Review: Red Notice (Film)

Jetzt will ich doch auch noch meinem Senf zu dem Film dazugeben, auch wenn der Hype natürlich schon längst wieder verraucht ist, denn mit seinen vielen, teils gravierenden Schwächen ist er natürlich auch irgendwo prädestiniert für den (inoffiziellen) Schlechte-Filme-Donnerstag.

Red Notice

Red Notice, USA 2021, 118 Min.

Red Notice | © Netflix
© Netflix

Regisseur:
Rawson Marshall Thurber
Autor:
Rawson Marshall Thurber

Main-Cast:
Dwayne Johnson (John Hartley)
Ryan Reynolds (Nolan Booth)
Gal Gadot (The Bishop)
in weiteren Rollen:
Ritu Arya (Inspector Urvashi Das)
Chris Diamantopoulos (Sotto Voce)

Genre:
Action | Abenteuer | Komödie | Krimi

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Red Notice | © Netflix
© Netflix

Man erzählt sich von drei immens wertvollen, reich verzierten, goldenen Eiern, die einst Marcus Antonius seiner Geliebten Kleopatra zum Geschenk gemacht haben soll und eines dieser Eier wird nun in einem Museum in Rom ausgestellt. Verständlich, dass aus Angst vor einem Kunstraub die Sicherheitsvorkehrungen immens sind und unter anderem ist auch FBI-Profiler John Hartley zugegen, als der findige Meisterdieb Nolan Booth versucht, womit alle gerechnet haben. Der entkommt zwar letztendlich mit dem erbeuteten Ei, doch Hartley wiederum gelingt es, ihn kurz darauf doch noch zu stellen. Dann aber mischt sich eine weitere Partei in die Angelegenheit und die Person, die schlicht nach der Schachfigur des Bishop – zu Deutsch der Läufer – benannt ist, entwendet wiederum erneut das Ei, lässt es allerdings so aussehen, als sei auch Hartley an der Sache beteiligt. Plötzlich findet der sich gemeinsam mit Booth in einem Gulag fernab der Zivilisation wieder und muss sich wohl oder übel mit dem geschwätzigen Gauner zusammentun…

Rezension:

Ich war ja durchaus gespannt, was das vollmundig und vielfach angepriesene Prestigewerk der Netflix-Schmiede anbelangt, das schon im Vorfeld für einiges Aufsehen sorgte, auch wenn ich mir durchaus bewusst gewesen bin, dass hier schlichtweg mit großen Namen und noch größerem Budget ein Hype kreiert werden sollte – und wurde – dem der Film kaum gerecht werden könnte, selbst wenn er denn qualitativ überzeugen könnte. Dem ist aber leider nicht einmal so, so dass Red Notice schon dramaturgisch eine mittelschwere Enttäuschung darstellt. Dabei kommt es aber wie so oft auch wieder darauf an, mit welchen Erwartungen man sich dem Projekt nähert, denn als absolut nicht ernst zu nehmende Blödel-Action macht der Film jetzt nicht die schlechteste Figur, gibt sich ansonsten aber dummerweise weit cleverer, als er eigentlich ist und erdreistet es sich dann noch, die Zuschauer für blöd zu verkaufen. Damit beziehe ich mich auf einen hanebüchenen Twist im letzten Drittel, der clever sein will und überraschen möchte, dadurch aber manch vorangegangene Szene gänzlich ad absurdum führt, ohne da jetzt freilich weiter ins Detail gehen zu wollen.

Szenenbild aus Red Notice | © Netflix
© Netflix

Das sind natürlich Patzer, um nicht zu sagen Schlampigkeiten, die man sich weder als Drehbuchautor noch Regisseur leisten sollte und dürfte, wobei die Schuld in beiden Fällen Rawson Marshall Thurber (Wir sind die Millers) trifft, der hier letztlich den einfachen Weg geht und sich munter an anderen Filmen und Franchises bedient um daraus etwas zu zimmern, das das Wort Handlung eigentlich kaum verdient, sondern mehr ein Vorwand ist, unterschiedlichste Setpieces rund um den Globus aneinanderzureihen und dabei Johnson für seine Marke Teremana Tequila sowie Reynolds für seinen Aviation American Gin Werbung machen zu lassen. Das mag natürlich auf einer augenzwinkernden Meta-Ebene auch fast schon wieder witzig sein, ist letzten Endes aber auch einfach nur sehr dreistes Marketing. Ähnlich verhält es sich mit den zahllosen Anspielungen auf Indiana Jones, die man wahlweise charmant oder eben einfach nur sehr platt und plump finden kann. Zumindest macht der Film mehr als deutlich, dass ihm derartige Querverweise und Albernheiten weit mehr bedeuten als die eigentliche Handlung, denn auch wenn man sich als Action-Komödie präsentiert und man inhaltlich mitnichten alles auf die Goldwaage legen muss, ist es doch schön, wenn die Story zumindest grundsätzlich Sinn ergibt.

