Review: Megamind (Film)

Kommen wir heute zu einem Film, den ich vor Jahren, als ich noch nicht so diszipliniert und strukturiert gewesen bin, tatsächlich zu rezensieren versäumt habe und den ich mir nun kurzerhand – was bin ich doch ein Fuchs – ein zweites Mal angesehen habe.

Megamind

Megamind, USA 2010, 95 Min.

Megamind | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Regisseur:
Tom McGrath
Autoren:
Alan Schoolcraft
Brent Simons

Main-Cast:
Will Ferrell (Megamind [Stimme])
Tina Fey (Roxanne Ritchie [Stimme])
Jonah Hill (Tighten [Stimme])
David Cross (Minion [Stimme])
Brad Pitt (Metro Man [Stimme])
in weiteren Rollen:
Ben Stiller (Bernard [Stimme])
Justin Theroux (Megamind’s Father [Stimme])
Jessica Schulte (Megamind’s Mother [Stimme])
J.K. Simmons (Warden [Stimme])

Genre:
Animation | Action | Komödie | Science-Fiction

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Megamind | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Schon als Kind wurde der von einem fernen Planeten stammende und auf der Erde gestrandete Junge quasi in die Rolle des Schurken gedrängt, zumal sich ein ebenfalls außerirdischer Strahlemann schnell als dessen Kontrahent positionierte, was den Grundstein für eine Jahre währende Fehde zwischen den beiden legte, die sich alsbald Megamind und Metro Man nennen sollten. Die Jahre zogen ins Land und während Megamind immer neue schurkische Pläne ersann, legte ihm Metro Man ein ums andere Mal das Handwerk, doch mit seinem jüngsten Coup gelingt dem blauhäutigen Schurken das, was er sich nie hat ausmalen können und plötzlich ist Metro Man Geschichte. Zunächst voller Überschwang erklärt Megamind sich zum neuen Herrscher von Metro City, doch wird ihm schnell klar, dass ihm mit Metro Man das Yin zu seinem Yang abhandengekommen ist und so beschließt Megamind, selbst einen neuen Helden heranzuzüchten, mit dem er sich fortan messen kann. Der Plan geht allerdings gründlich schief und die Helden-DANN landet bei Kameramann Hal, derweil dessen Partnerin und Angebetete, die Journalistin Roxanne, verzweifelt darum bemüht ist, Megamind das Handwerk zu legen, nicht ahnend, dass sich hinter der Fassade ihrer jüngsten Bekanntschaft Bernard ebenfalls der blaue Bösewicht verbirgt, der zunehmend Gefühle für sie entwickelt…

Rezension:

Der DreamWorks-Animationsfilm Megamind hatte seinerzeit sicherlich nicht den besten Stand, ist schließlich läppische drei Monate nach dem Konkurrenzfilm Ich – Einfach unverbesserlich in den Kinos gestartet, denn auch wenn beide Filme in eine inhaltlich andere Richtung gehen, sind doch die Parallelen "Schurke als Hauptfigur der Geschichte" sowie die Minions auf der einen Seite und der sprechende Fisch Minion auf der anderen Seite (also hier) nicht von der Hand zu weisen. Nichtsdestotrotz lohnt die Superheldenpersiflage und steht von diesen Überschneidungen einmal abgesehen selbstsicher auf den eigenen Beinen, wenn auch die Konkurrenz von Illumination Entertainment in Sachen Verve und Witz meines Erachtens dennoch die Nase vorn hat. Dafür widmet sich diese Chose nun also dem Superhelden-Genre an sich und macht keinen Hehl aus der Inspirationsquelle, wenn aus Superman und Metropolis hier eben Metro Man und Metro City werden. Doch Metro Man – im Original übrigens von Brad Pitt (The Big Short) gesprochen – spielt hier ohnehin eine untergeordnete Rolle, denn schließlich geht es vielmehr um den irritierend sympathischen Schurken Megamind, der am vermeintlichen Ziel seiner Träume angelangt in ein tiefes Loch stürzt, was die eigene Bestimmung angeht.

