Review: Three Billboards Outside Ebbing, Missouri (Film)

Passend zum Wochenende habe ich dann auch mal wieder einen der Highlight-Filme der letzten Jahre nachgeholt und rezensiert, wobei auch ich ziemlich schwer begeistert gewesen bin.

Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

Three Billboards Outside Ebbing, Missouri, USA/UK 2017, 115 Min.

Three Billboards Outside Ebbing, Missouri | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Regisseur:
Martin McDonagh
Autor:
Martin McDonagh

Main-Cast:

Frances McDormand (Mildred)
Woody Harrelson (Willoughby)
Sam Rockwell (Dixon)
Abbie Cornish (Anne)
John Hawkes (Charlie)
Peter Dinklage (James)
Caleb Landry Jones (Red Welby)
Kerry Condon (Pamela)
Samara Weaving (Penelope)

Genre:
Komödie | Krimi | Drama

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Three Billboards Outside Ebbing, Missouri | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Als die trauernde Mutter Mildred Hayes – ihre Tochter ist sieben Monate zuvor vergewaltigt und ermordet worden – einmal mehr an den Billboards auf der Zufahrtsstraße nach Ebbing, Missouri vorbeikommt, reift in ihr der fixe Plan, die Werbetafeln zu mieten und eine Art Anklageschrift in Richtung der örtlichen Polizei zu plakatieren, da noch immer kein Schuldiger gefunden worden ist. Der namentlich angesprochene Polizeichef Willoughby ist davon natürlich alles andere als begeistert, scheint aber auch kaum eine rechtliche Handhabe zu besitzen, denn Mildred hat sich wohlweislich abgesichert, was sie schreiben darf und was als Verleumdung ausgelegt werden könnte. Doch auch Hilfssheriff Dixon fühlt sich als persönlicher Protegé von Willoughby persönlich angegangen, ebenso wie Teile der Bevölkerung Mildreds Aktion aufs Schärfste verurteilen. Die aber ist nicht bereit nachzugeben und sieht sich uneingeschränkt im Recht, obwohl sowohl ihr Sohn als auch ihr Ex-Mann die Sache lieber vergessen würden. Während Willoughby aber zunächst noch das Gespräch sucht, scheint eine offene Konfrontation zwischen Mildred Hayes und Jason Dixon alsbald unausweichlich…

Rezension:

Bereits zwei Mal wusste mich Regisseur und Drehbuchautor Martin McDonagh zu begeistern, erstmals mit dem Überraschungs-Hit Brügge sehen… und sterben? und dann viele Jahre später – in meinem Fall 2013 – mit 7 Psychos, der mir persönlich sogar noch besser gefallen hat als McDonaghs Spielfilm-Debüt. In diese zwar kurze, aber dafür umso erlesenere Riege von Filmen reiht sich nun auch vorbehaltlos der nicht minder großartige Three Billboards Outside Ebbing, Missouri ein, der gleichsam die Stärken der Vorgänger erneut betont, bei allen lakonischen Dialogen und schwarzhumorigen Einschüben aber ungleich bodenständiger daherkommt. Dabei kann und will der gebürtige Ire sich auch hier manch kleineren Exzess nicht sparen, was der ansonsten aber ungemein ruhigen Erzählweise enorm gut zu Gesicht steht, wenn die Geschehnisse sich unvermittelt zuzuspitzen beginnen. Vor allem aber gelingt es McDonagh hier, aus einer auf den ersten Blick ungemein simplen Prämisse im Verlauf von nicht einmal zwei Stunden einen Reigen zu erschaffen, an dessen Ende man sich unweigerlich fragen muss, wie man dorthin hat gelangen können.

Szenenbild aus Three Billboards Outside Ebbing, Missouri | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

So wirken gleich zu Beginn die Fronten zwischen Mutter Mildred und Polizeichef Willoughby und dessen Hilfssheriff Dixon mehr als klar und man wäre versucht, Mcdonagh in seiner Funktion als Drehbuchautor vorzuwerfen, hier offensichtliche Stereotypen in Szene gesetzt zu haben, denn während Mildred verbittert und zynisch wirkt, Willoughby vermeintliches Desinteresse erkennen lässt und Dixon das Paradebeispiel eines jähzornigen, engstirnigen und mäßig intelligenten Dorfpolizisten gibt, wähnt man sich bereits in einer auffallend simpel gestrickten Geschichte. Dass dem freilich nicht so ist, brauche ich niemandem gesondert zu erklären und der besondere Reiz von Three Billboards liegt sicherlich mitunter darin, dass Schicht um Schicht die Vergangenheit, die Motive, die Hintergründe einer jeden Figur offenbart werden, deren Handeln und Tun folglich alsbald in einem gänzlich anderen Licht erscheint. So stützt sich Mildreds Wut originär mitnichten auf die schlampige Polizeiarbeit, so ist Willoughy mitnichten der des Ermittelns müde Cop, der schon zu viel erlebt hat, während ausgerechnet der so simpel gestrickte Dixon die wohl auffälligste Wandlung durch, ohne dass er dabei wirklich aus der Rolle fallen würde, weshalb Sam Rockwell (Die Frau, die vorausgeht) hier auch völlig verdient, den längst überfälligen Oscar hat einheimsen können. Frances McDormand (Hail, Caesar!) als Mildred steht ihm dabei in ihrer ruppig-verbitterten, von tiefer Trauer gezeichneten Art in nichts nach und bildet den moralischen wie emotionalen Kompass des Films.

