Review: Der Wächter von London | Benedict Jacka (Buch)

Heute mache ich mal weiter mit einer Reihe, die sich mehr und mehr zu meinem Liebling im Bereich Urban-Fantasy entwickelt und mich folglich auch diesmal wieder begeistern konnte.

Der Wächter von London
Alex Verus 4

Chosen (Alex Verus 4), UK 2013, 416 Seiten

Der Wächter von London von Benedict Jacka | © Blanvalet
© Blanvalet

Autor:
Benedict Jacka
Übersetzerin:
Michelle Gyo

Verlag (D):
Blanvalet
ISBN:
978-3-734-16233-6

Genre:
Fantasy | Abenteuer

 

Inhalt:

Während es dem Divinationsmagier Alex Verus all die Jahre erfolgreich gelungen ist, sich aus den Angelegenheiten der zaubernden Zunft der Metropole London herauszuhalten, wurde er in jüngster Vergangenheit bereits in so manche Angelegenheit involviert, die ihn zwar nicht unbedingt in der Gunst des Rates haben steigen lassen, ihm aber mit Luna, Sonder, Anne und Variam auch zahlreiche neue Freunde beschert haben. Während Luna nunmehr offiziell als Alex‘ Lehrling firmiert, sind die Geschwister Anne und Variam überbrückungsweise bei Alex eingezogen, so dass die dem Arcana Emporium zugehörige Wohnung mittlerweile als Auffangbecken für schwer zu vermittelnde Lehrlinge gelten dürfte. Verus erkennt aber auch irritiert, dass ihm die neu gewonnene Gesellschaft und Freundschaft sehr zusagt, weshalb es ihn umso schwerer trifft, als ihn die Sünden seiner Vergangenheit einzuholen drohen. Denn wohl oder übel wird er über seine Zeit bei Schwarzmagier Richard Drakh sprechen müssen, um Luna und den anderen reinen Wein einzuschenken, weshalb man nunmehr auf ihn Jagd zu machen beginnt…

Rezension:

Nun habe ich mich mit Der Wächter von London also auch dem vierten Band der Alex-Verus-Reihe gewidmet und muss feststellen, dass mir selbige mit jedem weiteren Buch zunehmend ans Herz wächst, zumal es Benedict Jacka diesmal mitnichten dabei bewenden lässt, Wahrsager – oder besser Divinationsmagier – Alex in sein nächstes Abenteuer stolpern zu lassen. Stattdessen widmet er sich dem, was bereits seit Das Labyrinth von London angeteasert worden ist, denn der eigenbrötlerische Verus wird von seiner schwarzmagischen Vergangenheit heimgesucht. Dabei bedient er sich erzählerischer Tricks und Kniffe, um auch in Rückblenden seine Zeit als Lehrling von Richard Drakh neu aufzurollen, von der man bislang noch recht wenig wirklich wusste, außer, dass er neben Tobruk, Shireen und Rachel einer von gleich vier Zöglingen Drakhs war. Insbesondere Rachel, die sich mittlerweile Deleo nennt, und der Alex schon des Öfteren begegnet ist, zeigt sich hierbei in einem unerwartet neuen Licht, wobei die eigentliche Bedrohung von ganz anderer Seite kommt und Alex in ein moralisches Dilemma stürzt, dem er sich nicht entziehen kann und welches sein Verhältnis zu so manchem Charakter zu erschüttern imstande ist.

Seit Anne und Variam letzten Winter eingezogen waren, war mein Zuhause von einem ziemlich einsamen Ort zu so etwas wie einer Gemeinschaftsunterkunft geworden. Es war acht Monate her, seit Anne und Variam angekommen waren, und da Luna sich häufig mit ihnen traf und Unterricht bei mir hatte, verbrachte sie so viel Zeit hier, dass sie auch gleich hier hätte einziehen können.

