Review: The Avengers 4: Endgame (Film)

Das Marvel Cinematic Universe

Marvel Cinematic Universe

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Vergangenen Abend war ich dann nun auch "endlich" im fulminanten Abschluss der ersten elf Jahre und zweiundzwanzig Filme des Marvel Cinematic Universe und werde nun ebenfalls versuchen, spoilerfrei meine Eindrücke festzuhalten, wobei ich natürlich auch hier wieder eigens gekennzeichnete – und standardmäßig ausgeblendete – Spoiler-Absätze nutzen werde, um auch ein wenig konkreter werden zu können. Vor allem aber haben wir es hier dahingehend mit einem Novum zu tun, dass selbst die Besetzung schon eine Art Spoiler darstellt, wenn man einen Blick über den Tellerrand der auf dem Kinoplakat genannten Personen werfen mag, weshalb ich hier erstmalig auch die weiteren Darsteller als tendenziell entlarvend ausgeblendet habe. Und da ich selbst mich bei diesem konkreten Film auch so wenig wie irgend möglich spoilern lassen wollte, sei zuletzt noch der Hinweis gestattet, nicht zu genau die Tags am Ende des Artikels zu studieren, denn dort sind logischerweise die DarstellerInnen allesamt vertreten und lassen sich auch nicht ausblenden. So, und jetzt viel Spaß mit meinen Ausführungen zu einem Finale, wie es die Film-Welt lange (oder gar noch nie?) zu sehen bekommen hat.

The Avengers 4:
Endgame

Avengers: Endgame, USA 2019, 181 Min.

The Avengers 4: Endgame | © Marvel Studios
© Marvel Studios

Regisseure:
Anthony Russo
Joe Russo
Autoren:
Christopher Markus
Stephen McFeely

Main-Cast:

Robert Downey Jr. (Tony Stark / Iron Man)
Chris Evans (Steve Rogers / Captain America)
Mark Ruffalo (Bruce Banner / Hulk)
Chris Hemsworth (Thor)
Scarlett Johansson (Natasha Romanoff / Black Widow)
Jeremy Renner (Clint Barton / Hawkeye)
Don Cheadle (James Rhodes / War Machine)
Paul Rudd (Scott Lang / Ant-Man)
Brie Larson (Carol Danvers / Captain Marvel)
Karen Gillan (Nebula)
Danai Gurira (Okoye)
Benedict Wong (Wong)
Jon Favreau (Happy Hogan)
Bradley Cooper (Rocket [Stimme])
Gwyneth Paltrow (Pepper Potts)
Josh Brolin (Thanos)

in weiteren Rollen: (Achtung; potentielle Spoiler!)

Anklicken, um Spoiler-Text anzuzeigen

Tessa Thompson (Valkyrie)
Elizabeth Olsen (Wanda Maximoff / Scarlet Witch)
Tom Hiddleston (Loki)
Zoe Saldana (Gamora)
Tilda Swinton (The Ancient One)
John Slattery (Howard Stark)
Rene Russo (Frigga)
Benedict Cumberbatch (Dr. Stephen Strange)
Chris Pratt (Peter Quill / Star-Lord)
Chadwick Boseman (T’Challa / Black Panther)
Anthony Mackie (Sam Wilson / Falcon)
Tom Holland (Peter Parker / Spider-Man)
Hayley Atwell (Margaret Carter)
Evangeline Lilly (Hope van Dyne / The Wasp)
Sebastian Stan (Bucky Barnes / Winter Soldier)
Dave Bautista (Drax)
Pom Klementieff (Mantis)
Taika Waititi (Korg [Stimme])
Letitia Wright (Shuri)
Winston Duke (M’Baku)
Vin Diesel (Groot [Stimme])
Michael Douglas (Hank Pym)
Michelle Pfeiffer (Janet Van Dyne)
Robert Redford (Alexander Pierce)
Natalie Portman (Jane Foster)
William Hurt (Thaddeus Ross)
Samuel L. Jackson (Nick Fury)
Cobie Smulders (Maria Hill)
James D’Arcy (Edwin Jarvis)
Yvette Nicole Brown (Woman in Elevator)
Ken Jeong (Storage Facility Guard)


Genre:
Action | Abenteuer | Science-Fiction

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus The Avengers 4: Endgame | © Marvel Studios
© Marvel Studios

