Review: Der unglaubliche Hulk (Film)

Das Marvel Cinematic Universe

Marvel Cinematic Universe

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Heute schließe ich dann mal eine ganz besonders ärgerliche Lücke, die quasi beinahe seit Bestehen meines Blogs existiert, denn einzig dieser MCU-Vertreter fehlte mir die ganze Zeit, um davon sprechen zu können, dass mein Repertoire – zumindest was die Filme angeht – nun durch Vollständigkeit glänzt.

Der unglaubliche Hulk

The Incredible Hulk, USA 2008, 112 Min.

Der unglaubliche Hulk | © Concorde
© Concorde

Regisseur:
Louis Leterrier
Autor:
Zak Penn

Main-Cast:
Edward Norton (Bruce Banner)
Liv Tyler (Betty Ross)
Tim Roth (Emil Blonsky)
William Hurt (General ‚Thunderbolt‘ Ross)
in weiteren Rollen:
Tim Blake Nelson (Samuel Sterns)
Ty Burrell (Leonard)

Genre:
Action | Science-Fiction

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Der unglaubliche Hulk | © Concorde
© Concorde

Nachdem Bruce Banner vor fünf Jahren bei einem streng geheimen biochemischen Experiment radioaktiv verstrahlt worden ist, muss der Wissenschaftler seine Wut und Erregung im Zaum zu halten lernen, denn sobald sein Puls auf über 200 steigt, verwandelt er sich in das grüne Monster Hulk, das alles und jedes kurz und klein zu schlagen imstande ist. Verständlich, dass General Ross diese Fähigkeit für seine Zwecke beim Militär nutzbar machen möchte und energisch nach Banner sucht. Der allerdings hält sich in Brasilien versteckt und die Füße still, bis eines Tages versehentlich eine Flasche mit seinem Blut verunreinigt wird und das Militär erneut auf seine Spur führt. Angeführt von dem erfahrenen wie skrupellosen Emil Blonksy scheuchen sie Banner aus seiner Deckung und nach einem kurzen Intermezzo tritt der die Flucht zurück nach Amerika an, denn einer seiner Kontakte aus dem Internet meint, eventuell ein Heilmittel für ihn herstellen zu können. Um allerdings nach New York gelangen zu können, sucht Banner die Hilfe seiner Freundin Betty, die ihrerseits auch Tochter von General Ross ist. Ihr Vater allerdings hat auch noch ein Ass im Ärmel, dass es dem verbissen agierenden Blonsky erlauben könnte, sich auf Augenhöhe mit dem grünen Ungetüm zu messen…

Rezension:

Erst mit dem Erfolg – und vor allem meiner Begeisterung – für The Avengers stürzte ich mich so richtig in den MCU-Kosmos und holte in Windeseile die bis dahin verpassten Filme nach. Jedoch nicht alle, denn tatsächlich hatte ich zumindest Der unglaubliche Hulk bereits gesehen, weshalb einzig dieser in meiner ansonsten vollständigen – zumindest filmischen – MCU-Betrachtung gefehlt hat. Nachdem nun aber auch Endgame in den Heimkinos angekommen ist und bis zum nächsten Jahr Flaute herrscht, schien die Zeit gekommen, dieses Frühwerk aus der ersten Phase noch einmal zu betrachten und hinsichtlich einer adäquaten Rezension nachzuholen. Dachte ich seinerzeit noch, der Film wäre womöglich der Grund gewesen, weshalb ich mich zunächst nicht weitergehend mit dem Marvel Cinematic Universe auseinandergesetzt habe, muss ich diesen Eindruck nun revidieren, denn ganz so schlecht wie sein Ruf ist der Film mitnichten, sondern leidet schlichtweg am Zeitpunkt seiner Entstehung und den Querelen hinter der Kamera, die man nun einmal auch dem fertigen Werk (leider) an vielen Punkten ansieht. So ist es ein offenes Geheimnis, dass vieles an gedrehtem Material es nicht in die kaum zwei Stunden währende – und einzig erhältliche – Kinofassung geschafft hat und insbesondere Edward Norton mit der Ausgestaltung seiner Figur so seine Probleme hatte, wodurch es auch zum letztlichen Zerwürfnis kam, dass die Neubesetzung von Bruce Banner mit Mark Ruffalo zur Folge hatte.

