Review: Scenic Route (Film)

Der Donnerstag ist ja seit einiger Zeit ganz klassisch für die eher unbekannten, eher kleineren oder auch mal ein paar wenige Jahre älteren Filme reserviert und heute trifft das auch wieder zu. Denn heute erzähle ich euch von meinen Eindrücken zu nachfolgendem Werk, das ich mir vor geraumer Zeit aus purer Neugierde zugelegt habe und das mich doch ziemlich zu überraschen gewusst hat.

Scenic Route

Scenic Route, USA 2013, 82 Min.

Scenic Route | © Alive
© Alive

Regisseure:
Kevin Goetz
Michael Goetz
Autor:
Kyle Killen

Main-Cast:
Josh Duhamel (Mitchell)
Dan Fogler (Carter)

Genre:
Drama | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Scenic Route | © Alive
© Alive

Mitchell und Carter waren zu Schulzeiten beste Freunde und unzertrennlich, doch während Mitchell mittlerweile eine Familie gegründet und Erfolge im Job gesammelt hat, sprichwörtlich im Spießbürgertum angelangt ist, blickt Carter auf eine Reihe erfolgloser Versuche zurück, sein Leben auf Spur zu kriegen. Entsprechend entfremdet sind die beiden mittlerweile und so erscheint die Idee eines gemeinsamen Roadtrip quer durch die Wüste mehr als fragwürdig. Dann aber streikt ihr Auto mitten im Nirgendwo und die beiden müssen hoffen, dass ihnen noch andere Fahrer begegnen, um sie aus dieser misslichen Lage zu befreien, zumal ihre Vorräte mehr als dürftig sind. Dessen ungeachtet nutzen die beiden die Chance, lange vor dem jeweils anderen verborgene Wahrheiten ans Licht zu zerren und ihre Lebensentscheidungen zu hinterfragen. Doch was sie zunächst wieder näher zusammenbringt, entfacht alsbald einen handfesten Streit, noch befeuert durch die zunehmende Dehydrierung und die Aussichtslosigkeit ihrer Lage…

Rezension:

Der von den Geschwistern Kevin und Michael Goetz inszenierte Scenic Route ist ein schönes Beispiel dafür, wie man mit einfachsten Mitteln einen packenden Thriller und ein überzeugendes Drama inszeniert, denn abgesehen von einigen wenigen Gastauftritten und Nebenrollen fokussiert der Film beinahe gänzlich auf seine zwei Protagonisten in ihrer schier ausweglosen Lage und präsentiert sich damit im Grunde als Kammerspiel unter freiem Himmel. Die endlosen Weiten der kargen Wüste um die Figuren herum bilden dabei eine nicht minder undurchdringliche Barriere, als es eine simple Wand hätte sein können und schaffen eine intensiv geschilderte und dargestellte Ausnahmesituation, in der sich sicherlich niemand wiederfinden möchte, auch wenn man zugegebenermaßen dramaturgisch manchmal ein Auge zudrücken muss, um den seinerzeit beim South by Southwest Film Festival uraufgeführten Film in Gänze genießen zu können.

Szenenbild aus Scenic Route | © Alive
© Alive

Nun bin ich natürlich auch keine Experte, was das Überleben in der Wüste angeht, doch wird man nicht darüber streiten müssen, dass sowohl Mitchell als auch Carter einerseits ein paar wirklich dumme Entscheidungen treffen, die sich mit gesundem Menschenverstand kaum erklären lassen, andererseits doch zunächst noch überraschend fit und vital wirken, gemessen daran, dass sie kaum Vorräte oder dergleichen bei sich haben. Die Wüstenstrandung (auch ein Wort, das man viel zu selten benutzt) bildet zunächst einmal aber eben auch nur den Rahmen, um eine Art Charakterstudie in Gang zu bringen, so dass Scenic Route sicherlich auch kein Film für Freunde ausgedehnter Dialoge sein dürfte, mir mit diesem minimalistischen Ansatz aber durchaus zugefallen wusste. Dass Mitchell und Carter sich zunehmend voneinander entfernt haben, steht schnell außerfrage, doch Ausmaß und Umfang ihrer unterschiedlichen Lebenswege werden insbesondere in der ersten Hälfte durchaus detailreich geschildert, bis sich die Notsituation der beiden zunehmend in den Vordergrund drängt und auch zu einer schier unweigerlichen Eskalation führt.

Dessen ungeachtet ist und bleibt Scenic Route aber ein weitestgehend ruhig erzählter Film, der vorrangig den Fatalismus der Situation in den Vordergrund stellt, was auch den beiden Hauptdarstellern Josh Duhamel (Fire with Fire) und Dan Fogler (Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind) weitestgehend überzeugend gelingt, zumal man ihnen in ihrer zunehmenden Verzweiflung dann auch die eine oder andere Fehlentscheidung durchaus abkauft, auch wenn die eben von außen betrachtet kaum nachzuvollziehen sein mag. Im Grunde aber, wenn man sich mit dem grundsätzlichen Tenor und der Thematik des Films anfreunden kann, steht und fällt das Werk der Gebrüder Goetz mit der Akzeptanz der finalen Viertelstunde, die man so oder ähnlich entweder hat kommen sehen oder die einen alternativ unvermittelt und überraschend trifft. Details will ich hier natürlich nicht verraten, aber ich empfand die finalen Entwicklungen doch als ziemlich konsequent und teilweise überraschend.

Szenenbild aus Scenic Route | © Alive
© Alive

Dabei erfindet Scenic Route sicherlich in keiner Weise das Genre neu und leistet sich eben auch ein paar dramaturgische Schnitzer, die man auf die Ausnahmesituation der handelnden Figuren zurückführen "muss", doch gelingt Goetz und Goetz ein durchaus ansprechender Genre-Vertreter, der vor allem mit einfachsten Mitteln und reduziertem Setting und Ensemble eine zunehmend eindringlicher werdende Geschichte erzählt. Und so gemächlich und beschaulich das Treiben beginnt, so effektiv sind die seltenen, aber wohlplatzierten Spitzen, die der Plot bereithält. Ein garstiger kleiner Film, der durchaus lange nachwirkt, wenn man sich auf die Kombi aus Charakterstudie und Survival-Thriller einzulassen bereit ist.

Fazit & Wertung:

Kevin und Michael Goetz liefern mit Scenic Route einen gelungenen Genre-Beitrag, den man durchaus als Kammerspiel unter freiem Himmel bezeichnen könnte und der trotz mancher dramaturgischen Schwäche auch so manche Überraschung parat hält. Das reduzierte Setting fungiert dabei als eines der auffälligsten Alleinstellungsmerkmale dieser düsteren Survival-Story.

7,5 von 10 Hoffnungsschimmern am Horizont

Scenic Route

  • Hoffnungsschimmer am Horizont - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Kevin und Michael Goetz liefern mit Scenic Route einen gelungenen Genre-Beitrag, den man durchaus als Kammerspiel unter freiem Himmel bezeichnen könnte und der trotz mancher dramaturgischen Schwäche auch so manche Überraschung parat hält. Das reduzierte Setting fungiert dabei als eines der auffälligsten Alleinstellungsmerkmale dieser düsteren Survival-Story.

7.5/10
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Scenic Route ist am 15.08.14 auf DVD und Blu-ray bei Alive erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

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vgw

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