Review: Operation: Overlord (Film)

Während ich mich noch bei einem Seminar herumtreibe und die Zeit absitze – ich meine natürlich: gespannt lausche – kredenze ich euch schon mal zum Wochenend-Einstand eines meiner persönlichen Horrorctober-Highlights, das man sich meines Wissens übrigens derzeit auch kostenlos bei Amazon Prime ansehen kann.

Operation: Overlord

Overlord, USA/CA 2018, 110 Min.

Operation: Overlord | © Paramount Pictures
© Paramount Pictures

Regisseur:
Julius Avery
Autoren:
Billy Ray
Mark L. Smith

Main-Cast:

Jovan Adepo (Boyce)
Wyatt Russell (Ford)
Mathilde Ollivier (Chloe)
Pilou Asbæk (Wafner)
John Magaro (Tibbet)
Iain De Caestecker (Chase)
Jacob Anderson (Dawson)
Dominic Applewhite (Rosenfeld)
Gianny Taufer (Paul)
Joseph Quinn (Grunauer)
Bokeem Woodbine (Rensin)

Genre:
Action | Horror | Science-Fiction | Krieg

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Operation: Overlord | © Paramount Pictures
© Paramount Pictures

Die Streitkräfte der Alliierten werden 1944 im Norden von Frankreich abgesetzt, um die möglicherweise kriegsentscheidende Operation Overlord in Angriff zu nehmen und einen Radarturm der Nazis unter ihre Kontrolle zu bekommen. Doch schon der Flug hinter feindliche Linien gerät zum ausgemachten Desaster und bald findet sich lediglich eine gute Handvoll amerikanischer Soldaten zusammen, um den Auftrag doch noch zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen. Unerwartete Hilfe wird ihnen dabei durch die Französin Chloe zuteil, doch nachdem sie in deren Haus provisorisch ihr Lager aufgeschlagen haben, macht Boyce bei einer unfreiwilligen Erkundung des Nazi-Stützpunkts eine erschreckende Entdeckung, denn in unterirdischen Laboren widme sich die Nazis ungeahnt grausamen Experimenten und Forschungen, die ihrerseits ebenfalls kriegsentscheidend sein könnten, sollte das, was dort gezüchtet wird, in den Kampf geschickt werden…

Rezension:

Relativ früh hatte ich Operation: Overlord für mich auf dem Schirm und das liegt ausgerechnet an der Beteiligung von Iain De Caestecker (Lost River), der gar nicht einmal eine so große, prägende Rolle in dem Streifen innehat, doch bin ich froh, auf welchem Weg auch immer auf dieses Genre-Kleinod gestoßen zu sein, denn auch wenn damit geworben wird, dass der Streifen von J.J. Abrams produziert worden sei – und wohl zwischenzeitlich im Raum stand, ob dieser Teil seines Cloverfield-Franchise werden würde – und auch der eigentliche Regisseur Julius Avery (Son of a Gun) für mich kein unbeschriebenes Blatt ist, hätte ich ansonsten wenig Grund gehabt, dem Film meine ungeteilte Aufmerksamkeit zu widmen. Nun ist ja aber derzeit Horrorctober und ich bin dem Genre auch nicht grundsätzlich abgeneigt, was man wohl grob als Zombie-Nazi-Kriegsfilm bezeichnen könnte und tatsächlich stellt Avery mit seinem Budget hier einiges auf die Beine, was sich wirklich sehen lassen kann, weshalb ich durchaus meine unbändige Freude mit diesem Reißer hatte, der zwar nicht unbedingt zum klassischen Gruseln einlädt, in seiner kompromisslosen, brutalen und düsteren Inszenierung aber einiges verdammt richtig macht.

Szenenbild aus Operation: Overlord | © Paramount Pictures
© Paramount Pictures

Das beginnt schon mit dem Auftakt an Bord eines Kampfhubschraubers, der nicht nur unmittelbar ins Geschehen wirft, sondern Zuschauer wie auch Soldaten postwendend hinter die feindlichen Linien bringt, wobei schnell klar wird, dass hier keine Gefangenen gemacht werden. Natürlich ist vieles an Operation: Overlord ein offenkundiges Spiel mit Klischees und Versatzstücken und man braucht mitnichten auf einen großen Twist oder ungemein clevere Story-Kniffe hoffen, doch dafür sparen sich Avery und die Drehbuchautoren Billy Ray und Mark L. Smith auch jeglichen augenzwinkernden (Meta-)Humor, der sonst dem Genre gerne zu eigen ist und inszenieren stattdessen lieber eine durch und durch grimmige, aufs Nötigste reduzierte und in erdig-tristen Farbtönen gehaltene Schlachtplatte, die zwar ihre Intensität nicht die gesamten knapp zwei Stunden Laufzeit hindurch aufrecht erhalten kann, aber tatsächlich nur kleinere Längen und Durchhänger aufweist, was schon mehr ist, als man bei vergleichbaren Storys erwarten würde. Zudem steht hier ein im direkten Vergleich zwar größeres Budget für eine solche Art Film zur Verfügung, doch erliegt man nicht der Versuchung, dies in ausufernden Massenkämpfen zu verheizen, sondern setzt statt Masse auf Klasse, so dass eine jede der Action-Passagen für sich genommen ungemein souverän und überzeugend inszeniert ist, selbst wenn sich in den meisten Fällen nur eine Handvoll Kontrahenten gegenüberstehen.