Nachdem Thanos alle sechs Infinity-Steine in seine Gewalt gebracht hat und mit einem simplen Fingerschnips das Universum für immer und nachhaltig verändert hat, scheint alle Hoffnung verloren, während Tony Stark gemeinsam mit Nebula ohne Hoffnung auf Rettung durchs All treibt und kaum mehr als eine Handvoll Avengers auf der Erde verbleibt und trotz der Führung durch Steve Rogers kaum einen Ansatzpunkt hat, um Thanos‘ Tat ungeschehen zu machen, der sich bekanntermaßen nach seiner Tat sozusagen zur Ruhe gesetzt hat. Doch dann allerdings scheint sich ein Hoffnungsschimmer am Horizont abzuzeichnen, doch es wird einige Zeit vergehen, bevor der verschollene Scott Lang vor dem Avengers-Hauptquartier steht und mit einer aberwitzigen Idee aufwartet, die sich allerdings kaum ohne die Hilfe von sowohl Tony Stark als auch Bruce Banner realisieren lassen wird. So gering die Hoffnung aber auch sein mag, sind die verbliebenen Helden bereit, alles zu tun was nötig sein wird, koste es, was es wolle…

Rezension:

Die Ursprünge und die Verortung im MCU:

Bekanntermaßen handelt es sich bei Avengers: Endgame um den nunmehr zweiundzwanzigsten Film im MCU und bildet seinerseits den Abschluss der vorangegangenen einundzwanzig Filme, derweil man unlängst hat erfahren können, dass tatsächlich erst Spider-Man: Far From Home den offiziellen Abschluss bilden wird, wobei ich persönlich fest davon ausgehe, dass selbiger wohl eher vor den Geschehnissen von Endgame angesiedelt werden wird. Doch dessen ungeachtet dient der erneut von den Gebrüdern Anthony und Joe Russo inszenierte Film nun einmal als Finale eines seit nun mehr als einer Dekade stetig erweiterten Franchise und demensprechend empfiehlt es sich freilich, bestmöglich alle MCU-Filme zu kennen, um den größtmöglichen Spaß an der immerhin drei Stunden währenden Chose zu haben. Hinsichtlich Spoiler-Gefahr lässt sich allerdings nur festhalten, dass man – welch Überraschung – zumindest Avengers: Infinity War gesehen haben sollte, um der Handlung folgen zu können, auch wenn Mastermind Kevin Feige betont hat, man möge beide Filme als eigenständige Werke betrachten. Derweil gibt es noch einige Filme mehr, auf die sich der Film mehr oder minder aktiv bezieht, die sich hinter nachfolgender Spoiler-Warnung verbergen (lediglich Nennung der Filme ohne Angabe von Gründen).

Sinnvolle Vorkenntnisse

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"Pflicht"

  • The Avengers: Infinity War
  • The Avengers
  • Doctor Strange
  • Guardians of the Galaxy
  • Thor 3
  • Thor 2

 

"Kür"

  • Captain America 3
  • Captain America 2
  • Captain America
  • Ant-Man and the Wasp (eigentlich konkret nur das Ende)
  • Captain Marvel (eigentlich konkret nur das Ende)

Szenenbild aus The Avengers 4: Endgame | © Marvel Studios
© Marvel Studios

Die Regisseure und Drehbuchautoren:

Darüber hinaus lässt sich festhalten, dass die Russos mittlerweile alte Hasen im Marvel Cinematic Universe sind, denn nachdem sie mit ihrer Inszenierung des zweiten Captain America von sich reden machten, für den sie sich mit einer nicht zu Unrecht als Kult zu bezeichnenden Doppelfolge Community qualifiziert haben, wie ich nicht müde werde zu betonen, übernahmen sie auch gleich die Regie bei dem inoffiziell als "Avengers 2.5" gehandelten Civil War sowie dem vorangegangenen Infinity War. Die Nähe zu Community erklärt dann auch, weshalb diesmal die ebenfalls von dort bekannten Darsteller Ken Jeong sowie Yvette Nichole Brown ein Cameo im Film spendiert bekommen haben, nachdem diese Ehre zuvor schon Jim Rash und Danny Pudi zuteilgeworden ist.