Mehr denn je also geht es nicht einfach nur um eine zu überwindende Bedrohung, ein zu bewältigendes Problem oder zu lösendes Rätsel, sondern letztlich auch um Alex‘ Selbstverständnis als Person und die Frage, was für eine Art Mensch – oder Magier – er sein möchte. Diese neu entdeckte Tiefe geht aber auch einher mit einer reißerischen Inszenierung, die ihresgleichen sucht. Manchmal hätte ich mir zwar schon längere Verschnaufpausen gewünscht, doch hält das die Spannung gleichsam hoch, zumal man eben dafür tiefer in die Abgründe von Alex‘ Vergangenheit vordringt. Aber Jacka vermag es auch, gekonnt auf die vorangegangenen drei Bände zu verweisen, die man zwar nicht zwingend gelesen haben muss, aber jeweils auch das Konsortium an Freunden und Bekannten für Alex Verus aufgestockt haben, so dass er neben Luna nun auch vermehrt Umgang mit den Geschwistern Anne und Variam pflegt, die eben nicht einfach wieder aus seinem Leben verschwunden sind, sondern gar zeitweilig bei ihm wohnen. Diese Nähe zu anderen Menschen verunsichert Alex merklich und durch die erzwungene Auseinandersetzung mit seiner Vergangenheit geraten manche dieser frisch geknüpften Bande auch rasch in Gefahr.

Kaum verwunderlich also, dass Der Wächter von London für mich den bisherigen Höhepunkt der Reihe darstellt, die ich ohnehin ab dem ersten Moment für Humor, Einfallsreichtum und einen vielschichtigen Protagonisten geschätzt habe, denn während die Stärken gekonnt ausgebaut werden und Jackas Schreibe mittlerweile noch einmal deutlich routinierter wirkt, kommen eben auch stetig neue erzählerische Aspekte hinzu, weshalb ich mich auch schon sehr auf den Herbst freue, wenn mit Der Meister von London auch schon der fünfte Band in deutscher Fassung in den Startlöchern stehen wird, zumal dieser hier auch mit einer Art Cliffhanger beschließt, der zwar wenig überraschend geraten ist, aber umso neugieriger macht auf den Fortgang der Geschichte.

Blicke ich jetzt zurück, frage ich mich, was geschehen wäre, wenn ich diese Situation nicht so gehandhabt hätte. Wenn ich etwas anderes gesagt oder mich anders verhalten hätte, hätte ich dann den ganzen üblen Schlamassel vermeiden können? Oder hätte das alles nur noch schlimmer gemacht? Vielleicht wäre es jemand anderem gelungen. Keine Ahnung.

Ansonsten hat es in Der Wächter von London wieder zahlreiche clevere Einfälle des Protagonisten, mehrere Gastauftritte des heimlichen Fan-Lieblings Aarchne und natürlich reichlich Blicke in mögliche Zukünfte, die Alex zu umschiffen versucht, so dass seine Fähigkeit hierzu ein weiteres Mal eines der prägnantesten Alleinstellungsmerkmale der Serie bildet, weil er eben nicht profaner Elementar-Magier ist, sondern sich weitaus gewitzter zur Wehr zu setzen wissen muss. Spätestens mit diesem Band aber, der deutlich macht, was noch alles aus der Reihe werden könnte, kann ich nur jedem Fan von Urban-Fantasy raten, hier einen Blick zu riskieren, zumal mir die Alex-Verus-Reihe deutlich mehr zusagt als die ungemein gehypte, ebenfalls in London angesiedelte Peter-Grant-Reihe. Bestmöglich sollte man aber natürlich mit der Lektüre beim ersten Band starten, denn auch wenn seitens Blanvalet behauptet wird, man könne die Bücher "unabhängig voneinander" lesen, möchte ich doch nachdrücklich davon abraten.

Fazit & Wertung:

Mit Der Wächter von London schwingt sich die Alex-Verus-Reihe zu neuen Höhen auf und beleuchtet erstmalig nähergehend die düstere Vergangenheit des Divinationsmagiers, der hierdurch in manch moralisches Dilemma gerät. Nicht nur für sich genommen, sondern auch als Wegbereiter für kommende Geschichten ein rundherum gelungener Urban-Fantasy-Vertreter.

8,5 von 10 mehr oder minder wahrscheinlichen Zukunftssträngen

Der Wächter von London

  • Mehr oder minder wahrscheinliche Zukunftsstränge - 8.5/10
    8.5/10

Fazit & Wertung:

Mit Der Wächter von London schwingt sich die Alex-Verus-Reihe zu neuen Höhen auf und beleuchtet erstmalig nähergehend die düstere Vergangenheit des Divinationsmagiers, der hierdurch in manch moralisches Dilemma gerät. Nicht nur für sich genommen, sondern auch als Wegbereiter für kommende Geschichten ein rundherum gelungener Urban-Fantasy-Vertreter.

8.5/10
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Weitere Details zum Buch und dem Autor findet ihr auf der Seite von Blanvalet. Dort findet sich übrigens auch eine Leseprobe.

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Der Wächter von London ist am 18.05.2020 im Blanvalet Verlag erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den nachfolgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

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