Review: Die Flüsse von London | Ben Aaronovitch (Buch)

Ebenfalls noch aus dem Urlaub herrührend, der jetzt auch schon wieder einen Monat her ist, habe ich mal wieder mit einer neuen Buch-Reihe begonnen, die viele von euch sicherlich zumindest dem Namen nach kennen sollten. Jetzt kann ich auch endlich mitreden und tue dies logischerweise nachfolgend auch.

Die Flüsse von London
Peter-Grant-Reihe 1

Rivers of London, UK 2011, 480 Seiten

Die Flüsse von London von Ben Aaronovitch | © dtv
© dtv

Autor:
Ben Aaronovitch
Übersetzer:
Karlheinz Dürr

Verlag (D):
Deutscher Taschenbuch Verlag
ISBN:
978-3-423-21341-7

Genre:
Fantasy | Abenteuer | Krimi | Komödie

 

Inhalt:

Alles begann an einem kalten Dienstag im Januar, morgens um halb zwei, als Martin Turner, Straßenkünstler und nach eigenen Worten Gigolo in Ausbildung, vor der Säulenvorhalle von St. Paul’s am Covent Garden über eine Leiche stolperte.

Peter Grant, frisch gebackener Police Constable, kann es kaum fassen, als ihm des nachts sein erster Geist begegnet, der auch noch einen Mord beobachtet haben will. Man würde meinen, dass niemand ihm so eine Geschichte glauben würde, doch dann tritt Thomas Nightingale an ihn heran, der als einer der letzten Zauberer eine eigene – und nur noch aus ihm bestehende – Einheit bei der Polizei bekleidet. Nightingale nimmt sich des jungen Grant an und er wird zum ersten Zauberlehrling seit 50 Jahren. Urplötzlich wird die Polizeiarbeit um einiges interessanter und Nightingale macht Grant nicht nur mit den Themse-Göttern bekannt, sondern weiht ihn auch in das Vorgehen bezüglich Vampiren ein. Doch gilt es noch immer einen Mord aufzuklären, den besagter Geist beobachtet hat, zumal es bald zu weiteren, ähnlich gearteten Fällen kommt, auf die sich Peter und sein Mentor zunächst keinen Reim machen können…

Rezension:

Immer mal wieder bin ich über die Peter-Grant-Reihe von Ben Aaronovitch gestolpert und habe sogar schon einige Teil der Reihe daheim liegen dank der Freigiebigkeit des dtv, doch fehlte mir eben einerseits immer Die Flüsse von London als erster Teil der Reihe, andererseits schreckte mich deren Umfang, da ich bekanntermaßen ja ohnehin schon einiges an Trilogien und Serien konsumiere und mir nicht unbedingt noch so einen Klotz ans Bein binden wollte, auch wenn die Leserstimmen ja durchaus angetan bis begeistert gewesen sind. Nun verhielt es sich aber so, dass ich im Vorfeld des letzten Urlaubs dachte, es könne sich hierbei um die ideale Sommer- und Urlaubslektüre handeln, von dem Vorteil, weitere Teile der Reihe bei Gefallen bereits vorrätig zu haben, ganz zu schweigen. Und so habe nun auch ich den angehenden Polizisten und Magier-Lehrling Peter Grant kennengelernt und erfahren, wie er seinem ersten Geist begegnet ist und unter die Fittiche von Thomas Nightingale geriet.

»Können Sie beweisen, dass Sie tot sind?«, fragte ich.
»Wenn Euch daran liegt«, sagte er gleichmütig und trat aus dem Schatten der Säule.
Er war transparent, ungefähr so wie ein Hologramm in einem Film. Dreidimensional, wirklich und wahrhaftig vorhanden, aber eben doch durchsichtig, verdammt noch mal.

Die Schreibe von Aaronovitch – natürlich in der deutschen Übersetzung von Karlheinz Dürr – ist dabei durchaus angenehm, derweil Hauptfigur Peter Grant hier auch als Ich-Erzähler fungiert, der einen durch die zunehmend abstruser werdenden Ereignisse führt. Angenehm erfrischend auch, mit welcher Leichtigkeit die Figuren zu akzeptieren scheinen, dass Magie und Geister, Götter und Fabelwesen allesamt existieren und im heutigen London teils ihr Unwesen treiben. Grant als Hauptfigur ist gleichsam sympathisch geraten und ein Freund britischen Humors und sarkastischer Sprüche, was die Lektüre doch sehr kurzweilig geraten lässt. Fantasy und Magie sollte man natürlich bestmöglich mögen, um dieser augenzwinkernden Urban-Fantasy-Variante etwas abgewinnen zu können, doch auch London-Fans als solche kommen dank der akribischen Beschreibungen des Autors durchaus auf ihre Kosten.