Szenenbild aus The Avengers 4: Endgame | © Marvel Studios
© Marvel Studios

Die verantwortlichen Drehbuchautoren Christopher Markus und Stephen McFeely blicken derweil auf eine noch umfangreichere Vita im MCU zurück und haben vor ihrem erfolgreichen Team-Up mit den Russos bei den genannten Filmen bereits die Drehbücher zu Captain America: The First Avenger und Thor 2: The Dark Kingdom verfasst und stehen als Serienschöpfer hinter der leider nur kurzlebigen Serie Agent Carter. Und diese Nähe zum Thema – sowohl auf den Regiestühlen wie auch im Skript – merkt man Avengers: Endgame dann auch mit jeder Einstellung an und es ist kaum vermessen, dieses Werk als den ultimativen Fan-Service zu bezeichnen, der jedem langjährigen Fan des Franchise das Herz aufgehen lassen dürfte (zumindest ging es mir so). Wer allerdings zuvor schon wenig mit den Superheldenchosen der vergangenen Jahre anfangen konnte, wird sich freilich auch von diesem Film nicht bekehren lassen können, zählt aber auch nicht wirklich zur anvisierten Zielgruppe.

Die Darsteller:

Nachdem der Vorgängerfilm ja doch in vielerlei Hinsicht eine exzessive Materialschlacht gewesen ist, vor allem aber mit einer schieren Unmenge an Charakteren zu erschlagen musste, hat Thanos‘ Tat natürlich hier die Reihen extrem ausgedünnt, weshalb ich mich auch dazu veranlasst gesehen habe, einen ganzen Stoß an beteiligten DarstellerInnen unter eine Spoiler-Warnung verschwinden zu lassen, derweil wir es hier, was die "Überlebenden" anbelangt, sicher nicht ganz zufällig beinahe ausschließlich mit dem harten Kern zu tun bekommen, der auch schon im ersten The Avengers 2012 zur Rettung der Welt antreten durfte. Und ungeachtet dessen, wie es mit diesen Figuren der ersten Stunde – in diesem Fall ja eher Phase – nach Abschluss dieses Mammutprojekts weitergehen mag, ist es natürlich kein Geheimnis und auch nicht verwunderlich, dass sie alle einen unbestreitbar wichtigen Part im Endgame innehaben, ob ihre Reise damit nun endet oder nicht.

Szenenbild aus The Avengers 4: Endgame | © Marvel Studios
© Marvel Studios

An der Spitze des Casts – und als inoffizieller Anführer der verbliebenen Avengers – steht dabei natürlich Chris Evans (Playing It Cool) als Captain America, der sich mal flugs wieder den Bart abrasiert und somit trotz der gelebten Hoffnungslosigkeit zu Beginn des Films wieder weitaus mehr an den strahlenden Helden von einst erinnert, derweil ihm die von Scarlett Johansson (Ghost in the Shell) verkörperte Natasha natürlich auch jetzt noch treu zur Seite steht. Ebenfalls zu den Überlebenden zählen der von seinem Versagen schwer gebeutelte Thor (Chris Hemsworth, The Huntsman & the Ice Queen) sowie Bruce Banner (Mark Ruffalo, Spotlight). Fehlen anfänglich von der Urbesetzung der Avengers lediglich der richtungslos durchs All treibende Tony Stark (Robert Downey Jr., Kiss Kiss Bang Bang) sowie der unter Hausarrest stehende Barton (Jeremy Renner, Catch Me!), derweil ich natürlich nicht vorwegnehmen möchte, wie die wieder zur Truppe stoßen werden. Ansonsten haben ja schon die ersten Filmschnipsel angeteasert, dass auch Scott Lang (Paul Rudd, Our Idiot Brother) zu den verbliebenen Helden stoßen wird sowie die von Brie Larson (Unicorn Store) verkörperte, jüngst erst in dem nach ihr benannten Solofilm eingeführte Captain Marvel, deren Erscheinen ja aber schon in der After-Credits-Scene von Infinity War angedeutet worden ist.

Der Film:

