Review: Bonding | Staffel 2 (Serie)

Kommen wir heute zu einer Nischen-Serie, bei der ich gar nicht mehr mit einer Verlängerung gerechnet hätte, auch wenn die bereits vor geraumer Zeit angekündigt worden ist, denn einerseits ist viel Zeit vergangen, andererseits hat die Pandemie ja auch ganz andere Projekte versanden lassen. Umso schöner, jetzt Mistress May und Master Carter doch noch erneut begegnen zu können, denn die Serie hat wenig von ihrem skurrilen Charme eingebüßt, wie ihr nachfolgend werdet lesen können.

Bonding
Staffel 2

Bonding, USA 2019-, ca. 19 Min. je Folge

Bonding | © Netflix
© Netflix

Serienschöpfer:
Rightor Doyle
Showrunner:
Rightor Doyle

Regisseur:
Rightor Doyle
Autoren:
Rightor Doyle
Olivia Troy (2.02, 2.06)
Nana Mensah (2.03, 2.05)

Main-Cast:
Zoe Levin (Tiff)
Brendan Scannell (Pete)

in weiteren Rollen:

Micah Stock (Doug)
Theo Stockman (Josh)
Nana Mensah (Mistress Mira)
Matthew Wilkas (Rolph)
Kristin Villanueva (Sweet Charlotte)
Alex Hurt (Frank)
Gabrielle Ryan (Portia)
Annapurna Sriram (Kassandra)
Vanessa Rubio (Gina)
Alysha Umphress (Murphy)
Darrell Britt-Gibson (Dickie)
Cristina Pitter (Lola)
Kevin Kilner (MJP)
Charles Gould (Fred)

Genre:
Komödie | Drama

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Bonding | © Netflix
© Netflix

Nachdem Mistress May und Master Carter nach jüngsten Ereignissen in der BDSM-Szene in Ungnade gefallen sind, legt Tiffs frühere Mentorin Mistress Mira den beiden nahe, einen Grundlagen-Kurs zu besuchen, um sich von der Pike auf neu zu orientieren und wichtige Tugenden der Profession erneut ins Bewusstsein zu rufen, ums ich damit zu rehabilitieren. Währen Tiff die die Sache ernst nimmt, stört sie sich vermehrt daran, dass es für Pete alles ein großer Witz zu sein scheint, zumal der sich ohnehin seiner Erfahrungen bedient, um sein Stand-Up-Comedy-Programm damit aufzupeppen, was sie zunehmend verprellt. Auch privat ist nicht alles eitel Sonnenschein, denn nachdem Tiff öffentlich gemacht hat, womit sie ihre Brötchen verdient, hat sie sich mit all den Vorurteilen auseinanderzusetzen, die das so mit sich bringt, während es ihr immer noch schwerfällt, Doug als ihren festen Freund zu betrachten. Pete derweil muss staunend feststellen, dass Josh sich noch längst nicht auf der Arbeit und gegenüber seinem Vater geoutet hat, was das private Zusammensein natürlich immens erschwert…

Rezension:

Als ich schon gar nicht mehr damit gerechnet hatte – schließlich liegt die Veröffentlichung der ersten Staffel nun schon beinahe zwei Jahre zurück – wurde kürzlich von Netflix die Veröffentlichung der zweiten Staffel Bonding angekündigt und seit Ende Januar ist die nun eben auch beim Streaming-Riesen verfügbar. Um es gleich vorwegzunehmen, scheint es mir aber auch so, dass die Geschichte damit auserzählt ist, denn anders als das vorangegangene Staffelfinale wirkt das hier nun alles doch sehr ultimativ und abschließend, wird vor allem aber zu einem befriedigenden Ende gebracht, bei dem ich mir nur schwer vorstellen könnte, wie man die Story nun überzeugend weiterspinnen könnte. Das liegt vorrangig daran, dass die Show ihren Reiz natürlich zuvorderst aus dem ungewöhnlichen Protagonisten-Duo bezieht, die hier eine absurde Allianz bilden und gemeinsam mehr schlecht als recht durch die BDSM-Szene lavieren. Die stehen zwar auch hier wieder im Fokus der Ereignisse, doch einerseits wird den Nebenfiguren hier deutlich mehr Raum zugestanden, andererseits driften die Lebensentwürfe von Tiff und Pete in zunehmend divergierende Richtungen, was ihre Freundschaft und den unbedingten Zusammenhalt auf eine harte Probe stellen wird.