Szenenbild aus Der unglaubliche Hulk | © Concorde
© Concorde

Noch immer würde ich gerne den Film sehen, wie er Edward Norton (Birdman) vorgeschwebt hätte, denn der ausgewiesene Charakter-Mime wirkt hier doch grenzwertig unterfordert, wobei Der unglaubliche Hulk tatsächlich sehr durch sein differenziertes Minenspiel gewinnt, denn ansonsten würde die Geschichte wohl noch beliebiger und einfallsloser wirken. In dieser Hinsicht wird schon deutlich, dass Louis Leterrier (Die Unfassbaren) zwar Profi für reißerische und actionreiche Stoffe sein mag, sich mit dem Storytelling aber nicht so recht anfreunden konnte, wodurch sich echte Charaktermomente auf ein Minimum beschränken und man nicht wirklich dazu kommt, mit den Charakteren mitzufiebern. Das wird besonders deutlich an der von Liv Tyler (Super) verkörperten Betty Ross, der ich mitnichten ihr schauspielerisches Talent gänzlich absprechen möchte, die hier aber tatsächlich wirkt wie das Abziehbild einer echten Person und kaum darüber hinauskommt, wahlweise Damsel-in-Distress oder Love-Interest zu sein, was schon reichlich schwach ist für die einzige Frauenfigur im Film von Belang. Auch William Hurt (Mr. Brooks) als General Thaddeus Ross, der erst acht Jahre später für Civil War mit dieser Figur wieder aus der Versenkung geholt worden ist, bleibt trotz des angedeuteten Vater-Tochter-Konflikts auffallend eindimensional und gibt den klassisch-unbelehrbaren Militaristen, was einem Schauspieler seines Kalibers nun auch nicht eben zur Ehre gereicht.

Neben Norton gibt es aber noch eine weitere darstellerisch-ruhmreiche Ausnahme und hierbei handelt es sich um Tim Roth (Mr. Right), der als beinharter, mit allen Wassern gewaschener Soldat Emil Blonsky zunehmend zum großen Antagonisten des Films aufsteigt und zwar ebenfalls wenig Charakterisierung erfährt, dank verbissenem, je regelrecht manischem Schauspiel eine darstellerische Intensität an den Tag legt, dass man wirklich der Meinung ist, seine Figur bedürfe keiner weiteren Charakterisierung, was zwar den Film als solchen nicht rettet, aber ungemein aufwertet, weshalb es umso bedauerlicher ist, dass man ihn so früh im MCU verheizt hat und ein erneutes Auftreten wohl eher unwahrscheinlich ist. Um aber auch mal fernab der Darsteller auf die Stärken von Der unglaubliche Hulk zu sprechen zu kommen, ist allein die eröffnende Schnittmontage schon außerordentlich gelungen, die anhand von Archivaufnahmen und Zeitungsschnipseln den Werdegang von Banner und dem Hulk nachzeichnet, womit man sich gekonnt aus der Affäre zieht, erneut die Origin des Helden zu erzählen, was in Anbetracht des fünf Jahre zuvor entstandenen Hulk-Films von Ang Lee wohl auch einige verprellt hätte, wenn man wieder "bei Null gestartet" wäre (auch wenn der natürlich nicht zur offiziellen MCU-Timeline zählt).

