Review: Loki | Staffel 1 (Serie)

Das Marvel Cinematic Universe

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Es gibt wohl kaum einen schöneren Anlass, sich aus der Blogpause zurückzumelden, als über die frisch vollständig gewordene Serie um den Gott des Schabernacks zu berichten.

Loki
Staffel 1

Loki, USA 2021-, ca. 46 Min. je Folge

Loki | © Disney+
© Disney+

Serienschöpfer:
Michael Waldron
Regisseurin:
Kate Herron

Main-Cast:
Tom Hiddleston (Loki)
Sophia Di Martino (Sylvie)
Gugu Mbatha-Raw (Ravonna Renslayer)
Wunmi Mosaku (Hunter B-15)
Tara Strong (Miss Minutes [Stimme])
Owen Wilson (Mobius)
in weiteren Rollen:
Sasha Lane (Hunter C-20)
Eugene Cordero (Casey)
Neil Ellice (Hunter D-90)
Special Guests:
Richard E. Grant (Classic Loki)
Jonathan Majors (He Who Remains)

Genre:
Action | Abenteuer | Fantasy | Science-Fiction

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Loki | © Disney+
© Disney+

Während die Avengers in dem Bestreben, Thanos aufzuhalten, eine Zeitreise ins Jahr 2012 unternehmen, fällt dem dort jüngst dingfest gemachten Loki der Tesserakt in die Hände und mit dessen Hilfe gelingt ihm die Flucht. In der Wüste Gobi allerdings bleibt sein Aufenthalt nicht lange unbemerkt und prompt erscheinen Hunter B-15 und ihre Minutemen, die sich als Vertreter der TVA zu erkennen geben, der "Time Variance Authority". Die nehmen den flüchtigen Gott für seine Verbrechen gegen den "Wahren Zeitstrahl" in Gewahrsam und verbringen ihn ins Hauptquartier der TVA, die außerhalb von Zeit und Raum existiert. Loki, vom Regen in die Traufe geraten, muss sich nun vor Gericht verantworten und Richterin Ravonna Renslayer ist drauf und dran, ihn für schuldig zu befinden und ihn "zurücksetzen" zu lassen (was ein freundliches Wort für die totale Auslöschung der Existenz ist), als sich Analyst Mobius zu Wort meldet, der in Lokis Anwesenheit eine einzigartige Chance erkennt, eine sogenannte Variante dingfest zu machen, die schon länger den wahren Zeitstrahl in Unruhe versetzt und immer neue Anomalien produziert. Loki selbst ist mitnichten davon angetan, nun als Lakai zu dienen und kann noch weniger akzeptieren, nur eine Variante des "echten" Loki zu sein, zumal dessen weiteres – ursprünglich geplantes – Schicksal ihn mehr als schockiert. Der Überlebenskünstler Loki allerdings ist schon aus manch brenzliger Lage entflohen und schmiedet bereits Pläne, auch der TVA den Rücken kehren zu können, als ihn Details zu Mobius‘ Ermittlungen ein weiteres Mal aus dem Tritt bringen…

Rezension:

Gespannt und neugierig war ich bislang noch auf jede der angekündigten Disney-Marvel-Serien, doch so spektakulär und großartig auch WandaVision und The Falcon and the Winter Soldier geraten sein mögen, galt mein größtes Interesse doch von Beginn an der schlicht als Loki betitelten Show, zumal die einen noch interessanteren, einzigartigeren Ansatz verfolgte als die vorangegangenen Mini-Serien, handelt es sich schließlich hier nicht einmal mehr um den "originalen" Loki, wie man ihn zuletzt zu Beginn von Infinity War erleben konnte, sondern eben um eine Variante, die dank Endgame aus dem New York des Jahres 2012 entkam, um sich nun mit der TVA herumschlagen zu dürfen, die im Marvel-Kosmos über Zeit und Raum wacht, dabei im übrigen bewusst an ein Bürokratie-Monstrum der amerikanischen 40er- und 50er-Jahre erinnert, was dem Ganzen schon einen sehr skurrilen Retro-Charme verleiht. Zwischenzeitlich wurde ja durchaus mal gemunkelt, Loki könne eine Art verquere Doctor Who-Adaption sein, die den Gott des Schabernacks durch Raum und Zeit reisen ließe, um ihn an denkwürdigen geschichtshistorischen Orten Unruhe stiften zu lassen und obwohl mir das sicherlich gefallen hätte, bin ich froh, dass man sich dann doch für einen anspruchsvolleren, lohnenderen und ja, auch stringenteren Ansatz entschieden hat, denn die Staffel ist mit ihren sechs Episoden zwar ausnehmend kurz, aber auch ungemein großartig geraten.

Szenenbild aus Loki | © Disney+
© Disney+

Trotz seiner in den Filmen doch immer eher kleinen Rollen als Loki hat sich Tom Hiddleston (Kong: Skull Island) schon früh als echter Fan-Liebling etabliert (zumindest bei mir war das so) und vor allem war er die angenehme Ausnahme in der Regel, dass alle Marvel-Bösewichter eher eindimensional und austauschbar sein würden, denn ambivalenter und ja, auch tragischer, konnte, ein Antagonist wohl kaum sein. So war es wohl weniger ein Wagnis, nun eine Serie um einen "Schurken" zu zimmern, letzten Endes aber dennoch ein großer Wurf, denn man mag im Vorfeld kaum glauben, welchen Impact die Staffel für den weiteren Verlauf der gerade anlaufenden vierten Phase haben wird. Ich werde davon mitnichten etwas spoilern, doch im Grunde wusste beinahe jede weitere Folge Loki die vorherige noch zu übertrumpfen, was mit Für alle Zeit. Immer. (1.06) quasi unweigerlich in ein Finale mündet, das man sich zwar vermutlich anders vorgestellt hätte, dass aber gleichsam die Türen aufstößt für das was da noch kommen mag (und gleichsam eine zweite Staffel bestätigt, die hier auch zwingend vonnöten ist).

