Review: The Midnight Sky (Film)

Wie versprochen starten wir direkt mit der ersten Filmkritik ins neue Jahr, auch wenn der Film dann – gemessen an meinen Erwartungen – leider eher enttäuschend war.

The Midnight Sky

The Midnight Sky, USA 2020, 122 Min.

The Midnight Sky | © Netflix
© Netflix

Regisseur:
George Clooney
Autoren:
Mark L. Smith (Drehbuch)
Lily Brooks-Dalton (Buch-Vorlage)

Main-Cast:
George Clooney (Augustine Lofthouse)
in weiteren Rollen:
Felicity Jones (Sully Rembshire)
David Oyelowo (Commander Gordon Adewole)
Tiffany Boone (Maya Peters)
Demián Bichir (Sanchez)
Kyle Chandler (Mitchell Rembshire)

Genre:
Drama | Endzeit | Science-Fiction | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus The Midnight Sky | © Netflix
© Netflix

Drei Wochen sind vergangen seit einem nicht näher bezeichneten Event, dass die Erde auf einen Schlag regelrecht entvölkert hat. Während die meisten für das Ende der Welt zu ihren Familien heimkehren, verbleibt einzig Wissenschaftler Augustine in einer entlegenen Forschungsstation in der Arktis und hat es sich zum Ziel gesetzt, die Crew des Raumschiffs Æther davor zu warnen, was sie auf der Erde erwartet. Die nämlich befinden sich nach zweijähriger Forschungsmission auf dem Jupitermond K-23 auf dem Heimflug und ahnen nicht, was in ihrer Abwesenheit passiert ist. Das Signal der Station allerdings reicht nicht aus, das Raumschiff zu kontaktieren und so macht Augustine sich auf, zu einer abgelegenen Wetterstation vorzudringen, nachdem sich ihm jüngst ein stummes Mädchen angeschlossen hat, das es anscheinend nicht in eines der Rettungsflugzeuge geschafft hat. Während er nicht nur den widrigen Wetterbedingungen trotzen muss, hat aber auch die Crew an Bord der Æther mit den im All lauernden Gefahren zu kämpfen…

Rezension:

Für Netflix war es die letzte große, hauseigene Blockbuster-Veröffentlichung im vergangenen Jahr – wie das noch klingt – und nun ist es für mich die erste Film-Kritik im noch jungen, neuen Jahr. Die Rede ist natürlich von The Midnight Sky, auf dessen Veröffentlichung ich mich schon lange gefreut hatte. Maßgeblich verantwortlich dafür waren sowohl Genre als auch Besetzung, derweil George Clooney ja schon in der Vergangenheit – beispielsweise mit The Ides of March – unter Beweis gestellt hat, auch auf dem Regiestuhl eine gute Figur zu machen. Hier nun wird es nicht politisch und geht auch thematisch in eine gänzlich andere Richtung, während er sich der Adaption des Buches Good Morning, Midnight von Lily Brooks-Dalton widmet und einmal mehr die Hauptrolle gleich selbst übernimmt. Dabei muss ich für mich allerdings leider festhalten, dass Vorschau und Inhaltsangabe weit mehr versprechen, als der Film letztlich zu halten imstande ist, denn so schön und atmosphärisch manche Sequenzen auch gefilmt und inszeniert sein mögen, funktioniert der Film als Ganzes nur in den seltensten Fällen. Das beginnt schon mit einer zerfaserten Erzählform, die sich darauf stützt, einerseits parallel die beschwerliche Reise in der Arktis zu bebildern, andererseits das Leben auf dem Raumschiff Æther zu zeigen, dessen fünfköpfige Crew sich auf dem Heimweg zur Erde befindet.

Szenenbild aus The Midnight Sky | © Netflix
© Netflix

Lange Zeit nämlich existieren beide Handlungsstränge parallel zueinander berühren sich allerdings erst auf den letzten Metern, gleichwohl den Zuschauern eine wichtige Verbindung der beiden recht schnell klar sein dürfte, womit auch eine der letzten Offenbarungen in The Midnight Sky vergleichsweise wirkungslos verpufft. Mitschuldig hieran ist die dritte Erzählebene, die auf die Vergangenheit des von Clooney verkörperten Augustine abstellt, gleichwohl der in seiner jüngeren Variante von Ethan Peck verkörpert wird, was man auch erst einmal akzeptieren können muss, denn so richtig zueinander passen wollen beide Varianten der Figur nicht wirklich, auch wenn das wiederum aufzeigt, wie sehr sich Augustine im Laufe der Jahre von seinem früheren Ich entfernt hat. Nichtsdestotrotz wird man schnell dahinterkommen, welche wichtige Information dieser Part des Films vermitteln soll und sobald dies geschehen ist, lässt Clooney das Ganze dann auch fallen, um sich stattdessen vergleichsweise selbstzweckhafter Action zu widmen, die wohl das bis dahin eher unaufgeregte und beinahe lethargische Treiben ein wenig aufrütteln sollte.

