Review: Der Dunkle Turm (Film)

Schon wieder ist es so spät geworden, aber zum Glück ist ja alles fertig gewesen bis auf diese einleitenden Worte, weshalb ich mal eben auf die Schnelle noch die heutige Rezension raushauen kann, bevor ich mich wieder zum Lesen auf den Balkon begebe.

Der Dunkle Turm

The Dark Tower, USA 2017, 95 Min.

Der Dunkle Turm | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Regisseur:
Nikolaj Arcel
Autoren:
Akiva Goldsman (Drehbuch)
Jeff Pinkner (Drehbuch)
Anders Thomas Jensen (Drehbuch)
Nikolaj Arcel (Drehbuch)
Stephen King (Buch-Vorlage)

Main-Cast:
Idris Elba (Roland)
Matthew McConaughey (Walter)
in weiteren Rollen:
Tom Taylor (Jake)
Claudia Kim (Arra)
Fran Kranz (Pimli)
Abbey Lee (Tirana)
Jackie Earle Haley (Sayre)

Genre:
Action | Abenteuer | Fantasy | Horror | Science-Fiction | Western

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Der Dunkle Turm | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Nacht um Nacht wird der zwölfjährige Jake Chambers von Alpträumen geplagt, die von einem schwarz gewandeten Mann und einem dunklen Turm handelt, der von ihm ein ums andere Mal attackiert wird. In Jakes Träumen stellt sich dem einzig der Revolvermann Roland entgegen und während der Junge all dies in seinen Zeichnungen festhält, glauben die Erwachsenen ihm freilich kein Wort, als er behauptet, seine Träume würden real sein. Als seine Mutter so weit geht, ihn zunächst über das Wochenende einweisen zu lassen, erkennt Jake in den Mitarbeitern der Einrichtung die Schergen des schwarzen Mannes und tritt die Flucht an. Seine vorangegangenen Recherchen bezüglich seiner visionären Zeichnungen führen ihn dabei zu einem verlassenen Haus, in dem er ein lang vergessenes Portal entdeckt, das ihn in eine fremde und verödete Welt bringt, wo er dem leibhaftigen Roland begegnet, wie er ihm bereits im Traum erschienen ist. Und der erklärt ihm, dass der Dunkle Turm im Zentrum aller Dinge steht und der Mann in Schwarz ihn zu vernichten trachtet, um so das Böse und das Chaos in allen Welten einfallen zu lassen. Doch Roland ist auch längst nicht mehr der aufrichtige und rechtschaffene Revolvermann, sondern sinnt vornehmlich auf Rache an dem Mann in Schwarz, wobei ich dies freilich immerhin die Zerstörung des Turmes verhindern würde. Das böse jedoch ist ebenfalls nicht untätig und Jake hat längst deren Aufmerksamkeit erregt…

Rezension:

Manchmal weiß man ja schon vorher, auf welchen Murks man sich höchstwahrscheinlich einlässt und so verhielt es sich für mich auch bei Der Dunkle Turm, wobei ich noch den Vorteil für mich gesehen habe, die achtbändige Buchvorlage nicht zu kennen und mich entsprechend nicht über fehlende oder aus meiner Sicht falsch interpretierte Figuren ärgern zu müssen, so dass ich doch relativ vorbehaltlos an die Sache herangehen konnte. Nun haben Stephen-King-Verfilmungen ja ohnehin schon nicht den besten Ruf – Ausnahmen bestätigen freilich die Regel – und insofern empfand ich es schon als spannend, überhaupt herauszubekommen, was es nun mit diesem neuesten Werk auf sich hat. Eine Umsetzung der Vorlage in einem kaum 90 Minuten umfassenden Reigen schien freilich ausgeschlossen und irgendwo hatte ich aufgeschnappt, dass es sich um eine Art filmisches Sequel handeln würde, wobei Kenner der Vorlage auch zu Protokoll gegeben haben, es handele sich um eine muntere Aneinanderreihung von Versatzstücken aus gleich mehreren Büchern. Nun gut, in Unkenntnis kann ich dazu keine Stellung nehmen und fortan nur mit der Perspektive des unbedarften Laien dienen, der sich erstmalig in diese King’schen Welten begibt, die gleich zahlreiche seiner Werke in einem gemeinsamen Universum zusammenbringen.

Szenenbild aus Der Dunkle Turm | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Im vorliegenden Film merkt man davon freilich reichlich wenig, auch wenn die Kräfte begabter Kinder und insbesondere die von Jake hier als "Shining" bezeichnet werden, wozu ich wohl nicht weiter ausholen muss, derweil unser jugendlicher Protagonist und der Revolvermann Roland auch einen verfallenen Freizeitpark passieren, bei dem einem der Schriftzug "Pennywise" entgegenlacht. Bei einem Film wie Der Dunkle Turm geht es aber natürlich nicht um die Referenzfülle sondern zunächst einmal um die Geschichte, die er zu erzählen trachtet. Die ist erwartungsgemäß in Ansätzen interessant, aber kaum großartig ausgearbeitet, so dass man zu Beginn einmal den namensgebenden Turm zu Gesicht bekommt und erfährt, wo er sich befindet und wie der Mann in Schwarz ihn zu zerstören gedenkt, bevor es zunächst einmal schnurstracks gen Erde geht und wir uns mit dem Archetyp des unverstandenen Jugendlichen konfrontiert sehen, der in diesem Fall eben Jake heißt und von Tom Taylor verkörpert wird. So weit, so generisch, schafft es der von Nikolaj Arcel inszenierte Film zwar, Interesse für das Konzept und die Prämisse der Erzählung zu wecken, bewegt sich ansonsten aber gänzlich auf ausgetretenen Pfaden und scheint nicht einmal Interesse daran zu haben, den Figuren so etwas wie Tiefe oder Profil angedeihen zu lassen.