Wie bei einer Schar Soldaten üblich und auch beinahe unvermeidbar, wirkt die Truppe zwar zunächst recht gesichtslos und austauschbar, doch ändert sich das schnell und sei es nur durch die konsequente und nicht abreißende Dezimierung der Truppen, die alsbald nur noch aus einem nicht einmal mehr ein halbes Dutzend zählenden Team besteht, dem sich dafür alsbald die von Mathilde Ollivier verkörperte Französin Chloe anschließt, die den Soldaten in dem von Nazis okkupierten Dorf Unterschlupf gewährt und ihr ganz persönliches Interesse daran hat, die Mission der Soldaten zum Erfolg zu führen. Als Identifikationsfigur und Sympathieträger dient derweil der vergleichsweise unerfahrene Soldat Boyce, seinerseits dargestellt von Jovan Adepo, bei dem ich des Öfteren an John Boyega habe denken müssen. Ansonsten hat es mit Ford den klassischen harten Hund der Bande, wortkarg und stoisch, dem Wyatt Russell (Ingrid Goes West) Leben einhauchen darf und der – bei aller Klischeelastigkeit – als Figur geradezu wunderbar funktioniert. Nicht minder überzeugend verhält es sich auf Antagonisten-Seite, denn mit dem Eintreffen in dem unterdrückten Dorf, etabliert sich schnell der von Pilou Asbæk (Ghost in the Shell) verkörperte Wafner als Oberschurke und macht diesem Rang nicht nur im Mittelteil, sondern vor allem zum Ende hin alle Ehre.

Szenenbild aus Operation: Overlord | © Paramount Pictures
© Paramount Pictures

Einen Film wie Operation: Overlord schaut man aber freilich kaum wegen bahnbrechender schauspielerischer Leistungen oder seiner Besetzung wegen und so freut es mich, attestieren zu können, dass eben auch Set-Design und Ausstattung, vor allem aber Make-Up- und Effekte nicht nur zu überzeugen, sondern oftmals zu begeistern wissen, wenn sich der eigentliche, relativ früh bereits angedeutete, aber lange zurückgehaltene Terror wirklich Bahn bricht und es zur finalen Auseinandersetzung kommt zwischen den wackeren Soldaten und dem, was die Nazis in ihren unterirdischen Laboren fabriziert haben. So gelingt Avery ein durch und durch überzeugender, mich vor allem inszenatorisch und optisch überraschender Genre-Reißer, der sich vor seinen trashigen Kollegen in keiner Weise zu verstecken braucht und auch mit seiner 16er-Freigabe überraschend derb ans Eingemachte geht, was Body-Horror und brutale Auseinandersetzungen angeht. Dass hier zuweilen recht offenkundige Klischees bedient werden und eine recht stringente Schwarz-Weiß-Zeichnung betrieben werden, will ich dem Film dabei tatsächlich nicht einmal ankreiden, weil es so gut zum Erzählton und -duktus passt und er gleichermaßen als (anfänglicher) Kriegsfilm wie auch (zunehmend krachiger) Horror-Schocker funktioniert.

Fazit & Wertung:

Julius Avery kredenzt mit Operation: Overlord einen zwar geradlinig, aber auch ungemein konsequent inszenierten Horror-Actioner voller Trash-Attitüde, dem seine unerwartete Ernsthaftigkeit wie auch das vergleichsweise hohe Budget ungemein gut zu Gesicht stehen und der von vorne bis hinten als krawallige Genre-Perle überzeugt. Neben der nicht übermäßig namhaften, aber charismatischen Besetzung punktet er dabei vor allem in Sachen Make-Up- und Kreaturen-Design.

8 von 10 grausigen Experimenten

Operation: Overlord

  • Grausige Experimente - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Julius Avery kredenzt mit Operation: Overlord einen zwar geradlinig, aber auch ungemein konsequent inszenierten Horror-Actioner voller Trash-Attitüde, dem seine unerwartete Ernsthaftigkeit wie auch das vergleichsweise hohe Budget ungemein gut zu Gesicht stehen und der von vorne bis hinten als krawallige Genre-Perle überzeugt. Neben der nicht übermäßig namhaften, aber charismatischen Besetzung punktet er dabei vor allem in Sachen Make-Up- und Kreaturen-Design.

8.0/10
Leser-Wertung 10/10 (1 Stimme)
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Operation: Overlord ist am 21.03.19 auf DVD, Blu-ray und 4K UHD Blu-ray bei Paramount Pictures erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

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