Woody Harrelson (Schloss aus Glas) verkörpert derweil seinen Willoughy mit nicht weniger Feingefühl und weiß speziell in den Szenen mit seiner Frau Anne (Abbie Cornish, Ohne Limit) zu überzeugen, nimmt aber den ungleich kleineren Part gegenüber Rockwell in der Auseinandersetzung zwischen wütender Mutter und brüskierter Polizei ein. Apropos Anne, ist es mitunter auffällig, wie viel Sorgfalt McDonagh auch der Inszenierung vermeintlicher Nebenfiguren zuteilwerden lässt, die allesamt eine Tiefe und Vielschichtigkeit erkennen lassen, dass man meinen würde, es mit echten Menschen und nicht bloß Rollen zu tun zu haben, was insbesondere, aber nicht nur für John Hawkes (The Driftless Area) als Mildreds Ex-Mann Charlie sowie Peter Dinklage (iLove) als liebenswerter James gilt, die am Rande des eigentlichen Geschehens gekonnt Akzente setzen. Dadurch bricht McDonagh auch immer wieder mit der Erwartungshaltung des Zuschauers, wenn selbst hier als gesetzt geltende Rollenklischees liebevoll aufgebrochen werden.

Szenenbild aus Three Billboards Outside Ebbing, Missouri | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Dadurch verfestigt sich zuweilen der Eindruck, Three Billboards würde auf wahren Begebenheiten basieren, was in dem Zusammenhang ein großes Kompliment darstellt, zumal spätestens in der zweiten Hälfte die Dinge doch spürbar aus dem Ruder zu laufen beginnen, ohne dass darunter die Wahrhaftigkeit und Glaubwürdigkeit des Gezeigten und Erzählten wirklich leiden würde, was man von einem Film vom Schlage eines 7 Psychos seinerzeit eben nicht hätte behaupten können. So bringt es McDonagh hier zu einer dramaturgischen wie inszenatorischen Meisterschaft, die andere Filmemacher selbst nach mehreren Jahrzehnten und dutzenden Filmen nicht erreichen, ohne dabei seine spezielle Handschrift einzubüßen, denn die schwarzhumorigen Einschübe, die gelebte Absurdität und aberwitzigen Zusammenhänge sind es, die den Film überhaupt erst so erlebenswert und authentisch wirken lassen. Dabei gelingt ihm vor allem aber nicht nur ein vordergründig ungemein unterhaltsamer, sondern auch hintergründig nachdenklich stimmender Film, der sich auch Themen wie Rassismus, Schuld und Sühne, vor allem aber falschen und vorschnellen Urteilen widmet, wie schon aus der Handlung heraus ersichtlich, was ihn zu einem durch und durch lohnenswerten Kleinod von Film macht, mit dem Martin McDonagh sein bisheriges Magnum Opus abliefert, so unscheinbar es auf den ersten Blick auch wirken mag.

Fazit & Wertung:

Martin McDonagh bündelt seine gesamten Stärken in und für Three Billboards Outside Ebbing, Missouri und offeriert einen dramaturgisch wie inszenatorisch überzeugenden Film, dessen illustre Schar an DarstellerInnen durchweg überzeugt, auch wenn Frances McDormand und Sam Rockwell den Rest der Besetzung spürbar überstrahlen. Dabei gelingt ihm die seltene wie lobenswerte Gratwanderung zwischen feinsinnigem wie nihilistischen Drama und schwarzhumoriger wie lakonischer Tragikomödie.

9,5 von 10 empörten Reaktionen auf die provokanten Schilder

Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

  • Empörte Reaktionen auf die provokanten Schilder - 9.5/10
    9.5/10

Fazit & Wertung:

Martin McDonagh bündelt seine gesamten Stärken in und für Three Billboards Outside Ebbing, Missouri und offeriert einen dramaturgisch wie inszenatorisch überzeugenden Film, dessen illustre Schar an DarstellerInnen durchweg überzeugt, auch wenn Frances McDormand und Sam Rockwell den Rest der Besetzung spürbar überstrahlen. Dabei gelingt ihm die seltene wie lobenswerte Gratwanderung zwischen feinsinnigem wie nihilistischen Drama und schwarzhumoriger wie lakonischer Tragikomödie.

9.5/10
Leser-Wertung 9.33/10 (3 Stimmen)
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Three Billboards Outside Ebbing, Missouri ist am 07.06.18 auf DVD, Blu-ray und 4K UHD Blu-ray bei Twentieth Century Fox erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

Kommentare (2)

  1. Singende Lehrerin 12. April 2019
  2. Stepnwolf 17. April 2019

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