Szenenbild aus The Avengers 4: Endgame | © Marvel Studios
© Marvel Studios

Mit stattlichen drei Stunden Laufzeit ist Avengers: Endgame nun also der längste Film des MCU bislang geworden und wer meint, man hätte schon im Vorgänger viel unter einen Hut bringen müssen, wird überrascht sein, dass es hier gar so viel mehr noch geworden ist, obwohl das Figuren-Ensemble nun einmal merklich ausgedünnt worden ist. Damit ist dieser zunächst finale Film von insgesamt drei mehrjährigen MCU-Phasen aber zugleich auch der epischste geworden und zollt in vielerlei Hinsicht eben nicht nur den vorangegangenen Avengers-Teilen, sondern gleich auch den zahllosen Solo-Projekten Tribut, die dieses beispiellose Franchise seit 2008 stetig mit Leben gefüllt haben. Dieser Verantwortung sich vollends bewusst, steigen die Russos genau da ein, wo wir unsere verbliebenen Helden verlassen haben, eröffnen aber gleichsam mit einem weiteren emotionalen Punch, der die Abschlussszene des Infinity War gleich wieder in die Gedanken und Herzen zurückkehren lässt. Wer nun aber meint, ein dreistündiges Actionfeuerwerk stünde bevor und würde epische Auseinandersetzung an epische Auseinandersetzung aneinanderreihen, der wird sich erneut überraschen lassen dürfen, denn zunächst einmal gilt es, die Wunden zu lecken, Hoffnung zu schöpfen und vielleicht gar einen Plan zu schmieden, die Geschehnisse rückgängig zu machen.

Dabei nimmt der Film in vielerlei Hinsicht überraschende Wendungen und wartet mit einigem auf, was man so nicht hat kommen sehen dürfte, zumal man sogar hinsichtlich der Trailer-Politik den lobenswerten Ansatz verfolgt hat, mit den hungrig machenden Schnipseln lediglich auf Szenen der ersten rund 25 Minuten zurückzugreifen, so dass alles, was folgt, eine einzige große Überraschung darstellt, auch wenn manche Fan-Theorie und clevere Schlussfolgerung schon einen Teil der Marschrichtung vorgegeben hat. Dabei überrascht und beeindruckt Avengers: Endgame in gleich zweierlei Hinsicht, dass es nämlich der gleichsam emotionalste wie auch tatsächlich witzigste Teil des Franchises bisher geworden ist, wobei sich die eigentlich gegenläufigen Ausrichtungen tatsächlich mitnichten ausbremsen, sondern gekonnt unterstützen. So gibt es allerlei auflockernde dumme Sprüche und Situationskomik, ohne dass die alles überschattende Trauer und Tragik davon in irgendeiner Weise beeinträchtigt oder unterminiert würde – eine Gratwanderung, die selbst manche ausgewiesene Tragikomödie nicht so zielsicher hinbekommen würde.

Szenenbild aus The Avengers 4: Endgame | © Marvel Studios
© Marvel Studios

Diese drei Stunden dauernde Achterbahnfahrt der Emotionen und Überraschungen schafft es dabei tatsächlich , zu keinem Zeitpunkt langweilig oder repetitiv zu werden, während einen des wohlige Gefühl umgibt, einer mehrstündigen Verbeugung vor den Fans beizuwohnen, was auch den immensen Fan-Service erklärt, der hier in jegliche Richtung vom Stapel gelassen wird und manch anderen Film sicherlich dramaturgisch gänzlich in die Knie gezwungen hätte. Nicht aber hier, denn auch wenn die Geschichte natürlich konstruiert wirkt und zuweilen auseinanderdriftet, halten die Verantwortlichen Russos sowie Markus und McFeely die Zügel doch jederzeit deutlich spürbar fest in der Hand und führen letztlich zusammen, was zusammen gehört, nicht ohne freilich auch noch das eine oder andere Fragezeichen zu hinterlassen, das für die Zukunft des Franchise manche Möglichkeit parat hält. Die finale Auseinandersetzung, auf die natürlich alles zusteuert, wurde mancherorts als doch sehr generisch kritisiert und auch wenn ich diese Meinung nachvollziehen kann, kann ich mich ihr doch in diesem Fall nicht anschließen, denn was hier die Leinwand regelrecht zum Bersten bringt, ist nun einmal filmische gelebte Epicness und ganz ehrlich muss ich sagen, dass ich mir nichts anderes und nichts weniger gewünscht oder erwartet hätte, zumal selbst hier und im dichtesten Getümmel noch so ziemlich jede Figur ihre Szene spendiert bekommt. Und an Sternstunden und denkwürdigen Momenten mangelt es in Avengers: Endgame natürlich in keinster Weise, wobei hier tatsächlich die emotionalen Charaktermomente überwiegen und noch nachhaltiger im Gedächtnis bleiben als der nächste coole Move eines der Helden.

