Review: Future World (Film)

Starten wir das Jahr mal direkt mit einer richtigen gurke von Film, denn von da an kann es eigentlich nur noch aufwärts gehen. Heute also weniger klassische Rezension sondern vielmehr eine wortreiche Warnung mit Ausrufezeichen dahinter!

Future World

Future World, USA 2018, 90 Min.

Future World | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Regisseure:
James Franco
Bruce Thierry Cheung
Autoren:
Jeremy Cheung
Jay Davis
Bruce Thierry Cheung

Main-Cast:

James Franco (Warlord)
Suki Waterhouse (Ash)
Jeff Wahlberg (Prince)
Margarita Levieva (Lei)
Snoop Dogg (Love Lord)
George Lewis Jr. (Ratcatcher)
Clifford ‚Method Man‘ Smith (Tattooed Face)
Lucy Liu (Queen)
Milla Jovovich (Drug Lord)

Genre:
Action | Endzeit | Abenteuer

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Future World | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Nachdem der große Krieg die Welt verheert hat, ziehen plündernde Horden durch die von endlosen Wüsten beherrschten Weiten. Anführer einer dieser Horden ist der gefürchtete wie sadistische Warlord, der in einem der friedliebenden Camps die synthetische Ash erbeutet, die dank ihrer Bauart und der uneingeschränkten Kontrolle, die Warlord über sie dank Steuermodul hat, gleichsam zur unbezwingbaren Kämpferin wie auch zur willigen Bettgespielin taugt. Andernorts macht sich ein namenloser Prinz auf, das Leben seiner Mutter – der Königin – zu retten, indem er zum sagenumwobenen Paradise Beach reist, um dort die dringend benötigte Medizin für die dahinsiechende Herrscherin aufzutreiben. Während der Warlord in Begleitung von Ash weiter marodierend durch die Lande zieht und der Prinz seine beschwerliche Reise beginnt, treffen die Parteien in dem Bordell des sogenannten Love Lord aufeinander und prompt eskaliert die Situation…

Rezension:

Als jemand, der selbst noch den schlechtesten Filmen (zumindest zumeist) noch etwas abgewinnen kann, hätte ich nie gedacht, einmal einem solchen Machwerk wie Future World zu begegnen, denn während es auf dem Papier so scheint, als könne dieser Film voll und ganz meinem Beuteschema entsprechen, passt hier tatsächlich so gut wie gar nichts zusammen und es wird auf ewig ein großes Rätsel bleiben, wie sich beispielsweise und unter anderem Lucy Liu und Milla Jovovich – selbst die schlechtesten Resident Evil-Teile wirken im direkten Vergleich wie hohe Kinokunst – für so einen Mist haben hergeben können. Zumindest bei James Franco wird das Rätsel dahingehend gelüftet, dass ihm dieser Film ein Herzensprojekt gewesen sein soll, weshalb er auch gemeinsam mit Bruce Thierry Cheung die Regie übernommen hat, doch erklärt das wiederum nicht, wie dieses Werk so dermaßen enttäuschend geraten sein kann, hat er schließlich noch mit The Disaster Artist im selben Jahr unter Beweis gestellt, auch auf dem Regie-Stuhl überzeugen zu können, selbst wenn er zudem in seinem eigenen Film mitwirkt.

Szenenbild aus Future World | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Hier beginnen die Probleme aber tatsächlich schon an der Substanz des Gezeigten oder Erzählten, denn wenn man es schon nicht für nötig hält, seinen Figuren, also den handelnden Protagonisten Namen zu geben, die über bloße Funktionsbezeichnungen wie "Prince", "Queen" oder "Warlord" hinausgehen, sagt das schon viel darüber aus, mit welcher Akribie man sich der Charakterzeichnung und -entwicklung zu widmen gedenkt. Im Mittelpunkt der Ereignisse steht dann auch mitnichten der prominent an erster Stelle genannte James Franco, sondern stattdessen konzentriert sich die Geschichte auf den von Jeff Wahlberg verkörperten Prinzen und dessen alsbaldige Weggefährtin Ash, ihrerseits dargestellt von Suki Waterhouse (Assassination Nation). Und wie gerne würde ich jetzt behaupten, dass Wahlberg und Waterhouse ambitioniert und voller Hingabe gegen ein unsäglich schlechtes Skript anspielen, doch zumindest hier ist es mit ihrem schauspielerischen Talent nicht weit her und entsprechend hölzern und bemüht wirkt allein die Darstellung der vermeintlichen Hauptfiguren, die andernorts bekanntermaßen auch als Identifikationsfiguren und Sympathieträger dienen dürfen, was hier ebenfalls nicht der Fall ist.

