Review: Black Widow (Film)

Das Marvel Cinematic Universe

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Es versteht sich wohl, dass ich quasi schon mit den Hufen gescharrt habe, als vorgestern endlich der Film auch ohne Zusatzkosten bei Disney+ zum Abruf bereitstand. Wie mir der Film letztlich gefallen hat, lest ihr nun nachfolgend.

Black Widow

Black Widow, USA 2021, 134 Min.

Black Widow | © Walt Disney
© Walt Disney

Regisseurin:
Cate Shortland
Autor:
Eric Pearson

Main-Cast:

Scarlett Johansson (Natasha Romanoff)
Florence Pugh (Yelena Belova)
David Harbour (Alexei)
O-T Fagbenle (Mason)
Olga Kurylenko (Antonia / Taskmaster)
William Hurt (Secretary Ross)
Ray Winstone (Dreykov)
Rachel Weisz (Melina)

Genre:
Action | Abenteuer | Science-Fiction

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Black Widow | © Walt Disney
© Walt Disney

Nachdem sich Captain America und eine Handvoll weiterer Helden von den Avengers abgespalten haben, gelten sie nun als Schwerverbrecher und werden unerbittlich gejagt. Während manche von ihnen längst inhaftiert worden sind, ist Natasha Romanoff derweil voll in ihrem Element und entwischt auch Secretary Ross und seinen Truppen mit Leichtigkeit. Kaum in ihrem Unterschlupf in Norwegen angekommen, droht ihre Vergangenheit als KGB-Attentäterin sie allerdings schon wieder einzuholen. Nach einer brachialen Auseinandersetzung mit einem Wesen namens "Taskmaster" macht sich Natasha auf nach Budapest, denn von dort hat sie Yelena Belova kontaktiert, die vorgibt, ebenfalls im Widows-Programm ausgebildet worden zu sein, allerdings flüchten konnte. Natasha staunt nicht schlecht, dachte sie doch bislang, sie hätte Dreykov, den sadistischen Leiter des Programms, und mit ihm den gefürchteten "Red Room" zerstört. So bleibt ihr kaum eine gangbare Alternative, als sich mit Yelena zusammenzutun und erneut den Sturz von Dreykov in Angriff zu nehmen…

Rezension:

Lange hat man warten müssen auf einen Black-Widow-Film und noch länger sah es nicht danach aus, als würde der je Wirklichkeit werden, bis es dann doch in den Bereich des Möglichen und Wahrscheinlichen rückte, wobei man schon das Gefühl hat, die Macher wären mittlerweile spät dran, nachdem die namensgebende Hauptfigur – nach mehr als zwei Jahren wohl sicher kein Spoiler mehr – in Avengers: Endgame bereits das Zeitliche gesegnet hat. Und während man anfänglich noch spekulieren durfte, ob es sich womöglich um die Origin der Figur handeln möge, ist es nun wohl am ehesten eine Art Tie-In geworden, das sich ziemlich exakt zwischen Civil War und Infinity War verorten lässt. Und dennoch funktioniert die Story ohne Melodramatik oder dergleichen, so dass man auch als Zuschauer schnell ausblenden kann, dass der Protagonistin kein langes (Über-)Leben vergönnt sein wird. Mehr noch aber als ein groß angelegtes Farewell für die Figur, die nach mehr als zehn Jahren MCU-Zugehörigkeit gefühlt erstmals die ihr gebührende Aufmerksamkeit bekommt, versteht sich der Film aber auch als Startrampe für eine etwaige Nachfolgerin, wie alsbald deutlich wird.

Szenenbild aus Black Widow | © Walt Disney
© Walt Disney

So steht die letztmalig von Scarlett Johansson (Marriage Story) verkörperte Natasha Romanoff zwar im Zentrum der Ereignisse, doch die nunmehr auch als ausführende Produzentin agierende Johansson überlässt auch ihren Co-Stars bereitwillig die Bühne, allen voran der spätestens mit Midsommar bekannt gewordenen Florence Pugh, der man wohl in nicht allzu ferner Zukunft erneut im MCU begegnen wird, was ich nach dieser großartigen Performance hier auch nur begrüßen kann. Da wirkt dann eine hier ebenfalls beteiligte und ungleich prominentere Rachel Weisz (The Favourite) fast ein wenig blass und langweilig, weil sie zwar routiniert und souverän ihren Part übernimmt, aber längst nicht so im Gedächtnis bleibt wie die einerseits ungemein toughe und schlagkräftige, andererseits aber gern auch mal alberne Yelena (Pugh). Ebenfalls erwähnenswert ist David Harbour (Hellboy) in der herrlich selbstironisch und abgehalftert angelegten Rolle des Alexei, der noch nicht hat verwinden können, nicht als sowjetischer Superheld "Red Guardian" durchgestartet zu haben, sondern stattdessen im Gefängnis versauert ist.