Szenenbild aus Bonding | © Netflix
© Netflix

Bis es so weit aber kommt, nimmt sich Bonding ausgiebig Zeit und vermag leider in der ersten Staffelhälfte kaum mehr, als die Figuren erneut in Stellung zu bringen, neue Konfliktherde aufzubauen und auffallend nebensächlich Ausflüge in die Szene zu inszenieren, denn auch wenn nun Tiff und Pete auf Anraten von Tiffs früherer Mentorin einen Domina-Grundkurs besuchen müssen, um sich zu rehabilitieren und auf die Basics ihrer Tätigkeit zu besinnen, geht das doch im Beziehungs- und Charakter-Drama zuweilen etwas unter. Dennoch ist es schön, tiefere Einblicke zu den Figuren spendiert zu bekommen und der Spagat gelingt auch hier grundsätzlich wieder gut, denn eines der Alleinstellungsmerkmale der Serie ist eben, dass sich hier mehr oder minder absurder Humor und eine gewisse Ernsthaftigkeit nicht nur die Waage halten, sondern sich auch immer wieder gegenseitig bedingen, wenn die Lektionen, die Tiff erteilt werden, sich über Umwege eben auch auf ihr Privatleben und die Beziehung zu Doug übertragen lassen. Nichtsdestotrotz aber ist es im Grunde die zweite Hälfte der Staffel, die mich wirklich wieder zu überzeugen wusste und nicht nur an Ernsthaftigkeit zulegt, sondern auch die beiden Hauptfiguren und ihre Alter Egos Mistress May und Master Carter wieder mehr in den Vordergrund rückt.

Insbesondere Petes Karriere als Stand-Up-Comedian nimmt hier merklich an Fahrt auf und darf in der zweiten Hälfte für einige grandiose Szenen herhalten, sehr zum Missfallen von Tiff wiederum, die ihren Beruf und ihre Profession in den Schmutz gezogen sieht, zumal sie selbst nach ihrem "Outing" mit all den Klischees und Vorurteilen klarkommen muss, die beispielsweise in Dougs Freundes- und Bekanntenkreis vorherrschen und folglich immer wieder Thema sind. Hier offenbart Bonding in Kombination mit Tiffs und Petes gemeinsamer Vergangenheit einiges an dramaturgischem Potential, steht sich mit der knappen Laufzeit der einzelnen Episoden aber auch erstmals öfter selbst im Weg. Denn bei knapp zwanzig Minuten fällt es zunehmend sichtlich schwer, amüsante Anekdoten aus der BDSM-Szene, Comedy-Auftritte und persönliche Befindlichkeiten und Dramen allesamt unter einen Hut zu bekommen. Das ändert derweil nichts an der grundsätzlichen Kurzweil, mit welcher die Serie auch in ihrem zweiten – und mutmaßlich letzten- Jahr punktet, auch wenn es sich wie zuvor verhält, dass sie weder als waschechtes Drama noch als lupenreines Comedy-Format wirklich zu punkten vermag.

Szenenbild aus Bonding | © Netflix
© Netflix

Allerdings vermag Rightor Doyle als alleiniger Regisseur und federführender Drehbuchautor – mit sporadischer Hilfe von Olivia Troy und Nana Mensah – wieder einiges in den Episoden unterzubringen, zumal deren gestrafftes Format natürlich regelrecht zum Binge-Watching animiert und verleitet, was allerdings zur Folge hat, dass man wieder einmal viel zu schnell durch ist mit der zweiten Staffel Bonding, die sich nach bemühtem (Wieder-)Einstieg erst langsam, aber dafür stetig zu steigern weiß. Ich für meinen Teil hatte auch hier wieder meinen Spaß, begrüße aber auch das zufriedenstellende Ende der Staffel, denn so ist es mir allemal lieber, als wenn man neuerlich Gefahr liefe, dass Netflix das Thema schlichtweg versanden lassen würde. Fakt ist und bleibt, dass es sich sowohl thematisch als auch inszenatorisch um ein mutiges und erfrischendes Format gehandelt hat, das auf reichlich charmante Weise unter Beweis stellt, dass es nicht immer das nach Schema F produzierte Drama sein muss, um überzeugen zu können. Und dennoch wäre mehr drin gewesen, hätte man nur mehr Zeit gehabt, einerseits den Figuren, andererseits den Kinks Raum zur Entfaltung zu geben.

Fazit & Wertung:

Die zweite Staffel Bonding startet zwar wenig mitreißend, vermag sich aber – wie schon die Staffel zuvor – im Verlauf der gerade mal acht Episoden zunehmend zu steigern und vermag grundsätzlich wieder absolut gelungen und kurzweilig zu unterhalten, derweil der Abschluss darauf deutet, dass die Geschichte von Mistress Mae und Master Carter damit auserzählt sein dürfte.

7 von 10 ungewöhnlichen Fetischen

Bonding | Staffel 2

  • Ungewöhnliche Fetische - 7/10
    7/10

Fazit & Wertung:

Die zweite Staffel Bonding startet zwar wenig mitreißend, vermag sich aber – wie schon die Staffel zuvor – im Verlauf der gerade mal acht Episoden zunehmend zu steigern und vermag grundsätzlich wieder absolut gelungen und kurzweilig zu unterhalten, derweil der Abschluss darauf deutet, dass die Geschichte von Mistress Mae und Master Carter damit auserzählt sein dürfte.

7.0/10
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Episodenübersicht: Staffel 2

01. Neujahrsvorsätze (6,5/10)
02. Hundstage (6,5/10)
03. Der Persönliche (6,5/10)
04. Dreier (6,5/10)
05. Nanci (7/10)
06. Das verlorene Ei (7/10)
07. Ein fesselnder Auftritt (7,5/10)
08. Erlaubnis (7,5/10)

 
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Bonding | Staffel 2 ist seit dem 27.01.21 exklusiv bei Netflix verfügbar.

vgw

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