Die Schuld ist aber wie gesagt kaum allein bei den DarstellerInnen zu suchen, denn aus einer derart grob inszenierten Charakterbeschreibung wie eben "Prince" eine nachvollziehbare, geschweige denn überzeugende Figur zu zimmern, mag selbst alteingesessene Schauspielgrößen überfordern, die dann zumindest auf Präsenz und Charisma oder zumindest gewolltes Overacting zurückgreifen können, woran sich beispielsweise auch Franco hier – leider in einer nicht sehr überzeugenden Art – versucht. Wenn schon aber weder die Geschichte noch die Figuren überzeugen können, ließe sich aus Future World ja zumindest noch ein vergleichsweise anspruchsloser Endzeit-Actioner zimmern doch auch hier reicht die Inspiration nicht darüber hinaus, den Stil der Mad Max-Filme zu kopieren und ansonsten dröge Wüstenverfolgungsfahrten zu liefern, die mehr schlecht als recht über die Eintönigkeit und Beliebigkeit des Gezeigten hinwegzutäuschen vermögen.

Szenenbild aus Future World | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Tatsächlich ist Future World also einer der seltenen Fälle, wo ich mich wirklich fragen muss, was passiert sein mag und welche hohen Tiere hier gravierende Wetten verloren haben, dass ein solches Projekt tatsächlich grünes Licht zur Produktion bekommen hat, denn auch wenn man das Endergebnis nach Sichtung des Skripts freilich nur erahnen können mag, hätten hier schon die teils eklatanten Schwächen, Anschlussfehler und die allgemeine Oberflächlichkeit offenbar werden müssen, ohne dass sich überhaupt je einer der Beteiligten in eins dieser uninspirierten Kostüme hätte zwängen müssen. Nein, ich sehe kaum ein gutes Haar an diesem Werk und wenn schon positive Worte vonnöten wären, würde ich die mit anderthalb Stunden angenehm knapp bemessene Laufzeit benennen, denn jede weitere Minute Lebenszeit, die man mit diesem unausgegorenen Quatsch verschwendet, wäre – neben den neunzig ohnehin verlorenen Minuten – noch eine mehr zu viel gewesen. Bleibt für mich einzig die angenehme Erkenntnis, dass ich nicht automatisch auf alles abfahre, was irgendwie mit dem Label "Dystopie" versehen ist, sondern tatsächlich dann doch noch einen gewissen Qualitätsanspruch habe, der wohl noch nie so konsequent und gründlich unterwandert worden ist wie hier.

Fazit & Wertung:

Der von Bruce Thierry Cheung und James Franco inszenierte Future World wirkt wie eine schlechte Kopie der abgedroschenen Versatzstücke eines typischen Endzeitfilms und allein der Umstand, dass kaum eine der Figuren auch nur einen Namen, geschweige denn so etwas wie Persönlichkeit oder Profil spendiert bekommt, spricht Bände darüber, wie viel Mühe man sich bei der Ausarbeitung und Inszenierung dieses Machwerks gegeben haben mag, bei dem in letzter Konsequenz wirklich kein Stein auf den anderen passt.

1,5 von 10 postapokalyptischen Klischees

Future World

  • Postapokalyptische Klischees - 1.5/10
    1.5/10

Fazit & Wertung:

Der von Bruce Thierry Cheung und James Franco inszenierte Future World wirkt wie eine schlechte Kopie der abgedroschenen Versatzstücke eines typischen Endzeitfilms und allein der Umstand, dass kaum eine der Figuren auch nur einen Namen, geschweige denn so etwas wie Persönlichkeit oder Profil spendiert bekommt, spricht Bände darüber, wie viel Mühe man sich bei der Ausarbeitung und Inszenierung dieses Machwerks gegeben haben mag, bei dem in letzter Konsequenz wirklich kein Stein auf den anderen passt.

1.5/10
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Future World ist am 22.11.18 auf DVD und Blu-ray bei Sony Pictures erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

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