Review: Die Berufung – Ihr Kampf für Gerechtigkeit (Film)

Auch diesen Freitag lasse ich nicht ohne neue Rezension verstreichen und habe mich diesmal einem der wenigen Filme mit Felicity Jones gewidmet, der mir bislang noch gefehlt hat.

Die Berufung
Ihr Kampf für Gerechtigkeit

On the Basis of Sex, USA/CA/CN 2018, 120 Min.

Die Berufung - Ihr Kampf für Gerechtigkeit | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Regisseurin:
Mimi Leder
Autor:
Daniel Stiepleman

Main-Cast:
Felicity Jones (Ruth Bader Ginsburg)
Armie Hammer (Martin Ginsburg)
in weiteren Rollen:
Justin Theroux (Mel Wulf)
Jack Reynor (Jim Bozarth)
Cailee Spaeny (Jane Ginsburg)
Sam Waterston (Erwin Griswold)
Kathy Bates (Dorothy Kenyon)

Genre:
Biografie | Drama

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Die Berufung - Ihr Kampf für Gerechtigkeit | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Im Jahre 1956 beginnt Ruth Bader Ginsburg ihr Studium in Harvard und ist damit eine der ersten Frauen, die überhaupt an der renommierten Universität studieren dürfen, wobei der Dekan dieser neuen Entwicklung noch mehr als argwöhnisch gegenübersteht. Bader Ginsburg aber weiß sich zu behaupten und nach der Erkrankung ihres Mannes besucht sie dessen Vorlesungen noch zusätzlich. Trotz Abschluss als Jahrgangsbeste aber gelingt es ihr im Anschluss nicht, eine Anstellung zu finden, da jedwede Anwaltskanzlei freilich ebenso fest in männlicher Hand ist wie schon Harvard und ein jeder Probleme zu wittern meint, würde er nun eine Frau einstellen. Notgedrungen wechselt Bader Ginsburg ins lehrende Fach und doziert fortan vor Studenten, bevor ihr Jahre später ein Fall unter die Nase kommen soll, in dem tatsächlich einmal ein Mann aufgrund seines Geschlechts vom Gesetz kritisiert wird und keinen Anspruch auf Steuerabsetzungen für die Pflege seiner kranken Mutter haben soll. Mag die Benachteiligung von Frauen noch von jedem Richter bestätigt worden sein, liegt der Fall nun freilich anders und Ruth Bader Ginsburg sieht die Chance gekommen, einen wichtigen Präzedenzfall zu schaffen, wofür sie sich unter anderem mit Bürgerrechtsanwalt Mel Wulf zusammentut, auch wenn der dem Fall zunächst weit skeptischer gegenübersteht…

Rezension:

Nachdem ich The Aeronauts als derzeit aktuellsten Film mit Felicity Jones dank Prime-Verfügbarkeit recht früh und zeitnah habe sehen können, hat es nun bei dem zuvor 2018 veröffentlichten Die Berufung – Ihr Kampf für Gerechtigkeit etwas länger gedauert. Hierin verkörpert nun Jones die teilweise regelrecht kultisch verehrte Ruth Bader Ginsburg und zeichnet gemeinsam mit Regisseurin Mimi Leder deren Werdegang nach. Dabei folgt der Film in vielerlei Hinsicht für Biopics typischen Gesetzmäßigkeiten und wirkt insbesondere zu Beginn recht gehetzt, so dass die Anfänge des Studiums nebst Erkrankung ihres Mannes Martin einer Randnotiz gleich in wenigen Minuten abgehandelt werden, was es zunächst schwer macht, sich wirklich mit der Figur zu identifizieren, deren Lebensstationen man eben mehr im Zeitraffer präsentiert bekommt, als sich wirklich einfühlen zu können. Zum Glück ändert sich das spätestens mit Ablauf des ersten Drittels und so langsam kommt ein gemäßigteres Tempo in die Sache, während sich auch die erwarteten wie offenkundigen Themen hier vermehrt Bahn brechen oder zumindest eingehender behandelt werden als in den schlaglichtartigen Momenten, wo Bader Ginsburg sich aufgrund ihres Geschlechts – analog zum Originaltitel On the Basis of Sex diskriminiert fühlt.

Szenenbild aus Die Berufung - Ihr Kampf für Gerechtigkeit | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Tatsächlich darf man diesmal aber gar den deutschen Verleih und das Marketing loben, denn während deutsche Titel die Sache oftmals verfremden und verfälschen, ist Die Berufung meines Erachtens gar der cleverere Titel, handelt es sich beim Kern des Films, auf den alles hinausläuft, einerseits um ein Berufungsverfahren, während Bader Ginsburg in diesem Zusammenhang eben auch ihre Berufung findet, sich für die Gleichberechtigung von Männern und Frauen stark zu machen. Botschaft, Thema und Inhalt des Films haben dabei ergo noch immer gewaltige Relevanz und so macht es trotz bekanntem Ausgang Spaß, dem Treiben beizuwohnen, auch wenn sich Drehbuchautor Daniel Stiepleman, seines Zeichens Neffe der echten Bader Ginsberg, manche Dramatisierung hätte sparen können, da diese einerseits nicht vonnöten gewesen wären, andererseits die Protagonistin in einem schlechteren Licht erscheinen lassen, wenn sie bei ihrem ersten Fall vor Gericht beispielsweise ins Stottern gerät und den Faden verliert, was in der Realität so nie passiert ist.