Allerdings kann ich es auch nicht bei uneingeschränktem Lob belassen, denn so sehr die Idee, das Setting und der Protagonist zu gefallen wissen, so störend fällt auch die Dramaturgie von Die Flüsse von London teilweise aus, denn was noch angenehm stringent und zielstrebig beginnt, türmt ab dem Mittelteil immer neue Aspekte und Ideen auf, worauf der eigentliche Kriminalfall schnell ins Hintertreffen gerät. Dabei betont Peter selbst, sich oft und leicht ablenken zu lassen und mich beschlich mehrfach das Gefühl, dass dies sich auch im Fortgang der Story widerspiegele, denn teils unvermittelt muss man sich Orts- und Zeitsprünge gefallen lassen, während Peter beschließt, mal seinen Eltern, mal den alten Flussgöttern einen Besuch abzustatten. Besagte Flussgötter derweil haben mir in ihrer Art und Ausgestaltung ebenfalls nicht sonderlich imponiert und gefallen, wobei ich das gar nicht detailliert aufdröseln möchte, doch göttlich wirken sie in den seltensten Fällen, zumal Aaronovitch es versäumt, zu erklären, wie die Götter überhaupt zu Göttern wurden (denn das sind sie in seinem Kosmos mitnichten seit Anbeginn der Zeit oder dergleichen). In dieser Hinsicht haben dann Urban-Fantasy-Vertreter wie die Bücher von Neil Gaiman (American Gods) doch merklich die Nase vorn, was ihre Mythologie und die Gesetze der magischen Welt angeht, während hier eben weit mehr der Humor und Unterhaltungswert im Vordergrund stehen.

Ich lag zehn Minuten lang so da, in der Hoffnung, dass die Erinnerung daran, dass ich mit einem Geist gesprochen hatte, allmählich wie ein Traum verblassen würde. Das geschah aber nicht, deshalb stand ich auf und ging unter die Dusche. Heute war ein wichtiger Tag, und ich musste auf Zack sein.

Das soll nicht heißen, dass mir Die Flüsse von London nicht gefallen hätte, doch hätte ich mir in Anbetracht des anhaltenden Erfolges der Reihe schlichtweg ein wenig mehr erwartet, ein wenig mehr Witz, ein wenig mehr Substanz, ein wenig mehr Faszination und eine noch deutlich akribischer und sorgsamer ausgearbeitete Welt der Magie, wobei Aaronovitch zumindest einiges an Zeit drauf verwendet, die Anfänge der magischen Ausbildung von Peter zu schildern, was einerseits gelungen ist, andererseits dazu führt, dass der – magisch angehauchte – Kriminalfall gleich mehrere Monate auf Eis liegt. Last but not least läuft die Geschichte schlussendlich leider ein wenig aus dem Ruder, den was sich hier nach nicht einmal 400 Seiten nach Finale anfühlt, zieht noch einiges an Kapiteln und Abschweifungen ach sich, während auch der Epilog nicht sonderlich gelungen ist und wenig Sinnstiftendes beiträgt, was man nicht auch andernorts bereits hätte unterbringen können. In einer ruhigen Stunde werde ich sicherlich auch dem Nachfolger Schwarzer Mond über Soho meine Aufmerksamkeit widmen, doch hoffe ich sehr, dass Aaronovitch das Potential dieser grundsätzlich vielversprechenden Mischung aus Krimi, Fantasy und Komödie in diesem Band nicht bereits ausgeschöpft hat.

Fazit & Wertung:

Mit Die Flüsse von London legt Ban Aaronovitch den Grundstein für seine Urban-Fantasy-Reihe um Police Constable Peter Grant, der in die magischen Untiefen von London vorstößt. So sympathisch Peter als Ich-Erzähler aber auch sein mag, schlägt sich seine wenig ausgeprägte Konzentrationsfähigkeit leider auch in der Dramaturgie der Geschichte nieder, die zunehmend weitschweifiger und wenig stringent daherkommt. Spaß macht die Geschichte trotzdem, hätte aber noch merklich Luft nach oben.

7 von 10 magischen Geheimnissen im Großraum London

Die Flüsse von London

  • Magische Geheimnisse im Großraum London - 7/10
    7/10

Fazit & Wertung:

Mit Die Flüsse von London legt Ban Aaronovitch den Grundstein für seine Urban-Fantasy-Reihe um Police Constable Peter Grant, der in die magischen Untiefen von London vorstößt. So sympathisch Peter als Ich-Erzähler aber auch sein mag, schlägt sich seine wenig ausgeprägte Konzentrationsfähigkeit leider auch in der Dramaturgie der Geschichte nieder, die zunehmend weitschweifiger und wenig stringent daherkommt. Spaß macht die Geschichte trotzdem, hätte aber noch merklich Luft nach oben.

7.0/10
Leser-Wertung 10/10 (1 Stimme)
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Weitere Details zum Autor und dem Buch findet ihr auf der Seite des Deutschen Taschenbuch Verlages.

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Die Flüsse von London ist am 01.01.12 bei dtv erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den nachfolgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

Eine Reaktion

  1. Janine 7. August 2019

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