Bereits mit der ersten Episode Glorreiches Ansinnen (1.01) geht man erzählerisch in die Vollen und deutet nicht nur augenzwinkernd an, wie ein Zeitreise-Procedural um Loki hätte aussehen können, sondern etabliert gleich die TVA als Haupthandlungsort und Paralleluniversum in einem, dessen Geheimnisse sicherlich über die Staffel hinweg beschäftigen dürften. Für den erzählerischen Drill sorgt derweil ein bestens aufgelegter Owen Wilson (Broadway Therapy), der hier als charmant-flapsiger Agent Mobius daherkommt und in den besten Momenten der Staffel gemeinsam mit Hiddleston für reichlich Buddy-Movie-Charme und -Humor sorgen darf. Überhaupt lebt Loki regelrecht von dem Spannungsverhältnis zwischen den Figuren, was dann auch für Mobius und dessen Vorgesetzte Ravonna Renslayer gilt, die nicht minder grandios von Gugu Mbatha-Raw (Free State of Jones) verkörpert wird und im weiteren Verlauf noch mehrfach überraschen darf. Einzig Sophia Di Martino (Into the Badlands) dürfte damit kaum getoppt werden, denn deren Sylvie ist wohl die stärkste, schillerndste, spannendste Figur der Serie, wenn man (vielleicht) von dem namensgebenden Protagonisten absieht. Entsprechend dürfte es kaum verwundern, dass die Szenen mit Loki und Sylvie hier zu den stärksten überhaupt zählen.

Szenenbild aus Loki | © Disney+
© Disney+

Abgerundet wird das Ganze – zur Handlung kann man ja wirklich kaum etwas verraten, ohne den exzessiven Spaß an der Serie zu trüben – mit schier aberhunderten Easter-Eggs und Andeutungen, Querverweisen und Huldigungen, großartigen Gastauftritten und Cameos, Ausschnitten aus früheren Marvel-Filmen, unerwarteten Wendungen und Offenbarungen und natürlich einer der wohl kürzesten, aber auch großartigsten Mid-Credit-Scenes, die es in der langen Geschichte von Marvel-Filmen (und nun auch Serien) wohl je gegeben hat. Überhaupt muss man auch hier wieder festhalten, dass die Serien gegenüber den Filmen im Grunde zunehmend im Vorteil sind, denn auch hier wird wieder das Beste aus beiden Welten kombiniert und man hat einerseits inszenatorischen und erzählerischen Bombast, geniale Effekte und epische Auseinandersetzungen, andererseits aber eben auch den Raum, Figuren, Story und Beziehungen zu entwickeln und zu vertiefen, anstatt lediglich auf One-Liner und bedeutungsschwangere Blicke bauen zu müssen (die es freilich auch hier gibt). Zuletzt stellt sich insbesondere Loki aber auch als bestmögliche Verquickung der beiden vorangegangenen Shows dar und vereint die konzeptionelle Freigeistigkeit von WandaVasion mit der erzählerischen Geradlinigkeit und Bedeutungsschwere von The Falcon and the Winter Soldier, wobei das Ganze hier noch mit reichlich Loki-Charme und existenzialistischer Science-Fiction im Stile einer exzentrischen Philip-K.-Dick-Interpretation garniert wird.

Fazit & Wertung:

Mit der von Michael Waldron kreierten und von Kate Herron inszenierten Serie Loki übertreffen sich die Verantwortlichen der Marvel-Serienschmiede ein weiteres Mal selbst und fackeln in gerade einmal sechs Episoden ein erzählerisches und inszenatorisches Feuerwerk ab, wie man es selten zu sehen bekommt. Das ist nicht nur ungemein spannend, charmant, abwechslungsreich, packend und witzig, sondern stößt auch innerhalb des stetig wachsenden Marvel-Kosmos Tür und Tor auf für neue Entwicklungen, die es mit Spannung zu erwarten gilt.

9 von 10 Zeitsprünge

Loki | Staffel 1

  • Zeitsprünge - 9/10
    9/10

Fazit & Wertung:

Mit der von Michael Waldron kreierten und von Kate Herron inszenierten Serie Loki übertreffen sich die Verantwortlichen der Marvel-Serienschmiede ein weiteres Mal selbst und fackeln in gerade einmal sechs Episoden ein erzählerisches und inszenatorisches Feuerwerk ab, wie man es selten zu sehen bekommt. Das ist nicht nur ungemein spannend, charmant, abwechslungsreich, packend und witzig, sondern stößt auch innerhalb des stetig wachsenden Marvel-Kosmos Tür und Tor auf für neue Entwicklungen, die es mit Spannung zu erwarten gilt.

9.0/10
Leser-Wertung 7.5/10 (2 Stimmen)
Sende

Episodenübersicht: Staffel 1

1. Glorreiches Ansinnen (8,5/10)
2. Die Variante (9/10)
3. Lamentis (8,5/10)
4. Der Nexus-Vorfall (9,5/10)
5. Reise ins Unbekannte (9/10)
6. Für alle Zeit. Immer. (9,5/10)

 
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Loki ist (komplett) seit dem 14.07.21 exklusiv bei Disney+ verfügbar.

vgw

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Eine Reaktion

  1. Stefan 19. Juli 2021

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