Heute dann mal ein paar Worte zu einer wirklich nicht populären Serie, die sehr schnell sehr vehement verteufelt worden ist, obwohl sie das tatsächlich meines Erachtens nach in dem Ausmaß nicht verdient hat. Warum, werde ich nachfolgend gern erläutern.
The I-Land
The I-Land, USA 2019, ca. 40 Min. je Folge
© Netflix
Anthony Salter
Chad Oakes
Mike Frislev
Neil LaBute
Natalie Martinez (Chase)
Kate Bosworth (K.C.)
Ronald Peet (Cooper)
Kyle Schmid (Moses)
Sibylla Deen (Blair)
Gilles Geary (Mason)
Anthony Lee Medina (Donovan)
Kota Eberhardt (Taylor)
Michelle Veintimilla (Hayden)
Alex Pettyfer (Brody)
Maria Conchita Alonso (Chase’s Mother)
Margaret Colin (Doctor Stevenson)
KeiLyn Durrel Jones (Clyde)
Clara Wong (Bonnie)
Dalia Davi (Doctor Wyss)
Victor Slezak (Doctor Dafoe)
Caroline Hewitt (Nurse Golding)
Bruce McGill (Warden Wells)
Abenteuer | Drama | Mystery | Science-Fiction
Trailer:
Inhalt:
© Netflix
Zehn Personen stranden auf einer einsamen Insel und niemand von ihnen erinnert sich, wer er ist, woher er kommt und was passiert sein mag. Erst die in – allesamt weißen – Hemden eingenähten Schildchen geben Aufschluss darüber, wie möglicherweise ihre Namen lauten und während ein Großteil der Gruppe mit der Situation noch reichlich überfragt und überfordert ist, nehmen die frisch auf die Namen Chase und Brody getauften Gestrandeten die Sache in die Hand, sich auf die Suche nach Trinkwasser zu begeben. Während sich K.C. zunächst in Schweigen hüllt und insbesondere gegenüber Chase so ihre Vorbehalte hat nach ihrem ersten Aufeinandertreffen am Strand, machen weitere Mitglieder der Gruppe alsbald die verwirrende Entdeckung, dass sie allesamt exakt 39 Schritt voneinander entfernt an den Strand gespült worden sind. Doch auch sonst hält die mysteriöse – und augenscheinlich unbewohnte – Insel nicht nur einiges an Rätseln und Mysterien, sondern vor allem auch Gefahren parat, wie einer der Gestrandeten bald am eigenen Leib erfährt, als er sich unbedarft ins Meer wagt…
Rezension:
Allein aufgrund des Insel-Settings und dem damit einhergehenden Mystery-Aspekt – niemand kann sich erinnern, wer er ist, was passiert ist oder woher er kommt – wurde The I-Land bereits im Vorfeld als schlechter Lost-Abklatsch abgekanzelt, während die bereits wenige Stunden nach Erstveröffentlichung am 12. September in der IMDb auftauchenden Rezensionen eine deutliche Sprache gesprochen haben, wobei man hier durchaus von immens vielen Fake-Bewertungen ausgehen darf, die sich gar nicht erst die Mühe gemacht haben, der Serie eine Chance zu geben, denn binnen einer Stunde einen Verriss zu einer sieben Episoden umfassenden Miniserie zu verbalisieren, zeugt nicht eben davon, sich mit der Show auseinandergesetzt zu haben. So hatte die Netflix-Serie vom ersten Moment an einen schweren Stand und ist auch mitnichten frei von Mängeln, wobei es mich persönlich wohl am meisten gestört hat, dass auch noch im Trailer Dinge vorweggenommen werden, mit denen man eigentlich erst in Dies leere Schaugepräng’ (1.03) konfrontiert wird, weshalb ich mehr als froh bin, mir diesen nicht im Vorfeld zu Gemüte geführt zu haben und so völlig unvorbelastet und erwartungsfrei an die Sache herangehen zu können.
© Netflix
Dabei ist The I-Land mitnichten frei von Mängeln und insbesondere die ersten beiden Episoden Schöne neue Welt (1.01) und Die prächtigen Paläste (1.02) hätte man wohl auch mühelos straffen und zu einer einzigen Folge komprimieren können. Hier nämlich wird man zugegebenermaßen mit so einigen Klischees, irrationalen Handlungen und vor allem reichlich mäßigem Schauspiel konfrontiert, was in heutigen Zeiten durchaus ein Grund sein kann, eine Sichtung wieder zu beenden, doch lohnt sich das Durchhalten hier durchaus, zumal man ab der dritten Folge gewahr wird, dass es sich im Grunde auch um eine überlange Black Mirror-Episode handeln könnte und auch wenn die Twists – oder speziell diese erste große Wendung – nicht über die Maßen überraschend daherkommen, geben sie der Serie doch spürbar neuen Drive und eine interessante neue Ausrichtung, die das Geschehen der sich noch anschließenden vier Episoden dominiert. Zwar mag es auch, was die Insel angeht, kleinere, ärgerliche wie vermeidbare Ungereimtheiten geben, doch verdichtet sich zumindest dramaturgisch betrachtet das Geschehen durch den Paradigmenwechsel ab der Folge Herrliche Geschöpfe (1.04) zusehends und wartet auch mit noch einigen weiteren Überraschungen und Offenbarungen auf, die man dann vielleicht auch nicht unbedingt hat kommen sehen.