Szenenbild aus The Avengers 4: Endgame | © Marvel Studios
© Marvel Studios

Jedem Ende wohnt auch ein neuer Anfang inne, hat lange nirgends mehr so gut gepasst wie hier, denn auch wenn sich der dreistündige Reigen nach – irritierend gut aufgelegtem – Abschiednehmen anfühlt und im besten Sinne nostalgisch stimmt, offenbart das für seine Actionfeuerwerke und mannigfaltigen Gags bekannte Franchise hier neue Facetten und zeigt Möglichkeiten auf, wohin die Reise gehen könnte. Avengers: Endgame erobert sich bei all dem Spaß und der Nostalgie aber auch eine ungewohnte Ernsthaftigkeit und Emotionalität, die es zwar schon immer mal wieder hie und dort gegeben haben mag, die aber nie so ausführlich und betont gewesen ist, wie man es hier erleben darf. Natürlich gilt das alles nur für jene, die dem Zauber des Marvel Cinematic Universe verfallen sind, denn rein objektiv ist das alles natürlich noch immer vorrangig unterhaltsamer Budenzauber, doch den weiß eben niemand besser und ausufernder zu inszenieren als die Marvel-Verantwortlichen. Bleibt am Ende tatsächlich ein Film, der kaum zu spalten wissen wird, denn wen er nicht interessiert, den wird er kaum ins Kino locken – und ist als Standalone-Blockbuster hinsichtlich Ausmaß und Thema denkbar ungeeignet – während man als Fan die wohl denkbar beste Form dessen erlebt, was wie ein Film gewordenes Best-Of-Album wirkt, auf das sich, ungeachtet der Erwartung altbekannter Stücke tatsächlich die eine oder andere B-Seite geschlichen hat, die überrascht und begeistert und ein wenig das Herz erwärmt.

Und wer sich nicht um Spoiler schert oder den Film schon gesehen hat, kann sich nachfolgend noch ein paar Absätze einblenden lassen, bevor es nach meiner zeichnerischen Huldigung zum Film mit dem Fazit weitergeht.

SPOILER – SPOILER – SPOILER – SPOILER – SPOILER – SPOILER

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Es liegt mir fern, an dieser Stelle jedes noch so kleine Detail des Films unter die Lupe zu nehmen oder schlichtweg in den Fanboy-Modus zu verfallen, aber ein paar Gedanken wollte ich dann doch noch festgehalten haben für diejenigen unter euch, die den Film bereits gesehen haben oder sich schlichtweg einen Dreck um Spoiler scheren, auch wenn das bei gerade diesem Film wohl eher wenige sein dürften. Zunächst einmal bin ich selbst froh, den Film gänzlich ohne Vorahnung dessen, was mich erwarten würde, gesehen zu haben, denn tatsächlich entwickelt er gerade dadurch einen enormen Impact, was sein Dramaturgie betrifft, auch wenn ab dem Zeitpunkt "Wir bauen eine Zeitmaschine" – pardon, Zeithüpfer, die Weichen natürlich ein Stück weit gestellt sind. Nichtsdestotrotz empfand ich es als absolut großartig, die bekannten Schauplätze und Figuren noch einmal Revue passieren zu lassen, auch wenn mir vom Kopf her völlig klar war, wie viel Kalkül hinter solch einer Entscheidung gelegen haben mag. Nichtsdestotrotz ist beispielsweise dieser neue Blick auf den Kampf von New York ungemein erfrischend gewesen, ebenso wie die Auseinandersetzung zwischen Captain America und Captain America, während in der Fahrstuhlszene mit Steve die Erwartungshaltung des gesamten Publikums im Kino wie ein lautloses Knistern zu spüren gewesen ist.

Ebenfalls großartig, was man hier mit Thor angestellt hat, zumal eben weder Filmplakate noch Trailer auf das vorbereitet haben, was kommen würde, während ich mich sehr über das Wiedersehen mit Korg (Taika Waititi, 5 Zimmer Küche Sarg) gefreut habe, was im Übrigen aber auch für "The Ancient One" (Tilda Swinton) oder Jarvis (James D’Arcy), weit mehr noch aber natürlich für Howard Stark (John Slattery) und Peggy Carter (Hayley Atwell) gilt. Es ist einfach unfassbar gewesen, wen man alles für den Film hat verpflichten können, um wirklich das gesamte Marvel-Universum wie ein einziges großes Ganzes wirken zu lassen, selbst wenn die Auftritte – wie im Fall von Natalie Portman – nur wenige Sekunden umfassen. Und natürlich hätte man mit der einen anderen Figur noch mehr anstellen können, aber hätte das schlichtweg auch jeden Rahmen gesprengt.