So müht sich der redlich namhafte Cast auch verzweifelt, gegen das schwache Skript auch nur in irgendeiner Weise anzukommen (und zugegebenermaßen waren die beiden Hauptdarsteller auch maßgeblicher Grund dafür, dass ich letzten Endes der Geschichte dann doch eine Chance geben wollte), doch während Idris Elba (Molly’s Game) einzig grimmig und wahlweise stoisch blicken darf – und ab und an seine Revolver zückt, die er faszinierenderweise trotz ihrer Bauform mit einer Hand zu bedienen versteht, hat Matthew McConaughey (Interstellar) als Mann in Schwarz zwar noch den dankbareren Part und darf zuweilen herrlich fies und grausam sein, wirkt dank der moderaten Altersfreigabe aber eben auch weitestgehend harmlos und beliebig. Ich mag mir gar nicht ausmalen, was für ein Schlag in die Magengrube das für Fans der Bücher gewesen sein muss, die dort sicherlich weit interessanter und besser ausgearbeiteten Charaktere hier als sich gegenseitig umkreisende Stereotypen zu erleben, denen eben auch das Charisma der verkörpernden Darsteller nicht mehr aus der Patsche zu helfen versteht.

Szenenbild aus Der Dunkle Turm | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Dabei ist nicht alles schlecht an Der Dunkle Turm und einen gewissen Unterhaltungswert kann ich ihm nicht absprechen, doch wird eben selbst für mich als Außenstehender deutlich, dass man aus der reichhaltigen Vorlage rein gar nichts zu zaubern gewusst hat und sich stattdessen einer generischen Heldenreise bedient, die diesen Namen kaum verdient und auch nicht eben viele Überraschungen parat hält. Vor allem aber hätte man eine Erzählung dieser Ausrichtung doch gut und gerne auf mittlerweile für Blockbuster übliche zweieinhalb Stunden ausweiten können, die eine epische und packende Erzählform begünstigen und zumindest Gelegenheit gegeben hätten, am Wegesrand ein wenig mehr von der Welt und ihren Regeln, Gesetzen und Bewohnern zu zeigen, statt hier lediglich notwendige Plot-Points abzuhaken. Besonders deutlich wird das dann beim hanebüchenen Finale, wenn in Minutenschnelle alles abgehandelt wird, was noch zu erzählen gewesen wäre und dabei gar ganze Figurengruppen dem Vergessen anheimfallen, um nur ja nicht auch nur eine Sekunde überflüssiges Bildmaterial zu produzieren. Nachdem ich also in der ersten Hälfte von einem doch zumindest soliden Fantasy-Abenteuer gesprochen hätte, hat mich lange nichts mehr so unterwältigt wie hier die finale Konfrontation, so dass der ohnehin schon reichlich durchwachsene Film auf der denkbar ungünstigsten Note endet. Dafür aber hat er geschafft, was vielleicht sein einziger Daseinszweck ist, nämlich, zumindest bei mir ein gewisses Interesse an der Buchreihe geweckt zu haben.

Fazit & Wertung:

Gleichwohl Der Dunkle Turm auf einer mehr als reichhaltigen Vorlage fußt, scheint keiner der Beteiligten gewusst zu haben, was man nun mit diesen Möglichkeiten anfangen konnte und so ist stattdessen ein durch und durch generisches, ungemein oberflächliches und zuweilen regelrecht gehetzt wirkendes Fantasy-Abenteuer entstanden, über das sich Fans der Bücher sicherlich maßlos ärgern, während es für Quereinsteiger wie mich einfach nur banal und belanglos bleibt.

5,5 von 10 prophetischen Träumen

Der Dunkle Turm

  • Prophetische Träume - 5.5/10
    5.5/10

Fazit & Wertung:

Gleichwohl Der Dunkle Turm auf einer mehr als reichhaltigen Vorlage fußt, scheint keiner der Beteiligten gewusst zu haben, was man nun mit diesen Möglichkeiten anfangen konnte und so ist stattdessen ein durch und durch generisches, ungemein oberflächliches und zuweilen regelrecht gehetzt wirkendes Fantasy-Abenteuer entstanden, über das sich Fans der Bücher sicherlich maßlos ärgern, während es für Quereinsteiger wie mich einfach nur banal und belanglos bleibt.

5.5/10
Leser-Wertung 1/10 (1 Stimme)
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Der Dunkle Turm ist am 18.12.17 auf DVD, Blu-ray und 4K UHD Blu-ray bei Sony Pictures erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

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