Sie alle zusammen ergeben eine herrlich dysfunktionale Familie, denn wie uns das Intro des Films verrät, haben Natasha und Yelena Mitte der Neunziger als Teil einer Schläfer-Familie in Ohio gelebt, was Regisseurin Cate Shortland die Gelegenheit für eine ganz und gar Marvel-untypische Eröffnung bietet, bevor es zur ersten, gleichermaßen ungewöhnlich wie spektakulär inszenierten Actionszene kommt. Dabei muss man natürlich fairerweise sagen, dass auch Black Widow in punkto Action das Rad mitnichten neu erfindet und viel routinierte Standardkost in gewohnter Marvel-Qualität offeriert, doch insbesondere die handfesten Auseinandersetzungen sind hier doch von einer überraschenden Härte und wirken überzeugend drastisch und rabiat, während bei den zunehmend überzogenen Sequenzen natürlich vermehrt offensichtliche Tricktechnik im Vordergrund steht, was doch ein bisschen schade ist. Dabei definiert sich Shortlands Film aber gar nicht mal so sehr über die Action, denn in den besten Momenten wirkt der Film weit eher wie ein tragikomisches Familiendrama im Indie-Gewand, vermengt und verquickt mit allerhand Agenten-, Thriller- und Spionage-Elementen, was schon mit einem eindrucksvoll beklemmenden Intro zu den Klängen einer Cover-Version von Smells Like Teen Spirit beginnt, das auf den ungewohnt düsteren Grundtenor der Geschichte einstimmt. Dergestalt überzeugt auch Shortland als Regisseurin durchweg, derweil sie mich zuvor mit Berlin Syndrom ja nicht so richtig zu überzeugen wusste.

Szenenbild aus Black Widow | © Walt Disney
© Walt Disney

So bekommt man hier also im Grunde ernsthaftes und bedrückendes (Familien-)Drama geboten, gespickt und veredelt mit einer ganzen Reihe brachialer und glänzend choreographierter Auseinandersetzungen, bereist in bester Agentenfilm-Manier mit den Protagonist*innen den halben Erdball und erfreut sich bei aller Ernsthaftigkeit an gelungener Situationskomik und nuanciert eingesetzten One-Linern. Black Widow mag mitnichten so episch sein wie manch anderer Superheldenfilm, in dem es gleich die ganze Welt zu retten gilt, doch macht ihn das eben auch so gut, denn Natasha verfolgt ihre eigene Agenda, ihre Ziele sind persönlich, ihr Wunsch nach Vergeltung nachvollziehbar, auch wenn die Antagonisten also solche – sowohl Dreykov als auch der Taskmaster – wieder die offenkundig schwächsten Glieder in der Kette sind und kaum über die ihnen zugedachte Rolle hinauskommen. Dessen ungeachtet handelt es sich aber um einen unbedingt sehenswerten Ausstand für Natasha und gleichsam Einstand für Yelena, die dann auch in der After-Credits-Scene noch einmal auftauchen darf, um sich für die in anderthalb Monaten startende Serie Hawkeye in Position zu bringen.

Fazit & Wertung:

Regisseurin Cate Shortland präsentiert mit Black Widow ein zweistündiges, rundherum überzeugendes und ungemein abwechslungsreiches Farewell für das bislang vernachlässigte Avengers-Mitglied. Der düstere Erzählton geht hierbei Hand in Hand mit ernsten Themen und einer dysfunktionalen Familie sondergleichen, derweil man neben der Verabschiedung der Figur auch trefflich deren Nachfolgerin vorzustellen versteht.

8,5 von 10 schwelenden Familienkonflikten

Black Widow

  • Schwelende Familienkonflikte - 8.5/10
    8.5/10

Fazit & Wertung:

Regisseurin Cate Shortland präsentiert mit Black Widow ein zweistündiges, rundherum überzeugendes und ungemein abwechslungsreiches Farewell für das bislang vernachlässigte Avengers-Mitglied. Der düstere Erzählton geht hierbei Hand in Hand mit ernsten Themen und einer dysfunktionalen Familie sondergleichen, derweil man neben der Verabschiedung der Figur auch trefflich deren Nachfolgerin vorzustellen versteht.

8.5/10
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Black Widow ist seit dem 09.07.21 im VIP-Zugang und seit dem 06.10.21 ohne Aufpreis bei Disney+ verfügbar. Am 23.09.21 ist der Film auf DVD, Blu-ray und 4K UHD Blu-ray bei Walt Disney erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

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