Stattdessen zimmert Thurber ein erzählerisch notdürftig ausgestattetes Vehikel, bei dem Interpol zu einer schwerbewaffneten Weltpolizei mutiert, die Kunsträuber über den gesamten Globus jagen kann, sich dafür anscheinend aber keinen Profiler leisten kann, den man dann kurzerhand beim FBI ausleiht. Diesem Profiler, dem Dwayne Johnson Auftreten und Stimme leiht, kauft man seinen Job, seine Profession, sein Auftreten aber kaum ab und Johnson befindet sich ohnehin mehr im Blödel-Modus im Stile der Jumanji-Filme, was gleichsam für Ryan Reynolds gibt, der hier im Grunde eine handzahme Version von Deadpool zum Besten gibt. Nicht falsch verstehen, auch das hat seinen Unterhaltungswert und Daseinsberechtigung, aber Red Notice hätte schon durchaus mit halbwegs eigenständigen Figuren aufwarten können, anstatt auch hier auf Abziehbilder anderer Heist- oder Abenteuerfilme zurückzugreifen. Ruhmreich positive Ausnahme ist in diesem Reigen Gal Gadot (Die Jones), die sich zumindest merklich reinhängt, was ihre Figur betrifft, während das Buddy-Duo sich damit begnügt, routiniert ihr Programm abzuspulen. Umso ärgerlicher, dass dadurch die Bemühungen seitens Gadot teils unterlaufen werden, derweil sie ohnehin hinter ihren beiden Co-Stars zurücksteht, die ungleich lauter und exaltierter daherkommen.

Szenenbild aus Red Notice | © Netflix
© Netflix

So hat man hier in Summe einen ungemein krawalligen, umtriebigen, ja teils regelrecht hektischen Mischmasch aus allerlei Filmen und Genre-Ansätzen, das sich kaum ernst nehmen mag, leider dabei aber auch die Dramaturgie versemmelt und gleichsam die Zuschauenden zum Besten zu halten versucht. So wirklich überzeugen tut da eigentlich nichts, zumal auch in Sachen Action und Inszenierung kaum etwas Neues, Überraschendes oder Weltbewegendes seinen Weg in den Film gefunden hat, wenn man einmal vom erstmaligen Einsatz von First-Person-View-Drohnenaufnahmen absieht. Stattdessen hat es teils abgewürgte, teils unglaubwürdige Action, manchmal sogar richtig mittelmäßige Effekte und nicht zuletzt einen Film, der sich für weitaus cleverer hält, als er eigentlich ist, was dann auch auf die Figuren zurückfällt, die man schlussendlich kaum noch für voll nehmen kann. Ansehen kann man sich das sicherlich, doch sind die Genre-Vertreter, aus denen sich Red Notice zusammenklaut, für sich genommen doch stets die bessere Wahl. Damit handelt es sich um einen auf Hochglanz polierten – und teils recht aggressiv beworbenen – No-Brainer, der einzig auf der humoristischen Schiene zuweilen überzeugt.

Fazit & Wertung:

Der von Rawson Marshall Thurber geschriebene und inszenierte Red Notice wäre gerne mitreißende Verquickung von Agenten-Thriller, Heist und Abenteuerfilm, ist jedoch für nichts davon smart und clever genug. Da helfen dann auch die namhaften Stars nicht, die im Grunde meist lediglich routiniert ihr übliches Repertoire abspulen. Besonders krankt der Film aber an seiner nicht wirklich kohärenten Handlung, die mit Logik ohnehin wenig anzufangen weiß.

5 von 10 geraubten Kunstschätzen

Red Notice

  • Geraubte Kunstschätze - 5/10
    5/10

Fazit & Wertung:

Der von Rawson Marshall Thurber geschriebene und inszenierte Red Notice wäre gerne mitreißende Verquickung von Agenten-Thriller, Heist und Abenteuerfilm, ist jedoch für nichts davon smart und clever genug. Da helfen dann auch die namhaften Stars nicht, die im Grunde meist lediglich routiniert ihr übliches Repertoire abspulen. Besonders krankt der Film aber an seiner nicht wirklich kohärenten Handlung, die mit Logik ohnehin wenig anzufangen weiß.

5.0/10
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Red Notice ist seit dem 12.11.21 exklusiv bei Netflix verfügbar.

vgw

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