracht der gelungenen Mystery-Atmosphäre und dem überzeugenden Schauspiel seitens Natalie Dormer gleich doppelt ärgerlich ist.

4.5/10
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In Darkness erscheint am 16.11.18 auf DVD und Blu-ray bei Universum Film. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

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