Da spricht grundsätzlich nichts gegen, doch als ruhig erzähltes und melancholisch-fatalistisch geprägtes Science-Fiction-Drama macht The Midnight Sky tatsächlich die weitaus bessere Figur, als wenn er auf Thriller-Pfaden zu wandeln versucht und relativ dicht hintereinander zwei dramatisch gefahren, einerseits im arktischen Eis, andererseits in den Weiten des Alls offeriert. Die sind zwar routiniert, aber auch wenig überraschend in Szene gesetzt und tragen eigentlich wenig zum Fortgang der Geschichte bei, außer sie mit ein wenig Adrenalin anzureichern. Als dramaturgischer Glücksfall indes entpuppt sich derweil die Schwangerschaft von Felicity Jones (Die Berufung), die Clooney kurzerhand von Drehbuchautor Mark L. Smith (Operation: Overlord) ins Skript einarbeiten ließ, nachdem er davon erfuhr, denn sie intensiviert im Grunde noch die Kernaussage und -botschaft des Films, der sich ansonsten mit wortreichen Erklärungen und Erörterungen bedeckt hält, so dass auch die Ursache der Katastrophe auf der Erde im Verborgenen bleibt. Darüber hinaus fungiert Jones aber ohnehin als maßgebliche Identifikationsfigur an Bord der Æther, die enorm dadurch gewinnt, beinahe ausnahmslos von präganten Charakterköpfen repräsentiert zu werden, denn in punkto Charakterzeichnung bleibt hier doch einiges halbgar und wenig ausgearbeitet.

Szenenbild aus The Midnight Sky | © Netflix
© Netflix

Ansonsten bilden zwar die Parts in All und Arktis einen starken und spürbaren Kontrast, doch die Zeitpunkte zum Wechsel der Erzählperspektive wirken oft willkürlich und nicht unbedingt durchdacht, während allerdings beide in Fahrwassern bekannter Genre-Vertreter fahren. Allein die Ausgangslage, einen einsamen Mann mit einem Kind in den Überlebenskampf in der kargen Wildnis zu führen, ist ein allzu oft und gern benutztes Konzept, dass man speziell vor endzeitlich-dystopischer Kulisse schon mehrfach – und besser präsentiert bekommen hat, um einfach nur mal exemplarisch The Road zu referenzieren oder alternativ den deutlich jüngeren, ähnlich gelagerten Light of My Life, den ich allerdings selbst noch nicht gesehen habe (steinigt mich also nicht, wenn ich aufgrund von Cover und rudimentären Infos womöglich falsche Schlüsse ziehe). Vergleichbares gilt dann wiederum auch für die Szenen an Bord des Raumschiffs, die mit einigen gar nicht mal so neuen Ideen aufwarten, um die tägliche Routine vor den Computermonitoren und Armaturen aufzulockern, dabei aber dramaturgisch die meiste Zeit auf der Stelle tritt und letztlich beinahe ins Leere läuft. So schwingt während des Films tatsächlich noch das Versprechen eines wie auch immer gearteten, überraschenden oder emotionalen Finales mit, dass The Midnight Sky allerdings nicht einzulösen vermag, zumal das, was hier als Quintessenz und kathartischer Moment angeboten wird, schlichtweg nicht zündet, weil man es eigentlich längst gewusst hat und folglich eher mit einem müden Schulterzucken quittiert. Handwerklich, inszenatorisch und optisch kann man dem Film schwerlich einen Vorwurf machen, doch das, worauf es ankommt, der emotionale Kern, ist leider nur mäßig involvierend.

Fazit & Wertung:

George Clooney versucht sich mit The Midnight Sky an einer Buchverfilmung, die gleichsam melancholische Endzeit-Dystopie und Science-Fiction-Thriller sein möchte, in der Verquickung beider Ansätze aber schnell an ihre Grenzen stößt. So überzeugen immer wieder einzelne Szenen, teils spektakuläre Aufnahmen und natürlich das namhafte Ensemble, doch dramaturgisch bleibt hier leider einiges auf der Strecke.

6,5 von 10 Versuchen der Kontaktaufnahme

The Midnight Sky

  • Versuche der Kontaktaufnahme - 6.5/10
    6.5/10

Kurzfassung

George Clooney versucht sich mit The Midnight Sky an einer Buchverfilmung, die gleichsam melancholische Endzeit-Dystopie und Science-Fiction-Thriller sein möchte, in der Verquickung beider Ansätze aber schnell an ihre Grenzen stößt. So überzeugen immer wieder einzelne Szenen, teils spektakuläre Aufnahmen und natürlich das namhafte Ensemble, doch dramaturgisch bleibt hier leider einiges auf der Strecke.

6.5/10
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The Midnight Sky ist seit dem 23.12.2020 exklusiv bei Netflix verfügbar.

vgw

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