Review: Hellboy – Call of Darkness (Film)

Ich hätte ja nie gedacht, dass ich einen thematisch derartigen Film wie heute einmal so schlecht bewerten würde, aber dann wurde ich von diesem Machwerk eines Besseren belehrt.

Hellboy
Call of Darkness

Hellboy, USA/UK/BG/CA 2019, 120 Min.

Hellboy - Call of Darkness | © Universum Film
© Universum Film

Regisseur:
Neil Marshall
Autoren:
Andrew Cosby (Drehbuch)
Mike Mignola (Comic-Vorlage)

Main-Cast:
David Harbour (Hellboy)
Milla Jovovich (Nimue / The Blood Queen)
Ian McShane (Professor Broom)
in weiteren Rollen:
Sasha Lane (Alice Monaghan)
Daniel Dae Kim (Major Ben Daimio)
Thomas Haden Church (Lobster Johnson)

Genre:
Action | Abenteuer | Fantasy | Horror

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Hellboy - Call of Darkness | © Universum Film
© Universum Film

Hellboy, ein rothäutiger, gehörnter Halbdämon, setzt sich im Auftrag von seinem Ziehvater Professor Broom für das Gute ein und bekämpft übernatürliche Bedrohungen. Sein jüngster Auftrag führt ihn nach Tijuana, um den verschollenen Esteban Ruiz zu finden, der ursprünglich Jagd auf Vampire machen sollte. Unterdessen beginnt eine Kreatur namens Gruagach, die Körperteile der Blutkönigin Nimue zusammenzutragen, die ihm die Macht verleihen soll, gegen Hellboy zu bestehen, mit dem er seit Jahren ein Hühnchen zu rupfen hat. Hellboy indes, wieder daheim angekommen, ahnt davon noch nichts und wird nunmehr nach England entsendet, wo der Osiris Club Hilfe gegen drei Riesen erbittet. Dort angekommen, erfährt Hellboy auch mehr über seine Herkunft und die Rolle, die Broom in seinem Leben gespielt hat, was ihn sein bisheriges Leben in Zweifel ziehen lässt. Doch zum Nachdenken bleibt kaum Zeit, zumal Nimues Macht aufgrund der Anstrengungen von Gruagach zunehmend wächst…

Rezension:

Nicht viel Gutes habe ich im Vorfeld zu Hellboy – Call of Darkness verlauten hören und war ohnehin skeptisch ob der umtriebigen Vorgeschichte und der Tatsache, dass man diesem Reboot gegenüber einem Sequel zu den 2004 und 2008 entstandenen Hellboy-Filmen von Guillermo del Toro den Vorzug gegeben hat. In Anbetracht teils vernichtender Kritiken war ich entsprechend auch nicht bereit, Geld in eine nur sprichwörtlich blaue Scheibe zu investieren und habe mich entsprechend gefreut, den diesmal von Neil Marshall (Centurion) inszenierten Film schließlich im Prime-Angebot von Amazon zu entdecken, denn neugierig war ich natürlich schon irgendwie, was man in dieser Neuauflage – die sich zudem deutlich mehr an Mike Mignolas Comic-Vorlage orientieren sollte – nun darbieten würde. Gleich vorweg sei gesagt, dass ich mehr als heilfroh bin, wirklich keinen müden Cent hierfür in die Hand genommen zu haben, denn auch wenn hier theoretisch eine ganze Schar von mir präferierter und geschätzter Genres abgedeckt wird, zündet meines Erachtens keiner der Ansätze auch nur annähernd, ganz zu schweigen davon, dass der Film nicht nur inhaltlich reichlich überfrachtet und planlos wirkt.

Szenenbild aus Hellboy - Call of Darkness | © Universum Film
© Universum Film

Normalerweise freue ich mich ja bei dieser Art Filme, wenn diese mit einer Laufzeit von zwei Stunden (und mehr) daherkommen, weil das natürlich auch einiges an Worldbuilding und eine umfangreiche Story verspricht, die mehr beinhaltet als die Reise von A zu B nach C, doch zeigt Hellboy – Call of Darkness eben hier, wie man es gerade nicht machen sollte, denn während die eigentliche Story um Blutkönigin Nimue ausgemacht simpel und überschaubar gehalten ist, bläht sich die Erzählung durch zahllose Einschübe nur künstlich auf, derweil selbige ein ums andere Mal aus dem Geschehen reißen. So erörtert der von Daniel Dae Kim (Angel) verkörperte Major Ben Daimio während eines Helikopter-Fluges die Herkunft seiner Narben, darf Hellboy sich die Geschichte erzählen lassen, wie er auf die Erde gelangt ist, während Merlin ein wenig aus der Zeit von König Artus berichten darf, wobei diese Aufzählung alles andere als abschließend sein soll. Überhaupt wirkt das Geschehen ungemein gehetzt und planlos, während der auf tough und gleichermaßen patzig getrimmte Hellboy gefühlt den halben Erdball bereist, angereichert noch durch Visionen und kurze Ausflüge in eine Art Zwischenwelt. Wüsste ich es nicht besser und wäre darüber im Bilde, dass Drehbuchautor Andrew Cosby sich an einer Adaption der Hellboy-Bände Ruf der Finsternis, Die wilde Jagd und Der Sturm versucht hat, wäre ich wohl von einem guten Dutzend Vorlage-Bände ausgegangen, was nicht gerade für die Stringenz dieses Sammelsuriums aus Ideen und Versatzstücken spricht.