Im Mittelpunkt steht dabei tatsächlich zuvorderst die von Natalie Martinez verkörperte Chase und nicht – wie ich ursprünglich annahm – die von Kate Bosworth (Straw Dogs) dargestellte K.C., bei der ich mich anfänglich auch wundern musste, was mit ihrem Schauspieltalent passiert sein mag, denn gerade zu Beginn wirkt insbesondere ihre Darstellung mehr als hölzern, erklärt sich aber ebenfalls im weiteren Verlauf zumindest in Teilen, so dass man wohlwollend mutmaßen könnte, dass dies Teil des Konzepts gewesen sei. Natalie Martinez – beispielsweise bekannt aus Self/less – macht einen durchaus überzeugenden Job, The I-Land ein Stück weit im Alleingang zu schultern, während man sich zumindest bemüht, im weiteren Verlauf auch den neun Mit-Gestrandeten ein wenig Profil angedeihen zu lassen. Die wirken in den ersten beiden Folgen überwiegend ebenfalls nur wie bloße Abziehbilder oder Karikaturen, doch sobald man einmal hinter die Fassade der Insel geschaut hat, erklärt sich auch, weshalb man sich mit weitergehenden Informationen schon aus inszenatorischer Sicht hat zurückhalten müssen. Einzige Ausnahme hierbei stellt der von Alex Pettyfer (Ich bin Nummer Vier) verkörperte Brody dar, der zusammen mit Chase das geschehen zunächst spürbar dominiert und sich schnell als eine Art Störfaktor in der ohnehin fragilen, weil misstrauischen und desorientierten, Insel-Gesellschaft entpuppt.
© Netflix
Wie gesagt, in Sachen Logik und Konsistenz sollte man The I-Land nicht unbedingt auf die Goldwaage legen und auch die Tatsache, dass die sieben Episoden von vornherein als Miniserie konzipiert gewesen sind, bringt mit sich, dass mancher Handlungsstrang zugunsten der übergeordneten Hauptgeschichte im weiteren Verlauf fallengelassen wird oder schlichtweg versandet, doch stören mich derlei Kleinigkeiten weit weniger, als dass eine neue Serie von vornherein und grundlos verteufelt wird, denn auch wenn es sich mitnichten um einen Meilenstein des Genres handeln mag, offeriert die Serie nach zwei mäßig überzeugenden Einstands-Episoden auch einiges an Qualitäten, Spannungs- und Überraschungsmomenten, die man zwar noch feiner hätte herausarbeiten und in den Vordergrund stellen können, die aber auch in der dargebrachten Form zu überzeugen wissen. Wer sich also von dem Gedanken frei machen kann, The I-Land würde mit Lost um den Thron der Insel-Mystery-Serien konkurrieren, könnte sich möglicherweise positiv überrascht sehen, insbesondere, wenn man einen großen Bogen um Trailer und sonstige Vorschauen macht, die natürlich durch ihre Vorwegnahme von Informationen und Zusammenhängen einiges an Faszination rauben. Bestmöglich hält man es also so wie unsere zehn Gestrandeten auf der Insel und begibt sich ohne Erinnerung oder Kontext auf eine durchaus faszinierende Reise, die eben nur dummerweise ihre Zeit braucht, um wirklich in Fahrt zu kommen, was bei den wenigen Episoden zugegebenermaßen reichlich suboptimal ist.
The I-Land
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Mysterien auf einer abgelegenen Insel - 6.5/10
6.5/10
Fazit & Wertung:
Die Netflix-Miniserie The I-Land mag weder so clever und überraschend daherkommen, wie sie wohl gerne wäre, noch ist sie so schlecht, wie mancherorts behauptet. So kann man durchaus einen Trip auf diese mysteriöse Insel wagen, wenn man denn bereit ist, sich durch zwei tatsächlich mäßig überzeugende Episoden zu kämpfen, bevor erste Offenbarungen und Wendungen die Dinge dann merklich ins Rollen bringen und im Subtext gar mit ein paar interessanten Fragestellungen aufwarten.
Episodenübersicht:
02. Die prächtigen Paläste (5,5/10)
03. Dies leere Schaugepräng’ (7,5/10)
04. Herrliche Geschöpfe (6,5/10)
06. Selbst der große Erdball (7/10)
07. Im dunklen Hintergrund (7/10)
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The I-Land ist seit dem 12.09.19 exklusiv bei Netflix verfügbar.
Mittelmäßige Serie mit mäßigem Start. Hmm. Tendiere zum Nichtgucken.
Du bist in der Tat der erste, bei dem ich ein paar positive Worte über die Serie lese. Auf Youtube sprang mir kurz nach der Veröffentlichungen nur ein Video entgege, mit dem Titel, dass es die schlechteste Netflix-Serie sei. Hat mich dann doch alles sehr verunsichert. Auf die Watchlist ist die Serie zwar gewandert, aber ich werde definitiv erstmal anderen Produktionen den Vorzug geben, wie “Unbelievable” (da habe ich so unfassbar viel Gutes gehört), “The Politician” (ich mag die Serien von Ryan Murphy in der Regel) oder “The Society” (das fanden nämlich Freunde von mir klasse). Und ich glaube mit den drei Serien bin ich dann auch erstmal noch gut bedient für dieses Jahr, auch mit Blick darauf das im November dann ja auch endlich “The Crown” weitergeht und im Dezember “The Witcher” startet.