Vor allem aber eröffnete dies natürlich Möglichkeiten für das quasi unvermeidbare Abschiednehmen von liebgewonnenen Figuren und auch wenn ich persönlich überrascht gewesen bin, dass es nun sowohl Stark als auch Rogers getroffen hat, gefiel mir die Art der Inszenierung ausnehmend gut. Im Fall von Stark bracht der letzthin das ultimative Opfer und konnte gar zunächst noch einmal seinen Vater treffen, während mir die Auflösung für Steve Rogers noch einmal besser gefallen hat, zumal wenn man berücksichtigt, dass die Drehbuchautoren, wie oben erwähnt, sowohl für die Skripte sämtlicher Captain America-Filme verantwortlich zeichneten als auch für die Erschaffung der Serie Agent Carter, denn auch hier hatte ich das Gefühl, dass nach Jahre währender Kämpfe hier das ultimative Happy-End für Steve und Peggy geschaffen worden ist. Der Abschied von Natasha traf mich derweil unvorbereitet, doch der Vorwurf, im MCU würde ohnehin nie jemand sterben, ist damit wohl zunächst einmal entkräftet und auch Loki (oder Heimdall) hat man nicht von den Toten zurückkehren lassen. Wie allerdings die Guardians ohne Gamora hätten funktionieren sollen war mir schleierhaft und bin nun mit der Zeitreise-Lösung doch ziemlich glücklich, zumal es die Chemie zwischen ihr und Starlord natürlich noch einmal gehörig durcheinanderwirbelt, ganz zu schweigen davon, dass ich wirklich hoffe, Thor wird sich tatsächlich in Guardians of the Galaxy Vol. 3 noch an Bord des Schiffs befinden, denn gemeinsam mit der Rückkehr von James Gunn als Regisseur könnte das den unbestrittenen Höhepunkt dieser Filmreihe bedeuten.

Ansonsten war es ja nun wirklich keine Überraschung, dass die weggeschnipsten Helden allesamt zurückkehren würden, wobei Vision ja tatsächlich noch immer tot zu sein scheint (ich weiß, der wurde auch nicht weggeschnipst). Da bin ich jetzt einfach gespannt, wie man das für die angekündigt Serie WandaVision lösen wird, auf die ich freilich schon sehr gespannt bin, wie ich ohnehin kaum erwarten kann, zu erleben, was uns in Zukunft noch alles erwarten wird.

SPOILER ENDE – SPOILER ENDE – SPOILER ENDE

Avengers: Endgame | Zeichnung von Wulf Bengsch

Fazit & Wertung:

Mit Avengers: Endgame ist Anthony und Joe Russo der erhoffte fulminante wie epochale Schlussakkord eines bislang seit elf Jahren bestehenden Franchise geglückt, der natürlich und offenkundig eine Art Film gewordenen Fan-Service darstellt, damit aber jederzeit punktgenau ins Schwarze trifft. Vor allem aber erobert sich der Film eine nie gekannte Ernsthaftigkeit und Emotionalität, die irritierend gut mit einer überraschend beschwingt daherkommenden Komik harmonieren, was gemeinsam eine Achterbahnfahrt der Gefühle quasi garantieren dürfte, womit keine einzige der rund 180 Minuten Spielzeit überflüssig oder gar langweilig würde.

10 von 10 Superhelden im Kampf um die Rettung der Menschheit

The Avengers 4: Endgame

  • Superhelden im Kampf um die Rettung der Menschheit - 10/10
    10/10

Fazit & Wertung:

Mit Avengers: Endgame ist Anthony und Joe Russo der erhoffte fulminante wie epochale Schlussakkord eines bislang seit elf Jahren bestehenden Franchise geglückt, der natürlich und offenkundig eine Art Film gewordenen Fan-Service darstellt, damit aber jederzeit punktgenau ins Schwarze trifft. Vor allem aber erobert sich der Film eine nie gekannte Ernsthaftigkeit und Emotionalität, die irritierend gut mit einer überraschend beschwingt daherkommenden Komik harmonieren, was gemeinsam eine Achterbahnfahrt der Gefühle quasi garantieren dürfte, womit keine einzige der rund 180 Minuten Spielzeit überflüssig oder gar langweilig würde.

10.0/10
Leser-Wertung 8.47/10 (15 Stimmen)
Sende

The Avengers 4: Endgame erscheint demnächst auf DVD, Blu-ray, 3D Blu-ray und 4K UHD Blu-ray im Vertrieb von Walt Disney, läuft zunächst einmal aber seit dem 24.04.19 im Kino. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

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