Wäre Hellboy – Call of Darkness nun wenigstens düster, grimmig, ernst und erwachsen, könnte das wahrscheinlich schon vieles retten und die Verantwortlichen haben sich schließlich genau mit diesen Attributen gebrüstet, wobei ich gerade in Anbetracht von wirklich unsäglichen Running Gags und mehr als abgeschmackten One-Linern davon nicht viel gemerkt habe. Oft genug wirkt Marshalls Films aber auch unfreiwillig komisch, wobei man zumindest eingestehen muss, dass er wahrhaft düster gerate ist, was sich aber mehr auf Bildkomposition und Ausleuchtung bezieht. Das hilft immerhin, dass einem nicht in jeder Szene die oft stümperhafte CGI-Arbeit ins Auge fällt, die atmosphärisch oft genug ebenfalls einiges kaputt zu machen weiß, was noch an Flair und Immersion vorhanden gewesen sein mag. Dabei macht David Harbour (Ruhet in Frieden) als "neuer", jüngerer Hellboy gar nicht mal so eine schlechte Figur, kommt aber freilich gegen das unsägliche, konfus-gehetzte Skript kaum an. So verheizen Marshall und Konsorten tatsächlich auch einen gestandenen Mimen wie Ian Mcshane (American Gods), der zwar gewohnt charismatisch daherkommt, als Verkörperung von Ziehvater Professor Broom ansonsten aber reichlich blass bleibt.

Szenenbild aus Hellboy - Call of Darkness | © Universum Film
© Universum Film

Weit störender aber fällt eigentlich noch Milla Jovovich (Future World) ins Gewicht, die als Nimue eine allzu vorhersehbare, aus purer Bosheit gespeiste Antagonistin abgibt, deren Beweggründe sich mir bis zuletzt kaum erschlossen haben, zumal sie einerseits die Hölle auf Erden entfesseln will, gleichsam aber nicht in selbige hinabgestoßen werden möchte. Nein, hier passt so ziemlich gar nichts wirklich zusammen und der Epilog, die Mid- und Post-Credits-Scene, die gefühlt gleich mehrere Sequels anteasern sollen (die man sich bitte besser sparen möge), machen es da auch nicht besser. Entsprechend hätte man meines Erachtens das Franchise begraben lassen können, wenn man sich schon nicht dazu hat durchringen können, einen dritten Hellboy mit Ron Perlman zu drehen, denn gerade wenn es wirklich stimmen sollte, dass diese Adaption weit näher an der Vorlage sein soll, macht mir das nicht wirklich Lust, dort dereinst einen Blick zu riskieren, auch wenn ich mir nicht wirklich vorstellen kann, dass Mignolas Schöpfung ein solcher Erfolg beschieden gewesen wäre, wenn es sich schon immer um so einen krude zusammengebastelten Nonsens gehandelt hätte. Zuletzt muss ich aber noch ein paar Worte zu der deutlich gesteigerten Brutalität verlieren, denn auch wenn ich grundsätzlich Freund davon bin, dass entsprechende Vorlagen auch entsprechend umgesetzt werden, entbehrt hier der Gore-Faktor jeglicher Daseinsberechtigung und vermag weder durch Mark und Bein zu gehen – wie beispielsweise bei Logan –, noch zu unterhalten – wie beispielsweise bei Deadpool –, sondern ist, ja, halt einfach da.

Fazit & Wertung:

Mit Hellboy – Call of Darkness präsentiert Regisseur Neil Marshall eine vom ersten Moment an völlig überladene, zunehmend gehetzt und konfus wirkende Adaption gleich dreier Werke von Hellboy-Schöpfer Mike Mignola, die sich zu keiner Zeit zu einem stimmigen Ganzen fügen und nicht einmal tricktechnisch – geschweige denn dramaturgisch – zu überzeugen wissen. Ein ermüdendes, ärgerliches Sammelsurium aus Versatzstücken und Ideen, das selbst bei enorm zurückgefahrener Erwartungshaltung kaum zu unterhalten weiß.

2,5 von 10 handfesten Auseinandersetzungen

Hellboy – Call of Darkness

  • Handfeste Auseinandersetzungen - 2.5/10
    2.5/10

Fazit & Wertung:

Mit Hellboy – Call of Darkness präsentiert Regisseur Neil Marshall eine vom ersten Moment an völlig überladene, zunehmend gehetzt und konfus wirkende Adaption gleich dreier Werke von Hellboy-Schöpfer Mike Mignola, die sich zu keiner Zeit zu einem stimmigen Ganzen fügen und nicht einmal tricktechnisch – geschweige denn dramaturgisch – zu überzeugen wissen. Ein ermüdendes, ärgerliches Sammelsurium aus Versatzstücken und Ideen, das selbst bei enorm zurückgefahrener Erwartungshaltung kaum zu unterhalten weiß.

2.5/10
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Hellboy – Call of Darkness ist am 23.08.19 auf DVD, Blu-ray und 4K UHD Blu-ray bei Universum Film erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

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vgw

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