Ansonsten steht und fällt ein solcher Film natürlich mit seiner Besetzung und auch wenn ich vorbelastet bin, weil ich Felicity Jones in beinahe jeder ihrer Rollen mag und schätze, muss ich festhalten, dass sie einen großartigen Job bei der Verkörperung von Ruth Bader Ginsburg macht, auch, weil sich hier viel im Subtext des Unausgesprochenen bewegt und man ihrem Minenspiel viel ablesen kann, was sie schlucken muss, um nicht die Fassung zu verlieren und gegenüber den Männern als hysterisch zu erscheinen, was sie in ihrer Meinung bestärken würde, eine Frau könne einem Mann schlichtweg nicht das Wasser reichen. Was aber dank Jones‘ Schauspiel funktioniert und auch Armie Hammer (Codename U.N.C.L.E.) miteinschließt, der hier ihren Ehemann Martin verkörpert und für sich schon gegen jedes Geschlechterklischee anspielt, wenn er mit Kochschürze die Mahlzeitenzubereitung unter seine Fittiche nimmt, derweil seine Frau über Akten und Plädoyers brütet, vermag Die Berufung ansonsten leider nicht immer so charmant zu verpacken. Ob es an Stieplemans Blick auf Dinge liegt oder doch eher Leders Regiearbeit, vermag ich nicht einmal zu benennen, doch Fakt ist, dass die Inszenierung oft wenig subtil ihre Botschaft zu vermitteln weiß und hier wäre ein wenig mehr Feingefühl sicher noch schön gewesen, um eben nicht jedes Klischee und jede Plattitüde zu bemühen, damit auch ja die letzte Reihe noch versteht, was der Film transportieren möchte.

Szenenbild aus Die Berufung - Ihr Kampf für Gerechtigkeit | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Das ist aber in Anbetracht eines ansonsten überzeugend inszenierten und bis zuletzt mitreißenden Reigen durchaus zu verschmerzen und kostet lediglich zusammen mit dem etwas gehetzten Beginn Abzüge in der B-Note, die zumindest zu Teilen aber auch von den fähigen NebendarstellerInnen aufgefangen werden, ob es sich dabei um Justin Theroux (Maniac) als Bürgerrechtsanwalt Mel Wulf oder Kathy Bates (American Horror Story) als Dorothy Kenyon handelt, wobei speziell letztere gerne noch einen etwas größeren Part hätte bekommen können. Dessen ungeachtet aber vermag Mimi Leder trotz mancher plakativen Szene sowohl ein überzeugendes Biopic als auch ein gelungenes Gerichts-Drama zu kreieren, dessen Versatzstücke sich auf angenehme Art und Weise die Klinke in die Hand geben, bevor es zu einem vergleichsweise unaufgeregten und abrupten, aber durch die schon obligatorischen Texttafeln abgerundeten Ende kommt. Damit bringt Die Berufung einem – trotz vieler privater Momente – nicht unbedingt Ruth Bader Ginsburg als Person näher, zeichnet aber überwiegend gelungen deren Werdegang nach, wobei hier ein (noch) stärkerer Fokus auf entscheidende Lebensabschnitte gern gesehen worden wäre.

Fazit & Wertung:

Mit Die Berufung – Ihr Kampf für Gerechtigkeit zeichnet Regisseurin Mimi Leder in Form eines zuweilen weitschweifigen Biopics das Leben von Ruth Bader Ginsburg nach und kann sich trotz mancher dramaturgischen Schwäche dabei voll und ganz auf ihre Hauptdarstellerin Felicity Jones verlassen, mit der sie der noch immer am obersten US-Gericht tätigen Richterin ein filmisches Denkmal setzt. Mag dabei manches plakativ und wenig subtil transportiert werden, schmälert das den allgemein stimmigen Gesamteindruck derweil nur unmerklich.

7,5 von 10 nach Geschlecht differierenden Gesetzen

Die Berufung – Ihr Kampf für Gerechtigkeit

  • Nach Geschlecht differierende Gesetze - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Mit Die Berufung – Ihr Kampf für Gerechtigkeit zeichnet Regisseurin Mimi Leder in Form eines zuweilen weitschweifigen Biopics das Leben von Ruth Bader Ginsburg nach und kann sich trotz mancher dramaturgischen Schwäche dabei voll und ganz auf ihre Hauptdarstellerin Felicity Jones verlassen, mit der sie der noch immer am obersten US-Gericht tätigen Richterin ein filmisches Denkmal setzt. Mag dabei manches plakativ und wenig subtil transportiert werden, schmälert das den allgemein stimmigen Gesamteindruck derweil nur unmerklich.

7.5/10
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Die Berufung – Ihr Kampf für Gerechtigkeit ist am 22.08.19 auf DVD und Blu-ray bei Universal Pictures erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

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vgw

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Eine Reaktion

  1. Luisa 17. April 2020

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