Szenenbild aus Megamind | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Auch diese Selbstzweifel und daraus resultierende Sinnsuche machen den blauhäutigen Erzähler so ungemein liebenswert und – trotz außerirdischer Herkunft – menschlich, was wiederum voll und ganz beabsichtigt ist und gleichsam an Will Ferrell (The Lego Movie) liegt, der dem gar nicht mal so superfiesen Schurken seine Stimme leiht, der immer insbesondere dann aufblüht, wenn sein Gefährte Minion (Stimme: David Cross) an seiner Seite weilt und als Stichwortgeber fungiert. Das führt zu ungemein sympathischer Erzählweise und dank einiger Verwicklungen bahnt sich alsbald gar eine Romanze zwischen Megamind und der Reporterin Roxanne (Tina Fey, 30 Rock) an, die herzallerliebst in Szene gesetzt wird und wunderbar funktioniert, ohne aufgesetzt oder überzogen zu wirken. Dabei ahnt Roxanne natürlich nicht, mit wem sie es zu tun hat, denn dank Gestaltwandler-Armband erscheint ihr Megamind in Gestalt des Bibliothekars Bernard (Ben Stiller, Gefühlt Mitte Zwanzig), den sie bislang für einen ausgemachten Langweiler gehalten hat (der echte Bernard wird derweil sicher in Megaminds Hauptquartier verwahrt).

Die "Erschaffung" des neuen Superhelden Tighten bietet dann natürlich auch den benötigten Twist, um die Geschichte am Laufen zu halten, zumal sich Megamind hier in bester Marlon-Brando-Imitation als dessen galaktischer Vater ausgibt, um ihn in die Kunst des Heldenseins einzuführen, was den mit der Stimme von Jonah Hill (Das ist das Ende) ausgestatteten Kameramann ziemlich von den Socken haut. Bis dahin ist Megamind dann auch eine wunderbar abwechslungs- und einfallsreiche Superhelden-Chose mit allerhand Seitenhieben, Karikaturen und teils großartigen Einfällen, zumal eben bereits früh im Film der große Konflikt zwischen Megamind und Metro Man unerwartet aufgelöst wird, doch mit dem Erstarken von Tighten driftet der Film dann leider auch in zunehmend generischer wirkende Fahrwasser ab und mündet in eine Action-Klopperei, wie man sie im Grunde schon dutzende Male gesehen hat, zumal auch der sympathische Minion hier auffallend ins Hintertreffen gerät.

Szenenbild aus Megamind | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Die Auflösung und der Sinneswandel – wenn auch ab- und vorhersehbar – stimmen zum Ende hin aber noch einmal versöhnlich, auch wenn Megamind bis dahin schon einiges von seiner Frische und Spritzigkeit eingebüßt hat. Dennoch, wer Superheldenfilmen etwas abgewinnen kann, der wird auch an dieser liebevollen Verballhornung seine Freude haben, zumal der ungewöhnliche Blickwinkel aus Sicht des im Herzen doch gutmütigen Schurken dem Ganzen noch einen gewissen Pfiff gibt. Nicht zuletzt soll aber auch die Optik nicht unerwähnt bleiben und die braucht sich selbstredend vor den konkurrierenden Animationsstudios in keiner Weise zu verstecken, wobei es insbesondere Megaminds eigene Waffenkreationen und Gerätschaften sind, die wohl am meisten und häufigsten einen gewissen Wow-Effekt mit sich bringen. So werden einzig ab dem Mittelteil bis zu Ende hin dramaturgisch Möglichkeiten verschenkt, während man lieber die geradlinige Schiene fährt, doch sollte das niemanden davon abhalten, hier einen Blick zu riskieren, auch wenn – wie erwähnt – ein gewisser Gru dann doch noch deutlich mehr für sich einzunehmen gewusst hat (aber der hat ja auch schlichtweg viel mehr Minions).

Fazit & Wertung:

Der von Tom McGrath inszenierte Megamind punktet nicht nur mit hochkarätiger Stimm-Besetzung und einfallsreicher Story, sondern vor allem auch mit seinem liebenswerten blauen Schurken und durchweg stimmiger Optik. Inhaltlich verlässt das Geschehen zeitweise sein Esprit ein wenig und man bedient sich altbekannter Plot-Points, doch als kurzweiliges Animationsabenteuer und vor allem Superheldenpersiflage mit Herz und Witz macht der Film dennoch eine gute Figur.

7,5 von 10 zum Scheitern verurteilten Schurkenplänen

Megamind

  • Zum Scheitern verurteilte Schurkenpläne - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Der von Tom McGrath inszenierte Megamind punktet nicht nur mit hochkarätiger Stimm-Besetzung und einfallsreicher Story, sondern vor allem auch mit seinem liebenswerten blauen Schurken und durchweg stimmiger Optik. Inhaltlich verlässt das Geschehen zeitweise sein Esprit ein wenig und man bedient sich altbekannter Plot-Points, doch als kurzweiliges Animationsabenteuer und vor allem Superheldenpersiflage mit Herz und Witz macht der Film dennoch eine gute Figur.

7.5/10
Leser-Wertung 7/10 (1 Stimme)
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Megamind ist am 04.04.11 auf DVD, Blu-ray und 3D Blu-ray bei Twentieth Century Fox erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

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