Szenenbild aus Der unglaubliche Hulk | © Concorde
© Concorde

Ausgangslage ist hier also, dass Banner sich nach Brasilien abgesetzt hat und daran arbeitet, seine Wut unter Kontrolle zu bekommen, doch ein zunächst unbedeutend wirkender Zwischenfall hetzt ihm einmal mehr General Ross und seine Truppen auf die Fersen und verständlicherweise ist es mit der Gemütsruhe des Wissenschaftlers bald vorbei. So weit, so gut, gibt sich Der unglaubliche Hulk im weiteren Verlauf beinahe eine Art Road-Movie-Anstrich und fährt damit auch gar nicht mal schlecht, doch merkt man eben deutlich, dass die persönlichen Dilemmata, der innere Zwiespalt von Banner und die mit seiner "Verwandlung" einhergehende Tragik merklich auf der Strecke bleiben. So kann man den Film als actionreiche Hetzjagd zwar durchaus genießen, spürt aber auch exakt, was Norton an seiner Figur gefehlt haben mag. Auffällig ist ebenfalls, dass der mittlerweile für Marvel-Filme typische Humor quasi nicht vorhanden ist (noch am auffälligsten in einer Taxi-Szene in New York zum Tragen kommt), so dass es wirkt, als würde sich das Geschehen ungemein ernst nehmen, was gerade in Anbetracht eines grünen Ungetüms nicht so recht passen will. Die schlussendliche Materialschlacht setzt dem Ganzen dann auch die Krone auf und wartet mit der einen oder anderen, deutlich über das Ziel hinausschießenden Szene auf, doch bis es soweit ist, vermögen eben zumindest Norton und Roth, den Karren ein wenig aus dem Dreck zu ziehen. Trotz Erwähnung von S.H.I.E.L.D. beispielsweise und dem Jahre später erneut in Erscheinung tretenden Ross wirkt Leterriers Ausflug ins Superhelden-Genre auch und gerade heute wie ein regelrechter Fremdkörper im MCU, was nicht zuletzt an der Neubesetzung des Hulk gelegen haben mag, doch hat er es mitnichten verdient, gänzlich ignoriert zu werden, denn kurzweilig inszeniert und actionreich dargebracht ist er allemal.

Fazit & Wertung:

Als Teil der ersten Phase des MCU hat Der unglaubliche Hulk nicht unbedingt den besten Ruf und bei der Betrachtung wird einmal mehr deutlich, dass er sich regelrecht wie ein Fremdkörper in dem Franchise anfühlt, was aber vorrangig auf Querelen beim Dreh, die Umbesetzung von Banner und nicht zuletzt die bierernste Darbietung zurückzuführen ist. Für sich genommen und als düsterer wie actionreicher Superheldenfilm mit einem tragischen Protagonisten ist der von Louis Leterrier inszenierte Streifen aber zumindest nicht so schlecht wie sein Ruf und hat durchaus seine Berechtigung im Marvel-Kosmos, auch wenn man eben manche Abstriche in Kauf nehmen muss und die Geschichte nicht gerade innovativ, geschweige denn tiefgründig durchexerziert wird.

6,5 von 10 den Puls nach oben treibenden Situationen

Der unglaubliche Hulk

  • Den Puls nach oben treibende Situationen - 6.5/10
    6.5/10

Fazit & Wertung:

Als Teil der ersten Phase des MCU hat Der unglaubliche Hulk nicht unbedingt den besten Ruf und bei der Betrachtung wird einmal mehr deutlich, dass er sich regelrecht wie ein Fremdkörper in dem Franchise anfühlt, was aber vorrangig auf Querelen beim Dreh, die Umbesetzung von Banner und nicht zuletzt die bierernste Darbietung zurückzuführen ist. Für sich genommen und als düsterer wie actionreicher Superheldenfilm mit einem tragischen Protagonisten ist der von Louis Leterrier inszenierte Streifen aber zumindest nicht so schlecht wie sein Ruf und hat durchaus seine Berechtigung im Marvel-Kosmos, auch wenn man eben manche Abstriche in Kauf nehmen muss und die Geschichte nicht gerade innovativ, geschweige denn tiefgründig durchexerziert wird.

6.5/10
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Der unglaubliche Hulk ist am 24.11.08 auf DVD und Blu-ray und am 23.05.18 auf 4K UHD Blu-ray im Vertrieb von Concorde erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

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